Adrian Kaether
· 14.06.2026
Unsere Empfehlung: Die Schaltung kaufen, die zum Einsatzbereich passt! Shimano Hyperglide (Deore, XT, GRX) für Sportfahrer, Linkglide (Cues) für E-Biker. Schaltgetriebe haben universelle Vorteile bei der Wartung. Wer nur im Flachen fährt, braucht keine Mountainbike-Übersetzung. Gelegenheitsradler müssen nicht zwangsläufig zu sehr dauerhaltbaren Premium-Optionen greifen. Und: Die beste Schaltung schaltet schlecht, wenn sie mies eingestellt oder verschlissen ist. Wer unzufrieden mit der Performance seiner Gangwechsel ist, sollte hier als erstes Hand anlegen.
Hinweis: In diesem Artikel schauen wir uns explizit die verbreitetsten Schaltungen für Tourenräder und E-Bikes an. Deswegen bleiben Rennrad- und Gravel-Schaltungen außen vor. Und auch reine MTB-Systeme wie Srams Transmission, da sie an Tourenräder kaum verbaut wird. Specialized hat bislang als einziger das Transmission-Potential auch fürs Tourenrad erkannt. Alle Infos zu den aktuellsten MTB-Systemen findet ihr hier:
Die meisten Fahrräder – gerade wenn sie günstig sein sollen, kommen mit Kettenantrieb. Das Prinzip ist bewährt, Ersatzteile sind günstig und leicht zu bekommen. Außerdem kann man Ketten auch gut unterwegs reparieren, das nötige Werkzeug vorausgesetzt. Das geht beim Riemen nicht. Doch die Kette hat klare Nachteile. Die Pflege ist aufwändiger und kann für Neueinsteiger oder technisch wenig Interessierte ein echtes Ärgernis sein. Außerdem sind Folgekosten für Schmiermittel und zum Putzen vorprogrammiert.
Das alles entfällt bei Fahrrädern mit Riemenantrieb. Sie kommen entweder als Singlespeed-Räder ohne Gangschaltung für die Stadt, oder sind mit einem Getriebe oder einer Nabenschaltung ausgestattet. Den Riemen muss man kaum putzen und nicht Ölen, er macht fast keine Geräusche und die Haltbarkeit ist auch deutlich größer als bei einer Kette. Der hohe Preis der Ersatzteile kann das aber zum Teil relativieren. Ein Verschleiß-Set mit Riemen und Zahnscheiben kostet leicht 300 Euro – selbst sehr teure Ketten und Kassetten sind günstiger.
Kettenschaltungen sind günstig und enorm vielseitig. Daher sind sie Standard an den meisten Tourenrädern. Mittlerweile schalten selbst einfache Modelle viele Gänge knackig und zuverlässig durch. Die Kombination aus Gewicht und Bandbreite ist unübertroffen. Sportler schätzen das direkte Tretgefühl, die hohe Effizienz und die Schaltvorgänge ohne Lastunterbrechungen. Allerdings: Kettenschaltungen verschleißen im Dauerbetrieb schnell und brauchen viel Wartung und Pflege. Kettenschaltungen gibt es mechanisch mit Seilzug, oder neuerdings elektronisch angesteuert. Dann können sie oft auch automatisch schalten. Die Bedienlogik ist bei vielen Fahrradfahrern ins Blut übergangen, aber nicht per se intuitiv.
Hier kommen Schaltgetriebe ins Spiel. Die gesamte Mechanik läuft vollständig verschleißfrei und braucht kaum Wartung. Anders als bei Kettenschaltungen kann man mit Getriebe-Lösungen auch im Stand schalten. Getriebe sind dafür teuer und schwer und bieten nicht so eine hohe Effizienz und Bandbreite, Edel-Lösungen von Rohloff und Pinion ausgenommen.
Seit ihrem Siegeszug in den 80ern steht Shimanos XT synonym für Premium-Qualität – und auch eine lange Haltbarkeit wird gerne assoziiert. Sie prinzipiell zu empfehlen, wäre aber Unsinn. Gerade teure Kettenschaltungen sind oft auf eine möglichst knackige Schaltperformance und ein niedriges Gewicht ausgelegt. Auch zulasten der Halbarkeit. Eine hohe Bandbreite und feine Abstufung können ebenfalls den Preis treiben und fördern auch den Verschleiß.
>> Warum E-Bikes spezielle Schaltungen brauchen: Technik und Kaufberatung
Die Bandbreite gibt an, wie groß der Unterschied zwischen dem größten und dem kleinsten Gang einer Schaltung ist. Wer viel in steilem Gelände oder mit viel Gepäck unterwegs ist, gleichzeitig aber bergab noch voll mittreten will, braucht also eine Schaltung mit einer großen Bandbreite. So gehen weder im steilen Anstieg, noch in einer schnellen Abfahrt die Gänge aus. Trekkingbikes hatten deswegen lange drei Kettenblätter vorne, um diesen Spagat zu ermöglichen. Mittlerweile hat Shimano die Dreifach-Antriebe aber ausrangiert. Modelle wie die Cues 8000 mit 2x11 Gängen bieten mit bis zu 650 % Bandbreite eine noch größere Gangabstufung als die älteren Dreifach-Antriebe mit um 600 %.
| Modell | Bandbreite |
| Cues 8000 2x11 | 650 % |
| Pinion MGU E1.12 | 600 % |
| Rohloff 500/14 | 526 % |
| Deore 1x11 | 510 % |
| GRX 400 2x11 | 475 % |
| Alfine 11 | 409 % |
| Enviolo HD | 380 % |
| Nexus 5E | 263 % |
Eine hohe Bandbreite hat aber natürlich auch Nachteile: Die Technik ist tendenziell teurer, schwerer und anfälliger. Wer mit wenigen Gängen eine hohe Bandbreite realisiert, riskiert große Sprünge zwischen den einzelnen Gängen, was auch ungünstig sein kann. Auch hier sind die Schaltungen deswegen fein auf den jeweiligen Einsatzbereich abgestimmt. Die Cues 8000 setzt auf eine hohe Bandbreite und viele Gänge. Ähnlich Pinion und Rohloff im Getriebe-Bereich. Bei der GRX-Kettenschaltung ist die Bandbreite nicht so groß, damit die Gänge für den sportlichen Einsatz feiner abgestuft sein können. Primär für E-Bikes entwickelte Systeme wie die Nexus 5E oder auch die Enviolo geben sich mit weniger Bandbreite zufrieden. Gerade im Getriebebereich spart das schlicht und einfach Geld.
Neben der Bandbreite spielt vor allem bei steilen Anstiegen mit Gepäck noch ein zweiter Faktor eine große Rolle: die Entfaltung. Sie beschreibt, wie weit sich das Rad mit einer Kurbelumdrehung mindestens vorwärts bewegt. Um das zu veranschaulichen, haben wir unten die Werte der kleinsten Gänge typischer Schaltungen aufgetragen.
Auffällig: Viele Kettenschaltungen wie Cues und Deore aber auch Rohloff und Pinion bieten auch sehr kleine Gänge. Hier bewegt sich das Rad mit einer Kurbelumdrehung nur rund 1,5 Meter vorwärts. Das entspricht bei entspannten 70 Pedaltritten pro Minute etwa 6 km/h – langsam genug für steile Anstiege. Enviolo, Alfine und auch die Trekking-Nexus haben dagegen eine Entfaltung von über zwei Metern, das entspricht 10 km/h und mehr. Da für diese Schaltnaben feste Übersetzungen mit großen Kettenblättern vorne und kleinen Ritzeln hinten vorgeschrieben sind, kann der Wert nicht unterschritten werden. In der Praxis fehlen dadurch oft ein, zwei leichte Gänge für steiles Gelände oder Fahren mit Gepäck.

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