Die kurze Antwort ist: Ja, E-Bikes brauchen andere Schaltungen. Durch die hohe Last auf der Kette können klassische Fahrrad-Schaltungen schon nach wenigen hundert Kilometern reif für die Tonne sein. Speziell fürs E-Bike optimierte Schaltungen (Shimano Linkglide, Sram Transmission) und wartungsarme Schaltgetriebe schlagen sich da deutlich besser. Von der Kombination aus starkem Mittelmotor und klassischer Hyperglide Schaltgruppe wie Deore oder XT sollte man die Finger lassen!
Die Szene kennen viele Biker: Rad nur schnell zur Inspektion gebracht und zack sind mehrere hundert Euro weg. Kette und Kassette mussten getauscht werden vermeldet der Bikeshop. Der Kunde wundert sich: Da ist doch die gute XT dran und im Übrigen ist das Rad erst wenige hundert Kilometer gelaufen?! Unmut ist vorprogrammiert, BIKE berichtete.
Die harte Wahrheit: Beide können recht haben. Der Bikeshop hat Verschleiß korrekt erkannt und Teile richtiggehend getauscht, obwohl auch der Kunde recht hat, dass grundsätzlich hochwertige Parts verbaut waren. Die Ursachen sind vielfältig und schaltfaules Fahren kann eine Rolle spielen. Aus unseren E-Bike Dauertests wissen wir aber: Auch wer richtig schaltet, kann filigrane Schaltgruppen schnell an die Verschleißgrenze bringen.
Das Problem: Auch an E-Bikes werden häufig Schaltungen verbaut, die nicht dafür vorgesehen sind. Viele Gänge, ein knackiges Schaltgefühl und ein geringes Gewicht sind eben klare Verkaufsargumente. Die erste richtige E-Bike Schaltung EX1 von Sram mit nur acht Gängen (hier im Test) war deswegen trotz hoher Dauerfestigkeit der absolute Flopp.
Mittlerweile haben die Schaltungshersteller aber nachgesteuert und spezielle E-Bike Schaltungen im Programm, die auch viele Gänge bieten. Shimanos Linkglide System, das vor allem bei der Cues zum Einsatz kommt, bietet stabilere Bauteile und schaltet bewusst langsamer und die Haltbarkeit der Schaltung deutlich zu erhöhen. Unser Favorit ist Srams Direct Mount Transmission Serie, die auch unter hoher Last auf der Kette besonders weich schaltet.
Entscheidend ist allerdings auch, wo der Motor verbaut ist. Viele City-Bikes und auch E-Gravelbikes setzen auf Naben-Motoren im Hinterrad. Die Motorleistung wird hier direkt auf das Hinterrad übertragen. Auf dem Antriebsstrang lastet nur die Tretleistung des Fahrers. Hier kann man bedenklos auch zu konventionellen Leichtbau-Schaltungen wie Shimanos Hyperglide (GRX, XT und Co.) greifen. Sie rasten etwas schneller ein und sparen Gewicht.
Bei mittig im Rahmen verbauten Motoren wie zum Beispiel CX und PX von Bosch ist es anders. Hier läuft auch die gesamte Motorleistung neben der Tretleistung des Fahrers über Kette oder Riemen zum Hinterrad. Wer schon mal bei so einem E-Bike unter Volllast zu schalten versucht hat, weiß wozu das führen kann. Alles bis hin zum Kettenriss ist möglich. Für E-Bikes mit Mittelmotor empfehlen sich daher die speziellen E-Bike Schaltungen, die mit der hohen Leistung des Motors auch umgehen können.
Ebenso fürs E-Bike gut gerüstet sind die meisten Getriebe-Schaltungen. Der Grund: Hier wird in der Regel sowieso nicht unter Last geschaltet. Übermäßiger Verschleiß entfällt dadurch. Riemen oder Kette laufen außerdem ständig optimal in der Flucht, statt mit deutlichem Schräglauf wie bei Kettenschaltungen. Rohloff, Nexus, Pinion, 3x3 und Co. sind daher eine gute und haltbare Option, auch am E-Bike. Der Nachteil ist der oft höhere Preis.

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