Fazua, TQ, Specialized & Co5 leichte E-Bike-Motoren im Test

Florentin Vesenbeckh

 · 25.10.2022

Fazua, TQ, Specialized & Co: 5 leichte E-Bike-Motoren im TestFoto: Georg Grieshaber
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Leicht, leise, unauffällig: Mit diesen Merkmalen wollen Light-E-MTBs den Markt erobern. Neue Motoren, wie der Fazua Ride 60 und der TQ HPR 50, bringen Schwung in die Kategorie. Wir haben die spannendsten E-Bike-Antriebe in Labor und Praxis getestet.

Wo liegt aktuell der Nabel der E-MTB-Welt? Genau, in Deutschland. Genauer genommen in Bayern. Denn zwei Motorenhersteller aus dem Freistaat wirbeln den E-Bike-Markt gehörig durcheinander. TQ und Fazua. Stichwort: Light-E-MTB. Allen voran Bikes mit dem neuen Ride 60 von Fazua füllen die News-Portale. Auch TQ und Trek haben bei der Markteinführung des HPR 50 mit vollmundigen Versprechen ordentlich Aufmerksamkeit erregt. Und jetzt kommen mehr und mehr E-Bikes mit dem kleinen Flüstermotor hinterher. Zum Beispiel der Down-Country-Flitzer von BMC oder das All-Mountain bzw. Enduro-Duo von Simplon. Doch was macht die neuen Antriebe aus? Und was können sie besser als ihre Vorgänger? Für unseren Test haben wir fünf leichte E-Bike-Motoren einem ausführlichen Prozedere in Labor und Praxis unterzogen, um die Stärken, Schwächen und Charaktere möglichst detailliert und objektiv herauszuarbeiten. In einer umfangreichen Artikelserie stellen wir die Light-Antriebe im Laufe der nächsten Tage vor.

Verlagssonderveröffentlichung
Für unseren Motorentest haben wir einen enormen Aufwand betrieben. Neben ausführlichen Praxistests mit mehreren Testfahrern haben wir jeden Motor auf dem Rollenprüfstand im Testlabor von PT Labs analysiert und dabei pro Antrieb über 14000 Datenpunkte ausgewertet.
Foto: Adrian Kaether
Der große EMTB-Motorentest in Bildern

Die E-Bike-Motoren im Test

In unserem Testfeld treffen Newcomer auf bewährte Motoren. Specia­lized mit seinem SL 1.1 und der EP8 RS (Shimano/Orbea) haben in den vergangenen Jahren das Light-Segment am E-Bike-Markt etabliert. Der große Herausforderer ist Fazuas Neuling Ride 60. Mit Forestal aus Andorra und Maxon aus der Schweiz haben wir zudem zwei kleine, innovative Marken im Test, die dem Segment ihre ganz eigenen Noten hinzufügen. Leider konnten wir den HPR 50 von TQ nicht in den direkten Vergleich der Light-Antriebe mit aufnehmen. Der bayerische Motorenhersteller und sein Entwicklungspartner Trek wollten explizit nicht an unserem umfangreichen Testprogramm, insbesondere den Labormessungen, teilnehmen. So stand uns zum Zeitpunkt unseres Vergleichstests kein Bike mit dem TQ-Motor zur Verfügung. Dennoch: Wir kennen auch den HPR 50 bereits sehr gut und ordnen den Leisetreter im Rahmen dieses Tests ebenfalls mit ein. Auch vom BH 2EXMag hatten wir ein Testbike vergeblich angefragt. Einen ausführlichen Eindruck des Antriebs der Spanier gibt´s hier! Alle Kandidaten unseres E-Bike-Motorentests und erste Messwerte sowie Testdaten gibt’s in der Bildergalerie:

Forestal schickt mit dem F60-S1 einen kompakten und leichten Antrieb ins Rennen. Entwickelt wurde der Motor gemeinsam mit Bafang. Gewicht: 2,03 kg (EMTB-Labormessung), Drehmoment: 60 Nm (Herstellerangabe).
Foto: Markus Greber
Die Motoren im Größenvergleich.  Maxon, Fazua und Forestal (oben, v.l.n.r.), sowie Shimano/Orbea und Specialized (unten, v.l.n.r.). Während Forestal, Specialized und Shiman0/Orbea auf klassische Bauformen setzen, stecken die E-Motoren bei Fazua und Maxon im länglichen Fortsatz räumlich getrennt vom Getriebe. Im Bike integriert wirken Maxon und Fazua dadurch besonders schlank.Foto: Georg Grieshaber
Die Motoren im Größenvergleich. Maxon, Fazua und Forestal (oben, v.l.n.r.), sowie Shimano/Orbea und Specialized (unten, v.l.n.r.). Während Forestal, Specialized und Shiman0/Orbea auf klassische Bauformen setzen, stecken die E-Motoren bei Fazua und Maxon im länglichen Fortsatz räumlich getrennt vom Getriebe. Im Bike integriert wirken Maxon und Fazua dadurch besonders schlank.

Das Konzept Light-E-MTB

Doch was steckt eigentlich hinter dem Light-Konzept bei E-Bikes? Alle Systeme haben das Streben nach leichteren E-Mountainbikes gemein. Das gelingt über zwei Ansätze. Erstens: Die E-Bike-Motoren liefern weniger Leistung und können dadurch leichter gebaut werden. Zweitens: Da weniger Leistung auch weniger Strom frisst, setzen die Systeme zudem auf kleinere Akkus. Kleinere Batterien wiederum erlauben schlankere Rahmen, insbesondere Unterrohre. In Summe spart das im Vergleich zu einem Bosch-System mit 750er-Akku zwischen zwei und vier Kilo.

Mit spielerischer Leichtigkeit durch die Landschaft gleiten. Das ist das Ziel der Light-E-MTBs.Foto: Skyshot/Greber
Mit spielerischer Leichtigkeit durch die Landschaft gleiten. Das ist das Ziel der Light-E-MTBs.

Die Hersteller gehen bei diesen Sparmaßnahmen unterschiedlich drastisch vor. Selten waren die Differenzen in einem Motorentest so deutlich. Batterien zwischen 250 und 540 Wattstunden und obendrein große Schwankungen bei Leistung und Gewicht. So finden sich im Test Antriebe, die durchaus klassischen E-MTBs Konkurrenz machen können. Am anderen Ende liegen minimalistische Ansätze, die eher Biker ansprechen, die sich ein klassisches Mountainbike mit eingebautem Rückenwind wünschen. Welcher Motor der Beste ist, hängt bei der Light-Klasse also mehr denn je vom Einsatzbereich und den persönlichen Vorstellungen ab. Der Gewichtsunterschied zum dicken Bosch-Antrieb (2 bis 4 Kilo) zeigt allerdings auch: Um wirklich leichte Bikes zu bauen, müssen die Hersteller weitere Sparmaßnahmen treffen und damit Kompromisse eingehen. So setzen die meisten Light-Bikes auf leichtere Laufräder und leichtere, aber auch weniger robuste Reifen. Zudem kommen mehr Anbauteile aus Carbon zum Einsatz, was den Preis in die Höhe treibt.

Die Akkus der leichten E-Bike-Antriebe

Drastischer Sparkurs oder beachtliche Reichweite? Hier fahren die Hersteller sehr unterschiedliche Konzepte. Maxon verbaut mit 250 Wattstunden den kleinsten Akku, Orbea mit 540 Wattstunden den größten. In diesen beiden Fällen passen die Energieträger zum Gesamtkonzept. Denn die Schweizer von Maxon haben ein sehr minimalistisches System, das auch von der Motorleistung im niedrigen Bereich liegt. Weniger Leistung frisst weniger Strom, so kommt man auch mit kleinerem Akku über die Runden. Der EP8 RS im Orbea ist hingegen relativ kräftig, dazu passt der größere Akku. So mausert sich der E-Bike-Antrieb vom Minimal-Spezialisten zum ausdauernden Allrounder. Doch das Gewicht des E-Bike-Motors fällt deutlich höher aus, wie unser Vergleich im nächsten Abschnitt deutlich zeigt. Unsere Testbikes und deren Akkugrößen haben wir in der folgenden Bildergalerie zusammengefasst:

Forestal betreibt seine Light-E-MTBs mit einem fest verbauten Akku mit 360 Wattstunden. Forestal Siryon Halo: 170 mm / 29 Zoll / 18,8 kg
  • Fazua Ride 60: Akku mit 430 Wh (je nach Bike-Modell fest verbaut oder entnehmbar), optionaler Range Extender mit 250 Wh
  • Forestal F60-S1: Akku mit 360 Wh, fest verbaut, optionaler Range Extender soll kommen
  • Maxon Bikedrive Air: Akku mit 250 Wh, fest verbaut, 360er-Akku soll 2023 folgen, ebenso ein optionaler Range Extender
  • Orbea/Shimano EP8 RS: Je nach Bike-Modell Akku mit 540 oder 360 Wh, fest verbaut, optionaler Range Extender mit 250 Wh
  • Specialized SL 1.1: Akku mit 320 Wh, fest verbaut, optionaler Range Extender mit 160 Wh
  • TQ HPR 50: Akku mit 360 Wh (je nach Bike-Modell fest verbaut oder entnehmbar), optionaler Range Extender mit 160 Wh

Gewichte im Vergleich: Das wiegen die leichten E-Bike-Motoren

Wir haben alle E-Bike-Motoren und Akkus ausgebaut und gewogen. Das macht unsere Werte perfekt vergleichbar. Um die Gewichte in Relation zu setzen, haben wir die Werte eines Bosch Performance CX Smartsystem mit aufgeführt. Der Vergleich zeigt: Das Systemgewicht ist am meisten von der Akku-Kapazität abhängig. Maxon setzt sich mit Mini-Batterie an die Spitze. Die Gewichte der E-Bike-Motoren liegen sehr nahe beieinander, einzig Orbeas EP8 RS ist deutlich schwerer als die Konkurrenz. Boschs Smart-System mit Powertube 750 liegt 1,9 bis 3,9 Kilo über den Light-Systemen.

  • Maxon Bikedrive Air: Motor 2,02 kg | Akku 1,43 kg (242 Wh) | System: 3,45 kg
  • TQ HPR 50: Motor: 1,89 kg | Akku: 1,85 kg (360 Wh) | System: 3,74 kg
  • Specialized SL 1.1: Motor: 1,95 kg | Akku: 1,84 kg (320 Wh) | System:3,79 kg
  • Forestal F60-S1: Motor: 2,03 kg| Akku: 1,9 kg (360 Wh) | System: 3,93 kg
  • Fazua Ride 60: Motor: 2,02 kg | Akku: 2,22 kg (432 Wh)| System: 4,24 kg
  • Orbea EP8 RS: Motor: 2,65 kg | Akku: 2,78 kg (540 Wh) | System: 5,43 kg
  • Bosch Perf. CX: Motor: 2,96 kg | Akku: 4,35 kg (750 Wh) | System: 7,31 kg

So haben wir getestet

Labortests sind ein Stück unserer Kern-Kompetenz. Wir sind der Meinung, dass sie unerlässlich sind, um die subjektiven Erkenntnisse aus der Praxis mit objektiven Daten zu unterfüttern. Sie helfen uns, Produkte nicht einfach nur auszuprobieren, sondern zu erforschen, zu analysieren, in ihr Innerstes zu blicken. Selten ist für den Leser zu erkennen, welcher Aufwand hinter solchen Tests steckt. Neben unzähligen Stunden im Praxiseinsatz haben wir daher alle leichten E-Bike-Motoren auch auf einem Rollenprüfstand im Prüflabor von PT Labs vermessen. Unsere Testeindrücke können wir so mit objektiven Leistungsdaten untermauern. Wir veröffentlichen erstmals objektiv vergleichbare Messdaten zur neuen Light-Klasse bei E-MTBs!

Erforschen statt erspüren: Der Rollenprüfstand im Prüflabor von PT Labs gibt uns die Möglichkeit, exakt vergleichbare Daten der Antriebe zu ermitteln.Foto: Adrian Kaether
Erforschen statt erspüren: Der Rollenprüfstand im Prüflabor von PT Labs gibt uns die Möglichkeit, exakt vergleichbare Daten der Antriebe zu ermitteln.

Neben den Maximalwerten für Leistung und Drehmoment haben wir auf dem Prüfstand auch die Reaktion der Antriebe auf den Fahrerinput analysiert. Und welcher E-Bike-Motor zieht auch bei höchsten Trittfrequenzen noch voll mit? Und wer hat Schwächen bei niedriger Kadenz? Für jeden einzelnen Antrieb spuckte der Motoren-Prüfstand des Schweinfurther Prüflabors 14.000 Datenpunkte aus, die wir gemeinsam mit Labor-Chef Veit Müller auszuwerten hatten.

Der Check in der Werkstatt: Alle E-Bike-Motoren und Akkus wurden ausgebaut, umfangreich gecheckt und mussten an der Waage zum Gewichtsvergleich antreten.Foto: Georg Grieshaber
Der Check in der Werkstatt: Alle E-Bike-Motoren und Akkus wurden ausgebaut, umfangreich gecheckt und mussten an der Waage zum Gewichtsvergleich antreten.

Außerdem haben wir alle Antriebe selbstverständlich komplett ausgebaut, gecheckt und gewogen. Für die Tests in Praxis und Labor haben wir alle E-Bikes mit den gleichen Schwalbe-Reifen (Magic Mary/Big Betty, Supertrail, Soft, 29 x 2,4 Zoll) und identischem Luftdruck aus­gestattet. Bei unseren Messfahrten mit hochwertiger Messtechnik von Garmin (Rally XC 200 Wattmesspedale, Edge-Computer) haben wir das Systemgewicht exakt angeglichen, um die leichten E-Bike-Antriebe unabhängig von den Rädern, in denen sie verbaut sind, zu betrachten.

Fahrgefühl, Ansprechverhalten, Ein- und Aussetzen der Motorpower: Vielen entscheidenden Faktoren kommt man nur mit ausführlichen Fahrtests auf die Schliche. Wir haben alle Antriebe im direkten Vergleich und auf ausgedehnten Touren getestet.Foto: Skyshot/Greber
Fahrgefühl, Ansprechverhalten, Ein- und Aussetzen der Motorpower: Vielen entscheidenden Faktoren kommt man nur mit ausführlichen Fahrtests auf die Schliche. Wir haben alle Antriebe im direkten Vergleich und auf ausgedehnten Touren getestet.

Die Ergebnisse des Motorentests

In den kommenden Tagen werden wir zu jedem Motor einen ausführlichen Testartikel veröffentlichen. Außerdem empfehlen wir die Lektüre unserer aktuellen Printausgabe EMTB 5/2022. Hier gibt´s den gesamten Test mit allen Ergebnissen en bloc - und viele weitere spannende Geschichten aus der Welt des E-Mountainbikens.

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