Herbst-InspektionMit 10 Schritten machen Sie Ihr E-Bike winterfit

Josh Welz

 · 29.11.2022

Herbst-Inspektion: Mit 10 Schritten machen Sie Ihr E-Bike winterfitFoto: Georg Grieshaber
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Biken bei Schmuddelwettter, das ist nicht Jedermanns Sache. Doch bevor es nun draußen richtig ungemütlich wird und das E-Bike vielleicht sogar in den Keller wandert, steht die große Herbst-Inspektion an. Diese 10 Punkte bekommen Hobbyschrauber selber hin.

Der Sommer 2022 war lang, heiß und trocken. So kamen bei vielen E-Mountainbikern sicher eine Menge Kilometer und Höhenmeter zusammen. Das hinterlässt Spuren: gute und weniger gute. Auf der Haben-Seite steht eine bessere Fitness, viele tolle Eindrücke und schöne Stunden im Sattel. Auf der Soll-Seite aber hat das E-MTB Federn lassen müssen. Deshalb sollten Sie Ihrem E-Bike - egal ob es nun in die Winterpause geht oder in die harten Wintermonate startet - eine Herbstinspektion gönnen. Und diese kann jeder Hobby-Schrauber ganz einfach selber machen. Mit unserem 10-Punkte-Plan und den hilfreichen Tipps, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Der 10-Punkte-Plan für die Do-it-yourself- Herbstinspektion an Ihrem E-Bike:

1 - Waschen: Erst Waschen, dann Schrauben, dann Schmieren. So ist die richtige Reihenfolge. Verzichten Sie auf den Dampfstrahler. Je mehr Teile Sie am Bike demontieren, desto gründlicher können Sie das Bike mit Bürste, Schwamm und Schlauch reinigen. Sie brauchen: 1 Eimer heißes Wasser, 1 Bike-Shampoo, 1 Bürste und den guten alten Gartenschlauch.

2 - Bremsbeläge: Viele Tiefenmeter schlagen sich vor allem an den Bremsen nieder. Und am E-MTB sowieso: E-Mountainbikes sind schwerer, und in der Regel extrem stabile Bereifung bietet enorme Traktion - gerade beim Bremsen. Dadurch verschleißen die Bremsbeläge am E-MTB deutlich schneller als an den meisten normalen Mountainbikes. Der Tausch der Beläge sollte spätestens bei 1 mm Restdicke erfolgen. Werkzeug brauchen Sie dazu nicht viel: ein kleiner Schraubenzieher* oder Inbus*, um den Sicherungsstift zu entfernen, ein Reifenheber*, um die Bremskolben zurückzudrücken - mehr ist nicht gefordert. Zeitaufwand: 10 Minuten pro Bremse.

Sicherungsschraube oder Splint entnehmen, Beläge nach oben aus dem Bremssattel nehmen. Die Trägerplatte darf nie Kontakt zur Bremsscheibe bekommen.Foto: Robert Kühnen
Sicherungsschraube oder Splint entnehmen, Beläge nach oben aus dem Bremssattel nehmen. Die Trägerplatte darf nie Kontakt zur Bremsscheibe bekommen.

3 - Reifen: Die Reifen haben Sie klaglos über kleinere und größere Hindernisse gebracht. Besonders felsiges Terrain setzt den Pneus zu. Beim Reifen-Check geht es nicht nur um die Profiltiefe. Haben Sie jetzt ein gutes Auge darauf, ob sich Stollen ablösen, in der Karkasse Risse oder Scheuerstellen zeigen. Ist das der Fall, wird es Zeit für einen Reifentausch. Dazu brauchen Sie an Werkzeug: 2 Reifenheber, gegebenenfalls Inbus für die Steckachsen, Pumpe, neuer Schlauch oder Dichtmilch. Zeitaufwand: 15-20 Minuten pro Reifen.

Kettenlänge mit der Messlehre checken!Foto: Daniel Simon
Kettenlänge mit der Messlehre checken!

4 - Antrieb: Am E-MTB verschleißen die Antriebskomponenten aufgrund der hohen Kräfte, insbesondere bei Schaltvorgängen, wie im Zeitraffer. Mit der Kette und den kleinen Ritzeln geht es in der Regel am schnellsten dahin. Die Kette sollte bei einer Längung von mehr als 0,5 % getauscht werden. Typisch bei Ritzeln: abgebrochene Zähne, Grate, Haifischzähne. Bei Shimano-Kassetten können Sie die kleinen Ritzel einzeln tauschen, bei Sram ist die ganze Kassette fällig. Werkzeug: Kettenlehre*, Kettennieter*, Kassettenabzieher*, Kettenpeitsche*. Zeitaufwand: Kettenwechsel 15 Minuten, Kassettenwechsel oder Wechsel einzelner Ritzel (Shimano) 30 Minuten.

5 - Schaltung: Wenn die Schaltung rasselt, der Schaltkäfig nicht mehr im Lot ist - dann ist der Herbst der richtige Zeitpunkt das wieder in Ordnung zu bringen. Auf Tour lässt sich das Schaltauge zur Not auch mal mit einem Inbus geradebiegen. Um es akkurat wieder auszurichten, braucht man aber eine spezielle Schaltaugen-Lehre. Wurde das Schaltauge schon öfter wieder gerade gebogen, empfiehlt sich ohnehin ein Wechsel- sonst besteht die Gefahr, dass es auf der nächsten Tour abbricht. Nach dem Wechsel müssen Sie die Schaltung neu justieren. Werkzeug: großer Inbus, kleiner Inbus oder Kreuzschlitz. Zeitaufwand: etwa 30 Minuten.

Die Flucht zwischen Schaltarm und Ritzeln muss zuallererst stimmen.Foto: Adrian Kaether
Die Flucht zwischen Schaltarm und Ritzeln muss zuallererst stimmen.

6 - Steuersatz: Fällt im rauen Traileinsatz nicht immer gleich auf: Der Steuersatz hat Spiel. Bevor die Lager durch Unwucht Schaden nehmen, ziehen Sie den Steuersatz wieder fest und nutzen Sie die Gelegenheit für eine Reinigung und eine frische Fettpackung. Werkzeug: Inbusschlüssel*, Lagerfett*. Zeitaufwand: 20 Minuten.

7 - Lager: Hinterbau, Dämpfer und Laufräder sind mit Industrielagern ausgestattet. Haben diese Lager Spiel, machen Geräusche oder drehen sich nicht mehr widerstandsfrei, gehören sie getauscht. Für die Hinterbau-Lager ist der Zeitaufwand hoch, da der Rahmen des E-Bikes weitgehend demontiert werden muss. Im Ratschenkasten findet man alles, um die Lager aus- und einzuklopfen. Werkzeug: Ratschenkasten, für das Hinterrad ist ein Kassettenabzieher und eine Kettenpeitsche* nötig. Zeitaufwand: Hinterbau etwa 2 Stunden, Laufräder circa 1,5 Stunden.

Lenkkopflager schmieren: Eine zusätzliche Fettpackung hilft, Wasser draußen zu halten. Wenn das Lager rastet (Widerstand), muss es aber getauscht werden.Foto: Robert Kühnen
Lenkkopflager schmieren: Eine zusätzliche Fettpackung hilft, Wasser draußen zu halten. Wenn das Lager rastet (Widerstand), muss es aber getauscht werden.

8 - Laufrad: Laufräder einspeichen ist eine Aufgabe für die Profis. Einen Achter im Rad bekommen auch Laien heraus. Haben Sie keinen Zentrierständer, tun es auch zwei Kabelbinder. Die bringen Sie an den Gabelholmen oder am Hinterbau jeweils beidseitig genau auf Höhe der Felge an. Kürzen Sie die Kabelbinder dann so weit, dass die Enden ein paar Millimeter von den Felgenflanken entfernt sind. So können Sie kontrollieren, ab das Laufrad einen Achter hat. Leichte Seitenschläge bekommen Sie wieder raus, indem Sie die Speiche auf der jeweils entgegengesetzten Seiten spannen. Gehen Sie dezent vor: Viertelumdrehungen. Werkzeug: je nach Hersteller Nippelspanner* in der entsprechenden Weite oder spezielle Steckschlüssel. Zentrierständer*, mobile Zentrierhilfe oder einfach 2 Kabelbinder*. Zeitaufwand: 15-20 Minuten pro Laufrad.

9 - Elektronik: An der Elektronik gibt es für Heimwerker und Schrauberinnen wenig zu tun. Achten Sie aber darauf, dass alle Kontakte vor dem Einwintern sauber und trocken sind: Akku, Display-Halterung, Display-Steckverbindungen, Ladebuchse. Konservieren Sie die Kontakte mit Kontaktspray. Zeitaufwand: 10 Minuten.

10 - Akku: Die Batterie beim E-Bike braucht im Winter ein wohltemperiertes Plätzchen. Laden Sie Ihren Akku vor dem Winterlager zu 50-70 Prozent und verstauen Sie ihn möglichst dort, wo durchgehend Zimmertemperatur herrscht.

Die Temperatur bei der Akku-Lagerung spielt eine wichtige Rolle bei der Lebensdauer.Foto: Thomas Thiesen
Die Temperatur bei der Akku-Lagerung spielt eine wichtige Rolle bei der Lebensdauer.

Arbeit für Profis: Service an Scheibenbremsen und Federgabel

Wer kein Spezialwerkzeug daheim hat und nur wenig Routine, sollte bei komplexeren Wartungsarbeiten am E-MTB besser den Fachmann ranlassen. Oft kosten auch die erforderlichen Utensilien schon einen guten Teil dessen, was der Bike-Fachmann für diese Arbeit haben will. Viele gute Tipps dazu, wie Sie eine gute Werkstatt finden und erkennen, bekommen Sie in diesem Artikel.

1 - Federgabel- /Dämpfer-Service: Einmal im Jahr sollte man zumindest einen kleinen Service machen (lassen). Dabei wird das Öl in den Tauchrohren (Gabel) bzw. der Luftkammer (Dämpfer) und die Hauptdichtungen des Fahrwerks ersetzt. Das Fahrwerk arbeitet dann wieder feinfühliger und der Verschleiß wird minimiert. Mit etwas Geschick kriegt man das selber hin. Den großen Service macht der Hersteller. Kosten für Dämpfer/Gabel: je ca. 150 Euro. Es kann derzeit immer noch zu längeren Wartezeiten kommen, weil die Hersteller selbst mit der Teilebeschaffung zu schaffen haben.

2 - Scheibenbremsen entlüften: Mit der Zeit können Hydraulik-Bremsen Luft oder Feuchtigkeit ziehen. Dann muss das System entlüftet oder die Bremsflüssigkeit ersetzt werden. Mit etwas Geschick und dem passenden Entlüftungs-Kit (ca. 20 - 70 Euro) für die jeweilige Bremse kann man diese Arbeit selbst erledigen. Wenn Dichtungen oder Leitungen ersetzt werden müssen, wird es komplizierter. Und letztlich sind Bremsen hoch sicherheitsrelevante Bauteile, bei denen man nicht “rumdoktorn” sollte. Kosten beim Profi für diese Arbeit: je nach Aufwand 20-30 Euro pro Bremse.

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