9 AntwortenSo verlängern Sie die E-Bike Akku Lebensdauer

Uwe Geißler

 · 12.07.2022

9 Antworten: So verlängern Sie die E-Bike Akku LebensdauerFoto: Markus Greber
So verlängern Sie die E-Bike Akku Lebensdauer
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Die E-Bike Akku Lebensdauer ist leider begrenzt. Der schleichende Verfall lässt sich zwar nicht aufhalten, aber bei richtiger Handhabung extrem verlangsamen. Wann darf ich laden? Was muss ich im Winter beachten? Wir geben 9 klare Antworten rund um die Lebensdauer Ihrer E-MTB Batterie und sprechen dazu mit einem Akku-Experten.

Lithium-Ionen-Akkus haben eine begrenzte Lebensdauer, das ist spätestens seit Bestehen des Smartphones keine neue Erkenntnis. Doch bis ein neuer Handy-Akku fällig wird, erlaubt der Mobilfunkvertrag meist schon das Upgrade auf ein neues Modell. Das erspart dem Kunden die Investition. Auch bei den Lithium-Ionen-Akkus in E-Mountainbikes ist die Lebensdauer begrenzt, doch hier muss man für Ersatz tief in die Tasche greifen: 600 bis 800 Euro werden fällig, wenn der ausgelutschte Energiespeicher gegen einen frischen ersetzt werden muss.

Verlagssonderveröffentlichung

Wie lange hält ein Akku für ein E-Bike?

Wann der Tausch des Akkus beim E-Bike fällig wird, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: “Die Batteriealterung setzt sich aus der kalendarischen Lebensdauer und der Zyklenlebensdauer zusammen. Allein durch die Lagerung verliert der Akku nach und nach an Kapazität”, erklärt Dr. Jochen Mähliß, Experte für Energiespeicher der Batteryuniversity GmbH in Karlstein.

Thomas Huber von Radl-Huber in München weiß aus Erfahrung, dass die Batterien etwa fünf, manchmal bis zu sieben Jahre halten. Arne Sudhoff von Derby Cycle rechnet eher in Ladezyklen: “Bei normaler Nutzung liegt die Lebensdauer bei ungefähr 1100 Ladezyklen. Das entspricht erfahrungsgemäß einer Lebensdauer von etwa sechs Jahren.” In diesem Stadium wird man mit seinem E-MTB allerdings schon lange keine gro­ßen Sprünge mehr machen können. Denn nach 500 vollen Ladezyklen oder ungefähr zwei Jahren darf man nur noch mit einer Kapazität von etwa 60 Prozent rechnen, so die Hersteller. Rechnet man bewusst skeptisch mit 30 Kilometern Reichweite pro Akku-Ladung, ergeben sich bei 500 Ladezyklen 15.000 Kilometer Lebensweg für einen Akku - das muss dann auch Ihr E-Mountainbike erstmal mitmachen ohne Verschleiß, Pannen und Defekte.

Warum lässt die Akku-Leistung beim E-MTB nach?

Mit der Zeit finden in den Batteriezellen chemische Zersetzungsprozesse statt. Das eigentliche Problem liegt im Aufbau des Lithium-Ionen-Akkus. Vereinfacht erklärt: In einem Akku wandern Lithium-Ionen zwischen Anode und Kathode, also Plus- und Minus-Pol, hin und her. Mit der Zeit oxidieren die Elektroden und verlieren ihre Fähigkeit, die Lithium-Ionen, die für den Stromfluss notwendig sind, zu speichern. Die Zelloxidation wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst – zum Beispiel durch die Umgebungstemperatur und den Ladezustand.

So fühlt sich der Akku im E-MTB wohl: Nicht wärmer als 30 Grad und nicht kühler als 0 Grad.Foto: Thomas Thiesen
So fühlt sich der Akku im E-MTB wohl: Nicht wärmer als 30 Grad und nicht kühler als 0 Grad.

Darin steckt auch eine gute Nachricht: Die Halbwertzeit eines Lithium-Ionen-Akkus lässt sich beeinflussen! Je nach Pflege des Akkus und Nutzungsverhalten fällt der Kapazitätsschwund unterschiedlich stark aus. Stichwort: Außentemperatur. Akkus wollen kühl und trocken gelagert werden. Bei Temperaturen über 30 Grad läuft das Verfallsdatum des Energieträgers im Zeitraffer ab. Ebenso wenig mögen es die Batterien frostig: Wenn’s im Keller im Winter Minusgrade hat, dann sollte man für den Akku ein wohl temperiertes und sicheres Plätzchen in der Wohnung finden. Aber nicht nur bei der Lagerung, auch im Einsatz können E-MTB-Besitzerinnen und -Besitzer dafür sorgen, dass die Lebensdauer des E-Bike Akkus nicht zu schnell verstreicht: Zwar passt das Batterie-Management darauf auf, dass der sicherheitskritische Bereich nicht erreicht wird. Aber “Radfahrer sollten ihren Akku trotzdem möglichst nicht komplett entladen. Und wenn man nicht die maximale Reichhöhe benötigt, ist es auch sinnvoll, den Akku nicht komplett aufzuladen”, empfiehlt Dr. Jochen Mähliß. Wer darauf achtet, dass der Akku nicht unter 10 Prozent Restkapazität ent- und nicht über 90 Prozent aufgeladen wird, kann die Lebensdauer erheblich steigern, Mähliß spricht sogar von “verdoppeln”.

Gute für die E-Bike Akku Lebensdauer: Akku nicht unter 10 Prozent entladen - und nicht über 90 Prozent aufladen.Foto: Thomas Thiesen
Gute für die E-Bike Akku Lebensdauer: Akku nicht unter 10 Prozent entladen - und nicht über 90 Prozent aufladen.

Der spezialisierte Fachhandel bietet Akku-Diagnose an

Vorsicht ist auch geboten, wenn die Batterie durch Sturz oder Unfall beschädigt wurde. Akkus mit sichtbaren Schäden sollte man umgehend in einen spezialisierten Shop bringen, der die Funktionsfähigkeit überprüfen kann.

Sinkt die Kapazität des Akkus, wirkt sich das unmittelbar auf die Reichhöhe aus. Wenn Sie mit Ihrem Rad im Neuzustand beispielsweise 1500 Höhenmeter schaffen, sind bei 60 Prozent nur noch 900 Höhenmeter drin. Wenn Sie’s genau wissen wollen, müssen Sie sich auch hier an Ihren Händler wenden. Ein gutes Fachgeschäft hat ein Diagnosegerät, mit dem sich der Akku-Zustand überprüfen lässt. Sie müssen selbst entscheiden, bei welcher Restkapazität sie die Batterie tauschen möchten.

Hier ist die Lebensdauer des E-Bike Akkus überschritten - die Batteriezellen werden recycelt.Foto: Wolfram Schroll
Hier ist die Lebensdauer des E-Bike Akkus überschritten - die Batteriezellen werden recycelt.

Lithium-Ionen-Akkus wirft man selbstredend nicht auf den Müll. Der Händler ist verpflichtet, den alten Akku kostenlos zurückzunehmen und der Recycling-Kette zuzuführen. Das Recycling selbst übernimmt in Deutschland meist die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS). Im Rahmen einer Branchenlösung finanzieren über 100 Hersteller und Importeure dieses System. Mehr als 2500 Fahrradhändler sammeln die Alt-Akkus, die dann von der GRS abgeholt werden. Zwar gibt es noch keine Technik für ein nahezu restloses Recycling aller Komponenten, insbesondere des Lithiums, doch wertvolle Stoffe wie Kobalt, Nickel und Kupfer können über die jetzt schon bestehenden Recycling-Prozesse aus den Akkus wiedergewonnen werden.

Hier beginnt der Recycling-Prozess für den Akku eines E-MTBsFoto: Uwe Geissler
Hier beginnt der Recycling-Prozess für den Akku eines E-MTBs

Kann ich No-Name Akkus für mein E-MTB verwenden?

Da der Akku das teuerste Ersatzteil am E-Mountainbike ist, liegt es nahe, im Internet nach günstigen Pendants zu suchen. Tatsächlich werden manche Akku-Modelle dort zu Schnäppchenpreisen angeboten. Außerdem finden sich Firmen, die einen Austausch einzelner Zellen oder Zellblöcke anbieten. Eine gute Idee? Ein klares “Nein!” kommt dazu von den Bike- und Motorenherstellern. Der Grund: Jeder Lithium-Ionen-Akku benötigt ein intelligentes elektronisches Batterie-Management-System, das die Batterie daran hindert, ihren sicheren Arbeitsbereich zu verlassen. Es schützt vor Überlastung durch Überhitzung und Tiefentladung. Außerdem ermittelt es die Batteriekapazität, den aktuellen Ladezustand, die Restbetriebszeit, und es speichert Daten zum Lebenszyklus. Der Einsatz von billigen und nicht passenden Akkus kann daher am Ende besonders teuer werden. Viel sinnvoller – und günstiger – ist es also, die Halbwertzeit des Akkus durch fachgerechte Handhabung zu verlängern.

Klares NEIN für billige Nachbau-Akkus.Foto: Thomas Thiesen
Klares NEIN für billige Nachbau-Akkus.

9 Antworten rund um die E-Bike Akku Lebensdauer

Der richtige Umgang mit dem Akku zahlt sich aus: Mehr Sicherheit, größere Reichweite längere Lebensdauer. Alle Antworten auf FAQs zu E-Bike-Akkus finden Sie hier:

1 - Darf ich mit dem Dampfstrahler reinigen?
Auch am klassischen MTB sind Dampfstrahler tabu - nur spezielle Reinigungsgeräte haben einen weniger potenten Strahl und können mit Vorsicht verwendet werden. Beim Pedelec kann eindringende Feuchtigkeit zum Tod von Elektronik, Motor oder Akku führen. Deshalb lieber mit Schwamm und Bürste säubern. Akku und Konsole vorher abnehmen, separat vorsichtig reinigen und Kontakte am E-Bike fürs Putzen abdecken.

Nie, nicht und niemals: Ob E-Bike oder MTB ohne Motor, der Dampfstrahler richtet mehr Schaden an als er nutzt - vor allem kann er die Elektrik schwer schädigen.Foto: Markus Greber
Nie, nicht und niemals: Ob E-Bike oder MTB ohne Motor, der Dampfstrahler richtet mehr Schaden an als er nutzt - vor allem kann er die Elektrik schwer schädigen.

2 - Darf ich meinen Akku teilweise laden?
Ja, Teilladungen sind beim Lithium-Ionen-Akku problemlos möglich und gelten als schonender für den Akku als häufige vollständige Leerungen.

3 - Darf ich mit meinem E-Bike im Winter fahren?
Bei Temperaturen unter 10 °C verlieren Akkus an Leistungsfähigkeit. Deshalb sollte man sie warm lagern, im Fahrbetrieb mit einem Isolator versehen und bei längeren Stopps mit ins Warme nehmen. Hochwertige Akkus zeichnen sich aber durch eine geringere Temperaturempfindlichkeit aus, in der Bedienungsanleitung ist der Temperaturbereich des Systems verzeichnet.

4 - Wohin mit dem Akku beim Autotransport?
Sofern möglich, sollte man den Akku vom Rad entfernen, wenn es auf Dach- oder Heckträger transportiert wird. Die Kontakte am Bike schützt man durch Neoprenüberzüge vor der Witterung. Im Wageninneren sollte der Akku nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Am besten verstaut man ihn dazu in einer Batterietransporttasche oder einem entsprechenden Bike-Rucksack.

5 - Ist Laden bei jeder Temperatur möglich?
Nein, Akkus fühlen sich zwischen 10 °C bis 40 °C am wohlsten. Das gilt fürs Laden wie für den Fahrbetrieb. Ladungen unter 10 °C Außentemperatur sind Stress für die Zellen und verkürzen die Lebenserwartung des Akkus dramatisch. Ist es zu heiß, droht beim Laden eine Überhitzung. Intelligente Batteriesteuerungen haben eine Schutzschaltung, die das Laden verhindert, wenn es zu kalt oder heiß ist.

6 - Darf ich ein fremdes Ladegerät nutzen?
Um Gewicht zu sparen, ist es gerade auf mehrtägigen Touren in der Gruppe verlockend, das Ladegerät zu teilen. Prinzipiell muss die Kombination von Ladegerät und Akku vom Hersteller freigegeben sein. Bei den namhaften Herstellern wie Bosch, Yamaha oder Panasonic lässt sich dies leicht in der Bedienungsanleitung nachlesen.

Shimano Ladeeinheit - sie passt nur bei Shimano Akkus und weitere vom Hersteller freigegebene.Foto: Hersteller
Shimano Ladeeinheit - sie passt nur bei Shimano Akkus und weitere vom Hersteller freigegebene.

7 - Darf ich den Akku aufschrauben?
Akku-Gehäuse niemals öffnen, gebrochene Gehäuse – etwa nach einem Sturz – umgehend vom Hersteller ersetzen lassen.

8 - Sollte ich einen gebrauchten E-Bike Akku kaufen?
Akku-Kauf folgt den Regeln etwa für Radhelme und Carbon-Bauteile. Da sich Vorschädigungen nicht per Sichtprüfung zweifelsfrei ausschließen lassen, ist von einem Gebrauchtkauf grundsätzlich abzuraten.

9 - Darf ich alte Akkus in den Hausmüll werfen?
NEIN - Sie sind voller wertvoller Rohstoffe. E-Bike Akkus werden vom Hersteller kostenlos zurückgenommen und fachgerecht recycelt.

 Man kann es nicht oft genug sagen: E-Bike Akkus am Ende ihrer Lebensdauer nicht in den Müll werfen! Immer ins Recycling geben.Foto: EMTB Magazin
Man kann es nicht oft genug sagen: E-Bike Akkus am Ende ihrer Lebensdauer nicht in den Müll werfen! Immer ins Recycling geben.

»Man kann die Lebensdauer eines Akkus verdoppeln.«

Interview mit Dr. Jochen Mähliß, Leiter des Prüfinstituts Batteryuniversity GmbH in Karlstein

E-MTB: Herr Dr. Mähliß, was können E-Bikerinnen und E-Biker tun, um die Lebensdauer ihres E-Bike Akkus möglichst auszureizen?

Dr. Jochen Mähliß: Radfahrer sollten ihren Akku so selten wie möglich komplett entladen. Und wenn man nicht die maximale Reichhöhe braucht, ist es sinnvoll, den Akku nicht komplett aufzuladen. Das Batterie-Management-System passt beim Laden auf, dass kein sicherheitskritischer Bereich erreicht wird – die Batterie also weder tief- noch überladen wird. Wenn man aber regelmäßig den obersten und untersten Spannungsbereich vermeidet, schafft der Akku deutlich mehr Zyklen.

Was heißt das konkret?
Wer seinen Akku schonen möchte, sollte ihn möglichst nicht unter 10 Prozent entladen und nicht über 90 Prozent aufladen. Dadurch kann man die Lebensdauer eines Akkus verdoppeln. Das gilt übrigens für alle Lithium-Ionen-Batterien. Auch Schnellladegeräte sind problematisch. Je höher der Ladestrom, desto mehr erwärmt sich der Akku, und umso schädlicher ist das für die Zellen.

Kann man die Akku-Lebensdauer durch seine Fahrweise beeinflussen?
Ja, ein Akku lebt länger, wenn man ihn nicht zu oft unter Volllast betreibt. Eine gemütliche Fahrweise bei mittlerer Unterstützungsleistung schont den Akku dagegen auf lange Sicht.

Was sollte man bei der Lagerung der Batterie beachten?
Ein Akku mag es gerne kühl und trocken. Temperaturen über 30 Grad sind zu vermeiden. Die Batterie sollte also nicht bei Sonne im Auto liegen oder hinter der Fensterscheibe in der Garage. Auch wenn das Rad unter einem Wellblechdach parkt oder es in einer Holzhütte steht, kann es dem Akku schon zu warm werden. Dann sollte man ihn lieber ins Haus mitnehmen.

Und wie sieht es im Winter aus?
Eine Lagerung bei Minusgraden verträgt das Akku-Pack auch nicht gut. Das schadet zwar nicht den Zellen – aber dem Kunststoffgehäuse. Es wird mit der Zeit spröde.

  Dr. Jochen Mähliß, Leiter es Prüfinstituts Batteryuniversity GmbH in KarlsteinFoto: Uwe Geissler
Dr. Jochen Mähliß, Leiter es Prüfinstituts Batteryuniversity GmbH in Karlstein

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