6 Materialkiller beim BikenMTB-Service-Tipps für längere Haltbarkeit

Sebastian Brust

 · 24.11.2022

6 Materialkiller beim Biken: MTB-Service-Tipps für längere HaltbarkeitFoto: Georg Grieshaber

Jetzt wird’s dreckig: Hier sind die sechs übelsten Materialkiller beim Biken. Wir zeigen die besten Tricks & Tipps für längere Haltbarkeit und weniger Verschleiß am MTB.

Wer sein Fahrrad lange fährt, handelt nachhaltig und schont Umwelt wie Geldbeutel gleichermaßen. Doch für das Mountainbike selbst ist der Sport materialmordend – vor allem bei Nässe und im Winter.

Wir zeigen Ihnen die 6 Hauptgegner im Kampf gegen den Verschleiß und rüsten Sie mit den wichtigsten Tipps, um sich ihnen entgegenzustellen – damit Sie an Ihrem Mountainbike möglichst lange Freude haben.

Materialkiller Nr. 1: Winter

Wer sich etwas Gutes tun will, radelt im Winter natürlich durch. Aber Vorsicht, wenn's gefriert! Das Risiko schmerzhafter Ausrutscher steigt. Doch auch ohne Sturz: Für das Fahrrad lauert auf winterlichen Wegen eine ganz andere Gefahr – Streusalz.

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Im Winter setzt das aggressive Streusalz auf Straßen und Wegen dem Fahrrad übel zu.Foto: Adobe Stock
Im Winter setzt das aggressive Streusalz auf Straßen und Wegen dem Fahrrad übel zu.

Mountainbiken im Winter: In der dunklen Jahreszeit lauert der mit Abstand schlimmste Feind von Metallteilen. Streusalz auf der Straße, der Killer schlechthin, erhöht die elektrische Leitfähigkeit von Wasser (s. auch Übeltäter Nr. 4) und zündet den Korrosions-Turbo. Die Salzlösung setzt allen Metallen innerhalb von Stunden übel zu, nicht nur dem Stahl der Kette. Die Ausnahme bilden nur korrosionsbeständiges Titan und rostfreier Stahl.

Magnesium an Mountainbike-Gabeln zerbröselt, Aluminium blüht auf, Lack platzt ab, Stützen verklemmen sich, selbst in Carbon-Rahmen. Bike-Pflege im Winter ist also besonders wichtig, Salz muss nach der Tour sofort runter. Dazu sanft mit Wasser abspülen, trockenreiben, Kette pflegen und das Bike trocken und möglichst gut belüftet lagern.

Materialkiller Nr. 2: Schmutz

Begründete Binsenweisheit: Pflege hilft gegen vorzeitigen Verschleiß. Und ein sauberes Bike hält einfach länger. Doch was wäre Mountainbiken ohne Dreckspritzer? Eben. Ein paar Handgriffe genügen, und Matschpfützen verlieren ihren Schrecken.

Matsch & Schmodder gehören einfach zum Mountainbiken, wie hier am Wettkampfbike von <a href="https://www.bike-magazin.de/events/fahrer/starke-frauen-im-bike-sport-nina-hoffmann-die-schnellste-downhillerin-deutschlands-im-interview/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Downhillerin Nina Hoffmann</a>. Jetzt aber schnell putzen, bevor der Dreck ankrustet.Foto: Stefan Loibl
Matsch & Schmodder gehören einfach zum Mountainbiken, wie hier am Wettkampfbike von Downhillerin Nina Hoffmann. Jetzt aber schnell putzen, bevor der Dreck ankrustet.

Dreck vom Mountainbike abwaschen: Warum hält ein sauberes Bike länger? Weil es schneller trocknet. Denn Schmutz speichert Feuchtigkeit, den Nährboden der Korrosion. Das Bike muss nicht immer vollständig abgeduscht werden. Bei gut imprägnierten Bikes reicht es, den frischen Dreck mit einem Lappen einfach abzuwischen – vor allem von den Gleitflächen der Federelemente und Teleskop-Sattelstützen.

Apropos waschen: Auch die Klamotten danken Ihnen bei guter Pflege mit längerer Lebensdauer. Beim Waschen von Funktionsbekleidung kommt es auf die richtige Methode an. Denn je nach Membran und Imprägnierung sind unterschiedliche Behandlungen nötig. Und noch ein Tipp: Lassen Sie groben Schmutz trocknen und bürsten Sie ihn vor dem Waschen ab, dann hält auch die Waschmaschine länger – Schmutz unterstützt nämlich zusätzlich den nächsten Übeltäter: die Reibung.

Materialkiller Nr. 3: Reibung

Ohne Reibung kein Verschleiß. Drum heißt es, die Geschmeidigkeit zu konservieren und so den Materialabrieb in beweglichen Teilen am Fahrrad zu minimieren.

Erst die Reibung verursacht Materialverschleiß – Schmieren & Fetten heißen die Gegenmittel.Foto: Georg Grieshaber
Erst die Reibung verursacht Materialverschleiß – Schmieren & Fetten heißen die Gegenmittel.

Bleib geschmeidig – erst die Reibung verursacht Materialabrieb. Doch es geht um mehr als das Schmieren der Kette. Auch der kleine Service bei Gabeln und Dämpfern lohnt sich – den kann jeder selbst machen. Mit dem alten Öl verschwinden Dreck und Abrieb aus dem Inneren, die den Verschleiß nur fördern. Neue Dichtungen verhindern, dass Schmutz und Feuchtigkeit eindringen können.

Cleats und MTB-Pedale harmonieren mit gelegentlichen Silikon- oder Kriechölspritzern besser. Hochwertige, kreisrund gewalzte Schaltzüge halten länger als einfache, bei denen die äußeren Litzen roh belassen werden. Züge aus Edelstahl sind beständiger gegen Korrosion als verzinkte Stahlzüge. Schaltzüge flutschen leichtgängiger durch die Außenhüllen mit einem Schuss Teflonspray.

Dämpfer, Federgabeln oder Teleskop-Sattelstützen funktionieren länger und zuverlässiger, wenn die Gleitflächen vor Dreckbeschuss geschützt sind, etwa durch Mini-Schutzbleche. Vor allem eingetrockneter Schmutz greift die Dichtungen an und wandert unter ihnen hindurch. Frischen Matsch abspülen oder zumindest abwischen, s. Übeltäter 2: Schmutz.

Materialkiller Nr. 4: Wasser

Wasser ermöglicht Metallen erst die Reaktion mit Sauerstoff. Die Folge: Korrosion. Halten Sie Ihr Bike am besten trocken – also, im Rahmen der Möglichkeiten, die unser Hobby bietet.

Nur Mut zum Matsch-Manual – die Pfütze zu umfahren hieße schließlich nur, den Trail zu verbreitern. Einem gut geschützten MTB macht ein bisschen Wasser schließlich wenig aus.Foto: Robert Niedring
Nur Mut zum Matsch-Manual – die Pfütze zu umfahren hieße schließlich nur, den Trail zu verbreitern. Einem gut geschützten MTB macht ein bisschen Wasser schließlich wenig aus.

Nässeschutz fürs Mountainbike: Wasser ist das Medium, das Metallen die Reaktion mit Sauerstoff aus der Luft und damit die Verwitterung erst ermöglicht. Ohne Wasser keine Korrosion. Doch was wäre Mountainbiken ohne Regen, Matsch und Schmodder? Eben. Deshalb dichten Sie Ihr Bike am besten ab: Verlegen Sie durchgehende Züge und verschließen Sie deren Enden möglichst mit gedichteten Kappen.

Fett und Montagepaste verhindern Wassereinbruch in Lager und Gewinde. Unser Tipp: Sprühwachs oder Kfz-Hartwachspolitur, für die Fahrradkette auch als Heißwachs oder mit Lösungsmittel aus der Tröpfelflasche – imprägniert Oberflächen und verschließt Ritzen. Behandeln Sie alle Bauteile mit Ausnahme von Bremsscheiben, Bremsbelägen, Satteloberflächen und Lenkergriffen damit.

Achtung: Fahrräder sollten nie unter Wasser getaucht werden, dem Wasserdruck hält keine Dichtung stand. Das No-Go gilt auch für Fahrten durch tiefe Gewässer, bei denen Naben oder Tretlager des Bikes untertauchen. So eingedrungenes Wasser löst regelrechte Korrosionsorgien aus – und Schmierstoffe können so in die Umwelt gelangen und diese verschmutzen.

Materialkiller Nr. 5: Kraft

Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten. Sagte Friedrich Schiller. Und tatsächlich schießt der Materialschwund am Fahrrad bei hohem Krafteinsatz massiv in die Höhe. Die richtige Materialauswahl ist dann entscheidend.

Mountainbiken ist Kraftsport – wer es regelmäßig auf die Spitze treibt, muss oft Verschleißteile wie Ketten oder Kassetten wechseln.Foto: Georg Grieshaber
Mountainbiken ist Kraftsport – wer es regelmäßig auf die Spitze treibt, muss oft Verschleißteile wie Ketten oder Kassetten wechseln.

Kraft sparen beim Biken heißt länger fahren. Starkes Bremsen und hartes Beschleunigen mit ordentlich Druck auf dem Pedal, möglicherweise sogar unterstützt von einem E-Bike-Antrieb – all das boostet den Materialverfall. Also: entspannt Vollgas! Ganz nach kindlichem Vorbild. Vom abgescheuerten Hinterreifen durch unsachgemäßes Bremsen mal abgesehen, verschleißen Kinder-Bikes auch dann kaum, wenn sie mit leichtestem Material aufgebaut sind. Weil die wirkenden Kräfte schlicht unter einem gewissen Level bleiben.

Tipp für Erwachsene: möglichst große Kettenblätter fahren, bestenfalls aus Stahl! Kleine Blätter erhöhen die Kettenkräfte und so den Verschleiß der Kette massiv. Regelmäßiges Schmieren reduziert wiederum Reibungskräfte im Material, s. Übeltäter Nr. 3 – Reibung.

Materialkiller Nr. 6: Nachlässigkeit

Nachlässigkeit im Umgang mit dem eigenen Bike-Material bezahlt man in der Währung Haltbarkeit.

Der richtige Luftdruck und richtiges Bremsen verhindern vorzeitigen Reifenverschleiß.Foto: Georg Grieshaber
Der richtige Luftdruck und richtiges Bremsen verhindern vorzeitigen Reifenverschleiß.

Smart Biken – dafür brauchen Sie keine Internetverbindung! Gemeint ist eine besonnene Tour-Vorbereitung. Die hilft beim Schonen des Materials. So schmälert z. B. der richtige Luftdruck den Reifenverschleiß, und sorgfältig eingebremste Bremsbeläge halten deutlich länger.

Auch die Materialauswahl für den gewünschten Einsatzbereich bestimmt Haltbarkeit und Lebensdauer, vermeiden Sie Missbrauch: Das All Mountain leidet beim Pendeln ebenso wie das Marathon-Fully im Bikepark. Tipp: Lieber ein unempfindlicheres Zweitrad mit haltbareren Komponenten zulegen – für den Winter vielleicht ein Hardtail.

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