Starke Frauen im Bike-SportNina Hoffmann – die schnellste Downhillerin Deutschlands im Interview

Tim Folchert

 · 13.11.2022

Starke Frauen im Bike-Sport: Nina Hoffmann – die schnellste Downhillerin Deutschlands im InterviewFoto: Sven Martin
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Nina Hoffmann ist Deutschlands schnellste Downhillerin seit Regina Stiefl. In Schottland gewann sie ihren zweiten Worldcup. Nina über Fahrtechnik, Camille Balanche und Mentaltipps.

Nina Hoffmann schrieb mit ihrem 1. Weltcup-Sieg in Maribor 2020 Mountainbike-Geschichte: 25 Jahre nach Regina Stiefl ist sie die erste deutsche Fahrerin, die ganz oben auf einem Downhill-Worldcup-Podium steht, und ihr Sieg der erste nach Markus Klausmann 1996 – dem Jahr, in dem Nina Hoffmann geboren wird. 2022 also erneut Schnellste in Schottland – und das, nachdem die ehemalige Speerwerferin erst 2015 mit dem Biken angefangen hatte.

Seit 2016 startet sie in der Lizenzklasse bei Downhill-Rennen, seit 2018 im Worldcup. Im gleichen Jahr fuhr die damalige Psychologie-Studentin ihren ersten Deutschen Meistertitel ein. 2019 beendete die Thüringerin den Gesamt-Weltcup auf dem 4. Platz. Nach dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Downhill 2020 und dem ersten Weltcup-Sieg ist sie an Weltspitze der schnellsten Mountainbikerinnen angekommen. 2022 wird sie hinter Valentina Höll Vizeweltmeisterin in Les Gets.

Verlagssonderveröffentlichung
<a href="https://www.bike-magazin.de/events/fahrer/starke-frauen-im-bike-sport-interview-mit-vali-hoell/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Valentina Höll</a> holte sich bei der <a href="https://www.bike-magazin.de/events/rennen/uci-downhill-wm-les-gets-hoell-siegt-vor-hoffmann-bruni-holt-5-titel/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weltmeisterschaft 2022 in Les Gets</a> ihr erstes Elite-Regenbogentrikot. Knapp dahinter fuhr Nina Hoffmann  mit nur 0,906 Sekunden Rückstand auf den Vizerang. Bronze ging an Myriam Nicole.Foto: Red Bull Content Pool
Valentina Höll holte sich bei der Weltmeisterschaft 2022 in Les Gets ihr erstes Elite-Regenbogentrikot. Knapp dahinter fuhr Nina Hoffmann mit nur 0,906 Sekunden Rückstand auf den Vizerang. Bronze ging an Myriam Nicole.

Nina, Glückwunsch zu Deinem Wahnsinnssieg in Fort William! Mal ehrlich, hattest Du Dir Sieg-Chancen ausgerechnet?

Ich wusste, dass eine Top-5-Platzierung möglich ist. Selbstbewusst war ich, denn zwei Wochen vorm Worldcup konnte ich das Rennen der British-Downhill-Series hier gewinnen und hatte einen großen Vorsprung auf Vali Höll. Ich mag die Strecke. Beim Worldcup-Finallauf fühlte ich mich einfach wohl, und das Bike-Setup hat gepasst. Mit dem Sieg in Fort William ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Lokalmatadorin Tahnee Seagrave startete gar nicht. Hätte sie Dir gefährlich werden können?

Da kann man jetzt spekulieren. Die Referenz im Worldcup ist derzeit allerdings Camille Balanche. Sie hatte 3,5 Sekunden Rückstand.

Das sind Welten. Wie erklärst Du Dir diesen Vorsprung?

Für so einen Sieglauf muss alles passen. Jede Kleinigkeit. Und das war an dem Tag der Fall. Mein Fitness-Level war hoch, und das Bike-Setup funktionierte genau so, wie ich es mir vorstellte. Das sparte Kraft im Steinfeld zu Beginn der Strecke und gab mir die Kraft, im Ziel-Sprint noch mal so richtig reinzutreten.

Wer hat in Deinen Augen das Zeug dazu, 2022 den Gesamtsieg zu holen?

Da fällt mir vor allem eine ein: Camille Balanche! Sie fährt konstant schnell in jedem Rennen. Sie hat die besten Chancen.

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Vom kleinen Privatteam ins Werksteam von Santa Cruz mit Weltmeister Greg Minnaar. Manche sagen, das hat Dich schneller gemacht. Ist da was dran?

Vielleicht. Mir hat der Wechsel extrem gutgetan. Statt Hotels zu buchen, zu kochen oder die Anreise zu organisieren, kann ich mich jetzt voll aufs Rennenfahren konzentrieren. Wir haben einen eigenen Koch, einen Physiotherapeuten und Ex-Weltmeister Steve Peat, der an der Strecke steht und Tipps zur Linienwahl gibt. Der Austausch mit Greg, Jackson und Laurie hilft mir zudem. Anfangs hat mich das ganz schön unter Druck gesetzt. Ich wollte den Leuten etwas zurückgeben, die mich so sehr unterstützen. Seit meinem Sieg in Fort William ist der Druck weg. Ich habe abgeliefert! Das ist ein gutes Gefühl.

Gibt es Dinge, die Dir bei Deinem eigenen Team besser gefallen haben?

Ja, der enge Kontakt zu meinen Sponsoren fehlt mir. Die muss ich im neuen Team erst kennen lernen. Außerdem war die Wochenendplanung individueller, mit allen Vor- und Nachteilen. Doch auch im neuen Team kann ich alles machen, worauf ich Lust habe. Beim Crankworx in Innsbruck startete ich zum Beispiel aus Spaß beim Dual-Slalom und gewann prompt. Das war der Hammer.

Du bist ehemalige Leistungssportlerin im Speerwerfen. Bringt Dir das Vorteile im Downhill?

Bestimmt. Ich war es lange gewohnt, sieben bis neun Trainingseinheiten pro Woche zu absolvieren. Außerdem fing ich früh damit an, meine Koordination zu schulen. Ich habe Spaß bei jeder Sportart.

Nina Hoffmann (25): 

Die ehemalige Speerwerferin aus Thüringen begann aufgrund von einer Schulterverletzung mit dem Biken. Das war 2015. Zwei Jahre später siegte Nina bei der Deutschen Meisterschaft. Mittlerweile hat sie zwei Worldcup-Siege in der Tasche und etliche Podiumsplätze. 2022 wurde sie ins Santa Cruz Syndicate Team aufgenommen.Foto: Sven Martin
Nina Hoffmann (25): Die ehemalige Speerwerferin aus Thüringen begann aufgrund von einer Schulterverletzung mit dem Biken. Das war 2015. Zwei Jahre später siegte Nina bei der Deutschen Meisterschaft. Mittlerweile hat sie zwei Worldcup-Siege in der Tasche und etliche Podiumsplätze. 2022 wurde sie ins Santa Cruz Syndicate Team aufgenommen.

Unterscheidet sich das Training von Worldcup zu Worldcup? Und falls ja, wie hast Du für Fort William trainiert?

Normalerweise reicht die Vorbereitungszeit nicht aus, sich speziell auf eine bestimmte Strecke vorzubereiten. Die Technik, das Mindset und der Speed müssen immer passen. Für Fort William hatte ich allerdings Zeit, und so konnte ich längere Intervalle trainieren. Das war nötig, denn die Strecke ist lang.

Der Grat zwischen Sturz und Erfolg ist schmal. Wie bereitest Du Dich mental auf die Rennen vor?

Ich visualisiere alles, was passieren könnte. So kann ich mich auf jede Eventualität einstellen und mich so etwas beruhigen. Direkt vor dem Start ist die Nervosität am höchsten. Durch Rituale wie das Warmup und das Rückwärtspedalieren im Startgate kann ich diese Nervosität gut runterfahren und den Fokus voll auf mich und die Strecke legen.

Sind das Tipps von einem Mental-Trainer?

Nein, diese Rituale haben sich mit der Zeit entwickelt. Außerdem habe ich ein paar Sachen aus meinem Psychologie-Studium ausprobiert. Die helfen mir.

Topfit: Mit körperlicher und mentaler Stärke hat sich Nina Hoffmann in nur wenigen Jahren an die Weltspitze im Downhill gekämpft. <a href="https://www.bike-magazin.de/training/fitness/fit-wie-nina-teil-1-bis-3-jetzt-online/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier ihre Trainingstipps zum Mitmachen >></a>Foto: Georg Grieshaber
Topfit: Mit körperlicher und mentaler Stärke hat sich Nina Hoffmann in nur wenigen Jahren an die Weltspitze im Downhill gekämpft. Hier ihre Trainingstipps zum Mitmachen >>

Was macht denn nun schneller – der Kopf oder die Technik?

Die Kombination aus beidem! Ich hatte einige Probleme mit meiner Kurventechnik und steilen Kanten. Das Training mit Fred Abbou im Winter hat meine Fahrtechnik enorm verbessert. Ohne ihn hätte ich Fort William vermutlich nicht gewonnen. Wenn du weißt, dass deine Fahrtechnik passt, stärkst du auch dein Selbstbewusstsein.

Was sind Deine Lieblingsübungen im Gym und auf dem Bike?

Im Gym mache ich am liebsten umsetzen oder reißen. Das kombiniert Deadlifts mit der Rumpfstabilität und macht einfach Spaß. Auf dem Bike trainiere ich am liebsten im Pumptrack.

Glaubst Du, dass Du dieses Jahr noch öfter oben auf dem Podium stehen wirst?

Ich bin in Top-Form und gebe alles. Mein Ziel ist, konstant in die Top Five zu fahren oder sogar zu gewinnen. Mit der WM-Strecke in Les Gets habe ich zudem noch eine Rechnung offen.


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