Die besten Mountainbike Marathons 2023

Henri Lesewitz

 · 04.01.2023

Alle zusammen und gleichzeitig jeder für sich allein: Marathons sind kollektive Spektakel, aber auch interessante Auseinandersetzungen mit sich selbst.
Foto: Henri Lesewitz

Wer den Emotions-Cocktail eines Mountainbike-Marathons einmal erlebt hat, der ist süchtig danach. Du bist auf der Suche nach einer schönen Herausforderung für die nächste Saison? BIKE-Chefredakteur und Marathon-Fan Henri Lesewitz verrät die Top-Termine für 2023.

Warum bezahlen Menschen Geld, um sich am Wochenende auf einer Marathon-Rennstrecke zu schinden? Die Antwort ist simpel: Weil es das Großartigste überhaupt ist. Leiden, zweifeln, triumphieren. Wer den Emotions-Cocktail eines Mountainbike-Marathons einmal erlebt hat, der ist süchtig danach. Jahr für Jahr lockten Langstrecken-Rennen Zehntausende an die Startlinie. Dann kam die Pandemie. Strenge Corona-Auflagen und viele abgesagte Rennen machten der Szene zu schaffen. Doch langsam kehrt die Normalität zurück. Du bist auf der Suche nach einer schönen Herausforderung für deinen Rennkalender? BIKE-Chefredakteur und Marathon-Fan Henri Lesewitz verrät die besten MTB-Marathon-Termine für 2023.

BIKE-Chefredakteur Henri Lesewitz liebt Mountainbike-Marathons. Hier drückt er sich gerade die Ronda Extrema des Gardasee-Marathons in die Waden. | Henri Lesewitz
BIKE-Chefredakteur Henri Lesewitz liebt Mountainbike-Marathons. Hier drückt er sich gerade die Ronda Extrema des Gardasee-Marathons in die Waden. | Henri Lesewitz
Mountainbike-Marathons sind emotionale Großereignisse. Ein irres Auf und Ab der Gefühle. Man geht durch die Hölle, doch am Ende, wenn man es geschafft hat, fühlt man sich immer wie im Himmel. - Henri Lesewitz, BIKE-Chefredakteur und Marathon-Fan

Bike the Rock, 23. April 2023, Heubach (D)

41 Kilometer / 1100 Höhenmeter

Den Streckendaten nach ist der Bike the Rock ein Zwerg unter den Marathons. Die wegzupressenden Kilometer und Höhenmeter ringen gestandenen Langstrecken-Fahrern erst mal ein müdes Lächeln ab. Doch das vergeht ihnen spätestens nach den ersten Kilometern. Im Vollgas-Modus tun selbst kurze Anstiege weh. Zeit für Erholung bleibt kaum. Dennoch absolut zu empfehlen. Auch wegen der familiären Atmosphäre der Veranstaltung. Ein perfekter Start in die Saison.

Bei einem Marathon bleibt niemand sauber. Und das Bike schon gar nicht. Super! Wo sonst kann man sich mal so richtig schön einsauen?Foto: Henri Lesewitz
Bei einem Marathon bleibt niemand sauber. Und das Bike schon gar nicht. Super! Wo sonst kann man sich mal so richtig schön einsauen?

BIKE Marathon Gardasee, 29. April 2023, Riva del Garda (IT)

82 Kilometer / 3484 Höhenmeter

Eingebettet ins legendäre BIKE Festival ist der Marathon am Gardasee viel mehr als nur ein Rennen. Er ist seit Mitte der Neunziger die traditionelle Eröffnung der Marathon-Saison. Frühere Austragungen hatten bis zu 4600 Höhenmeter. Dagegen wirkt die aktuelle Strecke der Ronda Extrema fast schon gnädig. Doch das täuscht. Besonders die ultrasteilen, fast kurvenlosen Rampen im ersten Teil des Rennens ziehen gnadenlos die Körner aus den Beinen. Der relativ flowige Mittelteil begeistert mit feinen Trails auf Waldboden. Hintenraus tut es noch mal richtig weh und die letzte lange Abfahrt, die äußerst gute Fahrtechnik erfordert, zwingt so manchen Teilnehmer zum Schieben. Die Zielankunft am Ufer des Gardasees entschädigt aber für die Schinderei.

Der Marathon im Rahmen des BIKE-Festivals am Gardasee eröffnet traditionell die Langstrecken-Saison. Das lassen sich auch Profis wie der 2021er Weltmeister Andi Seewald (li.) nicht entgehen.
Foto: Veranstalter

Chiemgau King, 1. Mai 2023 bis 20. Juni 2023, Ruhpolding (D)

168 Kilometer / 4629 Höhenmeter

Der Chiemgau King ist eigentlich gar kein Mountainbike-Marathon, jedenfalls nicht im Sinne eines klassischen Rennens. Die herausfordernde Challenge durch das bayerische Chiemgau ist als Härteprobe für Individualisten konzipiert. Man fährt auf eigene Faust und weist mit Stempelkarten das Bezwingen der Strecke nach. Daran ändert auch die Aufnahme des Chiemgau King in die legendäre Mountainbike-Challenge-Serie nichts. Ein ausgeklügeltes, auf der benötigten Zeit basierendes Wertungssystem macht ein Ranking möglich. Eine grandiose Challenge, die wir aufgrund der Wahnsinns-Panoramen wirklich empfehlen können. Der Trail-Anteil ist allerdings gering. Und Anstiege wie der zur Kampenwand zermürben selbst die Fittesten.

Wer die Strecke des Chiemgau King an einem Tag schafft, bekommt die Goldene Krone. Andi Huber (Foto) hatte sich die Challenge vor ein paar Jahren inspiriert von den Stoneman-Trails ausgedacht. Jetzt ist der Chiemgau-King Teil der Mountainbike Challenge-Serie.Foto: Veranstalter
Wer die Strecke des Chiemgau King an einem Tag schafft, bekommt die Goldene Krone. Andi Huber (Foto) hatte sich die Challenge vor ein paar Jahren inspiriert von den Stoneman-Trails ausgedacht. Jetzt ist der Chiemgau-King Teil der Mountainbike Challenge-Serie.

BIKE Marathon Willingen, 27. Mai 2023, Willingen (D)

119 Kilometer / 3333 Höhenmeter

Der Marathon im Rahmen des Willinger BIKE-Festivals ist so etwas wie der Sauerländer Cousin des Gardasee-Marathons. Die Anstiege sind nicht ganz so lang und der Untergrund ist weniger felsig. Doch was die Härte anbelangt, nehmen sich die beiden Marathons kaum etwas. Die 119 Kilometer sind an keiner Stelle flach. Besonders im mittleren Teil, wenn das Laktat schon ordentlich durch die Oberschenkel schabt, warten die steilen Rampen. Die Langstrecke in Form eines Kleeblatts führt nach jeder Schleife am Festival-Gelände vorbei, wo der Jubel der Fans die Motivation pusht. Hart, aber herrlich.

Die liebreizende Kulisse und um Willingen lässt kaum erahnen, was für ein unglaublicher Kraftsauger die Strecke ist.
Foto: Henri Lesewitz

Sella Ronda Hero, 17. Juni 2023, Wolkenstein (IT)

86 Kilometer / 4500 Höhenmeter

Man muss kein Mathe-Ass sein, um anhand der Streckendaten den Härtegrad des Marathons ablesen zu können. 4500 Höhenmeter auf nur 86 Kilometer bedeuten 52 Höhenmeter pro Kilometer. Absoluter Rekord unter den Marathons. Selbst der für seine Rampen berüchtigte Ironbike in Ischgl kommt da nicht ran. Ja, der Name Hero kommt nicht von ungefähr. Jeder, der dieses Biest bezwingt, ist ein Marathon-Held. Der Star der Veranstaltung jedoch ist das sagenhafte, atemberaubend schöne Sella-Massiv, um das die Strecke herumführt. Die scharfkantige Formation aus Steilwänden sieht aus, als hätte sie ein größenwahnsinniger Bildhauer erschaffen. Ein Rennen, dass jeder Langstrecken-Biker einmal gefahren sein muss. Der Clou: Der Sella Ronda Hero gilt dank seines umfassenden Nachhaltigkeits-Konzepts offiziell als CO2-neutral. Bei der Weltklimakonferenz in Kairo wurde das Rennen vor kurzem als Positiv-Beispiel vorgestellt.

Der Sella Ronda Hero ist mehr als nur ein Marathon: Er ist ein Lebensgefühl und eine Marke. Der ganze Ort Wolkenstein präsentiert sich als Hero-Gemeinde.
Foto: Henri Lesewitz

Malevil Cup, 17. Juni 2023, Hermanice v Podjestedi (CZ)

100 Kilometer / 2230 Höhenmeter

Tschechien gehört zu den MTB-verrücktesten Ländern in Europa. Der Malevil Cup ist für die tschechische Szene so etwas wie Weihnachten und Silvester zusammen. Eine absolute Kultveranstaltung. Mittlerweile haben auch viele deutsche Langstrecken-Fans den Charme des Malevil Cups entdeckt. Kein Wunder. Obwohl das Rennen schon EM war und ein riesige Fahrerfelder anzieht, hat es immer noch einen familiären Charakter. Die mit zahllosen kürzeren Anstiegen gespickte Strecke lädt zum gnadenlosen Ballern ein. Hier kommen sowohl Profis als auch Hobby-Fahrer rundum auf ihre Kosten.

Die Strecke des Malevil Cup ist 100 Kilometer lang. Dennoch rasen alle los wie die Verrückten. Wie das eben so ist, sobald eine Startnummer am Lenker hängt.Foto: Milos Lubas
Die Strecke des Malevil Cup ist 100 Kilometer lang. Dennoch rasen alle los wie die Verrückten. Wie das eben so ist, sobald eine Startnummer am Lenker hängt.

Franken Bike Marathon, 18. Juni 2023, Trieb (D)

87 Kilometer / 2400 Höhenmeter

Dass auch ein lokaler Marathon ein großes Erlebnis sein kann, beweist der eher Insidern bekannte Franken Bike Marathon. Von der Organisation bis hin zur Streckenführung spürt man in jedem Detail das Herzblut der Veranstalter. Die Berge beim Grad Raid und Dolomiti Superbike mögen imposanter sein. Doch ein Rennen machen ja bekanntlich die Fahrer hart. Und die geben Vollgas. Der Marathon ist Teil der Mountainbike Challenge-Serie.

Spuren harter aber glücklicher Stunden im Sattel.Foto: Henri Lesewitz
Spuren harter aber glücklicher Stunden im Sattel.

Kitzalp Bike, 1. Juli 2023, Kirchberg (AUT)

86 Kilometer / 3600 Höhenmeter

Biker, die schön länger der Ausdauerleidenschaft frönen, erinnern sich: Der Kitz Alp Bike bildete in den frühen MTB-Jahren zusammen mit Grad Raid, Dolomiti Superbike und Swiss Bike Masters die einst legendäre, europäische Extrembike-Serie. Das Rennen zählt zu den Monumenten des Sports und findet in der gewaltigen Kulisse der Kitzbüheler Alpen statt. Doch Achtung! „Beim Rennen wird das Paradies zur Hölle!“, verspricht die Veranstaltungs-Website. Doch das verstehen echte Marathon-Fahrer natürlich eher als Einladung und nicht etwa als Warnung.

Die Kitzbüheler Alpen bilden die spektakuläre Arena des Kitz Alp Bike-Marathons. An den Zuschauer-Hotspots ist Stimmung wie im Fußballstadion.Foto: Veranstalter
Die Kitzbüheler Alpen bilden die spektakuläre Arena des Kitz Alp Bike-Marathons. An den Zuschauer-Hotspots ist Stimmung wie im Fußballstadion.

Dolomiti Superbike, 9. Juli 2023, Villabassa (IT)

123 Kilometer / 3400 Höhenmeter

Der Dolomiti Superbike zählt wie der Kitz Alp Bike zu den ganz großen MTB-Klassikern des Marathon-Sports. Die Panoramen sind grandios und hin und wieder bleibt auf den eher freundlichen Schotteranstiegen tatsächlich Zeit, den Blick kurz über die Sensationskulisse schweifen zu lassen. Wer auf Platzierung aus ist, wird sich das verkneifen. Da die Trails nicht ganz so technisch sind, wie bei anderen Marathons, ist die Power fast noch mehr entscheidend, als die Fahrtechnik. Ein großartiges Rennen in maximal beeindruckender Landschaft.

Der Untergrund bei Dolomiti Superbike ist nicht allzu grob, was Gelegenheit gibt, den Blick hin und wieder über die Sensationslandschaft schweifen zu lassen.Foto: Harald Wisthaler
Der Untergrund bei Dolomiti Superbike ist nicht allzu grob, was Gelegenheit gibt, den Blick hin und wieder über die Sensationslandschaft schweifen zu lassen.

Salzkammergut Trophy, 15. Juli 2023, Bad Goisern (AUT)

121 Kilometer / 3823 Höhenmeter

Die zahlreichen kürzeren Distanzen der Salzkammergut Trophy stehen im Schatten der sagenumwobenen, von Mythos umrankten A-Distanz mit 213 Kilometren und 7059 Kilometern. Die klassische Marathon-Strecke mit 121 Kilometern ist nicht ganz so tagfüllend, aber dennoch eisenhart. Die Anstiege sind auch hier zäh und führen teilweise ohne nennenswerte Kurven über steile Rampen auf die Gipfel. Zahlreiche Fan-Hotspots, Strecken-Highlights, wie die Ewige Wand sowie das Partytreiben in Bad Goisern, machen den Marathon auch in der nicht so extremem Variante zu einem großen Erlebnis.

Einfach spektakulär: Die Durchfahrt der engen Galerie, die die Ewige Wand hoch über Bad Goisern durchzieht.
Foto: Veranstalter

Black Forest Ultra Bike, 16. Juli, Kirchzarten (D)

118 Kilometer / 3550 Höhenmeter

Der Black Forest Ultra ist zwar weniger für seine Trails bekannt, dafür aber für eine rundum perfekte Organisation sowie seine landschaftlich reizvolle Strecke. Und die hat es in sich. Wer zu ambitioniert startet oder sich vom unspektakulären Höhenprofil täuschen lässt, wird vom ununterbrochenen Auf und Ab des Hochschwarzwalds böse bestraft. Ein Marathon-Klassiker im Schwarzwald.

So sehen glückliche Finisher aus.Foto: Henri Lesewitz
So sehen glückliche Finisher aus.

MTB Marathon Pfronten, 22. Juli 2023, Pfronten (D)

76 Kilometer / 2600 Höhenmeter

Der MTB-Marathon in Pfronten ist eher wenig bekannt, doch er ist ein Klassiker. Ein langer Schotteranstieg führt über den dicht bewaldeten Fuß des Breitenbergs zu einem echten Landschafts-Aha-Erlebnis. Sobald man die Baumgrenze überquert hat, schaut man auf ein gigantisches Felsmassiv. Es ist die Schulter des Breitenbergs und der Beginn einer echten Schinderei über nun losen, steilen Schotter. Wer das Biest von Berg bezwungen hat, wird mit einem unfassbaren Blick über die Allgäuer Alpen entschädigt. In der Ferne kann man sogar die Zugspitze erkennen. Der weitere Rennverlauf ist von breiteren, gut zu fahrenden Wegen geprägt. Am Ende geht’s es von der anderen Seite zum Breitenberg hoch. Und die ruppigen Steilstücke runter in Richtung Ziel.

Der Klassiker an den Marathon-Verpflegungstheken: Bananen.Foto: Henri Lesewitz
Der Klassiker an den Marathon-Verpflegungstheken: Bananen.

M3 Montafon Bike Marathon, 29. Juli 2023, Schruns (AUT)

130 Kilometer / 4500 Höhenmeter

Skifahrer lieben die Montafoner Bergwelt von Rätikon, Silvretta und Verwall. Marathon-Bikern schlottern vor Respekt die Knie, denn das Langstrecken-Rennen im Montafon zieht einem konsequent die Körner aus den Beinen. Die lange Streckenvariante heißt M3 und fordert Beine und Psyche heraus. Gutes Haushalten mit den Kräften ist essentiell, um diese Menge an Höhenmetern abzuspulen. Wer sich von den anderen Fahren nicht stressen lässt und seinen Rhythmus findet, für den wird der Marathon zu einem unvergesslichen Landschaftserlebnis.

Wer keine Zeit hat an der Verpflegungsstelle anzuhalten, baut sein Bike zur mobilen Theke um. Für die 130 Kilometer des Montafon Marathons braucht man schon einige Gel-Tüten.Foto: Henri Lesewitz
Wer keine Zeit hat an der Verpflegungsstelle anzuhalten, baut sein Bike zur mobilen Theke um. Für die 130 Kilometer des Montafon Marathons braucht man schon einige Gel-Tüten.

Ironbike Marathon, 5. August 2023, Ischgl (AUT)

71 Kilometer / 3200 Höhenmeter

Kaum ein Marathon steht so sehr im Ruf, ein steiles Biest zu sein, wie der Ironbike in Ischgl. Zu Recht. Die Kette liegt hier die meiste Zeit entweder auf dem ganz kleinen oder auf dem ganz großen Ritzel. Steil bergauf, steil bergab. Das ist für viele Marathon-Biker ungewohnt. Doch dieses Höhenmeter-Konzentrat in großer Alpenkulisse hat gerade deshalb einen ganz besonderen Reinz.

Steil und steinig: Das Markenzeichen des Ironbike in Ischgl.Foto: Veranstalter
Steil und steinig: Das Markenzeichen des Ironbike in Ischgl.

Erzgebirgs Bike Marathon, 6. August 2023, Seiffen (D)

100 Kilometer / 2600 Höhenmeter

Der älteste Marathon Deutschlands hat vergangenes Jahr sein 30. Jubiläum zelebriert und die gesamte Marathon-Szene mit einer zuvor veröffentlichten Schocknachricht in Atem gehalten: Es könne sein, dass die 2022er EBM-Austragung die letzte sei, kündigte Rennchef Albrecht Dietze ein Überdenken der weiteren Zukunft an. Grund waren die massiv eingebrochenen Teilnehmerzahlen im Zuge der Pandemie, die ein wirtschaftliches Durchführen einer solchen Großveranstaltung nahezu unmöglich machten. Das gelungene Jubiläum mit weit über 1000 Teilnehmern stimmte die EBM-Macher wieder zuversichtlich. Es geht weiter! Man konnte das Aufatmen der Fans förmlich hören. Schließlich ist der EBM viel mehr als nur ein Rennen. Er ist das Wacken der Mountainbike-Szene. Wer das Spektakel an den Hotspots wie Alpe de Wettin oder Seiffener Grund schon mal miterlebt hat, der weiß auch, warum. Mitmach-Tipp!

Der älteste MTB-Marathon Deutschlands ist berühmt für sein buntes Rahmenprogramm. Kult ist unter anderem der Bergsprint am Vorabend des Marathons.
Foto: Marius Maasewerd

Grand Raid BCVS, 19. August 2023, Verbier (CH)

125 Kilometer / 5025 Höhenmeter

Der 1990 das erste Mal ausgefahrene Grand Raid war der Urknall des Marathon-Booms. Keinen Rennen umweht eine solch mystische Aura, wie das ultraharte Ding von Verbier nach Grimentz. Die Besonderheit des Grand Raid ist sein A-nach-B-Modus. Was eine etwas umständliche Shuttle-Logistik bedingt, aber das ist das kleinste Problem. Im Morgengrauen geht es los. Zunächst über liebreizende Alpenpässe, die noch nichts verraten über die Hölle, die auf die Fahrer wartet. Mit jedem Kilometer nimmt die Tücke der Strecke zu. Die Gipfel werden höher, der Untergrund rauer. Und über allem liegt der Druck der Karenzzeiten, die für viele schon bald zum größten Gegner wird. Wer auch nur eine Sekunde zu spät an der Zeitkontrolle vor dem gefürchteten Schluss-Anstieg aufkreuzt, dem 2797 Meter hohen Pas de Lona, wird gnadenlos zu den Shuttle-Bussen ins Tal umgeleitet. Wer es rechtzeitig schafft, auf den wartet eine grauenvolle Tragepassage, auf der man knapp eine Stunde lang leidet. Oben angekommen warten jubelnde Zuschauer und die traditionellen Albhorn-Bläser. Der Ziellinie nah ist man aber noch lange nicht. Der Marathon der Marathons und eines der härtesten MTB-Rennen der Welt!

Der Grad Raid zählt zu den großen Monumenten des MTB-Sports. Wer es bis zum legendären Schlussanstieg Pas de Lona schafft, dem steht die eigentliche Hölle noch bevor.
Foto: Veranstalter

Nationalpark Marathon, 26. August 2023, Scuol (CH)

141 Kilometer / 3848 Höhenmeter

Die epische Runde ist eine Landschafts-Perle, aber wehe, wenn das Wetter nicht mitspielt! Falls der Wettergott gnädig ist, zählt der Nationalpark Marathon zu den schönsten Langstrecken-Rennen überhaupt. Hart ist er alleine aufgrund seiner Länge. Die lange Runde mit 141 Kilometern sollten sich nur Durchtrainierte antun. Doch die spektakulären Panoramen lenken den Fokus immer wieder vom Laktatschmerz weg. Das Val Mora und der Chaschauna-Pass sind nur zwei der Highlights. Wobei der sagenhaft steile Anstieg hoch zur Chaschauna-Hütte wahrscheinlich zum fiesesten zählt, was die Alpen Bikern zu bieten haben. Start- und Ziel-Ort ist der beschauliche Ort Scuol, der auch schon mehrmals Etappenort der BIKE Transalp war.

Großes Kino! Der Nationalpark-Marathon zählt zu den beeindruckendsten Rennen der Ausdauer-Szene. Epischer geht es nicht.Foto: Veranstalter
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