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Service: Einbremsen von Scheibenbremsen

BIKE hilft: Bremsbeläge richtig einbremsen

Sebastian Brust am 31.07.2014

Sie wundern sich über eine schwankende Wirkung oder einem hohen Verschleiß Ihrer Scheibenbremse? Häufig ist die Ursache einfach und leicht zu beheben: mit dem richtigem Einbremsen der Bremsbeläge.

Wer sich bei seiner Scheibenbremse mit organischen Bremsbelägen über plötzlichen Total­ausfall (Fading) wundert, hat vermutlich mit dem Phänomen des Ausgasens zu tun. Nicht ausgehärtete Bindemittel in organischen Belägen gasen bei Temperaturen um etwa 200 Grad aus. Die Bremswirkung fällt dann trotz steigender Bedienkräfte deutlich ab, begleitet von einem beißenden Geruch.

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Die Bremse wird beim Mountainbiken extrem beansprucht. Zum Glühen bringt man sie in freier Wildbahn aber eher selten. Beim Härtetest auf unserem Prüfstand kommt es aber regelmäßig vor.

Was wie eine Überhitzung durch Überlastung wirkt, gehört jedoch zum Einbremsprozess der Bremsbeläge. Erst nach dem Ausgasen ist der Belag endgültig ausgehärtet, wird temperaturresistent und verschleiß­fest. Der nicht eingebremste, "weiche” Belag kann dagegen innerhalb weniger Abfahrtskilometer komplett verschleißen. Um übermäßigem Verschleiß und dem plötzlich einsetzenden, sogenannten Initial-Fading vorzubeugen, muss man neue Beläge – und übrigens auch neue Scheiben – richtig einbremsen. Wir zeigen unten, wie das geht: 

Die wichtigsten Tipps zum Einbremsen der Bremsbeläge

1. Vorbehandlung durch den Hersteller

Im Fertigungsprozess lässt sich das Ausgasen organischer Beläge auch durch das starke Erhitzen der Beläge produzieren. Der Bearbeitungsschritt heißt „Flämmen” oder „Scorchen“. Dabei werden die Beläge über mehrere Minuten hohen Temperaturen (400 °C) ausgesetzt. Nur wenige Hersteller geben an, dass ihre Beläge so vorbehandelt werden, zum Beispiel BBB und einige Modelle von Brake Force One.

2.  Moderate Bremsungen aus 30 km/h

Beläge und Scheiben müssen zunächst eingeschliffen werden. Das ist wichtig, damit die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der jeweiligen Oberflächen ausgeglichen werden. Ansonsten reiben nur die Spitzen dieses Mini-Gebirges aufeinander, was zu extrem hoher lokal begrenzter Hitzeentwicklung führt. Die Folge: Beläge werden thermisch überlastet und können verglasen (insbesondere Sintermetall-Beläge), Scheiben können verziehen. Lassen Sie also zuerst die Bremse bei langsamer Fahrt oder geringem Gefälle zwei- bis dreihundert Meter leicht schleifen.

Den Einbremsprozess geben die Hersteller meist so oder so ähnlich an: mindestens 30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bis zum Stillstand. Fast bis zum Stillstand deshalb, damit sich keine Bremsbelaganhäufungen auf der Reibfläche bilden, die später ungewünschte Vibationen (Ursache für Geräusche) hervorrufen können. Man sollte während dieses Schrittes eine Zunahme der Bremswirkung spüren. Erhört sich diese nicht mehr merklich, ist die sogenannte Reibschicht ausgebildet und dieser Schritt angeschlossen. Die meisten Biker halten ihre Bremse jetzt für eingebremst. Es fehlt aber noch ein wichtiger Schritt.

3. Richtig heiß bremsen auf einer langen Abfahrt

Zum Abschluss des Einbremsens sollte man – bei organischen Belägen – das Ausgasen provozieren. Dazu auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln!) so lange schleifen lassen (richtig heiß bremsen), bis das Initial-Fading beginnt, die Bremswirkung also deutlich nachlässt. Ganz Hartgesottene bleiben jetzt sogar so lange auf der Bremse, bis die Verzögerungswirkung wieder zurück kommt. Erst dann ist der Belag optimal eingebremst, verschleiß- und standfest. Sinter-metallische und auch die meisten sogenannten semi-metallischen Belagmischungen benötigen diesen Schritt in der Regel nicht zum Ausgasen, da sie keine oder nur sehr geringe Anteile flüchtiger Lösemittel enthalten. Allerdings müssen auch sie hohen Temperaturen ausgesetzt werden, damit sich die 

Sebastian Brust am 31.07.2014

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