Bike People 2022Die wahren Helden des Jahres

BIKE Redaktion

 · 18.12.2022

Lukas Baum und Georg Egger, die Underdogs
Foto: Sam Clark

Die Mountainbike-Saison ist vorbei, doch diese Gesichter bleiben uns in Erinnerung. Hier sind unsere Bike-People des Jahres 2022.

1 Jo Klieber, Vollblut-Erfinder

Innovationen sind im Mountainbiken rar geworden. Gut, dass es die Tüftelkoryphäe Jo Klieber gibt. Der gebürtige Schwabe gilt als getriebener Perfektionist. Fünf Jahre grübelte er über einen Lenkraftstabilisator nach. Mit seiner Erfindung K.I.S. (Keep It Stable) stieß er in der Fahrradindustrie wie auch in der Motorradbranche auf offene Ohren. Auch wir sehen in K.I.S. Vorteile und freuen uns, dass es Typen wie Klieber gibt, die für frischen Wind in der MTB-Entwicklung sorgen.

Jo Klieber, Syntace, K.I.S. Erfinder Foto: Henri Lesewitz
Jo Klieber, Syntace, K.I.S. Erfinder

2 Tom Pidcock, Radsport-Überflieger

Den 23-jährigen Briten als größenwahnsinnig zu bezeichnen, muss erlaubt sein. Grund dafür ist seine selbstbewusste Aussage, er wolle in allen drei Disziplinen (MTB, Straße, Cyclocross) Weltmeister werden – und das im selben Jahr. Nach dieser Ansage ging ein Raunen durch die Szene. Dass er das Zeug dazu hat, bewies er früh in der Saison. Bereits im Januar siegte er bei der Cyclocross-WM, im Juli dann der Etappensieg bei der Tour de France, kurz darauf krönte er sich mit dem EM-Titel im Mountainbiken. Bei der WM in Les Gets fehlten Pidcock dann die Kräfte: Platz 4. Wir sagen: 2023 kann ihm sein Vorhaben gelingen.

Tom Pidcock, Radsport-Multitalent Foto: Red Bull Content Pool
Tom Pidcock, Radsport-Multitalent

3 Nina Hoffmann, Downhill-Sensation

Während sich die deutschen Männer im Downhill den Engländern und Franzosen geschlagen geben müssen, startete Nina 2022 richtig durch. Die 26-jährige Ex- Speerwerferin aus Jena holte sich zu Beginn der Saison ihren zweiten Worldcup-Sieg. Die Krönung: Der Vize-Weltmeistertitel Ende August in Les Gets. Das hat noch keine Deutsche erreicht. Weiter so!

Nina Hoffmann, Downhill-Meisterin Foto: Bartosz Wolinski
Nina Hoffmann, Downhill-Meisterin

4 + 5 Lukas Baum & Georg Egger, die Underdogs

Die beiden Deutschen rollten Ende März als absolute Außenseiter an den Start des legendären Etappenrennens Cape Epic. Experten wie Christoph Sauser setzten auf Star-Duos wie Schurter & Forster oder Blevens & Beers. Die zwei 27-jährigen Deutschen hatte dagegen keiner auf dem Schirm. Am Ende des Rennens waren es aber sie, die den Champagner auf dem Podest verspritzten. Eine echte Überraschung.

Lukas Baum & Georg Egger, Cape-Epic-Gewinner 2022 Foto: Sam Clark
Lukas Baum & Georg Egger, Cape-Epic-Gewinner 2022

6 Kathi Kuypers, Slopestyle-Vorreiterin

Die einstige BIKE-Praktikantin aus Oberbayern zählt zu den wenigen Frauen im Slopestyle-Sport. Viele Jahre startete Kathi (32) zusammen mit ihren männlichen Profikollegen bei Wettkämpfen. Beim diesjährigen Red Bull District Ride in Nürnberg hatten ausgewählte Slopestyle-Bikerinnen erstmals die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Das hatten sie auch Kathi zu verdanken, die dem Event-Sponsor bei der Frauenpremiere mit Rat und Tat zur Seite stand.

Kathi Kuypers, Slopestyle-Premiere für Frauen beim Red Bull District Ride 2022 Foto: Christoph Laue
Kathi Kuypers, Slopestyle-Premiere für Frauen beim Red Bull District Ride 2022

7 Braydon Bringhurst, Uphill-Meister

Anfang November erschien der Film „The whole Enchilada“ auf Youtube. Darin bezwingt der US-Amerikaner Braydon den legendären Moab-Trail – allerdings bergauf. Eine fahrtechnische Meisterleistung über teils verblockte und oft mit schier unüberwindbaren Anstiegen gespickte 2638 Höhenmeter. Statt in Trial-Manier Felsstufen zu überhopsen, gelang es dem 34-Jährigen mit explosivem Antritt und viel Flow, Schlüsselstellen zu meistern. So hauchte Braydon der sonst so langweiligen Disziplin des Uphills einen ganz neuen Charme ein und stellte nebenbei einen Rekord auf.

Braydon Bringhurst, Uphill-Meister Burst MediaFoto: Tory Power
Braydon Bringhurst, Uphill-Meister Burst Media

8 + 9 Julius Gräf und Nick Helmstetter, Alpen-Prinzen

Mit gerade mal acht Jahren bezwang Julius die Alpen: in 10 Tagen, mit 500 Kilometern und rund 3500 Höhenmetern. Anfang der Saison startete der Zweitklässler mit seinem Vater in München und landete schließlich in Venedig. Im Interview in BIKE berichtete Julius über taube Finger und Schneeregen am Brennerpass.

Alpen-Prinz Julias Gräf Foto: Privat
Alpen-Prinz Julias Gräf

Auf unser Interview mit Julius meldete sich Familie Helmstetter, die mit ihrem Sohn Nick bereits im Alter von sechs Jahren die Alpen meisterte und dieses Jahr die dritte Transalp bestritt. So jung und so viel Durchhaltewillen – den beiden Alpen-Prinzen gebührt unser voller Respekt.

Alpen-Prinz Nick Helmstetter Foto: Privat
Alpen-Prinz Nick Helmstetter

10 + 11 Christian Textor und Raphaela Richter, Enduro-Enthusiasten

Der Westerwälder hält die deutsche Fahne in der Enduro World Series hoch. Dieses Jahr gelang Christian Textor das besonders gut. Der 32-Jährige landete gleich fünf Mal unter den Top 20 (Gesamtresultat: Platz 19). Zudem verteidigte “Texi” seinen Deutschen Meistertitel. Auf die Frage, wieso es so wenige Enduro- Rennserien in Deutschland gebe, äußert sich Textor pragmatisch: “Auf offizielle Förderung vom Verband warte ich nicht, wir müssen die Sache selbst in die Hand nehmen.”

Raphaela Richter gelang ein sensationeller 9. Platz im EWS-Gesamt-Ranking.

Christian Textor, Deutscher Enduro-Meister Foto: Boris Beyer
Christian Textor, Deutscher Enduro-Meister
Raphaela Richter, Enduro-Racerin Foto: Miha Matavz
Raphaela Richter, Enduro-Racerin

Interview: Julius, der Alpenkönig

Julius Gräf (8) aus Thüringen überquerte die Alpen mit dem Fahrrad und gilt damit als jüngster Alpenüberquerer mit dem Bike.

BIKE: Julius, Glückwunsch zu Deiner Alpenüberquerung. Was war der schönste Moment bei Deinem Abenteuer?

Julius Gräf: Der Moment, als wir in Venedig angekommen sind. Da wusste ich, dass wir nix mehr vor uns haben.

Und während der Alpenüberquerung?

Eigentlich immer, wenn es bergab ging. Auch nachdem wir die Landesgrenze nach Italien geschafft haben und die Sonne endlich rauskam.

Gab es eine Situation, als Du hinschmeißen wolltest?

Nein, die gab es nicht. Doch schlimm war es bei der Auffahrt am Brennerpass – bei Schneeregen und null Grad. Meine Finger waren taub vor Kälte und mein Gesicht blau.

Über welche Glückwünsche hast Du Dich nach Deiner gelungenen Überquerung am meisten gefreut?

Als wir von Venedig nach Hause kamen gab es eine Willkommens-Party. Ungefähr 50 Menschen waren da, und der Bürgermeister hat mir sogar einen Pokal gegeben.

Gibt es Pläne für eine weitere Unternehmung mit Deinem Papa?

Nicht für dieses Jahr. Doch vielleicht fahr’ ich mit meinem Papa mit dem Fahrrad nach Dortmund zum Fußballstadion. Ich bin BVB-Fan. Papa sagt, die 300 Kilometer schaffe ich locker.

Zusammen mit Papa Markus knackte der Zweitklässler Julius Gräf in zehn Tagen 500 Kilometer und rund 3500 Höhenmeter. Rekord!  Foto: Privat
Zusammen mit Papa Markus knackte der Zweitklässler Julius Gräf in zehn Tagen 500 Kilometer und rund 3500 Höhenmeter. Rekord! Foto: Privat

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