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Cape-Epic-Sieger Georg Egger im Interview

Tobias Brehler

, Tim Folchert

 · 04.04.2022

Cape-Epic-Sieger Georg Egger im InterviewFoto: Nick Muzik

Deutsche Sensation beim Cape Epic: Georg Egger und Lukas Baum gewinnen bei ihrem Debüt das Cape Epic. Wir haben mit dem ehemaligen BIKE-Junior-Team-Mitglied gesprochen.

Cape Epic – Das Rennen

Bart Brentjens (Olympiasieger im Mountainbiken 1996) verglich das Etappenrennen Cape Epic in Südafrika einst mit der Tour de France. Das Cape Epic gilt analog zur Tour als wichtigstes Etappenrennen im Mountainbike-Rennsport. Der Verlauf des diesjährigen Rennens erinnerte stark an die Tour im Jahr 2020: Pogacar entriss Roglic auf der 20. Etappe das gelbe Trikot, welches Roglic zuvor über viele Etappen hinweg verteidigen konnte.

Doch von Anfang an: Das Cape Epic fand 2022 zum 18. Mal statt. Über acht Tage verteilt absolvierten die Teilnehmer 657 Kilometer und 17250 Höhenmeter. Neben den Profis dürfen auch Amateure teilnehmen, die begehrten Startplätze werden verlost.

  Die Strecke fordert den Teilnehmern alles ab: Auch die Besten der Welt müssen vom Rad und das Bike schultern.Foto: Simon Pocock
Die Strecke fordert den Teilnehmern alles ab: Auch die Besten der Welt müssen vom Rad und das Bike schultern.

Wie schon in den vergangenen Jahren lässt sich das Profi-Feld in zwei Gruppen einteilen: Einerseits die Marathonfahrer, deren Paradedisziplin lange Etappen sind. Prominentester Vertreter: Der amtierende Marathon-Weltmeister Andreas Seewald. Andererseits die Cross-Country-Piloten, deren Stärke kürzere, aber härtere Belastungen sind. Der prominenteste Vertreter im Starterfeld: Nino Schurter. Er gewann gemeinsam mit Lars Forster im Jahr 2019.

Gerade der Prolog am ersten Tag spielt den Cross-Country-Profis in die Karten, denn die Renndauer von einer Stunde erinnert stark an einen Cross-Country-Worldcup. Die darauffolgenden Etappen liegen dafür den Langstrecken-Experten, Fahrzeiten von vier Stunden sind die Regel. Hier stellt sich oft die Frage: Halten die XCO-Profis durch oder gehen sie ein?

  Die beiden Cape-Epic-Spezialisten und Ex-Rivalen Karl Platt und Christoph Sauser sicherten sich die Masters-Wertung mit knapp 50 Minuten Vorsprung. Sie führen die Liste der Cape-Epic-Gewinner mit jeweils fünf Einzelsiegen in der Herren-Wertung an.Foto: Sam Clark
Die beiden Cape-Epic-Spezialisten und Ex-Rivalen Karl Platt und Christoph Sauser sicherten sich die Masters-Wertung mit knapp 50 Minuten Vorsprung. Sie führen die Liste der Cape-Epic-Gewinner mit jeweils fünf Einzelsiegen in der Herren-Wertung an.

Das Männer-Rennen: Sensation auf der letzten Etappe

Wie erwartet konnten sich die Marathon-Profis Andreas Seewald und Martin Stosek auf der ersten Etappe absetzen und sich einen Vorsprung von fünf Minuten auf die Verfolger sichern. Sie fuhren die verbleibenden Tage im gelben Führungstrikot. Für eine kleine Überraschung sorgten die beiden jungen Deutschen, Georg Egger und Lukas Baum (beide Jahrgang 1995), schon beim Prolog: Sie fuhren bei ihrem Cape-Epic-Debüt auf Rang zwei und hatten ein klares Statement: "We are not here to take part, we are here to take over!".

Und das sollten keine leeren Worte bleiben: Die beiden attackierten täglich und konnten sich so den Sieg auf Etappe drei sichern. Außerdem blieben sie stets in Reichweite zu den Gesamtführenden Andreas Seewald und Martin Stosek vom Canyon-Northwave Team. Am letzten Tag dann die Sensation: Egger und Baum konnten sich vom Feld absetzen und die prestigeträchtige letzte Etappe gewinnen.

Doch nicht nur das: Der Vorsprung für die zwei jungen Deutschen von Speed Company Racing reichte für den Gesamtsieg! Aus deutscher Sicht war das Cape Epic 2022 damit ein wahnsinniger Erfolg: Georg Egger und Lukas Baum auf Platz eins, gefolgt von Andreas Seewald auf zwei. Simon Schneller (Team Bulls) fuhr auf Platz 5, Sascha Weber von Trek Vaude auf 10. So viele Top-Ten-Platzierungen kann keine andere Nation aufweisen.

  Pauline Ferrand-Prévot gilt als weltweit beste Radfahrerin: Sie konnte schon Weltklasse-Erfolge auf der Straße, im Cyclocross und auf dem MTB feiern. Beim Cape Epic 2022 musste sich die Französin mit ihrer Teampartnerin Robyn de Groot mit Platz drei zufrieden geben.Foto: Sam Clark
Pauline Ferrand-Prévot gilt als weltweit beste Radfahrerin: Sie konnte schon Weltklasse-Erfolge auf der Straße, im Cyclocross und auf dem MTB feiern. Beim Cape Epic 2022 musste sich die Französin mit ihrer Teampartnerin Robyn de Groot mit Platz drei zufrieden geben.

Das Frauen-Rennen: Ferrand-Prévot/de Grott nur Dritte

Das Damen-Feld war ebenfalls hochkarätig besetzt. Die prominenteste Starterin: Allround-Star Pauline Ferrand-Prévot. Sie wurde schon in allen drei Disziplinen (Straße, Cyclocross und Mountainbike) Weltmeisterin. Sie konnte gemeinsam mit ihrer Teamkollegin Robyn de Groot (BMC) den Prolog für sich entscheiden, musste dann aber die Konkurrenz ziehen lassen: Haley Batten und Sofia Gomez Villafane (NinetyOne-Songo-Specialized) sicherten sich den Gesamtsieg. Auf Rang zwei landeten die Südafrikanerinnen Candice Lill und Mariske Strauss.

  Die beiden Südafrikanerinnen Candice Lill und Mariske Strauss wurden hinter Haley Batten und Sofia Gomez Villafane Zweite beim Cape Epic 2022.Foto: Sam Clark
Die beiden Südafrikanerinnen Candice Lill und Mariske Strauss wurden hinter Haley Batten und Sofia Gomez Villafane Zweite beim Cape Epic 2022.

Das Masters-Rennen: Klare Sache für Platt/Sauser

In der Masters-Kategorie gingen unter anderem die zwei Cape Epic-Legenden Karl Platt und Christoph Sauser an den Start. Die beiden haben jeweils mit unterschiedlichen Partnern die Men-Wertung fünf Mal gewonnen und führen damit gemeinsam mit Annika Langvad (2020 aktive Karriere beendet) die Liste mit den meisten Elite-Siegen an. Dieser geballten Erfahrung konnte kein anderes Team Paroli bieten, die beiden gewannen mit knapp 50 Minuten Vorsprung. 

Leider auch ein gewohntes Bild: Nino Schurter hatte mehrfach mit technischen Defekten zu kämpfen, der Gesamtsieg geriet so chon auf der ersten Etappe außer Reichweite.Foto: Nick Muzik
Leider auch ein gewohntes Bild: Nino Schurter hatte mehrfach mit technischen Defekten zu kämpfen, der Gesamtsieg geriet so chon auf der ersten Etappe außer Reichweite.
Um der Hitze zumindest teilweise zu entkommen starten die Teilnehmer in der Morgendämmerung. Das macht die brutalen Anstiege etwas erträglicher und die Bilder (hier: Blick auf Lourensford Wine Estate) noch epischer.Foto: Nick Muzik
Um der Hitze zumindest teilweise zu entkommen starten die Teilnehmer in der Morgendämmerung. Das macht die brutalen Anstiege etwas erträglicher und die Bilder (hier: Blick auf Lourensford Wine Estate) noch epischer.
Die beiden Cape Epic-Newcomer Georg Egger und Lukas Baum fuhren voll auf Attacke und führten das Feld oftmals an.Foto: Simon Pocock
Die beiden Cape Epic-Newcomer Georg Egger und Lukas Baum fuhren voll auf Attacke und führten das Feld oftmals an.
Das vollständige (!) Gewinner-Team auf einem Bild. Im Gegensatz zu anderen Profi-Teams hatten Lukas Baum und Georg Egger nur den Vater von Lukas Baum zur Unterstützung dabei. Große Teams bringen zu so einem Rennen üblicherweise Mechaniker, Physiotherapeuten und sogar ein Backup-Team mit.Foto: Nick Muzik
Das vollständige (!) Gewinner-Team auf einem Bild. Im Gegensatz zu anderen Profi-Teams hatten Lukas Baum und Georg Egger nur den Vater von Lukas Baum zur Unterstützung dabei. Große Teams bringen zu so einem Rennen üblicherweise Mechaniker, Physiotherapeuten und sogar ein Backup-Team mit.
Emotionales Ende nach bangem Warten: Lukas Baum und Georg Egger konnten die letzte Etappe für sich entscheiden. Als nach zwei Minuten und 45 Sekunden die Gesamtführenden Andreas Seewald und Martin Stosek nicht in Sicht waren, realisierten die Beiden: Wir haben es geschafft!
Anders als bei Straßenrennen gibt es weder Teamfunk noch eine genaue Live-Zeitmessung zwischen den Fahrern. Das garantiert Spannung bis zum Ende.Foto: Nick Muzik
Emotionales Ende nach bangem Warten: Lukas Baum und Georg Egger konnten die letzte Etappe für sich entscheiden. Als nach zwei Minuten und 45 Sekunden die Gesamtführenden Andreas Seewald und Martin Stosek nicht in Sicht waren, realisierten die Beiden: Wir haben es geschafft! Anders als bei Straßenrennen gibt es weder Teamfunk noch eine genaue Live-Zeitmessung zwischen den Fahrern. Das garantiert Spannung bis zum Ende.
Typisch für die Region: Die flowigen Trails mit kleinen Sprüngen. Mehr Infos zu den Trails in Südafrika gibt´s hier
.Foto: Nick Muzik
Typisch für die Region: Die flowigen Trails mit kleinen Sprüngen. Mehr Infos zu den Trails in Südafrika gibt´s hier .
In Afrika hat das Cape Epic einen wesentlich höheren Stellenwert als MTB-Rennen in Europa. Deshalb wird das Rennen von mehreren Helikoptern verfolgt, zudem begleiten Kamerafahrer mit E-Bikes die Teams bei der Hatz über die Trails und liefern so besonders spektakuläre Aufnahmen.Foto: Nick Muzik
In Afrika hat das Cape Epic einen wesentlich höheren Stellenwert als MTB-Rennen in Europa. Deshalb wird das Rennen von mehreren Helikoptern verfolgt, zudem begleiten Kamerafahrer mit E-Bikes die Teams bei der Hatz über die Trails und liefern so besonders spektakuläre Aufnahmen.
Warum reckt Lars Forster seine Faust so euphorisch in die Luft, wo doch Christopher Blewins vor den beiden Schweizern über die Ziellinie rollt? Entscheidend für die Zeitnahme ist der zweite Teamkollege. Da Matthew Beers im Sprint seinem Teampartner nicht folgen konnte, sicherten sich Nino Schurter und Lars Forster den Tagessieg der zweiten Etappe.Foto: Nick Muzik
Warum reckt Lars Forster seine Faust so euphorisch in die Luft, wo doch Christopher Blewins vor den beiden Schweizern über die Ziellinie rollt? Entscheidend für die Zeitnahme ist der zweite Teamkollege. Da Matthew Beers im Sprint seinem Teampartner nicht folgen konnte, sicherten sich Nino Schurter und Lars Forster den Tagessieg der zweiten Etappe.
Georg Egger und Lukas Baum attackierten während des ganzen Rennens. Auf Etappe drei konnten sie mit ihrem Tagessieg den Konkurrenten wertvolle Zeit abknüpfen.Foto: Nick Muzik
Georg Egger und Lukas Baum attackierten während des ganzen Rennens. Auf Etappe drei konnten sie mit ihrem Tagessieg den Konkurrenten wertvolle Zeit abknüpfen.
Gewohntes Bild: Das Team Canyon Northwave MTB mit Marathon-Weltmeister Andreas Seewald und Martin Stosek fuhr die Etappen zwei bis sieben im Führungstrikot, nachdem es die erste Etappe mit über fünf Minuten Vorsprung für sich entscheiden konnte.Foto: Nick Muzik
Gewohntes Bild: Das Team Canyon Northwave MTB mit Marathon-Weltmeister Andreas Seewald und Martin Stosek fuhr die Etappen zwei bis sieben im Führungstrikot, nachdem es die erste Etappe mit über fünf Minuten Vorsprung für sich entscheiden konnte.
Leider auch ein gewohntes Bild: Nino Schurter hatte mehrfach mit technischen Defekten zu kämpfen, der Gesamtsieg geriet so chon auf der ersten Etappe außer Reichweite.Foto: Nick Muzik
Leider auch ein gewohntes Bild: Nino Schurter hatte mehrfach mit technischen Defekten zu kämpfen, der Gesamtsieg geriet so chon auf der ersten Etappe außer Reichweite.
Um der Hitze zumindest teilweise zu entkommen starten die Teilnehmer in der Morgendämmerung. Das macht die brutalen Anstiege etwas erträglicher und die Bilder (hier: Blick auf Lourensford Wine Estate) noch epischer.Foto: Nick Muzik
Um der Hitze zumindest teilweise zu entkommen starten die Teilnehmer in der Morgendämmerung. Das macht die brutalen Anstiege etwas erträglicher und die Bilder (hier: Blick auf Lourensford Wine Estate) noch epischer.
Um der Hitze zumindest teilweise zu entkommen starten die Teilnehmer in der Morgendämmerung. Das macht die brutalen Anstiege etwas erträglicher und die Bilder (hier: Blick auf Lourensford Wine Estate) noch epischer.
Die beiden Cape Epic-Newcomer Georg Egger und Lukas Baum fuhren voll auf Attacke und führten das Feld oftmals an.
Das vollständige (!) Gewinner-Team auf einem Bild. Im Gegensatz zu anderen Profi-Teams hatten Lukas Baum und Georg Egger nur den Vater von Lukas Baum zur Unterstützung dabei. Große Teams bringen zu so einem Rennen üblicherweise Mechaniker, Physiotherapeuten und sogar ein Backup-Team mit.
Emotionales Ende nach bangem Warten: Lukas Baum und Georg Egger konnten die letzte Etappe für sich entscheiden. Als nach zwei Minuten und 45 Sekunden die Gesamtführenden Andreas Seewald und Martin Stosek nicht in Sicht waren, realisierten die Beiden: Wir haben es geschafft!
Anders als bei Straßenrennen gibt es weder Teamfunk noch eine genaue Live-Zeitmessung zwischen den Fahrern. Das garantiert Spannung bis zum Ende.
Typisch für die Region: Die flowigen Trails mit kleinen Sprüngen. Mehr Infos zu den Trails in Südafrika gibt´s hier
.
In Afrika hat das Cape Epic einen wesentlich höheren Stellenwert als MTB-Rennen in Europa. Deshalb wird das Rennen von mehreren Helikoptern verfolgt, zudem begleiten Kamerafahrer mit E-Bikes die Teams bei der Hatz über die Trails und liefern so besonders spektakuläre Aufnahmen.
Warum reckt Lars Forster seine Faust so euphorisch in die Luft, wo doch Christopher Blewins vor den beiden Schweizern über die Ziellinie rollt? Entscheidend für die Zeitnahme ist der zweite Teamkollege. Da Matthew Beers im Sprint seinem Teampartner nicht folgen konnte, sicherten sich Nino Schurter und Lars Forster den Tagessieg der zweiten Etappe.
Georg Egger und Lukas Baum attackierten während des ganzen Rennens. Auf Etappe drei konnten sie mit ihrem Tagessieg den Konkurrenten wertvolle Zeit abknüpfen.
Gewohntes Bild: Das Team Canyon Northwave MTB mit Marathon-Weltmeister Andreas Seewald und Martin Stosek fuhr die Etappen zwei bis sieben im Führungstrikot, nachdem es die erste Etappe mit über fünf Minuten Vorsprung für sich entscheiden konnte.
Leider auch ein gewohntes Bild: Nino Schurter hatte mehrfach mit technischen Defekten zu kämpfen, der Gesamtsieg geriet so chon auf der ersten Etappe außer Reichweite.

Geballte Renn-Action: Das acht-minütige Video zeigt nur einige Highlights des Cape Epic 2022.

  Die beiden Überraschungs-Gewinner des Cape Epic 2022: Georg Egger (li.) und Lukas Baum (re.). Wir haben den ehemaligen BIKE-Junior-Team-Fahrer Georg Egger interviewt. Hier gibt's mehr Hintergründe zu <a href="https://www.bike-magazin.de/hintergruende/typen_portraet/georg-egger-vom-nachwuchstalent-zum-mtb-profi" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Georg Eggers Karriere als MTB-Profi</a> .Foto: Julen Otero
Die beiden Überraschungs-Gewinner des Cape Epic 2022: Georg Egger (li.) und Lukas Baum (re.). Wir haben den ehemaligen BIKE-Junior-Team-Fahrer Georg Egger interviewt. Hier gibt's mehr Hintergründe zu Georg Eggers Karriere als MTB-Profi .

Interview mit Cape-Epic-Sieger Georg Egger

BIKE: Vor über zehn Jahren haben wir Dich das erste Mal interviewt. Damals war Dein großer Traum die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Leider hat das nicht funktioniert. Wie bist Du damit umgegangen?

Georg Egger: In der ganzen Vorbereitung 2019 und 2020 war ich nicht ganz auf dem Level, um vorne mitfahren zu können. Noch dazu kam, dass wir Familienzuwachs bekommen haben. Da hatte ich viel um die Ohren. Die schnellsten Fahrer dürfen nach Olympia. Ich gehörte in der Zeit leider nicht dazu.

Du warst Teil des BIKE Junior Teams. An welche Lektion erinnerst Du Dich noch heute?

Ich habe wahrscheinlich alle Racing-Grundlagen beim BIKE Junior Team gelernt. Von Kameradschaft, über Sponsorentreue und Fahrtechnik hin zu „ride clean“. Das stand nicht nur groß auf dem Jersey, es wurde auch gelebt. Verbotene Substanzen waren und sind immer noch ein No-Go!

Du hast in Deiner Jugend auf Paletten an Deiner Fahrtechnik gefeilt und Runde für Runde auf Deiner privaten Rennstrecke in Obergessertshausen trainiert. Welche Tipps kannst Du Nachwuchs-Racern geben?

Ich war konditionell immer ein starker Fahrer, aber an der Fahrtechnik hat es gemangelt. Deshalb habe ich auf Paletten geübt und mir eine Runde im Wald gebaut, um das Defizit aufzuarbeiten. Mein Tipp für Nachwuchs-Racer: Spaß an der Sache haben!

Ihr habt letztes Jahr Euer eigenes Team gegründet. Wie kam es dazu, dass Du ein Profi-Team (Lexware) verlässt und ein eigenes Team gründest?

Ich wollte einfach mit meinem besten Kumpel Lukas Baum etwas Eigenes machen und wir wollten uns nicht unterordnen, sondern selbst entscheiden, ob wir Cross Country, Marathon oder Straßenrennen fahren. Bisher geht das Konzept auf.

Euer Statement nach dem Prolog "We are not here to take part, we are here to take over!" klang für ein Debüt ziemlich selbstbewusst. Was habt Ihr von dem Rennen erwartet?

Das Statement ist natürlich eine Kampfansage und kam von Lukas. Ich war zuerst überrascht von den klaren Worten. Doch es war von vornherein klar, dass wir nicht nach Südafrika fahren, um auf Platz 20 ins Ziel zu rollen. Am Ende hat es sich ausgezahlt.

  Georg Egger (27) feierte mit dem Sieg beim Cape Epic 2022 seinen größten Erfolg. Den Grundstein dafür legte der Bayer mit seiner Zeit im BIKE Junior Team.Foto: Cape Epic,Dominic Barnardt
Georg Egger (27) feierte mit dem Sieg beim Cape Epic 2022 seinen größten Erfolg. Den Grundstein dafür legte der Bayer mit seiner Zeit im BIKE Junior Team.

Auf der fünften Etappe habt Ihr attackiert und einen zweiminütigen Vorsprung rausgefahren. Dann habt Ihr einen Abzweig verpasst und wurdet überholt. Wie behält man da die Konzentration und Motivation für die restliche Etappe?

Der Umweg war natürlich ärgerlich. Dazu kam, dass wir bei der Aufholjagd am Limit fahren mussten. Doch anstatt uns hängen zu lassen, hat uns diese Aufholjagd so gepusht, dass wir für den Rest des Rennens wie im "Beast-Mode" unterwegs waren. Ans Aufgeben haben wir nie gedacht!

Große Teams bringen zig Leute mit, die sich um das Wohl der Fahrer und des Materials kümmern. Außerdem haben sie ein Backup-Team, das auf der Strecke unterstützen kann. Ihr hattet nur den Vater von Lukas dabei. Wie bewältigt Ihr das?

Klar, wir waren durch das kleine Team im Nachteil, doch wir haben versucht, das Beste daraus zu machen, haben uns voll auf das Rennen konzentriert und uns gegenseitig unterstützt. Sei es beim Kochen oder dabei, die Bikes auf Vordermann zu bringen. Für das nächste Mal wäre ein weiterer Betreuer und ein Physiotherapeut nicht schlecht, doch es hat auch so gut funktioniert.

Wie geht es jetzt weiter? Was sind Deine nächsten großen Ziele? Wirst Du Dich zusammen mit Lukas auf Marathon-Rennen fokussieren oder steht der Cross-Country-Worldcup auf Eurem Programm?

Sowohl als auch. Lukas und ich werden bei den europäischen Cross-Country-Worldcup-Rennen sowie Marathon-Rennen an den Start gehen. Außerdem stehen Rennen wie das Epic Israel und wahrscheinlich noch das Andorra Epic auf dem Plan. Ein weiteres großes Ziel ist die Marathon-Weltmeisterschaft in Dänemark. Und auch an der deutschen Marathon-Meisterschaft gehen wir an den Start. Auf der Straße wollen wir bei der deutschen Straßenmeisterschaft angreifen.

  Ein historischer Moment für die deutsche Mountainbike-Szene: Georg Egger und Lukas Baum posieren als Gesamtsieger beim Cape Epic 2022 mit Medaille im gelben Trikot.Foto: Cape Epic,Sam Clark
Ein historischer Moment für die deutsche Mountainbike-Szene: Georg Egger und Lukas Baum posieren als Gesamtsieger beim Cape Epic 2022 mit Medaille im gelben Trikot.

Ein kurzes Video über Georg und Lukas vom Cape Epic: Auf die Unterstützung eines großen Betreuerstabs konnten die jungen Deutschen mit ihrem 2-Mann-Team Speed Company Racing nicht zurückgreifen. Stattdessen haben sie sich selbst um den Bike-Service gekümmert.

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