Test E-EndurosSieben E-Enduros bis 7000 Euro im Vergleichstest

Florentin Vesenbeckh

 · 14.11.2022

Test E-Enduros: Sieben E-Enduros bis 7000 Euro im VergleichstestFoto: Adrian Vesenbeckh
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7 E-Enduros, 3 Rennfahrer und die anspruchsvollste Rennstrecke der Enduro World Series: In Petzen/Jamnica wartete auf unsere Testkandidaten ein echter Hardcore-Einsatz.

Wenn es selbst Richie Rude am Ende eines Enduro-Rennens den Lenker vor Erschöpfung aus der Hand schlägt, dann gibt das Auskunft über die Strecke, die er bis dahin zurücklegen musste. Doch nicht nur der dominierende Enduro-Fahrer der letzten Jahre hatte mit den Stages der Enduro World Series (EWS) am Petzen in Kärnten zu kämpfen. Zahlreiche Instragram-Posts aus der EWS-Rennszene sprechen eine eindeutige Sprache: Lang, steil und anspruchsvoll soll die Strecke sein – oder, um im Instagram-Sprech zu bleiben: einfach „gnarly“! Genau diese Rennstrecke haben wir uns für den Test der 2022 angesagtesten E-Enduros ausgesucht und zusätzlich unser Team mit drei unerschrockenen EWS-Rennfahrern verstärkt. Ein Extremtest jenseits dessen, was der normale E-Biker je fahren wird? Nein. Der Kurs am Petzen hat freilich nicht nur halsbrecherische Schlüsselstellen zu bieten. Auf unserer Runde durch die österreichisch-slowenische Grenzregion gibt es ebenso flowige Abschnitte auf weichem Waldboden wie auch knackige Uphill-Challenges. Ideales Terrain also, um ein umfassendes Bild der Qualitäten, Charaktere und Schwächen unserer Testkandidaten zu bekommen.

Verlagssonderveröffentlichung

Diese 7 E-Enduros haben wir getestet:

Bulls Sonic EVO EN-SL 2 Carbon
Foto: Adrian Vesenbeckh

Alles zum Test:


Sechs angesagte E-Enduros von Bulls, Giant, Radon, Rocky Mountain, Stevens und Thok müssen sich miteinander messen. Alle liegen im Preisbereich zwischen 6300 und 7000 Euro. Doch uns interessiert nicht nur der Vergleich innerhalb dieser sortenreinen Gruppe, sondern auch eine andere Frage: Wie schlagen sich solche Power-Enduros im Downhill-Battle mit einem Light-Enduro? Die Antwort sollte das Specialized
Kenevo SL Comp geben: weniger Motor-Power, kleinerer Akku, ungefähr sechs Kilo leichter als die Konkurrenten. Lässt das Leichtgewicht die schweren Brummer auf den harten Enduro-Tracks alt aussehen?

Unser Preislimit von 7000 Euro hätten wir gerne tiefer angesiedelt und erschwinglichere E-Enduros vorgeführt. Am Ende machte uns die schwierige Liefersituation und das allgemein ansteigende Preis­niveau einen Strich durch die Rechnung. Grundsätzlich liegen E-Enduros preislich etwas höher als gemäßigtere E-MTBs. Denn in diesem Einsatzbereich muss etwas mehr in robuste Ausstattung und gute Fahrwerkskomponenten investiert werden. Für alle, die ein günstigeres E-Enduro suchen, haben wir auf S. 45 eine Übersicht mit Bikes für kleinere Geldbeutel erstellt.

Thriller – die erste Härteprüfung

Thriller heißt die erste Stage, die wir uns auf dem EWS-E-Kurs in Petzen vornehmen – eine der zwei permanenten Enduro-Strecken im Bikepark Petzen. Und der Name ist Programm. Der Waldboden ist mit Wurzeln und Steinen gespickt, auf schnellere Geraden folgen steile Kurven, die über Absätze in die Tiefe kippen. Die Enduros müssen vom Start weg zeigen, ob sie zurecht in diese Kategorie eingeordnet wurden. Fahrwerk, Bremsen, Reifen – und insbesondere eine stimmige Geometrie sind gefordert. Gasttester Anton sticht als erster in den Trail. Die Linie sitzt, schließlich ist er hier vor wenigen Tagen im EWS100-Rennen der Herren Bestzeit gefahren.

Statement von Anton Wünscher, Enduro-Rennfahrer

“Einmal einlenken und dann wie auf Schienen um die Ecke rauschen. Das Kurvenverhalten des Rocky Mountain hat mich richtig beeindruckt. Ein rundum gelungenes E-Enduro.”
Anton Wünscher, EMTB-Testfahrer und Enduro-RacerFoto: Adrian Vesenbeckh
Anton Wünscher, EMTB-Testfahrer und Enduro-Racer

Die Hindernisse kommen Schlag auf Schlag. Insbesondere beim Fahrwerk merkt man auf diesem Track sehr schnell, woran man ist. Giant, Radon, Rocky Mountain und das Specialized-Light-Enduro zeigen auf dem Thriller Nehmerqualitäten und entschärfen kleine Schläge und große Brocken gleichermaßen. Das bringt Ruhe in die Fahrt. Der Spaß ist jedoch schnell vorbei, denn Tobi, der ebenfalls beim EWS100-Rennen am Start stand, wird ein spitzer Stein zum Verhängnis. Er steht mit dem Kenevo SL am Streckenrand und schaut etwas bedröppelt auf gleich zwei platte Reifen. Auch wenn das keine neue Erkenntnis ist, macht diese Szene einmal mehr klar: Wer ein potentes Enduro in rauem Gelände sportlich bewegen will, braucht eine robuste Reifenkarkasse. Neben Specialized haben hier Radon und Thok Nachholbedarf. In die Vollen geht hingegen Rocky Mountain. An Vorder- und Hinterrad sitzen robuste Double-Down-Konstruktionen von Maxxis. Auch Stevens lässt mit Schwalbes massivem Eddy-Current-Hinterreifen nichts anbrennen.

Die Specialized-Reifen sind mit Salami-Sticks repariert, der Thriller liegt hinter uns. Ein langer Transfer führt im Auf und Ab über die Grenze nach Slowenien. Die nächsten Stages sind Neuland für Adrian, Anton und Tobi. Denn das Rennen der unmotorisierten Enduristen führte weiter östlich durch den Trailpark Jamnica. Die EWS-E-Strecke schlängelt sich hingegen nach Podpeca, wie das Trail-Areal zwischen den Orten Mezica und Crna genannt wird.

Ruppig, rutschig, steil: Auf den anspruchsvollen Trails Thriller und EWS-Trail sind volle Enduro-Qualitäten gefragt. Das Reign E+ von Giant ist in seinem Element, Gasttester Anton Wünscher sowieso.Foto: Adrian Vesenbeckh
Ruppig, rutschig, steil: Auf den anspruchsvollen Trails Thriller und EWS-Trail sind volle Enduro-Qualitäten gefragt. Das Reign E+ von Giant ist in seinem Element, Gasttester Anton Wünscher sowieso.

Charakterfrage: Bolide oder Spielgefährte

Stage zwei hört auf den vielversprechenden Namen Ridge. Ein handtuchbreiter, flacher Pfad führt in ein Meer aus Farnen und Blaubeersträuchern. Die Sonnenstrahlen lassen den lichten Wald in unzähligen Grüntönen aufleuchten. Und mittendurch windet sich ein Streifen aus frischem, tiefbraunem Waldboden. Wir rollen los und lassen uns vom Flow treiben. Eine Kurve folgt auf die nächste, wie in einer Achterbahn geht es am Kamm entlang. Im Vergleich zum Thriller ist der Untergrund hier zahm.

Wichtiger als ein schluckfreudiges Fahrwerk ist ein ausgewogenes und leichtfüßiges Bike-Handling. Es schlägt die Stunde des Bulls. Mit nur 22 Kilo ist das Evo EN-SL das mit großem Abstand leichteste der Power-Enduros. „Das spaßigste Bike im Test“, gibt Anton mit einem breiten Grinsen zu Protokoll. Das sehr direkte und präzise Fahrgefühl des Leichtgewichts ist auf dem kurvigen Waldkurs mehr wert als stoische Laufruhe. Der Trail schlägt Haken, das Bulls tanzt mit und bleibt dabei immer berechenbar. Auch das Kenevo SL profitiert in diesen Passagen von seinem geringen Gewicht und dadurch leichtfüßigen Handling. An den Spieltrieb des Bulls kommt es aber nicht heran, trotz seines drei Kilo geringeren Gesamtgewichts. Das Specialized spielt seine Qualitäten eher auf ruppigen Passagen aus, wo es mit sattem Fahrwerk und viel Laufruhe punktet.



Überrascht hat uns im kurvigen, flowigen Abschnitt des Ridge-Trails das Altitude von Rocky Mountain. Hinterließ es auf dem wirklich ruppigen Thriller bisher den souveränsten und laufruhigsten Eindruck, fährt es sich im Waldbodenslalom keineswegs träge oder langweilig. Im Gegenteil. Kurven nimmt es mit Bravour, und auch den Bunnyhop über den nächsten Baumstumpf meistert es vergleichsweise spielerisch – den kurzen Kettenstreben und dem starken Fahrwerk sei Dank. Ein Volltreffer. Kaum zu glauben, dass dieses Bike sechs Kilo schwerer sein soll als das Specia­lized Kenevo SL.

Nach rund der Hälfte der 447 Tiefenmeter zeigt dann auch die Ridge-Stage ihre Zähne. Der Pfad bricht in die rechte Flanke des Kamms ab, es wird steiler, ruppiger. Wer hier das Bulls unter seinen Füßen hat, muss etwas Fahrt rausnehmen – oder ganz genau wissen, was er tut. „Der geringere Hub am Bulls ist spürbar, der Hinterbau schneller am Limit“, findet Anton – und schiebt hinterher: „Dafür lässt es sich viel besser bewegen. Es kaschiert den größten Schwachpunkt der E-Bikes am besten, nämlich das schwerfällige Handling. Das ist mir wichtiger als sattes Schluckvermögen.“ Der sympathische Lockenkopf macht die Bremsen auf und fliegt in die nächste Rumpelpassage. Die Einschläge am Hinterrad scheint er einfach wegzulächeln. Das zeigt, wie individuell die Wahl des perfekten E-Enduros ist. Wer nicht die Skills besitzt, am Wochenende mal eben ein international besetztes Enduro-Rennen zu gewinnen, aber trotzdem gerne schnell über wilde Wurzelfelder oder haarige Steilpassagen rumpeln will, wird vermutlich eher mit einem der potenteren Kandidaten sein Glück finden: zum Beispiel mit dem Rocky Mountain, Giant, Radon oder Specialized.

Enduro Reverse – es geht bergauf

Auf dem Rückweg Richtung Petzen wartet die Powerstage. Hier geht es bergauf. Diese Sonderprüfung, eine reine Uphill-Stage, ist für unsere Gasttester ein Highlight, macht sie doch den größten Unterschied zu den Rennen und Strecken der normalen EWS aus. Schon bei diversen Fotostopps zuvor haben Anton und Tobi die Bergaufqualitäten der
E-MTBs gecheckt. Wie Kinder auf einem Abenteuerspielplatz wurden die Grenzen ausgelotet. „Das E-Bike eröffnet einfach eine neue Welt“, sagt Tobi begeistert und schielt auf den Start vom Adrog, so der klangvolle Name der Powerstage.

Statement von Tobias Herterich, EMTB-Gasttester:

“E-Bikes eröffnen eine neue Welt. Uphill-Challenges sind ein riesen Spaß, das kennt man vom normalen Bike so nicht. Der Bosch-Antrieb kann in dieser Disziplin absolut überzeugen.”
Tobias Herterich, EMTB-GasttesterFoto: Adrian Vesenbeckh
Tobias Herterich, EMTB-Gasttester

Eine Wurzelstufe versperrt den Einstieg in den Pfad oberhalb von Mezica. Unsere Gasttester, die die Uphill-Power der E-MTBs noch nicht richtig einschätzen können, schauen sich fragend an. Dann fährt Tobi einfach los. Der spritzige Bosch-Antrieb im Radon hievt ihn locker über die Stufe. Also hinterher. Der Trail führt in eine felsige Wanne, der Boden hat scheinbar unendlich Traktion. In Kurven kann man die steilen Ränder des Hohlwegs fast als Anlieger nutzen. Das ist er also, dieser Uphillflow. Kurze Steilpassagen fordern eine geschickte Gewichtsverlagerung und den vollen Bums des Motors.

Etwas abgeschlagen kommt Anton um die Kurve. Er ist der Leichteste und definitiv auch nicht der Schwächste in unserer Gruppe. Trotzdem muss er heftig pumpen. „Gib mir mal das Stevens“, sagt er und rollt die letzten Steilstufen noch mal hinab, um einen direkten Vergleich der Bikes zu bekommen. Lachend bleibt er nach der Schlüsselpassage stehen. „Der Unterschied zwischen Shimano und Bosch ist ja Wahnsinn. Mit dem Bosch ist man viel spielerischer unterwegs“, sagt er. Zuvor saß er auf dem EP8-betriebenen Bulls und musste spürbar mehr ackern. Rocky Mountains Dyname 4.0 legt noch mal eine Schippe drauf. Wenn der Fahrer richtig Gas gibt, schiebt das kanadische Aggregat noch eine ganze Stufe kräftiger an als Boschs Performance CX. Dafür ist die Modulation längst nicht so feinfühlig.

Auf der Powerstage gibt es allerdings kaum allzu technische Passagen, die ein präzises Steuern und behutsames Beschleunigen erfordern. Auch die Traktion am Hinterrad ist selten ein Problem. So lässt sich die kleine Uphill-Schwäche des Rocky Mountains mit aktiver Fahrweise leicht kaschieren. Würde es auf Zeit gehen, wäre man auf dieser Strecke mit dem Altitude Powerplay wohl am schnellsten, der schieren Motor-Power sei Dank. Das Reign E+ von Giant sticht im Uphill ebenfalls heraus. Sein supersteiler Sitzwinkel platziert den Fahrer sehr zentral im Bike. Ein steigendes Vorderrad kommt damit quasi gar nicht vor. Auch wenn es richtig steil wird, bleibt man in der mittigen Position immer Herr der Lage. So dirigiert man das Reign E+ gelassen auch durch knackige Schlüsselstellen. Ein gegenteiliges Phänomen erlebt man im Sattel des Radons. Hier sitzt man eher hecklastig. Zwar steigt die Front nicht übermäßig früh, doch wenn Körpereinsatz gefragt ist, um das Bike um die Kurve oder über eine Steilstufe zu hieven, ist die Position zu passiv, und das Vorderrad verliert zu leicht die Führung.

Nach knapp 100 Höhenmetern ist der Uphill-Spaß auch schon wieder vorbei, der Adrog liegt hinter uns. Doch der Transfer zur nächsten Stage führt auf dem Pfad noch weiter steil bergauf. Zur Freude von Anton und Tobi. „Der Spaßfaktor ist mit den E-Enduros beim Bergauffahren noch größer als bergab“, sind sich die beiden einig. Sichtlich begeistert von ihren ersten echten Uphill-Erfahrungen mit dem E-MTB. „Herausforderung, Spaß, Gleichgewicht: Das erinnert mich ans Fahren mit dem Enduro-Motorrad“, sagt Anton, der in seiner Jugend Rennstrecken auf benzinbetriebenen Zweirädern unsicher gemacht hat.

Statement von Adrian Vesenbeckh, EWS-Racer:

“Die Fahrer bei der EWS-E sehen mehr als wir bei der normalen EWS. Das hat was! Abwechslungsreiche Landschaften und variantenreiche Trails, das macht Enduro-Rennen für mich aus. Mit E-Motor und dickem Akku erlebt man diese Vielfalt natürlich leichter.”
Adrian Vesenbeckh, EWS-RacerFoto: Adrian Vesenbeckh
Adrian Vesenbeckh, EWS-Racer

Zum Abschluss eines langen Tages im Sattel haben die Streckenchefs der EWS-E aber noch mal ein derbes Downhill-Prachtstück auf die Agenda gesetzt. Die Stage mit dem passenden Namen EWS-Trail startet an der Bergstation des Petzens und führt über 1055 Tiefenmeter bis ins Tal. Der große Bruder des Thrillers, könnte man sagen. Passagenweise verlaufen beide Strecken gemeinsam. Doch dort, wo der Thriller einen Bogen um die Steilstufe des Berges macht, zackt der EWS-Trail nahe der Fall-Linie bergab. Loser Untergrund, kraftraubende Kompressionen und steile Kehren wechseln sich ab. Wer auf raue Enduro-Trails steht, sollte sich dieses Schmankerl definitiv auf die Liste schreiben. Ein echter Härtetest, an dessen Ende es Superracer Richie Rude den Lenker aus den Händen gerissen hatte. Anders als Rude konnten wir uns auf dem langen Downhill ein paar Verschnaufpausen gönnen und ganz auf die Qualitäten der Bikes einlassen. Als wir die letzten Meter des EWS-Trails ausrollen, haben wir unseren Favoriten deshalb schon gefunden: Das Altitude von Rocky Mountain fährt als Sieger durchs Ziel.

Fazit von Florentin Vesenbeckh, stellvertretender Chefredakteur EMTB:

“Zwei Bikes stechen in diesem Test heraus: das allzeit souveräne Rocky Mountain und das spritzig-direkte Bulls. Überrascht waren wir, dass sich das Light-Vergleichs-Bike, das Specialized Kenevo SL, in rauem Enduro-Geläuf nicht klar absetzt. Das liegt am speziellen Charakter und der extremen Auslegung des Bikes. Dass die leichten E-Flitzer für trail-hungrige Biker eine Menge Potenzial haben, wurde dennoch ziemlich deutlich.”
Florentin Vesenbeckh, stellvertretender Chefredakteur EMTBFoto: Adrian Vesenbeckh
Florentin Vesenbeckh, stellvertretender Chefredakteur EMTB

Diese 7 E-Enduros haben wir getestet:

So testet EMTB

EMTB testet alle Räder und die meisten Bauteile im eigenen Testlabor. Viele unserer Prüfstände wurden vom Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit entwickelt. Die Messwerte aus unserem Labor fließen mit den Erkenntnissen aus den Praxistests in unser komplexes Punktesystem ein. Dieses erlaubt uns, fein abgestufte Differenzierungen zwischen den einzelnen Produkten vorzunehmen. In Zusammenarbeit mit dem Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit entwickeln wir unsere Messtechnik ständig weiter und tragen somit der Produktentwicklung in der Bike-Branche Rechnung.

Die Motoren

Sieben Bikes und fünf Motoren: Unser Testfeld zeigt die ganze Bandbreite an E-MTB-Antrieben. Vom Light-Motor am Specialized SL bis zum Power-Aggregat von Rocky Mountain.

Bosch Performance CX Smart

Der Bosch-Antrieb ist extrem kraftvoll und präzise zugleich. Mit seiner guten Modulation und spritzigen Kraftentfaltung ist er die erste Wahl für harte Uphills. Auch die Schiebehilfe sticht heraus. Im Gesamtsys­tem mit Akku leider schwer. Weitere Infos/Bosch Webseite

PLUS: Stark und spritzig; top Modulation und Ansprechverhalten

MINUS: Mit 750er-Powertube hohes Gesamtgewicht; Klappergeräusche

Bosch Performance CX SmartFoto: Adrian Vesenbeckh
Bosch Performance CX Smart

Giant Syncdrive Pro 2 / Yamaha PW-X3

Die Neuauflage des Yamaha-Motors, der mit Giant-eigener Software bei Giant als Syncdrive Pro 2 zum Einsatz kommt, ist deutlich kompakter und leichter geworden. Gut so! Geblieben ist das direkte Ansprechen, das das Anfahren in kniffeligen Uphills erleichtert. Nicht der allerstärkste Antrieb, das Fahrgefühl ist dennoch schön spritzig. Weitere Infos/Yamaha Webseite

PLUS: Sehr direktes Ansprechen; Kraftentfaltung; Antriebsgeräusch verhältnismäßig leise

MINUS: Gewöhnungsbedürftiges Zucken, sobald Fuß auf dem Pedal; Klappergeräusche

Giant Syncdrive Pro 2/Yamaha PW-X3Foto: Adrian Vesenbeckh
Giant Syncdrive Pro 2/Yamaha PW-X3

Rocky Mountain Dyname 4.0

Der Dyname 4.0 ist das Kraftpaket in diesem Testfeld. Seine Rekord-Power setzt er aber erst frei, wenn auch der Fahrer kräftig Gas gibt. Diese progressive Kraftentfaltung bringt ein sportliches Fahren. Tretgefühl und Geräuschentwicklung sind bauartbedingt (Kettenumlenkung) speziell. Weitere Infos/Rocky Mountain Webseite

PLUS: Extrem kraftvoll; sehr direktes Ansprechen; kein Klappern

MINUS: Durch Kettenumlenkung etwas raues Tretgefühl; bei Vollgas etwas ungestüm

Rocky Mountain Dyname 4.0Foto: Adrian Vesenbeckh
Rocky Mountain Dyname 4.0

Shimano EP8

Unter den kräftigen E-MTB-Motoren ist der EP8 der kleinste und leichteste Vertreter. Dafür fehlt ihm auch etwas Maximal-Power. Das Fahrgefühl ist harmonisch, aber nicht so spritzig wie bei der Konkurrenz. Top: schlanke Bedienelemente und gute App-Anbindung. Weitere Infos/Shimano Webseite

PLUS: Vergleichsweise leicht und kompakt; harmonisches Fahrgefühl

MINUS: Mäßige Power; wenig spritzige Kraftentfaltung; Klappergeräusche

Shimano EP8Foto: Adrian Vesenbeckh
Shimano EP8

Specialized SL 1.1

Der Light-Antrieb im Vergleich bringt nicht einmal die halbe Maximalleistung (240 W) der starken Konkurrenten. Dafür ist er 700 Gramm bis über ein Kilo leichter! Schade: trotzdem sehr laut. Fahrgefühl, App-Anbindung, Bedienelemente und Display sind absolut Spitzenklasse. Weitere Infos/Specialized Webseite

PLUS: Natürliches Fahrgefühl; harmonische Unterstützung; leicht und kompakt; voll individualisierbar (App)

MINUS: Lautes Antriebsgeräusch; leichtes Klappern; geringe Power

Specialized SL 1.1Foto: Adrian Vesenbeckh
Specialized SL 1.1

Die Reichhöhe

Wie weit komme ich mit meinem E-Mountainbike? Diese Frage kann pauschal niemand beantworten. Unser Reichweitentest schafft aber eine direkte Vergleichbarkeit zwischen den Systemen.

Die Tester bei der Arbeit: Der Reichweitentest schafft Vergleichbarkeit.Foto: Adrian Vesenbeckh
Die Tester bei der Arbeit: Der Reichweitentest schafft Vergleichbarkeit.

Stevens und Radon mit Boschs Smart-System und Powertube 750 liefern die besten Reichweiten. Allerdings sind die großen Akkus auch sehr schwer. Rund 800 Gramm mehr als die leichten Batterien von Bulls (750 Wh) und Rocky Mountain (722 Wh) sind ein dicker Unterschied. Insbesondere der kompakte Bulls-Akku passt noch gut in den Rucksack – ideal für XXL-Enduro-Tage in abgelegenem Gelände. Stevens verzichtet auf einen Wechsel-Akku. Mit einem kleineren 630er-Akku von Shimano fällt Thok im Ranking deutlich ab. Der Giant-Akku ist im Verhältnis zu seiner Leistung überdurchschnittlich schwer. Systembedingt liefert das Specialized-Light-E-MTB mit weniger als halb so großer Batterie (320 Wh) deutlich weniger Reichweite. Für Shuttle-Fahrten im Vollgas-Modus ist es nicht gebaut. So schafft es nur rund die Hälfte der Bosch-Höhenmeter bei deutlich geringerer Durchschnittsgeschwindigkeit (9 statt 15 km/h). Obwohl der Motor im Rocky der stärkste im Feld ist, absolviert das Bike unseren standardisierten Test bei 150 W Tretleistung recht langsam. Das zeigt den Charakter des Motors: Erst bei hohem Fahrer-Input gibt er richtig Gas.

Die Reichhöhe der sieben E-Enduros im TestFoto: EMTB-Testabteilung
Die Reichhöhe der sieben E-Enduros im Test

Die Gewichte

Das Light-E-MTB Kenevo SL ist satte sechs Kilo leichter als das Gros der E-Enduros. Sehr stark: Bulls reiht sich mit 22 Kilo genau zwischen den Fronten ein, trotz 750er-Akku.

Übersicht der Gewichte bei den getesteten E-EndurosFoto: EMTB-Testabteilung
Übersicht der Gewichte bei den getesteten E-Enduros

Leicht oder stark: Leichtes E-MTB oder klassisches E-Enduro?

Enduro-Biker werden sich fragen, ob das gute Handling eines Light-E-MTBs
nicht viel wichtiger ist als die satte Power eines klassischen E-Enduros. Wir haben das
Specialized Kenevo SL mit den Power-Enduros in den Ring geschickt.

LINKS: Rocky Mountain Altitude Powerplay
, 25,1 kg, 29 Zoll, 170/160 mm, 6900 Euro, 
Motorpower 700 Watt, Akkugröße 722 Wh – RECHTS: Specialized Kenevo SL
, 19 kg, 29 Zoll, 170 mm, 7900 Euro, Motorpower 240 Watt, Akkugröße 320 WhFoto: Adrian Vesenbeckh
LINKS: Rocky Mountain Altitude Powerplay , 25,1 kg, 29 Zoll, 170/160 mm, 6900 Euro, Motorpower 700 Watt, Akkugröße 722 Wh – RECHTS: Specialized Kenevo SL , 19 kg, 29 Zoll, 170 mm, 7900 Euro, Motorpower 240 Watt, Akkugröße 320 Wh

Fahrverhalten

Das erste Fazit zu unserem Vergleichs-Bike der Light-Kategorie fällt positiv aus. „Wow, das Rad lässt sich richtig gut bewegen“, resümieren unsere Enduro-Racer. Was heißt das genau? Insbesondere, wenn man schnell noch mal die Linie wechseln will, das Bike von der rechten auf die linke Spur hoppen möchte oder von einer Kurve in die nächste saust, machen sich die fehlenden Pfunde bemerkbar. Immerhin liegen sechs Kilo zwischen Specialized und Rocky. In Summe würden jedoch alle Tester dem Altitude Powerplay den Vorzug gegenüber dem Kenevo SL geben. Selbst auf reinen Abfahrts-Trails, wenn Motor-Power und Reichweite keine Rolle spielen. Woran liegt das? Das Gewicht ist selbstredend nur eine Variable, die das Fahrverhalten beeinflusst. Ebenso wichtig sind Fahrwerk und Geometrie. Und hier hemmen die Merkmale des Kenevo SL sein leichtfüßiges Handling etwas. Das Bike ist auf schnelle Geraden, harte Schläge und wilde Manöver ausgelegt, der Hinterbau satt, aber wenig poppig. Das wirkt in Sachen Handling und Spieltrieb kontraproduktiv. Beides würde man von einem Bike der Light-Kategorie eigentlich erwarten. Heißt: Ein E-MTB ist nicht per se wendiger und spaßiger, nur weil
es leichter ist. In der Kategorie spritziger Trailbikes können Light-E-MTBs ihre Vorzüge deutlicher ausspielen.

PRO - Statement von Chris Schleker, EMTB-Tester:

“Power-E-Bikes haben wegen ihrer hohen Masse Handlings-Nachteile: Sie schieben beim Bremsen übers Vorderrad, reagieren träge beim Umlegen und kosten viel Kraft beim dynamischen Vollgasheizen. Mit dem Light-Enduro spart man gegenüber normalen Bikes viel Kraft und hat trotzdem ein spaßiges Handling. Für mich der beste Kompromiss.”
Chris Schleker, EMTB-TesterFoto: Wolfgang Watzke
Chris Schleker, EMTB-Tester

Motor-Power

Wie stark oder schwach ist ein Light-E-MTB wirklich? Vorab: Light-Motor ist nicht gleich Light-Motor. In dieser Kategorie gibt es verschiedenste Ausprägungen. Der Specialized SL 1.1 liegt eher am unteren Ende der Power-Range. 240 Watt geben die Amerikaner als Maximalleis­tung an, dazu maximal 35 Newtonmeter. Ein fitter Biker tritt damit also auf Dauer locker doppelt so stark wie ohne Motorunterstützung. Klassische E-Motoren legen allerdings noch mal mindestens die gleiche Leistung obendrauf. Das Kraftpaket von Rocky Mountain hat sogar 700 Watt Spitzenleistung. Heißt: Mit einem Light-E-MTB fährt man in einer anderen Liga, die sich irgendwo zwischen den niedrigen und mittleren Modi der klassischen Antriebe aufhält. Fun Fact: Bei unserem standardisierten Reichhöhentest erreichte der Fahrer mit dem Kenevo SL gerade zum zweiten Mal den Gipfel unseres 400-Höhenmeter-Anstiegs. Quasi zeitgleich kam der Tester mit dem Giant Reign E+ bereits zum dritten Mal oben an. Für einen Anstieg benötigten wir mit dem Specialized SL 23 Minuten, mit einem Bosch Performance CX 14 Minuten - bei identischer Fahrerleistung und gleichen Fahrerdaten.

Reichweite

Wie weit komme ich mit einem Light-E-MTB? Diese Frage lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Fakt ist: Wer ein E-MTB als Shuttle-Ersatz nutzen will, dabei nur locker die Beine bewegen möchte und so auch mal längere Trails in Angriff nehmen will, ist bei einem Light-E-MTB fehl am Platz. Bei unserem standardisierten Reichhöhentest auf höchster U-Stufe war nach gut 1000 Höhenmetern der Akku leer. Die Power-Bikes mit großem Akku schaffen fast das Doppelte, noch dazu mit deutlich höherer Geschwindigkeit. Wer fit ist und auf niedriger bis mittlerer U-Stufe kräftig in die Pedale tritt, kann jedoch auch mit dem kleinen Akku eines Kenevo SL locker über 2000 Höhenmeter machen. Dann ist man allerdings nicht viel schneller unterwegs als mit einem unmotorisierten Bike. Aber länger und kraftsparender.

CONTRA - Statement von Anton Wünscher, Enduro-Racer:

“Der Mehrwert eines E-Bikes liegt für mich in der herausragenden Bergauf-Performance. Uphill-Spielereien geben dem Enduro-Biken eine ganz neue Komponente. Die fällt mit einem Light-E-MTB flach. Da für mich ein E-MTB kein Ersatz, sondern ein Zusatz zu meinem unmotorisierten Enduro wäre, ist klar: wenn, dann mit voller Power und Uphillflow.”
Anton Wünscher, Enduro-RacerFoto: Adrian Vesenbeckh
Anton Wünscher, Enduro-Racer

Uphill

Mühelos steilste Berge hochfliegen, ist mit einem Light-E-MTB nicht drin. Doch auch die kleinen Motoren ermöglichen erstaunliche Kletterpartien. Wer von einem starken
E-Bike kommt, hält das erst kaum für möglich. Doch gerade das Kenevo SL erklettert mit seiner langen Geometrie und massig Traktion am Heck auch knackige Uphill-Pas­sagen. Was mit klassischen E-MTBs ein spaßiges Geschick­lichkeitsspiel ist, wird im Sattel des SL jedoch zum echten Kraft- und Kardiotest. Für die meisten Biker werden Uphill-Challenges damit die Ausnahme bleiben. Und klar ist: Die starken Motoren à la Bosch schieben die Grenzen des Fahrbaren noch mal ein dickes Stück weiter nach oben.

Testergebnisse: Die Bewertung im Detail

Perfekter Allrounder, Downhill-Spezialist oder Trail-Flitzer? Unsere Punktetabelle zeigt die Stärken und Schwächen unserer Kandidaten. In der Enduro-Kategorie liegt der Fokus auf Trail- und Downhill-Kompetenz. Rocky Mountain und Bulls können sich hier absetzen, beide mit eigenem Charakter.

*Das Urteil gibt den subjektiven Eindruck der Tester und die Ergebnisse der Reichhöhenmessung und Labortests wieder. Das EMTB-Urteil ist preisunabhängig. EMTB-Urteile: super (ab 9,0), sehr gut (ab 8,0), gut (ab 7,0), befriedigend (ab 6,0), mit Schwächen (ab 5,0), darunter ungenügend.
*Das Urteil gibt den subjektiven Eindruck der Tester und die Ergebnisse der Reichhöhenmessung und Labortests wieder. Das EMTB-Urteil ist preisunabhängig. EMTB-Urteile: super (ab 9,0), sehr gut (ab 8,0), gut (ab 7,0), befriedigend (ab 6,0), mit Schwächen (ab 5,0), darunter ungenügend.

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