MTB Reifen-TestWas sind die besten Modelle für Trailbikes?

Peter Nilges

 · 06.09.2022

MTB Reifen-Test: Was sind die besten Modelle für Trailbikes?Foto: Hansueli Spitznagel

MTB-Reifen sind schwarz, rund und unterscheiden sich äußerlich nur durch die Form ihres Profils. Die wahren Werte eines Reifens verbergen sich aber im Inneren. Um diese aufzuspüren, haben wir 14 MTB-Reifen für Down-Country-Bikes und Trailbikes getestet.

Reifenprofil sei reines Marketing. Provokante Aussage, wird sich der ein oder andere jetzt denken. Doch klar ist: Während zart benoppte MTB-Reifen vor allem Racer anziehen, sprechen massive Profilblöcke in erster Linie Enduro-Mountainbiker an. Doch was spricht eigentlich für einen Mountainbike-Reifen mit Minimalprofil? Kleine, nur wenige Millimeter hohe Stollen, anstelle von groben Gummiblöcken im Legostein-Format.

Natürlich: der Rollwiderstand, schießt es einem spontan durch den Kopf. Das wäre zumindest eine schlüssige Theorie. Doch unser Test von 14 verschiedenen MTB-Reifen (zehn Reifen-Kombinationen) in 29 Zoll für Cross-Country- und Down-Country-Bikes wirft diese These komplett über den Haufen. Oder hätten Sie erwartet, dass ausgerechnet die ausgezacktesten Profile im Vergleich auch noch am schnellsten rollen?

Und schon sind wir mitten drin, im MTB-Reifentest 2022. Neben der Tatsache, dass alle getesteten Modelle zumindest auf der Lauffläche schwarz sind, gibt es selbstverständlich noch weitere Gemeinsamkeiten zu entdecken. So wurden alle Reifen für den gleichen Einsatzzweck konzipiert. Von der schnellen Runde auf der Cross-Country-Strecke bis hin zum vortriebsorientierten Trail-Einsatz an einem 120-Millimeter-Fully eignen sich die leichten MTB-Reifen von Schwalbe, Maxxis, Continental & Co. am besten.

Um die Reifen optimal miteinander vergleichen zu können, nutzen wir drei identische Test-Bikes und tauschen bei jedem Testkriterium mehrfach durch. Nur so lassen sich kleine wie große Unterschiede aufdecken.Foto: Max Fuchs
Um die Reifen optimal miteinander vergleichen zu können, nutzen wir drei identische Test-Bikes und tauschen bei jedem Testkriterium mehrfach durch. Nur so lassen sich kleine wie große Unterschiede aufdecken.

Die getesteten MTB-Reifen fallen breit aus

Auch bei der Breite halten sich die Unterschiede in Grenzen: 55 bis 59,6 Millimeter haben wir auf einer Felge mit 30 Millimeter Innenweite bei 1,7 Bar Reifendruck ermittelt. Damit fallen zwar alle Testkandidaten ordentlich breit aus, liegen aber immer noch unterhalb der aufgedruckten Bezeichnung von 2,25 bis 2,4 Zoll.

Warum ist das so? Die Norm besagt, dass die Reifenbreite immer beim aufgedruckten Maximaldruck gemessen werden muss. Damit soll sichergestellt werden, dass die Bike-Reifen auch im Extremfall immer noch den angegebenen Wert einhalten und es keine Probleme mit der Freigängigkeit im Rahmen gibt. Durch den höheren Druck oder auch eine längere Fahrzeit dehnt sich der Reifen in der Regel aus und kann dann bis zu drei Millimeter Breite zulegen.

Doch zurück zur Anfangs aufgestellten Behauptung: Das Profil eines MTB-Reifens sei nur Marketing. Um den verschiedenen Anforderungen an Vorder- oder Hinterrad besser gerecht zu werden, schicken vier von zehn Herstellern für unseren Test unterschiedliche Reifenkombinationen ins Rennen.

Grob gegen fein: Rollwiderstand des MTB-Reifenprofils

Für mehr Grip und ein gutes Spurverhalten kommt vorne ein offenes Profil mit höheren Stollen und hinten meist ein feineres Profil mit geringer Stollenhöhe und kleineren Freiräumen auf der Lauffläche zum Einsatz. Dadurch rollt der Hinterreifen auf harten Untergründen leiser ab und soll im Idealfall den Rollwiderstand minimieren.

So weit so gut. Mit Ausnahme der Reifenkombination von Maxxis liegt der größte Unterschied aus vorne grob und hinten fein aber gerade mal bei sehr überschaubaren 1,3 Watt, zugunsten des vermeintlich schnelleren Reifenprofils.

Schön nass: Bei trockenen Bedingungen bieten die meisten Reifen ausreichend Grip. Erst bei anspruchsvollen Verhältnissen offenbaren sich die Unterschiede.Foto: Max Fuchs
Schön nass: Bei trockenen Bedingungen bieten die meisten Reifen ausreichend Grip. Erst bei anspruchsvollen Verhältnissen offenbaren sich die Unterschiede.

Gummimischung macht bei MTB-Reifen den Unterschied

Die Form des Profils sagt also nur wenig über den tatsächlichen Rollwiderstand eines MTB-Reifens aus. Mit 5,2 Watt Unterschied geht bei Maxxis die Schere zwischen Rekon und Rekon Race deutlich weiter auf. Hier rollt der hintere Reifen immerhin um 22 Prozent schneller. Der Blick auf die Seitenwand der beiden Maxxis Rekon-Reifen lüftet das Geheimnis: Die beiden Exemplare rollen auf unterschiedlichen Gummimischungen. Während hinten ein schnellerer Dual-Compound eingesetzt wird, besteht der Rekon am Vorderrad aus der griffigeren 3C-MaxxTerra-Mischung.

Die verschiedenen Gummimischungen entscheiden also in erster Linie über den Löwenanteil beim Rollwiderstand, und die lassen sich optisch nicht voneinander unterscheiden. Ohne also die Mischung zu kennen, kann man kaum eine Aussage über das Rollverhalten eines Reifens treffen.

Auch die Pirelli MTB-Reifen sind so ein Musterbeispiel für unsere Theorie: Mit knapp über 30 Watt rollt der Scorpion XC M, trotz seiner feinen Profilierung, mit Abstand am schlechtesten. Im Vergleich dazu braucht man gerade mal die Hälfte der Energie, um den Schwalbe Wicked Will zu bewegen – den Eingangs erwähnten Reifen mit dem mit Abstand gröbsten Profil im Test. Und damit wäre unsere These letztlich eindeutig belegt.

Fazit von Peter Nilges, BIKE Testleiter:

Schwalbe und Specialized stechen in diesem MTB-Reifentest heraus und liefern den besten Kompromiss aus Grip und Rollwiderstand. Zudem sind die Specialized-Reifen mit 40 Euro pro Stück auch noch sehr preiswert. Auch der neue Kenda Karma 2 konnte vor allem durch seine ausgewogenen Fahreigenschaften im Praxistest überzeugen.

Peter Nilges, BIKE-TestleiterFoto: Markus Greber
Peter Nilges, BIKE-Testleiter

Im Test: MTB-Reifen in 29 Zoll und 2,25-2,4 Zoll Breite

Unser Testfeld umfasst zehn Mountainbike-Reifensätze zwischen 650 und 900 Gramm pro Reifen. Doch an welchem Bike und für welchen Einsatzzweck eignen sich diese Modelle am besten?

Unsere Testreifen decken die Kategorien Cross Country bis Down Country ab. Sprich vom Race-Hardtail bis zum Fully mit 120-Millimeter-Fahrwerk ist alles dabei. Da selbst im Cross-Country-Worldcup überwiegend breite Reifen auf dem Vormarsch sind, haben wir ausschließlich die breiteren Profile zwischen 2,25 und 2,4 Zoll getestet.

Aufgrund ihres großen Volumens können die breiteren Reifen mit wenig Luftdruck gefahren werden. Im Praxistest fahren wir mit 1,2 Bar vorne und 1,4 Bar hinten. Das erhöht nicht nur den Grip und den Komfort, sondern senkt gleichzeitig den Rollwiderstand im Gelände. Ideal also für die schnelle Trail-Runde.

An MTBs mit mehr Federweg und je nach Terrain und Fahrstil kommen die leichten Reifen jedoch beim Pannenschutz und der Traktion an ihre Grenzen. Zum Vergleich: Ein stabiler Enduro-Reifen wiegt schnell einmal 1,2 Kilo, schützt dafür zwar mehr als doppelt so gut gegen Durchschläge, rollt allerdings gerne auch mal doppelt so schwer.

Den gesamten Labor- und Praxis-Test von 14 MTB-Reifen für den Cross- und Down-Country-Einsatz aus BIKE 8/2022 können Sie hier downloaden->

Diese MTB-Reifen finden Sie in unserem Test:

Continental Cross King
Foto: Georg Grieshaber

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