Fahrrad-Scheibenbremsen quietschen9 Wartungs-Tipps für mehr Bremspower

Adrian Kaether

 · 03.01.2026

Quietschen? Keine Leistung? Das muss nicht sein. Wir zeigen, wie sie der Bremse in wenigen Schritten wieder auf die Sprünge helfen.
Foto: Georg Grieshaber
​Wenig bringt auf dem Trail so viel Genugtuung wie eine knackig entlüftete Bremse mit direktem Druckpunkt und hoher Leistung. Das muss kein Wunschtraum bleiben. Wir zeigen, wie man mit wenigen Arbeitsschritten das Maximum aus seiner Bremse herausholt.

Safety first: Die Bremsen zählen zu den am härtesten strapazierten Teilen am Bike und haben eine regelmäßige Wartung verdient. Schwammige Druckpunkte, ständiges Quietschen oder fehlende Bremsleistung müssen wirklich nicht sein. Wir zeigen, wie man Bremsen richtig pflegt.

Um unterwegs nicht von abgenutzten Bremsbelägen überrascht zu werden, lohnt sich außerdem ein regelmäßiger Verschleiß-Check. Einen Millimeter sollte die Belagsstärke mindestens noch betragen. Auch die Scheiben selbst verschleißen. Die Stärke lässt sich verlässlich mit einem Messschieber oder einer speziellen Verschleißlehre kontrollieren. Die Mindestdicke ist oft auf der Scheibe angegeben.



Achtung: Scheibenbremsen sind sicherheitsrelevante Bauteile. Wer daran schraubt, sollte sorgfältig und ohne Zeitdruck arbeiten. Eine Kontrollfahrt nach der Wartung schadet nie. Ohne ausreichende Schrauberfahrung lohnt es sich, eine Bike-Werkstatt aufzusuchen und sich Rat von Experten zu holen.

Fahrrad-Scheibenbremse: Grundlegender Service

Wenn die Scheibenbremsen am Fahrrad quietschen wie LKWs auf einem Alpenpass, ist meist auch die Leistung passé. Die Folge: Hohe Handkräfte und wenig Fahrsicherheit. Meist ist Verschmutzung oder unzureichende Wartung das Problem. Einmal richtig geputzt und mit einem frischem Satz Beläge ausgestattet, ist die Bremse schnell wieder voll einsatzbereit. Wir zeigen, wie es geht:

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1 Sicherungsschraube entfernen

Ehe man mit dem Wechseln der Bremsbeläge beginnt, drückt man die Bremskolben mit einem flachen Werkzeug zwischen den alten Bremsbelägen vorsichtig so weit wie möglich zurück. So schafft man Platz für die neuen, dickeren Beläge. Nun wird der Sicherungssplint und anschließend die Sicherungsschraube entfernt.

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Ist die Sicherungsschraube entfernt, lassen sich die Beläge leicht nach oben aus dem Sattel entfernen.Foto: Georg GrieshaberIst die Sicherungsschraube entfernt, lassen sich die Beläge leicht nach oben aus dem Sattel entfernen.

2 Bremsbeläge entfernen

Jetzt sind die alten Bremsbeläge frei, und man kann sie entfernen. Einfach die Beläge von beiden Seiten zusammendrücken und nach hinten aus dem Bremssattel entfernen. Nur in Ausnahmefällen wie bei Srams Schwerlast-Anker Maven (hier im Test) müssen die Beläge nach unten herausgezogen werden.

Bei den meisten Bremsen lassen sich die Beläge nach oben aus dem Sattel nehmen.Foto: Georg GrieshaberBei den meisten Bremsen lassen sich die Beläge nach oben aus dem Sattel nehmen.

3 Bremssattel reinigen

Mit einem sauberen, fusselfreien Tuch die Kolben am Bremssattel reinigen. Bei stärkeren Verschmutzungen und hartnäckigem Belagabrieb hilft Bremsenreiniger oder reiner Alkohol (z. B. Isopropanol). Sorgfältiges Säubern verbessert die Funktion der Kolben und erhöht damit die Leistung der Bremse. Außerdem muss man hinterher weniger Zeit in die Wartung der Bremsanlage investieren und sie seltener einstellen.

Mit einem sauberen Lappen und entfettendem Reinigungsmittel (Bremsenreiniger, Isopropanol) werden Sattel und Kolben gereinigt.Foto: Georg GrieshaberMit einem sauberen Lappen und entfettendem Reinigungsmittel (Bremsenreiniger, Isopropanol) werden Sattel und Kolben gereinigt.

4 Bremsscheibe reinigen

Auch die Scheibe selbst muss intensiv gereinigt werden. Gerade Fettrückstände auf der Scheibe können sonst Bremsbeläge im Nu verunreinigen. Dazu ebenfalls einen fusselfreien, sauberen Lappen und Bremsenreiniger oder Alkohol einsetzen und den direkten Kontakt zwischen Scheibe und Fingern vermeiden. Sonst droht wieder Quietschen und schlechte Bremsleistung.

Zur Reinigung der Scheibe kommt ebenfalls ein sauberer Lappen mit Isopropanol zum Einsatz.Foto: Georg GrieshaberZur Reinigung der Scheibe kommt ebenfalls ein sauberer Lappen mit Isopropanol zum Einsatz.

5 Kolben mobilisieren

Nun die Kolben erneut zurückdrücken. Vorher die alten Beläge grob gesäubert wieder einlegen. Das verhindert Verkanten der Kolben und Beschädigungen an den neuen Belägen. Gerade die Shimano-Kolben aus Keramik (z. B. GRX, Deore, XT) waren anfällig für Beschädigungen. Bei der neuen XT hat Shimano schon nachgebessert. Wer oft Probleme mit Bremsleistung oder Schleifen hat (Magura?!), sollte die Kolben durch mehrfaches Zurückdrücken mobilisieren. Danach die alten Beläge entnehmen.

Bei Shimano-Bremsen mit den hellen Keramik-Kolben ist besondere Vorsicht geboten. Sie verkanten beim Zurückdrücken leicht und können brechen. Maguras MT-Reihe braucht besonders viel Liebe beim Putzen und Mobiliseren der Kolben. Sonst leidet oft die Bremsleistung.
Mit eingelegten Bremsbelägen und dem passenden Werkzeug die Bremskolben zurück ins Gehäuse drücken. Ggf. mehrfach wiederholen.Foto: Georg GrieshaberMit eingelegten Bremsbelägen und dem passenden Werkzeug die Bremskolben zurück ins Gehäuse drücken. Ggf. mehrfach wiederholen.

6 Beläge einsetzen

Nun die Belagsfeder zwischen die beiden neuen Bremsbeläge setzen, die Beläge von außen mit den Fingern zusammendrücken und in die Aufnahme zwischen den Bremskolben einsetzen. Manche Hersteller unterscheiden zwischen linkem und rechtem Belag. Unbedingt auf die korrekte Anordnung achten!

Die neuen Beläge in die gesäuberte und gewartete Bremse einsetzen. Auf die korrekte Ausrichtung der Beläge achten.Foto: Georg GrieshaberDie neuen Beläge in die gesäuberte und gewartete Bremse einsetzen. Auf die korrekte Ausrichtung der Beläge achten.

7 Beläge sichern

Nun setzt man die Sicherungsschraube der Bremsbeläge wieder ein. Auf keinen Fall dabei den Sicherungsring der Schraube vergessen. Bei älteren Bremsenmodellen wird teilweise noch ein Sicherungssplint verwendet, der mit einer Zange aufgebogen werden muss.

Mit dem Sicherungssplint wird die Sicherungsschraube zusätzlich gegen herausfallen gesichert.Foto: Georg GrieshaberMit dem Sicherungssplint wird die Sicherungsschraube zusätzlich gegen herausfallen gesichert.

8 Richtig einbremsen

Das Laufrad einsetzen und den Sattel grob ausrichten. Dafür mit gezogener Bremse die Schrauben anziehen. Dann die Bremse mit mehreren Vollbremsungen in schneller Folge kräftig heiß bremsen. Nur so entfaltet die Bremse ihre optimale Leistung. Die Bremse sollte beim Einbremsen nach Möglichkeit nicht blockieren. Daher nicht bis zum Stillstand herunterbremsen.

Ganz so heiß muss die Bremse beim Einbremsen nicht werden. Mehrfache Vollbremsungen lösen aber die Trennschicht vom neuen Belag, entfernen Verunreinigungen und spielen Scheibe und Beläge aufeinander ein.Foto: Georg GrieshaberGanz so heiß muss die Bremse beim Einbremsen nicht werden. Mehrfache Vollbremsungen lösen aber die Trennschicht vom neuen Belag, entfernen Verunreinigungen und spielen Scheibe und Beläge aufeinander ein.
Das Einbremsen ist für eine optimale Bremsleistung ganz entscheidend! Durch die Hitze wird die Trennschicht vom neuen Belag entfernt und Belag und Scheibe werden aufeinander eingespielt. Auch leichte Verschmutzungen im Betrieb lassen sich durch die große Hitze beim Einbremsen unschädlich machen. Wir empfehlen: 10 Vollbremsungen von 30 km/h bis auf Schrittgeschwindigkeit in schneller Folge. Nicht aufgeben: Bei harten Verschmutzungen steigt die Bremsleistung oft erst nach der 5. Vollbremsung spürbar an.

9 Bremssattel ausrichten

​Durch Belastung und Hitze beim Einbremsen setzen sich die Beläge im Sattel. Schleifen kann danach ganz normal sein. In diesem Fall sollte der Sattel erneut mit festgezogener Bremse mittig ausgerichtet werden. Schleift die Bremse dennoch trotz sauber laufender Scheibe, kann man mit Feinarbeit nachhelfen. Tipp: Eine Taschenlampe unter dem Sattel macht die mittige Ausrichtung auf der Scheibe sichtbar. Bei starkem Seitenschlag kann die Scheibe mit dosiertem Krafteinsatz gerade gebogen werden. Gelingt das nicht, muss Ersatz her.

Nach dem Einbremsen den Sattel noch einmal ausrichten. Dazu den Sattel lösen, die Bremse ziehen und den Sattel gefühlvoll wieder fixieren. Läuft die Scheibe nicht schleiffrei, mit Feinarbeit nachhelfen.Foto: Georg GrieshaberNach dem Einbremsen den Sattel noch einmal ausrichten. Dazu den Sattel lösen, die Bremse ziehen und den Sattel gefühlvoll wieder fixieren. Läuft die Scheibe nicht schleiffrei, mit Feinarbeit nachhelfen.

Warum Bremsen quietschen. Und: Was tun, wenn nichts hilft?

Alles sauber geputzt und gewartet, neue Beläge eingesetzt und eingebremst, doch schon wieder quietscht die Bremse und arbeitet nicht richtig? Schuld sind oft hartnäckige Verschmutzungen. Sie reduzieren den Reibwert zwischen Belag und Scheibe. Die Scheibe stottert, statt zu greifen. Das passiert in sehr schneller Folge und dadurch entsteht das charakteristische Quietschen. Die Bremsleistung bleibt selbst bei hohen Handkräften gering.

Auch günstige Stopper wie die DB8 sollten solide und ohne zu quietschen performen. Sonst stimmt etwas nicht, und die Bremse bleibt hinter ihrem Potential zurück.Foto: Max FuchsAuch günstige Stopper wie die DB8 sollten solide und ohne zu quietschen performen. Sonst stimmt etwas nicht, und die Bremse bleibt hinter ihrem Potential zurück.

Unsere Erfahrung: Viele moderne Bremsen können gute Funktion bieten, haben aber ihre speziellen Achillesfersen. Maguras MT Linie will regelmäßig mobilisiert werden, sonst bleiben die Kolben stecken. Bei Louise und Gustav Pro will Magura nachgebessert haben.

Srams Beläge sind anfällig für Quietschen bei Nässe, bremsen dann aber immer noch anständig. Organische Beläge bei Shimano (z. B. GRX, Deore, XT) sind besonders anfällig für Verunreinigungen, teils auch bedingt durch längere Standzeit oder manche Reinigungsmittel. Gerade hier lohnt es sich, das System vor einem Komplett-Tausch von Scheibe und Belägen besonders intensiv heiß zu bremsen. Dadurch lässt sich die Bremse oft reaktivieren. Auch die oberste Belagschicht mit einem Schleifpapier abzutragen, kann bei kleinen Verunreinigungen helfen. Danach ist wie bei einem neuen Belag intensives Einbremsen angesagt.

BIKE-Fazit: Auch ein Highend-Stopper ist keine Garantie

Im BIKE-Testalltag zeigt sich: Viele Bremsen funktionieren gut, wenn sie gut eingebremst und gewartet sind. Doch der Prozess ist aufwändig und selbst bei neuen Bikes treffen wir regelmäßig auf Bremsen, die deutlich unter dem Durchschnitt arbeiten. Das kann schonmal eine Shimano XT oder eine Magura MT7 auf das Niveau billiger Einstiegs-Stopper degradieren. Intensives Putzen und Einbremsen kann helfen. Mit dem E-Bike oder einem langen, starken Gefälle geht das besonders leicht. Im Zweifel hilft aber wirklich nur ein Satz neuer Beläge, um der Bremse langfristig auf die Sprünge zu helfen. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Adrian Kaether ist Redakteur für Test & Technik bei BIKE.Foto: Georg GrieshaberAdrian Kaether ist Redakteur für Test & Technik bei BIKE.

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