Gitta Beimfohr
· 30.09.2026
Finale Ligure hat sich längst auch im Winter zu einem Topziel für Mountainbiker gemausert: Trockene, griffige und gut gepflegte Trails mit Shuttle-Service und Campingplatz. Doch in Sachen Sonne und Wärme schneiden andere europäische Ziele im Dezember deutlich besser ab.
Noch Resturlaub, der im Dezember weg muss? Oder über Weihnachten und Silvester einfach Lust auf Sonne, Trails und Meer? Wir haben natürlich auch keine Glaskugel zur Hand, die jetzt schon verraten würde, wo die Wintersonne die Trails am schönsten aufheizt. Aber wir haben die Wetterdaten der 12 beliebtesten Winter-Trailspots mal miteinander verglichen.
Glaubt man der Menge an Mountainbikern, die im Dezember mittlerweile mit dem Camper in den Süden reist, dann leuchtet die Sonne vor allem über das Trailnetz von Finale Ligure. Drei Campingplätze sind hier inzwischen das ganze Jahr über geöffnet, Trailpfleger und Shuttlefahrer bleiben im Dienst. Mit einer Reservierung über Weihnachten und Silvester muss man sich sogar schon beeilen. Insider sagen: T-Shirt-Temperaturen, die Trails sind leerer als im Sommer und dazu trocken und sogar noch griffiger.
Tatsächlich rollen die gefürchteten Genua-Tiefs mit Sturm und tagelangen Starkregen an der Ligurischen Küste eher im Herbst und im Frühling an. Im Dezember aber zeigt sich das Wetter häufig im Mittel mit stabilen, sonnigen 12 Grad - was sich bei Windstille natürlich deutlich wärmer anfühlt.
Doch vergleicht man die Klimadaten von Finale Ligure mit anderen südeuropäischen Trail-Spots, dann lässt sich die Wärme-Ausbeute für den Resturlaub im Dezember durchaus noch optimieren. Hier die 12 besten Trailregionen Südeuropas im direkten Klima-Vergleich im Dezember.
| Rang | MTB-Spot | Tagsüber | Nachts | Wasser | Regentage |
| 1 | La Palma, Kanaren | 20–22 °C | 13–15 °C | 19–20 °C | 8 |
| 2 | Madeira, Portugal | 18–20 °C | 14–15 °C | 19 °C | 8-13 |
| 3 | Sizilien, Italien | 15–17 °C | 9–11 °C | 15–16 °C | 3–8 |
| 4 | Mallorca, Spanien | 15–17 °C | 7–10 °C | 15–16 °C | 5–6 |
| 5 | Sardinien, Italien | 12–16 °C | 6–9 °C | 15–16 °C | 6–9 |
| 6 | Lissabon, Portugal | 14–15 °C | 9–11 °C | 15–16 °C | 6–9 |
| 7 | Elba, Italien | 13–14 °C | 7–11 °C | 15,8 °C | 7–12 |
| 8 | Almería, Spanien | 12–14 °C | 9–11 °C | 16 °C | 2 |
| 9 | Toskana, Italien | 10–13 °C | 7–11 °C | 15–16 °C | 9–10 |
| 10 | Finale Ligure, Italien | 12 °C | 4–6 °C | 14–15 °C | 9 |
| 11 | Girona, Spanien | 9–11 °C | 2–4 °C | ------------------- | 5–9 |
| 12 | Zona Zero/Aínsa, Spanien | 8–9 °C | −1 bis 4 °C | ------------------- | vereinzelt |
Dass La Palma die Temperatur-Spitze übernimmt, verwundert natürlich nicht. Die Kanaren liegen von allen Spots am südlichsten, auf Höhe der Sahara. Wer Biken und Baden verbinden will, wird also nicht drumherum kommen, in den Flieger zu steigen. Außer man hat so viel Resturlaub, dass sich die 48 Stunden Fährzeit von Spanien nach La Palma rentieren.
Was man bei La Palma aber nicht vergessen darf: Die Temperaturen werden an der Küste gemessen. Je höher man kommt, desto frischer wird es. Oben auf dem 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos beißen am frühen Morgen auch mal Gefriertemperaturen ins Gesicht. Entsprechend warme Klamotten müssen auf der legendären Gipfel-Trailabfahrt also mit. Doch die Gewissheit, dass es nun Kehre für Kehre in den Frühling hinunter geht, wärmt bereits von innen. Die durchschnittlich acht Regentage, die auf La Palma gezählt werden, beziehen sich übrigens auf die Nordost-Seite der Insel, weil die Wolken meist am Gipfel hängen bleiben. Wer sich im Südwesten bewegt, wird vom Regen so gut wie nichts mitbekommen.
Beim zweitwärmsten Spot Madeira sieht das schon etwas anders aus. Die portugiesische Atlantikinsel liegt 500 Kilometer nördlicher als La Palma und ist nur 1862 Meter hoch. Hier fegen die Passatwinde samt Wolkenteppich meist drüber und bescheren der Insel insgesamt ein subtropisches Klima. Das Wetter kann hier im Winter schnell umschlagen, tagelanger Regen ist aber eher ungewöhnlich. Dafür hat die Insel so gut wie keine Badestrände. Sie ist von schroffer Steilküste umgeben, doch wer hier Urlaub macht, hat ohnehin genug zu tun mit dem extrem vielseitigen Enduro-Trailnetz.
Mistral, Levante und andere lokale Windsysteme machen im Mittelmeerraum ihr eigenes Wetter. Zu Stürmen kommt es jedoch häufiger im Herbst. Ob sich das für 2026 stark vorhergesagte El-Nino-Jahr vom Pazifik und Atlantik bis in den Mittelmeerraum auswirken wird, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Grundsätzlich sorgt das Phänomen in Europa aber dafür, dass sich die Tiefausläufer grundsätzlich weiter südlich bewegen. Normalerweise aber gilt der Dezember - im Gegensatz zu Herbst und Frühjahr als ruhig, sonnig und trocken. Mit Mallorca, Sardinien und Elba kann man also nicht viel falsch machen. Auf Sizilien könnte dagegen der Ätna noch einen Strich durch die Rechnung machen. Er war in den letzten Monaten immer mal wieder aktiv und hat mit seinen Fontänen den Flugverkehr lahm gelegt.
Den wenigsten Regen muss man im Dezember an der Südostküste Spaniens fürchten. Zum Beispiel auf einer viertägigen Runde durch die Wüste von Tabernas bleibt man auch im Winter staubtrocken. Hier wird es nur in der Nacht - typisch Wüste - recht kalt. Im übrigen Spanien, selbst in der Zona Zero (Pyrenäen-Ausläufer) und Girona muss man dagegen immer mal mit einem Schauer rechnen. Richtig kalt wird es aber auch hier nicht. Weniger als zweistellige Plusgrade wehen selten über die jetzt deutlich griffigeren Sandpfade.
Der Lieblingsspot der Deutschen richtet sich immer mehr auf Winterbiker ein. Drei Campingplätze haben mittlerweile das ganze Jahr über geöffnet und sind über Weihnachten und Silvester auch schnell ausgebucht. Die Shuttlebusse fahren in den Ferienzeiten bereits fast täglich, an anderen Tagen on demand. Im Dezember zeigt sich das Wetter in den Wintermonaten am stabilsten, aber mit dem eisigen Mistral, der aus dem Rhonetal heranbläst können die Temperaturen auch schon mal gen null fallen. Wenn es dann regnet (9 Regentage im Dezember) könnte sich die Nato Base auch angezuckert zeigen.
Das Wetter in Finale Ligure ist, im Vergleich zu den anderen europäischen Bikespots im Schnitt etwas kühler, regnerischer und unberechenbarer - was auch auf die verschiedenen lokalen Windsysteme zurückzuführen ist. Aber von Deutschland aus ist man einfach am schnellsten dort und die Trailausbeute ist groß. Vor allem weil die Trails, die sich mittlerweile die komplette Ligurische Küste entlangziehen im Dezember (noch) nicht so überlaufen sind wie im Sommer.

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