TOUR Redaktion
· 21.05.2023
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Nicht nur die Auswahl an Gravel-Reifen ist mittlerweile riesig, sondern auch die Setup-Möglichkeiten. Wie breit, welches Profil und mit welchem Luftdruck? Hier erfahren Sie alles, was Sie über Gravel-Reifen wissen sollten.
Das Reifenangebot im Gravel-Segment reicht von nahezu profillos bis hin zu ordentlich bestollt mit größeren Zwischenräumen. Je nachdem, was man mit seinem Gravelbike vorhat, sollte man das Profil entsprechend wählen. Für die feinen Profile spricht ein leichtes, leises Abrollverhalten, wodurch sich der Reifen auch auf der Straße sehr gut fahren lässt. Wen es neben Schotter und Asphalt auch auf unbefestigte Wege mit Schlammeinlagen zieht, sollte eher zum Stollenreifen greifen. Traktion und Kurvenhalt sind bei stärker profilierten Reifen deutlich besser. Dafür liegen der Rollwiderstand und das Gewicht in der Regel höher, und die Reifen können auf Asphalt spür- und hörbar rauer laufen. Ein Kompromiss bieten Reifen mit einem geschlossenen Profilbild im Zentrum und Außenstollen für Kurven-Grip.
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Wer das Optimum aus seinem tubeless-fähigen Reifen herauskitzeln will, sollte auf einen Schlauch verzichten. Das Umrüsten auf tubeless-Reifen spart nicht nur ein paar Gramm Gewicht und reduziert den Rollwiderstand, sondern bietet auch Pannenschutz bei kleineren Löchern. Bei größeren Beschädigungen des Reifens helfen meistens Tubeless-Plugs, die einfach von außen in das vorhandene Loch gestopft werden.
Wer schnell und komfortabel unterwegs sein will, sollte nicht nur die richtig Reifenbreite wählen, sondern auch seinen Luftdruck genau im Blick haben.
Nicht nur die Reifen-, auch die Felgenbreite beeinflusst das Fahrverhalten. Analog zum MTB- und Road-Bereich geht der Trend zu mehr Breite. Breite Reifen und niedrige Reifendrücke vertragen sich nur, wenn auch die Felgen eine entsprechende Breite besitzen, um den Reifen bestmöglich abzustützen.
Nur wer ausschließlich auf der Straße unterwegs ist, sollte tendenziell einen höheren Reifendruck um 2,5 bis 3,0 Bar wählen. Sobald Schotter und Trail-Einlagen mit dabei sind, muss der Luftdruck runter. Selbst im Mischbetrieb auf wechselnden Untergründen spart man mit einem niedrigeren Luftdruck mehr ein, als man auf der Straße
mit einem höheren Druck gewinnen könnte.
Bei identischem Reifenluftdruck ist die Reifenaufstandsfläche von schmalen und breiten Reifen zwar gleich groß, aber unterschiedlich lang. Aufgrund der kürzeren Fläche bei breiten Reifen rollen diese in der Theorie etwas leichter ab. Das Diagramm oben zeigt, dass der schmale 35er-Reifen über alle Luftdrücke schlechter als die breiteren Reifen rollt. 40er und 45er liegen sehr dicht zusammen.
Mit steigendem Luftdruck rollen Reifen leichter, solange sie auf ebenem Untergrund wie einer Straße rollen. Doch auch hier ist die Ersparnis ab einem gewissen Druck nur noch minimal. Dafür sinkt jedoch spürbar der Komfort. Im Gelände und bereits auf feinen Schotterwegen verhält es sich sogar andersherum. Hier sinkt der Rollwiderstand nämlich bei niedrigerem Luftdruck.
Je niedriger der Reifendruck, desto mehr Federweg und Komfort. Diese Weisheit lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt anwenden. Wird der Luftdruck zu niedrig, steigt die Gefahr von Durchschlägen, und der Reifen wird zu instabil. Breite Reifen und ein Tubeless-Setup erlauben einen geringstmöglichen Reifendruck. Je nach Fahrergewicht sind bei 40er-Reifen so Drücke um 2 Bar möglich.
So breit wie möglich, mit so viel Luft wie nötig, lautet die Devise für Komfort, Grip und schnelles Rollen abseits der Straßen. Wer zu hohe Reifendrücke fährt, verschenkt wertvolles Potenzial.
BIKE: Was zeichnet einen guten Gravel-Reifen aus?
Peter Krischio: Für mich zeichnet sich ein guter Gravel-Reifen neben den gewohnten Eigenschaften wie geringer Rollwiderstand, guter Pannen- und Durchschlagschutz noch durch eine ausgewogene Kombi zwischen leisem Abrollverhalten auf der Straße als auch optimalem Grip im Gelände aus. Dort liegen für mich die Vorteile eines Gravelbikes. Schnell auf der Straße und dennoch voll offroad-tauglich.
Gravel platziert sich zwischen Road und MTB. Aus welcher Sparte sind die Einflüsse bei der Entwicklung eines neuen Gravel-Reifens größer?
Da ich auch schon länger für Schwalbe die Rennradreifen entwickle, kommen natürlich viele Anleihen aus dem Road-Bereich. So ist es auch nur logisch, dass unsere neue R-Line (G-One R und G-One RS) genau die Karkassenkonstruktionen des Rennradreifens Pro One erhalten haben. Im übrigen basieren auch die Superrace-Karkassen der MTB-Reifen darauf. Das Profil kommt dann eher vom Cyclocross. Die Profile aus dem MTB-Bereich funktionieren besser bei großvolumigen Reifen. Auch die Gummimischungen stammen aus dem Road-Bereich, da hier der Rollwiderstand eine große Rolle spielt.
Sind breite Rennrad- bzw. schmale MTB-Reifen nicht die besseren Gravel-Reifen?
Bei den breiten Rennradreifen fehlt es dann doch an Offroad-Grip. Bei den schmalen MTB-Reifen ist meist das Profil für die Straße schon zu offen.
In vielen Punkten nähert sich das Gravel-Segment mehr und mehr dem MTB-Bereich an. Wird es in Zukunft noch breitere Reifen und Felgen geben?
Komfort und Grip sind immer wichtig. Bei den Breiten wird es sich aber auf maximal 45 Millimeter einpendeln. Reifen über 50 Millimeter Breite nähern sich dann wieder zu stark dem MTB an. Das Fahrgefühl auf der Straße wird merklich zäher. Aerodynamik macht auch im Gravel-Einsatz Sinn. Tests haben gezeigt, dass 40er-Reifen den perfekten Kompromiss bieten. Bei der Felgenbreite wird es sich wahrscheinlich zwischen 25 bis 27 Millimetern einpendeln.
Wir haben aus einer Vielzahl von Gravel-Reifen für Sie die fünf schnellsten Gummis herausgesucht:
Mit dem Getaway Pro hat die im Cyclocross bekannte italienische Marke Challenge einen sehr schnellen Gravel-Reifen im Programm. Der schwach profilierte Reifen rollt annähernd auf dem Niveau eines Schwalbe G-One RS, kostet aber weniger. Beim Pannenschutz, vor allem bei der Resistenz gegen Durchstiche, liegt er nicht ganz auf Schwalbe-Niveau.
Der Terra Speed ging im letzten Gravel-Reifen-Test der TOUR (Schwestermagazin von BIKE, EMTB und FREERIDE) als Testsieger hervor und vereint guten Grip mit sehr niedrigem Rollwiderstand. Zudem bringt der Reifen mit seinen feinen, flachen Stollen sehr wenig auf die Waage. Wer noch mehr Grip sucht, findet mit dem Terra Trail, der über größere und höhere Stollen verfügt, den richtigen Begleiter.
Der G-One Overland wurde für Pendler und Abenteurer ins Leben gerufen und soll sich durch eine hohe Laufleistung auszeichnen. Mit 17,9 Watt liegt der Rollwiderstand allerdings deutlich höher als bei den schnellsten Gravel-Reifen. Dafür fällt der Pannenschutz hoch aus. Der geringe Stollenabstand sorgt für ein feines Abrollen.
Der G-One RS wurde auf maximalen Leichtlauf getrimmt und ist derzeit einer der schnellsten Gravel-Reifen auf dem Markt. Sein minimalistisches Profil erinnert an feine Fischschuppen im Zentrum mit kleinen Seitenstollen. Das schnelle und geschmeidige Abrollverhalten begeistert. Sobald es schlammig wird, hat der Reifen allerdings keinen Auftrag mehr.
Der Thundero des tschechischen Herstellers Tufo zeichnet sich durch eine zahme Profilierung und einen geringen Rollwiderstand aus. Mit nur 431 Gramm ist der Thundero einer der leichtesten Reifen in 40 Millimetern Breite. Kehrseite des niedrigen Gewichts ist allerdings der schwache Durchschlagschutz. Im Vergleich ein sehr günstiger Reifen.
*Rollwiderstand bei 20 km/h, 2,5 Bar Reifendruck und 50 kg Belastung auf einem Trommelprüfstand ermittelt.
Die schnellsten Gravel-Reifen liegen beim Rollwiderstand auf der Straße sehr eng zusammen und rollen mit zwei Bar nicht schlechter als ein Rennradreifen mit sechs Bar. Die größten Unterschiede gibt es hinsichtlich des Grips auf unbefestigten Wegen.