Max Fuchs
· 09.07.2026
Magura, SRAM, TRP und Hope sind die Spitzenreiter in diesem Test und liefern allesamt mehr als genug Bremspower. Unser Bewertungssystem schlägt am Ende zugunsten von TRP aus. Fahrwerkers Debüt-MTB-Bremse überrascht mit brachialer Bremskraft. Das Schlusslicht bildet die Formula Cura 4. Sowohl im Labor als auch in der Praxis fällt ihre Bremsleistung im direkten Vergleich zu schwach aus.
Federwegsbepackte E-Enduros jenseits der 25 Kilo kassieren für ihr Übergewicht regelmäßig Negativschlagzeilen. Doch eines muss man den pummeligen Power-Boliden lassen: Ohne sie wären moderne Scheibenbremsen nie dorthin gekommen, wo sie heute stehen. Und das liegt nicht allein am Bike-Gewicht. Der tiefe Schwerpunkt der E-Bikes und die in der Regel fetten Reifen mit aggressiven Profilen sorgen für eine erheblich höhere Brems-Traktion.
Allein in den letzten beiden Jahren haben zwei Branchengrößen ihre gewohnten Modellhierarchien über Bord geworfen und zwei komplett neue Heavy-Duty-Bremsen aus dem Boden gestampft: die Sram Maven und die Magura Gustav Pro. Mehr Ölvolumen, größere Kolben, dickere Beläge, massivere Scheiben – alles Maßnahmen, um die Heerscharen schwerer E-Bikes mit ausreichend Bremskraft zu versorgen. Leichtbau? Gewichtsoptimierung? Fehlanzeige. Wie sehr das Streben nach Power die aktuelle Bremsengeneration prägt, verdeutlicht ein Blick in unseren Bremsentest von 2021: Damals brachte das Testfeld inklusive Belägen und 180-mm-Scheiben rund 415 Gramm auf die Waage. Heute liegt der Durchschnitt bei 485 Gramm – satte 17 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.
Pünktlich zu unserem Vergleichstest stellt Sram sogar eine zweite Ausbaustufe seines Schwerlast-Stoppers vor. Das Motto: Gleiche Power, besser dosierbar. Mit diesem Versprechen zählt die neue Maven gemeinsam mit der Gustav Pro zu den vielversprechendsten Modellen im Kampf um den Testsieg. Die Kandidaten von Hope und TRP verfolgen dasselbe Ziel: Auch sie haben im letzten Jahr kräftigere Vierkolben-Modelle an den Start gebracht. Zwar fallen die Tuningmaßnahmen bei TRP Evo Pro und Hope Evo GR4 nicht ganz so drastisch aus wie bei Sram und Magura, doch auch sie tauschen Gramm gegen Leistung. Die neue Marschrichtung zwingt aber nicht nur die angestammten Größen zum Umdenken. Sie zieht auch neue Mitstreiter an – Fahrwerker zum Beispiel. Der schwäbische Bremsenspezialist war bisher vor allem im Lastenrad-Segment und dem elektrischen Personen- und Gütertransport schwer in Aktion. Nun haben die Metzinger ihre Chance gewittert und wollen mit der F-Vision ihr Schwerlast-Know-how aufs E-Mountainbike übertragen.
Die Konkurrenz von Hayes und Formula hat die Power-Panik bislang noch nicht erfasst. Sie schicken ihre bewährten Vierkolben-Modelle Dominion A4 und Cura 4 ins Rennen. Der dritte Branchenriese, Shimano, tritt mit der Vierkolbenversion seiner beliebten XT-Bremsanlage an. Zwar haben die Japaner ihrem Stückzahlen-Beißer Mitte letzten Jahres ein Update verpasst – von mehr Bremspower war aber keine Rede. Die Veredelungsmanufaktur Trickstuff setzt ebenfalls weiterhin vollstes Vertrauen in ihre Produktpalette und schickt den Testsieger von 2021, die Piccola HD, gemeinsam mit dem aktuellen C42-Bremssattel zum Test.
Sie muss satt in der Hand liegen und ergonomisch möglichst viele Vorlieben bedienen. Hier punkten Modelle mit durchdachten Hebelgeometrien und großzügigen Einstellmöglichkeiten. Unser Testsystem belohnt aber auch clevere Features, die Wartungsarbeiten erleichtern oder zusätzlichen Mehrwert liefern. Und dann wäre da noch die Modulation. Denn was bringt brachiale Power, wenn sie sich nicht fein dosieren lässt? Gar nichts. Die Reifen blockieren schneller, die Traktion schwindet – und im schlimmsten Fall verlängert sich sogar der Bremsweg.
Wer hingegen maximale Power, feine Dosierbarkeit und sauberes Handling zu einem stimmigen Gesamtpaket schnürt, landet in unserem Testsystem weit vorne. Gelingt insbesondere die Modulation, profitieren auch Gravity-Biker ohne die Zusatzkilos eines Motorensystems vom Brems-Boost der neuen Heavy-Duty-Generation.
Alle Einzelartikel zu den Bremsen sind am Ende des Artikels verlinkt.
| Modell | Bremse inkl. Belag + 800 mm Leitung in Gramm | Bremsscheibe 180 mm in Gramm |
| Trickstuff Piccola HD | 213 | 119 |
| Formula Cura 4 | 248 | 194 |
| Hope Evo GR4 | 283 | 142 |
| Shimano XT | 296 | 136 |
| Hayes Dominion A4 | 308 | 150 |
| TRP Evo Pro | 313 | 188 |
| Magura Gustav Pro | 346 | 220 |
| Sram Maven B1 | 354 | 168 |
| Fahrwerker F-Vision | 411 | 166 |
Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.
Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe. Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch.
Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.
Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.
3,5 % Belagsverschleiß. Als einzige Bremse im Test setzt die Hayes Dominion A4 auf eine metallische Belagsmischung – und die zahlt sich bei der Haltbarkeit aus: Kein anderer Kandidat geht so schonend mit seinem Material um. Am anderen Ende der Skala: die Trickstuff Piccola. Ihren Belag raffte der Rollenprüfstand mit 15,3 % Verschleiß am schnellsten dahin.
Ein Defekt. Für den einzigen Defekt im gesamten Testfeld sorgte ausgerechnet eine Bremsscheibe mit Hightech-Anspruch: der Ice-Tech-Rotor von Shimano. Die dreilagige Sandwich-Konstruktion – zwei Edelstahlschichten mit Aluminiumkern – verzog sich bei der Bremskraftprüfung so stark, dass der Prüfstand den Testlauf vorzeitig abbrechen musste.
Spiegelei-Hitze. Während der Wärmestandfestigkeitsprüfung pendelte sich die maximale Bremssatteltemperatur bei allen Kandidaten zwischen 100 und 130 Grad ein – heiß genug, um auf dem Bremssattel ein Spiegelei knusprig zu braten.
213 vs. 411 Gramm. Die filigrane Trickstuff Piccola HD mit 3D-gedrucktem Titanhebel bringt inklusive Belägen und 800 Millimeter Leitung gerade einmal 213 Gramm auf die Waage – und unterbietet damit den Schnitt des Testfelds um satte 31 Prozent. Ausgerechnet die einzige Zweikolbenbremse im Feld, die Fahrwerker F-Vision, markiert mit 411 Gramm das andere Extrem.
| Handkraft in N | Magura | Trickstuff | Shimano | Fahrwerker | Sram | Formula | Hope | Hayes | TRP |
| 40 | 217 | 237 | 182 | 255 | 236 | 127 | 251 | 210 | 256 |
| 60 | 414 | 388 | 301 | 409 | 401 | 258 | 435 | 339 | 422 |
| 80* | 584 | 500 | 427 | 577 | 534 | 383 | 590 | 444 | 551 |
| 100 | 690 | 619 | 539 | 766 | 681 | 469 | 742 | 543 | 665 |
| 120 | 850 | 741 | 617 | 903 | 924 | 550 | 907 | 627 | 777 |
Die Tabelle zeigt die gemittelten Bremskräfte in Abhängigkeit von der Handkraft in der ersten Spalte. Den Höchstwert erreicht Sram. Den höchsten praxisrelevanten Wert unterhalb der 600-Newton-Schwelle* erzielt Hope. Hayes schneidet aufgrund der ungünstigeren Reibwerte der metallischen Belagsmischung unter seinen Möglichkeiten ab. Schade für Shimano: Die Norm schreibt vor, dass die Handkraft 25 mm vom Hebelende aus anliegt. Wegen des besonders kurzen Hebels kann die XT ihren kraftvollen Biss auf dem Prüfstand deshalb nicht reproduzieren.
| Handkraft in N | Magura | Trickstuff | Shimano | Fahrwerker | Sram | Formula | Hope | Hayes | TRP |
| 40 | 185 | 201 | 115 | 214 | 200 | 106 | 178 | 204 | 193 |
| 60 | 307 | 307 | 178 | 352 | 362 | 199 | 304 | 339 | 324 |
| 80* | 438 | 396 | 246 | 496 | 519 | 300 | 429 | 488 | 456 |
| 100 | 562 | 492 | 327 | 625 | 641 | 399 | 558 | 660 | 590 |
Die Tabelle zeigt die gemittelten Bremskräfte bei Nässe bis 100 Newton Handkraft (1. STalte). Darüber hinaus (vgl. Trockenbremsung bis 120 N) sind die Ergebnisse nicht mehr zuverlässig vergleichbar, da die nassen Reifen auf dem Rollenprüfstand zu rutschen beginnen. Auffälligste Beobachtung: Gemessen an der Trockenbremsung verzeichnet die Shimano XT den größten Leistungsverlust. Die Hayes Dominion A4 ist mit ihren metallischen Belägen bei Nassbremsungen klar im Vorteil gegenüber der Konkurrenz mit organischen Belägen. Dass sie sogar den Bestwert erzielt, verdeutlicht, wie stark die Brems-Performance vom Belag abhängt.
| Modell | TRP | Sram | Hope | Magura | Fahrwerker | Trickstuff | Hayes | Shimano | Formula |
| Preis (ohne Scheibe u. Zubehör) | 330 € | 325 € | 300 € | 300 € | 750 € | 550 € | 287 € | 235 € | 211 € |
| Bremspower (50 %) | 1,35 | 1,25 | 1,4 | 1,7 | 0,9 | 1,9 | 2,7 | 2,7 | 3,55 |
| Nassbremsung (10 %) | 2 | 1,5 | 2,5 | 2,5 | 2 | 3 | 2 | 4,5 | 3,5 |
| Trockenbremsung (40 %) | 1 | 1,5 | 1 | 0,5 | 0,5 | 1,5 | 2,5 | 2,5 | 3 |
| Praxis (50 %) | 1,5 | 1 | 1,5 | 2,5 | 1 | 2 | 3 | 2,5 | 4 |
| Modulation (30 %) | 1 | 2 | 2 | 1,5 | 3 | 2 | 1,5 | 3,5 | 3 |
| Usability / Handling (10 %) | 1 | 2,5 | 3 | 2,5 | 3 | 4 | 2,5 | 4 | 4 |
| Gewicht* (10 %) | 3 | 2,5 | 2 | 2,5 | 4 | 1 | 2,5 | 2,5 | 1,5 |
| BIKE NOTE (100 %) | 1,4 | 1,7 | 1,8 | 1,8 | 2,1 | 2,1 | 2,3 | 3,1 | 3,2 |
* Gewicht Bremse inkl. 800 mm Leitung und Belag. Die BIKE-Note setzt sich aus Praxiseindrücken der Testfahrer und Labormesswerten zusammen. Die Note ist preisunabhängig. Aufsteigendes Notenspektrum: 0,5–6. Für die Bewertung der Bremsleistung werden die Kräfte bei 80 N Handkraft herangezogen, da hier alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600-N-Schwelle liefern.

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