Bestnote in Usability, Bestnote in Modulation und bei der Power ganz vorne mit dabei: Mit der Evo Pro liefert TRP die Blaupause für ein perfektes Zusammenspiel von Bremskraft und Dosierbarkeit – verpackt in ein durchdachtes Gesamtpaket. Testsieg! – Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
| Preis (ohne Scheibe und Zubehör) | 330 Euro |
| Gewicht pro Stück | 313 Gramm (inkl. 800 mm Leitung + Beläge) |
| Scheiben / Dicke | RS01E 180 / 2,20 mm |
| Bremsbeläge | Organisch |
| Bremsmedium | Mineralöl |
| Druckpunktverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Hebelweitenverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Besonderheiten | – |
„So eine Bremse will ich haben!“, sagt Tester Dimi bestimmt und schiebt das Canyon-E-Bike zum Boxenstop, um die nächste Bremsanlage zu montieren. Sein Lob gilt der TRP Evo Pro. Gefühlt fliegt das Gravity-Flaggschiff der Tektro-Tochter noch unter dem Radar. Nur wenige Hersteller verbauen sie ab Werk, und auch die Eckdaten erregen wenig Aufsehen. Schade eigentlich. Denn die TRP hat das Zeug zum neuen Goldstandard.
Feinfühlig, leichtgängig, berechenbar – so fühlt sich der TRP-Hebel an. Man spürt jederzeit, wo man im Hebelweg steht und wann die Bremskraft anliegt. Eingewöhnungszeit? Fehlanzeige. Keine Bremse im Vergleich spricht so unkompliziert und intuitiv an wie die Evo Pro. Der Druckpunkt bleibt konstant, kündigt sich sanft an und liefert bei Vollbremsungen straffen Gegenhalt. Nicht zu schwammig, nicht zu knackig – einfach perfekt. Damit fährt die Evo Pro bei der Modulation die Bestnote ein. Die Hebelweitenverstellung spielt vor allem Fahrern mit kleinen Händen in die Karten. Für Langfinger dürfte die maximale Hebelweite noch etwas größer ausfallen. Feintuning am Druckpunkt gelingt dank des PAD (Pad Activation Dial) direkt am Hebel, ganz ohne Werkzeug. Auch die Hebelgeometrie überzeugt unsere Testcrew: Der ausgeprägte Haken mit seiner griffigen Oberfläche liegt bombenfest in der Hand. Gepaart mit der hohen Materialstärke wirkt die TRP-Armatur selbst unter Maximallast steif und unverwüstlich.
Bei der Bremskraftwertung landet die Evo Pro knapp hinter Sram auf Platz drei. Im Labor mischt sie gemeinsam mit Hope, Fahrwerker, Sram und Magura ganz vorne mit. Bestwerte fehlen zwar, doch im praxisrelevanten Bereich bei 80 Newton Handkraft begegnet sie ihrer Konkurrenz auf Augenhöhe. Wer in der Theorie noch stärker am Hebel zieht, quetscht aus der TRP satte 963 Newton Bremskraft – der Höchstwert im gesamten Testfeld!
Zurück auf dem Trail: Analog zu den Labordaten zählt die Evo Pro auch im Gelände zu den kräftigsten Bremsen, liefert in der Spitze aber nicht die überwältigende Power einer Maven oder Fahrwerker. Und genau darin liegt ihr Trumpf. Gefühlt hält die TRP ihre maximalen Kraftreserven zugunsten der Traktion etwas zurück. Der Krafteintrag am Hebel harmoniert perfekt mit der Bremsleitung. Das Übersetzungsverhältnis hat TRP so gewählt, dass Vollbremsungen selbst mit müden Händen leicht gelingen. Wie eine Verlängerung des Zeigefingers rückt die Evo Pro so im Fahrbetrieb komplett in den Hintergrund und hält stets die perfekte Dosis an Power parat. Dimi hat Recht – so eine Bremse will man wirklich haben!
| Kategorie | Note |
| Bremspower (50%) | 1,35 |
| Nassbremsung Labor (10%) | 2 |
| Trockenbremsung Labor (40%) | 1 |
| Bremsleistung Praxis (50%) | 1,5 |
| Modulation (30%) | 1 |
| Usability / Handling (10%) | 1 |
| Gewicht (10%) | 3 |
| BIKE-NOTE (TESTSIEGER) | 1,4 |
Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.
Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe.
Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch. Für die Bewertung der Bremsleistung im Labor ziehen wir nur die Ergebnisse bei 80 N Handkraft heran. In diesem Bereich liefern – insbesondere bei Trockenbremsungen – alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600‑N-Schwelle. Darüber droht unter idealen Grip-Bedingungen der Überschlag.
Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.
Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.

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