Max Fuchs
· 04.05.2026
Trotz Spitzennoten bei der Bremsleistung, vielen Usability-Punkten und Bestnoten bei der Dosierbarkeit muss die Maven B1 den Testsieg an TRP abtreten. Zwar zeigt der Neuling Fortschritte bei der Modulation, doch die EVO Pro setzt ihre ähnlich hohe Bremskraft noch kontrollierter frei und liegt besser in der Hand. – Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
| Preis (ohne Scheibe und Zubehör) | 325 Euro |
| Gewicht pro Stück | 354 Gramm (inkl. 800 mm Leitung + Beläge) |
| Scheiben / Dicke | HS2 180 / 2,00 mm |
| Bremsbeläge | Organisch |
| Bremsmedium | Mineralöl |
| Druckpunktverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Hebelweitenverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Besonderheiten | – |
Im Zentrum des Updates steht der überarbeitete SwingLink-Hebel. Dabei handelt es sich um einen Umlenkhebel, der die Kraft vom Bremshebel auf den Geberkolben überträgt. SRAM hat die Geometrie zugunsten eines geringeren Losbrechmoments optimiert. Im direkten Vergleich lässt sich der Initialbiss seither deutlich leichter dosieren, da die Beläge nicht mehr so abrupt anliegen wie beim Vorgänger. Auch bei mittleren Handkräften reagiert die neue Maven nicht mehr so impulsiv wie zuvor. Dennoch: Gemessen am Rest der Testgruppe besitzt die Maven immer noch einen straff definierten Druckpunkt. Der neue SwingLink ist aber nicht der einzige Kniff, um das Ansprechverhalten der Maven zu optimieren. Auch den Kolbendurchmesser im Bremssattel haben die Amerikaner einheitlich auf 18 Millimeter reduziert. Dadurch fällt das hydraulische Übersetzungsverhältnis minimal kleiner aus. Das Ergebnis: Durch den geringeren Kolbendurchmesser sinkt die maximale Bremskraft bei 80 Newton Handkraft um fünf Prozent. Dennoch gesellt sich die neue Maven bei der Trockenbremsung im Labor noch zu den Spitzenkandidaten – Hope, TRP, Magura und Fahrwerker liegen den Zahlen nach aber minimal vorne. Bei der Nassbremsung erzielt SRAM die Bestnote.
Der gemessene Leistungsrückstand spielt in der Praxis keine Rolle. Laborwerte hin oder her, im echten Leben entfaltet die Maven zusammen mit der Fahrwerker die gewaltigsten Kräfte. Die Souveränität, mit der die Maven selbst hohe Systemgewichte unbeirrbar zum Stillstand zwingt, sucht ihresgleichen. Kritik gibt es für den lieblosen Carbon-Hebel: Wir hätten uns ein stärker geschwungenes Hebelende und eine strukturiertere Oberfläche gewünscht. So liegt der Hebel zwar unauffällig am Finger, andere Modelle bieten aber deutlich mehr Halt. Bei den Einstellmöglichkeiten setzt die Maven die Messlatte hoch: Hebel-Leerweg und Hebelweite decken praktisch alle Vorlieben ab.
| Kategorie | Note |
| Bremspower (50%) | 1,25 |
| Nassbremsung Labor (10%) | 1,5 |
| Trockenbremsung Labor (40%) | 1,5 |
| Praxis (50%) | 1 |
| Modulation (30%) | 2 |
| Usability / Handling (10%) | 2,5 |
| Gewicht (10%) | 2,5 |
| BIKE-Note | 1,7 |
Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.
Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe. Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch. Für die Bewertung der Bremsleistung im Labor ziehen wir nur die Ergebnisse bei 80 N Handkraft heran. In diesem Bereich liefern – insbesondere bei Trockenbremsungen – alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600-N-Schwelle. Darüber droht unter idealen Grip-Bedingungen der Überschlag.
Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.
Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.

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