Für 5500 Euro liefert Aventon mit dem Current EXP ein gelungenes E-Mountainbike mit eigenständigem Konzept und vielen besonderen Features. Vor allem Einsteiger und Gelegenheits-Biker können damit richtig glücklich werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut fair, das Gewicht gut. Im harten Gelände kann das Current aber nicht ganz mit den Besten mithalten.
| Preis | 5.499,00 € |
| Federweg | 150 mm |
| Laufradgröße | 29"/622mm |
| Gewicht | 23.8 kg |
| Motor | Aventon Ultro X |
| Akku | Aventon 800 Wh |
| Gabel | Rock Shox Lyrik Select |
| Dämpfer | Rock Shox Super DeLuxe Select+ |
| Schaltung | SRAM S1000 AXS Transmission |
| Bremse vorne | SRAM Maven Base |
Die Kalifornier von Aventon haben es sich nicht leicht gemacht. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Bike-Marke bei ihrem Debüt im E-MTB-Segment auf ein selbst entwickeltes Antriebssystem setzt. Wo andere Hersteller etablierte Systeme von Bosch oder Avinox quasi “von der Stange” verwenden, wagt Aventon den eigenständigen Weg. Software, Akku, Bedienelemente, App - all das kommt beim Aventon Current aus der Feder der hauseigenen Entwickler.
Das Aventon Current kombiniert einen Carbon-Hauptrahmen mit einem Alu-Hinterbau. Das Chassis bietet 150 Millimeter Federweg vorne und 140 Millimeter hinten, gerollt wird auf 29-Zoll-Laufrädern.
Im Unterrohr steckt ein 800-Wattstunden-Akku, der nach unten entnommen werden kann – eine Konstruktion, die das Bike leichter und steifer machen soll. Mit Erfolg: Das Topmodell Current EXP bringt in Größe L lediglich 23,8 Kilogramm auf die Waage. Das ist bei Weitem kein Rekord, aber doch ein mehr als beachtlicher Wert für ein E-MTB mit großem, entnehmbarem Akku in dieser Preisklasse. Vergleichbare Bikes in unserem letzten Test bewährter E-All-Mountains um 5000 Euro wogen zwischen 24,2 und 25,8 Kilo.
Herzstück ist der Aventon Ultro X Motor, den die Kalifornier in Zusammenarbeit mit dem Motorenspezialisten Gobao entwickelt haben. Mit 120 Newtonmetern maximalem Drehmoment und 850 Watt Spitzenleistung bietet der Antrieb eine absolut solide Power.
Besonders hervorzuheben ist das Touch-Display im Oberrohr. Die Anzeige überzeugt mit scharfer und klarer Darstellung, die Touchfunktion arbeitet auch mit Handschuhen und bei Regen zuverlässig. Über das Menü lassen sich zahlreiche Details direkt einstellen, etwa die Reihenfolge der Unterstützungsstufen oder das Feature "Wheel Lift Control" – ein Algorithmus, der an steilen Anstiegen hilft, das Vorderrad kontrolliert am Boden zu halten. Der Remote-Hebel läuft über Funk, somit fällt ein zusätzliches Kabel und damit eine potenzielle Fehlerquelle weg.
Das E-System des Current wartet obendrein mit besonderen Features auf, die man sonst eher in höheren Preissegmenten findet: GPS-Tracking mit Diebstahlschutz ab Werk, eine Alarmanlage, die leider etwas zu leise ausfällt, und eine App vollgepackt mit Funktionen. Aventon hat bei der Entwicklung an viele Details gedacht und bietet damit eine willkommene Alternative zu E-Mountainbikes mit Standardantrieben.
Der Motor macht von Beginn an einen guten Eindruck. Vor allem fährt er sich geschmeidig und natürlich. Er setzt direkt und trotzdem nicht ruppig oder garstig ein und das gilt auch fürs Aussetzen der Power. Passend dazu bleibt auch das Antriebsgeräusch dezent. In Sachen Power fühlt sich der Ultro X vor allem untenrum, also bei langsamem Tritt, richtig kräftig an. In Steilstücken schiebt er damit konsequent nach oben. Das hilft besonders, wenn die Trittfrequenz nicht hochgehalten werden kann, oder man an Stufen etwas hängen bleibt. Bis zu 120 Newtonmeter gibt Aventon an – und das Gefühl sag: Ja, das passt. Dieser wirklich starke Schub bei niedriger Kadenz ist charakterbildend für diesen Motor.
Bergauf lässt sich das Current ziemlich unkompliziert steuern. Man sitzt angenehm zentral im Bike und behält dadurch souverän die Kontrolle. Mit dem niedrigen Cockpit lastet viel Druck auf dem Vorderrad und das Bike folgt locker der eingeschlagenen Linie. Mit der moderaten Geometrie entwickelt das Bike kein Eigenleben und bleibt auch bei langsamerem Tempo stabil und leicht zu handeln. In technischen Passagen könnte die Traktion im Heck aber besser sein und wenn es richtig steil wird, muss man das Current aktiv im Zaum halten und das Gewicht bewusst nach vorne verlagern.
Unkompliziert und moderat ist auch das Motto, wenn es bergab geht. Das Current ist kein Downhill-Extremo, das erst bei Knallgas zum Leben erwacht. Das Current ist vielmehr ein betont entspanntes Fahrrad. Am wohlsten fühlt es sich auf spaßigen Trails, die nicht zu krass ausfallen. Da trifft es einen guten Kompromiss aus Fahrsicherheit und Agilität. Wenn es steil und ruppig wird, kostet die tiefe Front Vertrauen und Sicherheit. Abhilfe kann ein höherer Lenker mit mehr Rise schaffen. Das macht das Current auf Touren komfortabler und im Gelände sicherer.
Die günstige Lyrik Federgabel arbeitet schön sensibel und fluffig, kann aber zu starkem Druck nicht genug entgegensetzen. Heißt: mit der tiefen Front taucht die Gabel in Steilpassagen zu stark weg. Auch das wird mit höherer Front besser. Insgesamt funktioniert das Fahrwerk solide, vor allem wenn man den fairen Preis dieses Bikes im Auge behält.
Leichte Abstriche muss man durch die etwas dürftige Reifenwahl machen. Also, Tuning Tipp Nummer zwei: Fürs ernste Gelände gehören neue Reifen aufs Bike. Vorne griffiger, hinten mehr Pannenschutz. Das hebt die Nehmerqualitäten und die Fahrsicherheit des Aventon deutlich an und kostet nicht die Welt. Dann mutiert das Aventon Current EXP zum gelungenen Allrounder zum fairen Preis. Schönheitsfehler: Der Motor klappert bergab leider deutlich, wie man es von anderen Kandidaten auch kennt.
Den Preis muss man bei der Einordnung dieses E-MTBs immer klar parat haben: Denn natürlich gibt es Bikes die auf dem Trail noch konsequenter funktionieren. Die kosten aber gerne mal das Doppelte vom Current EXP.
Das Current ist in zwei Versionen erhältlich: Neben dem hier vorgestellten Topmodell Current EXP für 5499 Euro gibt es das Current Advanced mit Alu-Rahmen für 3999 Euro. Auch das Einstiegsmodell bietet eine solide Ausstattung mit kaum spürbaren Nachteilen im Gelände – eine echte Option für preisbewusste Biker. Der größte Unterschied dürfte im Gewicht liegen.

Redakteur CvD