Rotwild RX 375 Rotwild RX 375

E-MTB-Neuheiten 2021: Rotwild R.X 375

18,3 Kilo! Rotwilds Trail-Rakete mit kleinem Akku

Max Fuchs am 31.08.2020

Im Modelljahr 2021 steht Rotwild mit einem neuen All Mountain in den Startlöchern. Dank dem kleinen Akku mit 375 Wattstunden wiegt der E-MTB-Neuling nur 18,3 Kilo. Vorhang auf für das R.X 375!

Wow – was für ein Teil! Der gold schimmernde Schriftzug auf dem Unterrohr springt sofort ins Auge: Rotwild R.X 375 Ultra. So heißt die neue Trailrakete. 150-Millimeter-Federweg, Shimano EP8-Antrieb und 29-Zoll-Laufräder bei einem Gesamtgewicht von gerade einmal 18,3 Kilo in Größe M. Die Kinnlade gibt sich der Schwerkraft hin. Das Hirn hadert mit einer akuten Überdosis an Glückshormonen und Fragezeichen zugleich. Ist das überhaupt noch ein echtes E-MTB? Reicht die mäßige Akkukapazität? Tritt das neue Rotwild R.X 375 Ultra in die Fußstapfen des Minimal-Assist-Bikes Specialized Levo SL? Tatsächlich reiht sich der jüngste Wurf aus Dieburg zwischen den beiden Extremen ein. Das R.X 375 will weder ein Voll-Power-E-MTB noch ein entkräftetes Minimal-Assist-Bike sein. Denn zur Antriebsunterstützung stellt der Motor uneingeschränkt 85 Newtonmeter bereit. Den Strom zieht er jedoch aus dem eigens entwickelten Akku mit nur 375 Wattstunden Kapazität. 

Rotwild RX 375 Test EMTB

Wir konnten den E-BIke-Neuling bereits einem ausgiebigen Praxistest unterziehen. 

Rotwild RX 375

Im Gegensatz zum R.X 750 fallen beim kleinen Bruder Unterrohr und Oberrohr aus allen Perspektiven schmal aus. Auf den ersten Blick würde man im dünnen Unterrohr keinen Akku vermuten.

Rotwild RX 375

Carbon so weit das Auge reicht: angefangen beim Rahmen, über die Wippe bis hin zum handgefertigten Carbon-Gehäuse des Akkus.

Rotwild RX 375

Mit dem R.X 375 locker über alle Berge? Wohl kaum. Die geringe Akku-Kapazität fordert auf längeren Touren mit vielen Höhenmetern eine hohe Selbstbeteiligung beim Antrieb – oder einen Zweitakku im Rucksack. Dafür ist das Bike rekordverdächtig schlank.

Die Fakten zum neuen Rotwild R.X 375

  • Shimano EP8
  • BMZ-Akku mit 375 Wattstunden (Quick Release)
  • 29 Zoll Laufräder
  • 150/140 Millimeter Federweg
  • Vollcarbon-Rahmen
  • drei Modelle von 6999 Euro bis 11499 Euro
  • Gewicht: 18,3 Kilo (Topmodell R.X 375 Ultra in Größe M, ohne Pedale, Alu-Kurbel statt serienmäßiger Carbon-Kurbel)
  • zulässiges Gesamtgewicht: 130 kg (Topmodell wg. der Laufräder 120 kg)
Rotwild RX 375

Die Eightpins-Stütze bildet mit dem Sitzrohr eine Einheit. Der Vorteil: Beim Absenken wird der gesamte Hub bis zur Sitzrohrkante genutzt.

Rotwild RX 375

Die Kabel verlaufen vom EP8-Shifter ausgehend sauber integriert durch den Griff direkt in den Lenker.

Rotwild RX 375

Auch die Display-Kabel integriert Rotwild in den neuen, eigens für das 375er entwickelten Vorbau. Die Kabelführung ist super sauber und aufgeräumt.

Rotwild RX 375

Der großzügige Gummischutz auf der Kettenstrebe unterbindet Geräuschentwicklungen auf ruppigem Terrain effektiv.

Rotwild R.X 375: Der Antrieb

Die Vortriebsunterstützung am neuen Rotwild R.X 375 fällt in den Verantwortungsbereich des ebenfalls frisch vorgestellten Shimano EP8-Motor. Das geringe Gewicht, gepaart mit dem schlanken Design des Motors sind die Grundvoraussetzungen für die schmale Rahmenkonstruktion. Mit 85 Newtonmeter maximalem Drehmoment schiebt der EP8 das R.X 375 samt Fahrer durchs Gelände. Die Energie stellt ein BMZ-Akku mit 375 Wattstunden bereit. Das ist wenig. Jedoch schlägt Rotwild diesen Weg bewusst ein. In der Zeit von immer größeren E-MTB-Akkus und damit auch größeren und schwereren Bikes, will Rotwild bewusst Kunden ansprechen, die auf das natürliche Fahrgefühl und die Leichtfüßigkeit eines normalen Mountainbikes nicht verzichten wollen. Unter dieser Zielgruppe vermuten die Entwickler auch sportlich ambitionierte Biker, die die Anstrengung nicht scheuen, sich von der Motorunterstützung aber ein Plus an Fahrspaß und einen größeren Aktionsradius erhoffen. „Den klassischen E-MTB-Kunden, der jeden Anstieg so schnell wie möglich ohne Anstrengung hochtrekern will, haben wir bei diesem Modell nicht berücksichtigt“, sagt Rotwild-Verkaufsmanager Stephan Koch. Und genau dafür gibt´s bei Rotwild ja auch die 750er-Serie mit Brose-Motor und doppelter Akkukapazität.
Mit Hilfe der Shimano E-Tube-Project App lassen sich drahtlos die einzelnen Unterstützungsstufen individuell anpassen. Dabei können in jedem Modus jeweils die prozentuale Unterstützung, das maximale Drehmoment sowie die Beschleunigung stufenweise individualisert werden. Dieser Funktion soll am R.X 375 zentrale Bedeutung zukommen. Denn wer alle Regler auf Vollgas dreht, dem wird mit dem kleinen Akku schnell der Saft ausgehen. Es sei denn, man packt sich einen Zweitakku in den Rucksack, was dank minimaler Größe und Gewicht, sowie dem supersimplen Schnellverschluss so entspannt funktioniert wie bei keinem zweiten E-MTB.

Rotwild RX 375

Das Tretlager beherbergt den frisch vorgestellten Shimano EP8-Motor. Die schmalen Einbaumaße machen die schlanke Rahmenkonstruktion des R.X 357 überhaupt erst möglich.

Rotwild RX 375

Der Akku mit 375 Wattstunden beansprucht auf ausgedehnten Touren mit langen Anstiegen viel Muskelkraft. Wer hier auch die letzten Höhenmeter mit Motorunterstützung erklimmen möchte, muss sparsam sein.

Rotwild RX 375

Gerade mal 2029 wiegt der kompakte Akku mit Carbon-Gehäuse. Zum Zweitakku zu greifen, tut hier kaum weh. Nur die Geldbörse leidet. 750 Euro kostet ein neuer Akku.

Rotwild RX 375

Einzigartig einfach: Auf Knopfdruck hat man den Akku in der Hand! Wer Angst vor Langfingern hat, kann den Button mit einer zusätzlichen Schraube fixieren.

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Die magnetische Abdeckung für den Ladeanschluss geht im Eifer des Gefechts schnell verloren. Eine feste Bindung zum Bike wäre die sicherere Lösung.

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Das R.X 375 auf Leichtbau getrimmt

Um die 19-Kilo-Marke zu knacken, unterzieht Rotwild das R.X 375 einer konsequenten Diät. Die größte Gewichtsersparnis fällt dabei auf den Antrieb zurück. Allein der neue Shimano EP8-Motor spart gegenüber der Konkurrenz von Brose und Bosch über 400 Gramm. Hinzu kommt der 2029 Gramm leichte Akku. Zum Vergleich: Der Inntube-Akku von Shimano mit 630 Wattstunden bringt dagegen stolze 3511 Gramm auf die Waage. Für 11499 Euro spendieren die Produkt-Manager dem Ultra-Modell zusätzlich Laufräder sowie Kurbelarme und einen Lenker aus Carbon. Leider fällt auch die Bereifung der drastischen Gewichtsoptimierung zum Opfer. Denn der 2,35-Zoll breite Nobby Nic mit eher leichter Superground-Karkasse kann die Trail-Stärke des Bikes nicht ganz mitgehen.

Rotwild RX 375

Die hauseigene Lenker-Vorbau-Einheit ist nicht nur leicht, sondern verfügt auch über eine interne Kabelführung vom Lenkerinneren direkt in den Vorbau. Letzterer ist kürzer und deutlich simpler in der Handhabung als das Pendant an Rotwilds 750ern. Nur die Monkey Link-Aufnahme fehlt.

Rotwild RX 375

Geschütz vor Umwelteinflüssen: Speedsensor und Magnet sind sauber in das Ausfallende und die Bremsscheibe integriert.

Rotwild RX 375

Vor kurzem hätten wir bei dieser Reifenwahl an einem Trail-E-MTB die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Doch Schwalbe hat dem Nobby Nic eine stärkere Karkasse und dickere Seitenstollen verpasst. Wir sind gespannt, wie er sich im Dauereinsatz schlägt. Mit 2,35 Zoll fällt er recht schmal aus.

Rotwild RX 375

Ordnung ist das halbe Leben: Am Rotwild verlaufen alle externen Leitungen und Kabel sauber in die Öffnungen im Hauptrahmen. Die Elektrokabel sind kaum zu sehen.

Rotwild RX 375

Das Shimano-Display sitzt bei Stürzen sicher und geschützt neben dem Vorbau.

Rotwild RX 375

An der 36er-Fox-Factory-Gabel verzichtet Rotwild auf die feinen Einstellmöglichkeiten der Grip2 Kartusche und setzt auf die einfache Bedienung der Fit4.

Die Geometrie des Rotwild R.X 375

Die Geometrie fällt moderat aus. So sollen auch Einsteiger ohne ausgefeilte Fahrtechnik das Bike problemlos im Gelände bewegen können. Demnach misst der Lenkwinkel angenehme 66,5 Grad und der Reach beträgt 475 Millimeter in Größe L. Der relativ steile Sitzwinkel macht sich durch eine kompakte Sitzposition und gute Klettereigenschaften bemerkbar. Auch bei den Kettenstreben gehen die Ingenieure den sicheren Weg. 450 Millimeter sind lang genug, um auch steile Rampen zu erklimmen, ohne dabei aktiv gegen das steigende Vorderrad ankämpfen zu müssen. Aber auch noch kurz genug, um den Spieltrieb des Bikes nicht komplett der Laufruhe zu opfern.

Rotwild RX 375

Die Geometrie des Rotwild R.X 375 im Überblick.

Modelle und Ausstattung

Vom neuen R.X 375 bietet Rotwild drei Ausstattungsvarianten an. Los geht´s bei 6999 Euro für die Core-Variante. Das Einstiegs-Modell schaltet auf einer Shimano XT-Gruppe und ebnet mit einem Performance-Fahrwerk von Fox den Trail. Dahinter reiht sich das 8499 Euro teure R.X 375 Pro ein. Die Ausstattung hebt sich lediglich durch die integrierte Vario-Stütze von Eightpins und die hochwertigeren DT Swiss HX 1501-Laufräder ab.  Das obere Ende der Preisspanne markiert das von uns getestete Ultra-Modell mit Carbon-Laufrädern von DT Swiss, einer kompletten Shimano XTR-Gruppe und Fox Factory-Fahrwerk. Preis: 11499 Euro. Alle Modelle setzten dabei auf denselben Vollcarbon-Rahmen.

Rotwild RX 375

Das Top-Modell R.X 375 Ultra kostet 11499 Euro. Wer sich den Spaß leisten möchte, kann sich zwar an einem der leichtesten E-MTBs erfreuen, muss seine Brieftasche aber auch gewaltig öffnen.

Alternative: Vollgas-Enduro R.E 375

Rotwild RX 375

Enduro-Fans und Freeridern bietet Rotwild zusätzlich eine Plattform mit 170 Millimetern Federweg an der Front und 160 am Heck. Das Einstiegsmodell R.E 375 Core kostet 7499 Euro. Für das Top-Modell Pro (im Bild) sind 8999 Euro fällig. Die extrem lange und flache Geometrie (Lenkwinkel 63,5°) grenzt die Zielgruppe auf technisch versierte Piloten ein.

 

So fährt sich das neue Rotwild R.X 375 Ultra

Nach den ersten Metern auf dem R.X 375 komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Krass, das Ding fährt sich ja selbst ohne Motorunterstützung wie ein normales Mountainbike!“ Klar, mit 18,4 Kilo Gesamtgewicht fühlt sich das Bike zwar nicht an wie ein Marathon-Fully, mit den Vortriebseigenschaften eines schweren Enduro-Bikes kann es das Rotwild jedoch allemal aufnehmen. Wer also ein E-MTB mit natürlicher Fahrcharakteristik sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Schaltet man den Motor hinzu, geht der Spaß so richtig los. Gegenüber den Vollgas-E-Bikes mit dicken Akkus zieht das R.X 375 nicht den Kürzeren. Nur bei langen Touren mit vielen Höhenmetern zwingt einen die geringe Akku-Kapazität in den Stromsparmodus. Das abrupte Trägheitsgefühl oberhalb der 25 km/h-Grenze bleibt dafür aus. So kommt man auch auf welligen, schnellen Trails auf seine Kosten. Einen detailierten Fahrbericht mit allen Fakten und Laborwerten lest ihr in EMTB 5/2020 – ab 13. Oktober im Handel, als Digitalausgabe und in der App.

Rotwild RX 375

Sparsam bergauf und dann Vollgas bergab – die Paradedisziplin des R.X 375.

Der große Bruder: Neu am R.X 750 Ultra

Das Rotwild R.X 750 hat vor einem Jahr für viel Aufsehen gesorgt. Dicker Akku mit 750 Wattstunden, durchzugsstarker Brose-Motor, edles Finish und viel Carbon. Für 2021 gibt's am Topmodell R.X 750 Ultra einige Detailverbesserungen, die das Gewicht weiter senken sollen. Der Rahmen wird aus einer hochwertigeren Carbon-Faser gefertigt, außerdem ist auch die Umlenkwippe aus diesem Material gefertigt. Das soll 300 Gramm sparen. Bei der 375er-Serie setzen alle Modelle auf diese Hightech-Fasern, beim 750er nur das Ultra. Der Carbon-Akku ist bei den Ausstattungsvarianten Ultra und Pro serienmäßig. Über die gesamte Modellpalette hinweg setzt Rotwild 2021 auf Schwalbe-Reifen.

Rotwild R.X 750 Ultra 21

Das R.X 750 Ultra kostet 11499 Euro. Das Chassis soll in Summe 500 Gramm leichter geworden sein. Außerdem neu: Schwalbe-Reifen. Magic Mary vorne, Hans Dampf hinten.

Max Fuchs am 31.08.2020