Gravelbike-JägerCanyon Exceed CFR Team im Langzeit-Test

Stefan Loibl

 · 27.12.2021

Gravelbike-Jäger: Canyon Exceed CFR Team im Langzeit-TestFoto: Robert Niedring
Gravelbike-Jäger: Canyon Exceed CFR Team im Langzeit-Check

Vom Triumph im Racebike-Test in den Dauereinsatz: Wir wollten wissen, wie lange der ausgereizte 922-Gramm-Rahmen des Canyon Exceed CFR Team unbeschadet übersteht.

Mit dem überzeugenden Testergebnis in BIKE 10/20 fing alles an. Bei den Testfahrten hinterließ das damals noch brandneue Canyon Exceed CFR einen überzeugenden Eindruck und mischte ganz vorne mit im Wettstreit um die Leichtbaukrone der 29-Zoll-Hardtails. Und so kam es, dass ich trotz des L-Rahmens – der sich für meine 1,80 Meter einen Tick zu lang anfühlte – in nur vier Wochen 500 Kilometer auf dem Canyon durchs Gelände kurbelte. Lange Singletrail-Touren und Chiemgau King in Gold inklusive. Doch am Ende knarzte und knackte das Edel-Hardtail bei jedem Pedaltritt wie die Holztreppe in einem alten Gemäuer. Bei unserem Rennstreckentest mit Race-Hardtails und Marathon-Fullys in BIKE 3/21 räumte das Canyon Exceed als Team-Version dann erneut den Testsieg ab und bewies, dass es nicht nur einen der leichtesten Rahmen (Exceed CFR Rahmengewicht: 922 Gramm) am MTB-Hardtail-Markt besitzt, sondern gleichzeitig viel Komfort bietet und als Gesamtpaket auch Rennfahrer wie Karl Platt und Pirmin Sigel überzeugt.

Verlagssonderveröffentlichung

Laufleistung nach einer Saison mit dem Canyon Exceed CFR

  • 2861 Kilometer
  • 56100 Höhenmeter

Ausstattung Canyon Exceed CFR Team

  • Material: Carbon, Größe M / 46 cm
  • Preis / Gewicht: 5799 Euro / 8,8 kg o. Pedale
  • Federweg / Übersetzung: 100 mm / 34; 10–51 Zähne
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Federgabel: Fox 32 Factory SC Fit4 Remote

Dieses Mal haben wir das Versender-Hardtail mit Luxusausstattung in Größe M getestet. Deshalb ging’s nach den feucht-matschigen Vergleichsfahrten direkt mit dem Langzeittest weiter. Wir wollten wissen: Wie steckt das dünnwandige Carbon-Chassis des Canyon Exceed CFR eine lange Saison weg? Und wie anfällig ist das 5799-Euro-Bike für Geräusche und Defekte ohne die Hingabe von Profi-Mechanikern?

Mit dem Canyon Exceed auf langen Singletrail- und Schotter-Touren

Die ersten Ausfahrten bestätigen die Eindrücke der Vergleichstests. Selbst ohne Tubeless-Setup beschleunigen die Carbon-Laufräder im Antritt herrlich explosiv. Der breite 2,35er-Vorderreifen, die sensible Fox-Gabel und die Blattfederstütze entschärfen die Wurzelteppiche meiner Heimrunde in der Hallertau. Nach etwa 400 Kilometern folgt der erste Defekt: Ein Draht hat dem Tubolito-Schlauch vorne die Luft ausgehaucht. Die anschließende Umrüstung mit Tubeless-Milch ist eine Langzeitinvestition, denn Platten haben ich danach die komplette Saison keinen mehr. Mit den Temperaturen im Mai steigen auch die Stunden im Sattel. Ob im großen Bogen auf Trails rund um Regensburg oder auf tagesfüllenden Entdeckungstouren von zu Hause nach Landshut oder Augsburg. Kein Anstieg länger als 150 Höhenmeter, dafür umso öfter rauf und runter. Mal zackig-schnell auf Schotter- oder Wiesenwegen, mal um Traktion ringend durch tiefen Waldboden. Aber immer mit Zug auf der Kette. Denn darin liegen die Stärken des sportlichen Canyon Exceed-Hardtails.

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Mit dem Exceed beim Sammeln der Testkilometer im Altmühltal, rund um Neumarkt in der Oberpfalz und auf dem Alpen-Orbit am Eibsee.

Das feucht-matschige Frühjahr stecken Lager und Züge unbeeindruckt weg. Nur die Sattelstütze verlangt nach der Neumarkter MTB Challenge in der Oberpfalz nach einem Service. Nach dem Ausbau sieht man erst, wie viel Dreck und Sand sich zwischen ihren Hälften nach unten gearbeitet hat. Eine gründliche Reinigung samt frischer Ladung Montagepaste schafft schnell Abhilfe. Statt im Sommer bei Marathons zu starten, packt mich die Gravelbike-Welle. Doch anstatt mit verkrampften Unterarmen am Rennlenker zu hängen, spule ich die zwei Orbit-360-Runden in Bayern auf dem Canyon-Hardtail ab. Gerade auf dem 165 Kilometer langen Alpen-Orbit spielt das Canyon Exceed CFR seine Stärken aus. Die Schotterpisten durchs Karwendel nimmt man ähnlich schnell wie mit dem Gravelbike. Doch die steile, mit losem Untergrund und Holzplanken gespickte Abfahrt vom Eckbauer nach Garmisch hinunter sowie die Brutalo-Rampe zur Esterbergalm fahren sich auf dem Hardtail deutlich entspannter.

Von Defekten verschont geblieben

Von Defekten blieb ich während meiner Touren gänzlich verschont. Ein neuer Hinterreifen und eine frische Kette waren im Herbst nötig. Nur die Schaltung rasselt seit dem Kettenwechsel auf drei Ritzeln, aber das liegt am verbogenen Schaltwerkskäfig. Sogar ein Renneinsatz folgt im September noch. Bei einem Eliminator-Rennen zählen zwei Minuten lang Explosivität und Sprint-Stärke. Aber darin glänzt das Replika-Bike von Mathieu van der Poel ja sowieso.

Wir wollten wissen: Wie steckt das dünnwandige Carbon-Chassis eine lange Saison weg? Das erfahren Sie im Test aus BIKE 12/2021, den Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen können. Der Testbericht kostet 1,99 Euro.

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  Schmutzschleuse: In der zweiteiligen Komfortstütze des Canyon Exceed (Canyon VCLS 2.0) wandern Dreck und Sand nach unten. Um Knarzen zu verhindern, sollte man sie zwei Mal pro Saison reinigen und schmieren.Foto: Robert Niedring
Schmutzschleuse: In der zweiteiligen Komfortstütze des Canyon Exceed (Canyon VCLS 2.0) wandern Dreck und Sand nach unten. Um Knarzen zu verhindern, sollte man sie zwei Mal pro Saison reinigen und schmieren.
  Schieflage: Ein aufgewirbelter Stock verklemmte sich im Schaltwerk des Canyon Exceed CFR Team und verbog Leitrolle und Käfig. Gegen die mäßige Schaltfunktion hilft nur ein neues Schaltwerk.Foto: Robert Niedring
Schieflage: Ein aufgewirbelter Stock verklemmte sich im Schaltwerk des Canyon Exceed CFR Team und verbog Leitrolle und Käfig. Gegen die mäßige Schaltfunktion hilft nur ein neues Schaltwerk.
  Mehr als Rennsport: Hometrails in der Hallertau, eine Orbit-360-Runde oder Familienurlaub in den Alpen: Die Testkilometer waren abwechslungsreich, Rennstarts leider eine Ausnahme.Foto: Robert Niedring
Mehr als Rennsport: Hometrails in der Hallertau, eine Orbit-360-Runde oder Familienurlaub in den Alpen: Die Testkilometer waren abwechslungsreich, Rennstarts leider eine Ausnahme.

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