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Das neue Canyon Spectral:On - Günstig, leicht und Riesenakku!

Adrian Kaether

, Florentin Vesenbeckh

 · 10.06.2022

Das neue Canyon Spectral:On - Günstig, leicht und Riesenakku!Foto: Adrian Kaether
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Trotz 900 Wattstunden ist selbst das günstigste Canyon Spectral:On eines der leichtesten E-Mountainbikes am Markt. Wir konnten sowohl das Einstiegs- als auch das Topmodell des Canyon E-Bikes bereits ausführlich testen.

900 Wattstunden, 23,7 Kilogramm und dann auch noch ein fairer Preis? Eigentlich unmöglich, denn kapazitätsstarke E-Bike-Batterien schwer und teuer, das zusätzliche Gewicht lässt sich nur mit rigorosem Leichtbau kaschieren - und der geht noch zusätzlich ins Geld.

  Jetzt im EMTB-Test: Canyon Spectral:ON CF 7 // 150/155 mm Federweg // 900 Wh // 23,7 kg // 5499 EuroFoto: Adrian Kaether
Jetzt im EMTB-Test: Canyon Spectral:ON CF 7 // 150/155 mm Federweg // 900 Wh // 23,7 kg // 5499 Euro

Umso erstaunlicher ist es, das der Koblenzer Versender Canyon dem leichten aber auch teurem Topmodell Spectral:On CFR nun ähnlich leichte, aber deutlich günstigere E-MTB-Modelle hinterherschiebt. Das Einstiegsmodell Spectral:On CF 7 kostet mit 5499 Euro nicht einmal halb so viel wie das Topmodell, wiegt aber trotzdem nur 23,7 Kilogramm - weniger als jedes andere All Mountain seiner Klasse. Im großen Vergleichstest in EMTB 3/2022 konnten wir das Canyon-E-Bike bereits ausführlich testen.

300 Gramm schwerer: Der Rahmen des Canyon Spectral:On CF

Das CF 7 ist damit das günstigste E-Bike-Modell der neuen Spectral:On Baureihe. Insgesamt gibt es drei der günstigeren CF-Modelle. Wie bei den beiden Topmodellen mit dem teuren CFR-Rahmen sind auch hier Hauptrahmen und Hinterbau aus Carbon. Allerdings kommen bei den CF-Modellen etwas günstigere Werkstoffe zum Einsatz.

Die Rahmen sollen 300 Gramm schwerer sein als die der edlen CFR-Modelle. Die drei CF-Modelle des neuen Spectral:ON liegen zwischen 5199 (720 Wh) und 7299 Euro (900 Wh). Auch hier kann der Kunde ab Werk bei allen E-Bikes wählen, ob er die große oder die kleine Batterie bevorzugt. Die Akkus alleine kosten 899,95 (720 Wh) bzw. 1199,95 Euro (900 Wh).

Das Heck des Spectral:On baut recht breit. Immerhin montiert Canyon schon ab Werk Schutzfolie an Ketten- und Sitzstrebe, die Beschädigungen durch Scheuern der Ferse vorbeugen sollen.Foto: Adrian Kaether
Das Heck des Spectral:On baut recht breit. Immerhin montiert Canyon schon ab Werk Schutzfolie an Ketten- und Sitzstrebe, die Beschädigungen durch Scheuern der Ferse vorbeugen sollen.
Trotz des aggressiven Preises schnürt Canyon bei der Ausstattung des CF 7 ein stimmiges Paket. Die Deore-Komponenten sind keine Highlights aber funktional den teureren Baureihen kaum unterlegen. In der Front sorgt eine Lyrik Select in Kombination mit dem starken Assegai von Maxxis für exzellente Führung. In dieser Preisklasse auch ohne Carbonrahmen und Riesenakku keine Selbstverständlichkeit.Foto: Adrian Kaether
Trotz des aggressiven Preises schnürt Canyon bei der Ausstattung des CF 7 ein stimmiges Paket. Die Deore-Komponenten sind keine Highlights aber funktional den teureren Baureihen kaum unterlegen. In der Front sorgt eine Lyrik Select in Kombination mit dem starken Assegai von Maxxis für exzellente Führung. In dieser Preisklasse auch ohne Carbonrahmen und Riesenakku keine Selbstverständlichkeit.
Die Züge laufen durch aufgeräumt durch den Steuersatz in den Rahmen. Kleine Gummidichtungen am Zugeingang sind schöne Details.Foto: Adrian Kaether
Die Züge laufen durch aufgeräumt durch den Steuersatz in den Rahmen. Kleine Gummidichtungen am Zugeingang sind schöne Details.
Auch das Heck des Rahmens und sogar die Dämpferwippe sind aus Carbon gefertigt. Damit drückt Canyon das Gewicht des Spectral:On.Foto: Adrian Kaether
Auch das Heck des Rahmens und sogar die Dämpferwippe sind aus Carbon gefertigt. Damit drückt Canyon das Gewicht des Spectral:On.
Der lange Akku geht nur nach unten aus dem Unterrohr heraus. Das ist nicht ganz so praktisch wie die Entnahme nach vorne aus dem Unterrohr, ermöglicht aber steifere und leichtere Rahmen. Immerhin: Der Akku lässt sich auch entnehmen, wenn das Rad auf der Seite liegt.Foto: Adrian Kaether
Der lange Akku geht nur nach unten aus dem Unterrohr heraus. Das ist nicht ganz so praktisch wie die Entnahme nach vorne aus dem Unterrohr, ermöglicht aber steifere und leichtere Rahmen. Immerhin: Der Akku lässt sich auch entnehmen, wenn das Rad auf der Seite liegt.
Das Heck des Spectral:On baut recht breit. Immerhin montiert Canyon schon ab Werk Schutzfolie an Ketten- und Sitzstrebe, die Beschädigungen durch Scheuern der Ferse vorbeugen sollen.Foto: Adrian Kaether
Das Heck des Spectral:On baut recht breit. Immerhin montiert Canyon schon ab Werk Schutzfolie an Ketten- und Sitzstrebe, die Beschädigungen durch Scheuern der Ferse vorbeugen sollen.
Trotz des aggressiven Preises schnürt Canyon bei der Ausstattung des CF 7 ein stimmiges Paket. Die Deore-Komponenten sind keine Highlights aber funktional den teureren Baureihen kaum unterlegen. In der Front sorgt eine Lyrik Select in Kombination mit dem starken Assegai von Maxxis für exzellente Führung. In dieser Preisklasse auch ohne Carbonrahmen und Riesenakku keine Selbstverständlichkeit.Foto: Adrian Kaether
Trotz des aggressiven Preises schnürt Canyon bei der Ausstattung des CF 7 ein stimmiges Paket. Die Deore-Komponenten sind keine Highlights aber funktional den teureren Baureihen kaum unterlegen. In der Front sorgt eine Lyrik Select in Kombination mit dem starken Assegai von Maxxis für exzellente Führung. In dieser Preisklasse auch ohne Carbonrahmen und Riesenakku keine Selbstverständlichkeit.
Trotz des aggressiven Preises schnürt Canyon bei der Ausstattung des CF 7 ein stimmiges Paket. Die Deore-Komponenten sind keine Highlights aber funktional den teureren Baureihen kaum unterlegen. In der Front sorgt eine Lyrik Select in Kombination mit dem starken Assegai von Maxxis für exzellente Führung. In dieser Preisklasse auch ohne Carbonrahmen und Riesenakku keine Selbstverständlichkeit.
Die Züge laufen durch aufgeräumt durch den Steuersatz in den Rahmen. Kleine Gummidichtungen am Zugeingang sind schöne Details.
Auch das Heck des Rahmens und sogar die Dämpferwippe sind aus Carbon gefertigt. Damit drückt Canyon das Gewicht des Spectral:On.
Der lange Akku geht nur nach unten aus dem Unterrohr heraus. Das ist nicht ganz so praktisch wie die Entnahme nach vorne aus dem Unterrohr, ermöglicht aber steifere und leichtere Rahmen. Immerhin: Der Akku lässt sich auch entnehmen, wenn das Rad auf der Seite liegt.
Das Heck des Spectral:On baut recht breit. Immerhin montiert Canyon schon ab Werk Schutzfolie an Ketten- und Sitzstrebe, die Beschädigungen durch Scheuern der Ferse vorbeugen sollen.
  Die CF-Modelle setzen auf einen günstigeren Carbon-Rahmen. Das Canyon Spectral:ON CF 8 kostet 5999 Euro (720 Wh) bzw. 6299 Euro. Ab Mai soll das Bike erhältlich sein. Zusätzlich gibt es noch das CF 9, das für 6999 (720 Wh) beziehungsweise (7299 Euro) auf Fox' aufwändiges Performance-Elite-Fahrwerk setzt.Foto: Canyon Bicycles
Die CF-Modelle setzen auf einen günstigeren Carbon-Rahmen. Das Canyon Spectral:ON CF 8 kostet 5999 Euro (720 Wh) bzw. 6299 Euro. Ab Mai soll das Bike erhältlich sein. Zusätzlich gibt es noch das CF 9, das für 6999 (720 Wh) beziehungsweise (7299 Euro) auf Fox' aufwändiges Performance-Elite-Fahrwerk setzt.

Leicht trotz dicker Batterie: Das Spectral:On im Detail

Zum Hintergrund: Das letzte E-Mountainbike, das Canyon neu konzipiert hat, war das Torque:On. Der Akku hatte vergleichsweise mickrige 500 Wattstunden, das war schon vor gut einem Jahr eine Überraschung. Ein gutes Handling und Gewicht seien wichtiger als schiere E-Power und Reichweite, begründeten die Entwickler damals die Entscheidung. Und jetzt erblickt das neue Wunderwerk der Koblenzer das Licht der Welt. Das Spectral:ON CFR. Akku-Größe? 900 Wattstunden. Eine neue Zeit bricht an, bei der E-MTB-Flotte des Direktversenders! Kann der Neuling an das gute Fahrverhalten seines Vorgängers anknüpfen oder wird er zum behäbigen Brummer?

Zwei Entwicklungsziele hat Canyon für das neue Trail- und All-Mountain-E-Bike ausgegeben. Erstens: Der Biker soll jegliche Reichweitenangst vergessen können. Zweitens: Das handliche, spaßige und agile Trail-Handling des Vorgängers soll darunter nicht leiden. Klingt nach der Quadratur des Kreises. Nicht wenige E-MTBs der Konkurrenz sind in den letzten Jahren mit wachsenden Akkus immer schwerer und behäbiger geworden. Gewichte von über 25 Kilogramm schienen bei Riesenakkus trotz Carbonrahmen unvermeidbar. Haben es die Koblenzer tatsächlich geschafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen?

  Das Spectral:ON CFR LTD im ausführlichen Test! Was leisten die beiden Akku-Varianten von Canyon? Wie schlägt sich das Bike auf Tour und im Gelände? Alle Details gibt's in <a href="https://www.delius-klasing.de/emtb-02-2022-emb-2022-02" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EMTB 02/2022 – jetzt lesen!</a>Foto: Markus Greber
Das Spectral:ON CFR LTD im ausführlichen Test! Was leisten die beiden Akku-Varianten von Canyon? Wie schlägt sich das Bike auf Tour und im Gelände? Alle Details gibt's in EMTB 02/2022 – jetzt lesen!

Die Fakten zum Canyon Spectral:ON

  • Motor: Shimano EP8, 85 Nm
  • Eigener Canyon-Akku, wahlweise 720 oder 900 Wh (Größe S nur 720 Wh)
  • 150/155 mm Federweg
  • MX-Laufradmix: 29/27,5 Zoll
  • Zwei CFR-Modelle zwischen 8999 und 11299 Euro
  • Ab Mai: Drei CF-Modelle ab 5199 Euro
  • Gewicht: Topmodell CFR LTD 23,2 kg in Größe L (EMTB Messung),
  • Gewicht: Einstiegsmodell CF7 23,7 kg in Größe L (EMTB-Messung)
  • Gewichtsfreigabe: 130 kg Systemgewicht

Um sich dieser Perfektion zumindest anzunähern, wurde das Grundkonzept des Bikes komplett neu gedacht und ein gänzlich neuer Rahmen entwickelt, der jetzt erstmals an Vorder- wie Hinterbau auf Kohlefaser setzt. Außerdem geht Canyon in vielen Details neue Wege, um das Gewicht und die Komplexität des Chassis zu reduzieren. Nummer eins ist die Akku-Entnahme. Wie inzwischen immer mehr andere Hersteller verzichtet Canyon auf das aufgeschnittene Unterrohr, aus dem der Akku herausgeklappt werden kann. Stattdessen wird die Batterie nach unten aus dem geschlossenen Unterrohr gezogen. Dieses Konzept, mit dem 2018 erstmals Specialized für Furore sorgte, bringt Vorteile bei Gewicht und Stabilität des Rahmens. Denn es ermöglicht dünnere Wandstärken.

  Topmodell Canyon Spectral:ON CFR LTD // 150/155 mm Federweg // 900 Wh // 23,2 kg // 11299 EuroFoto: Markus Greber
Topmodell Canyon Spectral:ON CFR LTD // 150/155 mm Federweg // 900 Wh // 23,2 kg // 11299 Euro
  Der lange 900er-Akku wird nach unten aus dem Unterrohr gezogen. Das funktioniert in der Praxis auch, wenn das Bike auf der Seite liegt.Foto: Markus Greber
Der lange 900er-Akku wird nach unten aus dem Unterrohr gezogen. Das funktioniert in der Praxis auch, wenn das Bike auf der Seite liegt.
  Um an den Akku zu kommen, muss das robuste, glasfaserverstärkte Kunststoffcover entfernt werden. Es ist mit einem Gummi-Strap gesichert.Foto: Markus Greber
Um an den Akku zu kommen, muss das robuste, glasfaserverstärkte Kunststoffcover entfernt werden. Es ist mit einem Gummi-Strap gesichert.
  Zwei Schrauben halten den Akku sicher im Bike. Am Cover sind zwei Magneten, an denen die Schrauben zur kurzeitigen Aufbewahrung beim Batteriewechsel Platz finden.Foto: Markus Greber
Zwei Schrauben halten den Akku sicher im Bike. Am Cover sind zwei Magneten, an denen die Schrauben zur kurzeitigen Aufbewahrung beim Batteriewechsel Platz finden.
  Die Verbindung zwischen System und Akku schafft dieser Stecker. Hier kann der Akku auch in eingebautem Zustand geladen werden.Foto: Markus Greber
Die Verbindung zwischen System und Akku schafft dieser Stecker. Hier kann der Akku auch in eingebautem Zustand geladen werden.

Auch an vermeintlichen Kleinigkeiten wie der Flaschenhalteraufnahme und den Schaltern und Ports des E-Systems wurde gefeilt. Das Ziel: möglichst wenig Löcher im Rahmen, die wiederum höhere Wandstärken erfordern und das Gewicht steigen lassen würden. Auch die Verkabelung wurde möglichst simpel gehalten – im Sinne einer geringeren Fehleranfälligkeit und im Sinne des Gewichts. In Summe soll der neue Rahmen so rund 800 Gramm gegenüber dem Vorgänger einsparen. Unser Testbike, das Topmodell Spectral:ON CFR LTD landet in Summe bei 23,2 Kilogramm, ein Novum in dieser Akku-Klasse! Selbst mit Boschs 750er-Akku hatten wir noch kein Bike in unserem Testlabor, das an dieses Gewicht rankommt.

  Der On/Off-Button sitzt an einer wenig belasteten Stelle des Rahmens, wo ohnehin nur sehr geringe Wandstärken nötig sind.Foto: Markus Greber
Der On/Off-Button sitzt an einer wenig belasteten Stelle des Rahmens, wo ohnehin nur sehr geringe Wandstärken nötig sind.
  Im Schnittmodell erkennt man die rein mechanische Funktionsweise des Schalters. Der Knopf betätigt einen Schalter an der Batterie. Das minimiert das Kabel-Chaos im Rahmen – zugunsten Gewicht und Fehlersicherheit.Foto: Markus Greber
Im Schnittmodell erkennt man die rein mechanische Funktionsweise des Schalters. Der Knopf betätigt einen Schalter an der Batterie. Das minimiert das Kabel-Chaos im Rahmen – zugunsten Gewicht und Fehlersicherheit.
  Der spezielle Flaschenhalter ist am unteren Anschraubpunkt verdrehsicher doppelt verschraubt. So müssen die klassischen Gewinde nicht unnötig und gewichtstreibend verstärkt werden.Foto: Markus Greber
Der spezielle Flaschenhalter ist am unteren Anschraubpunkt verdrehsicher doppelt verschraubt. So müssen die klassischen Gewinde nicht unnötig und gewichtstreibend verstärkt werden.

Die neuen Canyon E-Bike-Akkus

Wichtiger Bestandteil des Konzepts: Der eigens entwickelte Akku. Nach Ansicht der Entwickler lassen die erhältlichen Batterien am Markt viel Potenzial liegen. Also hat sich Canyon an die Eigenentwicklung gemacht. Ein wichtiger Punkt dabei war die Höhe der Batterie. Trotz 900 Wattstunden sollte das Bike eine schlanke Silhouette erhalten. Mit einigen Tricks konnte die Bauhöhe des Akkus gering gestaltet werden.

Beim Thema Gewicht wurde nicht das letzte Quäntchen ausgereizt. Man hätte leichter bauen können, aber nicht mir den extremen Teststandards, auf die die Batterien ausgelegt sind, so Canyon. Stoßfestigkeit und Nässeschutz – hier sollen die eigenen Akkus höchste Sicherheit bieten. Probleme wollte das Entwicklungsteam in jedem Fall ausschließen. Mit 3866 Gramm gehört der 720er-Akku trotzdem zu den leichten Vertretern seiner Größe. Modelle mit Carbon-Hülle wie von Rotwild oder Bulls sparen aber nochmal rund 300 Gramm. Die 900er-Batterie bringt mit 4,77 Kilo rund 900 Gramm mehr auf die Waage.

  Von links nach rechts: der klassische Shimano-Akku mit 630 Wh, der 720er-Akku von Canyon und das 900-Wh-Paket.Foto: Markus Greber
Von links nach rechts: der klassische Shimano-Akku mit 630 Wh, der 720er-Akku von Canyon und das 900-Wh-Paket.

Die Geometrie des Spectral:ON

Das Spectral:ON hat sich in unseren letzten Tests immer mit einem agilen und spaßigen Handling hervorgetan. Auch dank der gemäßigten Geometrie. Bei der Neuauflage hat Canyon versucht, das Chassis komplett aufzufrischen, ohne ins Extreme abzudriften. Heißt: Der Hauptrahmen ist deutlich länger geworden (Reach 485 mm in Größe L), der Sitzwinkel viel steiler (76,5°). Moderne Trends eben.

Beim Lenkwinkel haben sich die Koblenzer allerdings dem „Lang-und-Flach-Trend“ entzogen. 65,5 Grad sind alles andere als extrem und sollen das Bike handlich halten. Die Kettenstreben sind mit 440 Millimetern etwas länger geworden, um die Balance mit dem deutlich längeren Reach zu halten. Geht das Konzept auf? Unser Eindruck aus der Praxis sagt ganz klar: Ja! Die Geometrie vereint Laufruhe und Agilität ziemlich ideal. Und trifft auch die Mitte zwischen dem Sportlich-Extremen und dem Unkomplizierten ziemlich gut.

  Die Geometrie des Canyon Spectral:ON CFR im Überblick.
Die Geometrie des Canyon Spectral:ON CFR im Überblick.
  Das „Frankensteinprogramm” kam beim neuen Spectral:ON erstmals zum Einsatz. In Koblenz kann Canyon eigene Prototypen aus 3D-gedruckten Muffen und Carbonrohren fertigen. Ein immenser zeitlicher Vorteil, insbesondere bei Produktionsproblemen in Fernost. Und die gab es in den letzten Jahren zu Hauf. Diese Prototypen legten den Grundstein für die ausgewogene Geometrie.Foto: Markus Greber
Das „Frankensteinprogramm” kam beim neuen Spectral:ON erstmals zum Einsatz. In Koblenz kann Canyon eigene Prototypen aus 3D-gedruckten Muffen und Carbonrohren fertigen. Ein immenser zeitlicher Vorteil, insbesondere bei Produktionsproblemen in Fernost. Und die gab es in den letzten Jahren zu Hauf. Diese Prototypen legten den Grundstein für die ausgewogene Geometrie.

Flight Attendant am E-Mountainbike

Als eines der ersten E-MTBs setzt das Topmodell CFR LTD auf das elektronische Flight Attendant-Fahrwerk von Rockshox. Kleine Servos schalten hier automatisch die Druckstufe zu, um ungewollte Fahrwerksbewegungen zu verhindern. In der Praxis funktioniert das zuverlässig. Bei längeren Passagen im Wiegetritt und auf ruhigem Untergrund schaltet das Fahrwerk auf die mittlere Position "Pedal" oder auf "Lock". Wird der Untergrund rauer, schlucken die Federelemente Hindernisse wieder mit voller Sensibilität. Am Spectral:ON unterstützt das Elektro-Fahrwerk den spritzigen Charakter des Bikes. Der Vorteil durch das elektronische Fahrwerk ist allerdings marginal, denn der Hinterbau steht ohnehin sehr gut im Federweg. Die drahtlose Kommunikation zwischen den verschiedenen Bauteilen ist zwar schick, bringt jedoch regelmäßiges Laden der kleinen AXS-Akkus an Dämpfer und Federgabel mit sich. In Summe muss man sich am CFR LTD neben dem Haupt-Akku um vier AXS-Batterien kümmern.

  An der Lyrik Ultimate von Rockshox sitzt das Hirn der Flight-Attendant-Technologie. Die Kommunikation läuft kabellos, aber nicht ohne Geräusche. Das Umschalten zwischen den Modi macht sich mit einem „Servo-Klicken” bemerkbar.Foto: Markus Greber
An der Lyrik Ultimate von Rockshox sitzt das Hirn der Flight-Attendant-Technologie. Die Kommunikation läuft kabellos, aber nicht ohne Geräusche. Das Umschalten zwischen den Modi macht sich mit einem „Servo-Klicken” bemerkbar.
  Der Dämpfer reagiert auf die Kommandos aus der Gabel-Einheit. Sprinteinlagen auf Asphalt fallen angenehm spritzig aus.Foto: Markus Greber
Der Dämpfer reagiert auf die Kommandos aus der Gabel-Einheit. Sprinteinlagen auf Asphalt fallen angenehm spritzig aus.
  Wie Sie sehen, sehen Sie nichts... An der neuesten Ausbaustufe der Rockshox-Gabeln fehlt die SAG-Anzeige auf den Standrohren. Wir finden: Ein Rückschritt.Foto: Markus Greber
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts... An der neuesten Ausbaustufe der Rockshox-Gabeln fehlt die SAG-Anzeige auf den Standrohren. Wir finden: Ein Rückschritt.

Modelle, Preise und Verfügbarkeit

Das neue Spectral:ON CFR gibt es in zwei Ausstattungsvarianten, die beide ab sofort verfügbar sind. Das Topmodell CFR LTD kostet 11299 Euro, das CFR 9299 Euro. Mit 720er-Akku kann man bei beiden Bikes noch 300 Euro sparen. Diese Option ist allerdings erst ab Mai 2022 verfügbar.

  Das Spectral:ON CFR liegt gewichtstechnisch auf Niveau des CFR LTD, verzichtet aber auf das elektronische Flight Attendant-Fahrwerk. Ansonsten ist es funktional auf dem gleichen Level – aber spürbar günstiger. Fox-Factory-Fahrwerk, Shimano XTR, Carbonlaufräder von Reynolds, ab 8999 Euro.Foto: Canyon Bicycles
Das Spectral:ON CFR liegt gewichtstechnisch auf Niveau des CFR LTD, verzichtet aber auf das elektronische Flight Attendant-Fahrwerk. Ansonsten ist es funktional auf dem gleichen Level – aber spürbar günstiger. Fox-Factory-Fahrwerk, Shimano XTR, Carbonlaufräder von Reynolds, ab 8999 Euro.

Qualität und Verarbeitung

Bekommt man ein Spectral:ON CFR in die Finger, hinterlässt es einen extrem hochwertigen und durchdachten Eindruck. Edel, robust, durchgestylt. Das fängt bei dem cleanen Carbon-Cockpit mit integrierter Kabelführung an und zieht sich über die abgedichteten Zugeingänge in den Steuersatz bis zum ausgeprägten Kettenstrebenschutz mit top Dämpfung.

Im Laufe des Testzeitraums ist uns aber der ein oder andere Schönheitsfehler aufgefallen. An unserem Testbike klapperte die Bremsleitungen bei hochfrequenten Schlägen auf dem Trail im Unterrohr. Das ist vor allem deshalb schade, weil sich die Bemühungen der Entwickler um ein leises Bike ansonsten bemerkbar machen. Für ein Bike mit EP8-Motor ist das Spectral:ON verhältnismäßig leise. Das Zugklappern tritt nur in bestimmten Fällen auf. Zweiter Schwachpunkt, den Canyon allerdings schon erkannt und für die Serie abgestellt haben will: Die Lackschutzfolie am Hinterbau löste sich nach kurzer Zeit unschön ab.

  Perfekt integriert! Die Vorbau-Lenker-Einheit spart Gewicht und sieht edel aus. Anpassungen am Cockpit werden aber erschwert. Smart: Die Abdichtung der Zugeingänge in den Steuersatz. Solche Details haben wir bei ähnlichen Systemen bisher kaum gesehen.Foto: Markus Greber
Perfekt integriert! Die Vorbau-Lenker-Einheit spart Gewicht und sieht edel aus. Anpassungen am Cockpit werden aber erschwert. Smart: Die Abdichtung der Zugeingänge in den Steuersatz. Solche Details haben wir bei ähnlichen Systemen bisher kaum gesehen.
  Die Gleitbuchsen an der Dämpferanlenkung waren ein Schwachpunkt des Vorgängermodells. Jetzt sitzen überall robuste, gedichtete Lager.Foto: Markus Greber
Die Gleitbuchsen an der Dämpferanlenkung waren ein Schwachpunkt des Vorgängermodells. Jetzt sitzen überall robuste, gedichtete Lager.
  Der Kettenstrebenschutz deckt alle betroffenen Rahmenteile konsequent ab. Die Kette läuft bewusst nah an der Gummierung, das verhindert effektiv ein Aufschwingen der Kette und hält ihre Geräuschkulisse gering.Foto: Markus Greber
Der Kettenstrebenschutz deckt alle betroffenen Rahmenteile konsequent ab. Die Kette läuft bewusst nah an der Gummierung, das verhindert effektiv ein Aufschwingen der Kette und hält ihre Geräuschkulisse gering.

EMTB-Fazit zum neuen Canyon Spectral:ON

Canyon beweist mit dem Spectral:ON, dass ein E-MTB mit Riesen-Akku handlich und agil bleiben kann. Das gibt es am Markt aktuell kein zweites Mal. Hut ab! Allerdings stößt Canyon mit unserem ersten Testbike, dem CFR, auch preislich in neue Dimensionen vor. Ein Bike vom Direktversender für über 11000 Euro – auch das ist am Markt aktuell einzigartig. Dass es auch anders geht, beweist unser zweites Testbike des Spectral:On. Das Einstiegsmodell für 5500 Euro mit 900er-Akku und Vollcarbonrahmen ist ein sehr faires Paket und mit 23,7 Kilogramm fast schon unverschämt leicht. Zumal vor dem Hintergrund von Preis und Akkugröße. Ob diese Variante den Testern und Lesern auf dem Trail ebenfalls ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubern konnte, lesen Sie in EMTB 3/2022.

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