Light E-Bike-MotorMaxon Bikedrive Air im Test

Florentin Vesenbeckh

 · 10.12.2022

Der Maxon Bikedrive Air wiegt 2,02 Kilo und fällt sehr kompakt aus.
Foto: Markus Greber
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Ein E-MTB gefällig, das möglichst nah am unmotorisierten Mountainbike landet? Mit dem leichtesten Antriebssystem am E-MTB-Markt? Dann könnte der Bikedrive Air von Maxon der richtige Motor sein. Was das Schweizer Aggregat ausmacht und wo seine Grenzen liegen, verrät unser ausführlicher Labor- und Praxistest.

Die Schweizer von Maxon verfolgen den Minimal-Ansatz konsequent: Mini-Akku und gemäßigte Leistung, daraus resultiert das geringste Systemgewicht in unserem Vergleichstest. Wer ein möglichst leichtes E-Bike bauen möchte, ist mit dem Maxon-Antrieb gut beraten. Als wir vor rund einem Jahr das Trailbike von Transalpes durch unser Testlabor geschleust haben, war es mit 16,4 Kilo folgerichtig das leichteste E-Fully, das wir je getestet haben. Erfreulich: Maxon war seitdem nicht untätig, sondern hat Stück für Stück an der Software des E-Bike-Antriebs gebastelt. Inzwischen hat der Motor Leistung und Drehmoment zugelegt, das ist erfreulich. Im Testvergleich landet er dennoch am unteren Power-Ende der Light-Motoren. Mehr Rückenwind, denn plakativer E-Bike-Schub.

Die technischen Daten: Maxon Bikedrive Air

  • Gewicht Motor: 2,02 kg
  • Gewicht Akku: 1,43 kg (250 Wh)
  • Akku-Optionen: Ein Range Extender (250 Wh, 1,4 kg) soll ab Februar, eine größere 360-Wh-Batterie ab Sommer 2023 erhältlich sein.
  • Fahrstufen: 3
  • Dichtigkeit: IP 5K5
  • Connectivity: Bluetooth, ANT+ (LEV)
Der längliche Fortsatz des Motors steckt bei unserem Transalpes-Testbike im Unterrohr unter einer Abdeckung versteckt. Foto: Max Fuchs
Der längliche Fortsatz des Motors steckt bei unserem Transalpes-Testbike im Unterrohr unter einer Abdeckung versteckt.

Der Akku des Bikedrive Air E-Bike-Motors

Aktuell ist das Schweizer Antriebssystem ausschließlich mit sehr kompaktem 250-Wh-Akku verfügbar. Und das ist auch das Geheimnis hinter dem sehr geringen Systemgewicht. Der Light-E-Bike Motor ist mit zwei Kilo nicht leichter als zum Beispiel ein Fazua Ride 60. Alle uns bekannten Bikes mit Maxon-System verbauen die Batterie fest im Unterrohr. Das passt zum sehr minimalistischen und leichten Konzept des Antriebs und ermöglicht maximale Gewichtsersparnis. Touren mit Überlänge erfordern mit der kleinen Batterie aber eine besonders sparsame Fahrweise. Schon länger hat Maxon einen Range Extender angekündigt. Im Frühjahr 2023 soll die Zusatzbatterie mit 250 Wattstunden verfügbar sein. Ebenfalls angekündigt: Eine größere Batterie mit 360 Wattstunden soll ab Sommer 2023 erhältlich sein.

Die Bikes mit Maxon Bikedrive Air Motor

Transalpes E1 Enduro: 160/150 mm // 29 Zoll // 17,6 kg // 13.619 Euro. Foto: Max Fuchs
Transalpes E1 Enduro: 160/150 mm // 29 Zoll // 17,6 kg // 13.619 Euro.
In der Trail-Variante mit 140/130 Millimetern Federweg wog unser Transalpes E1-Testbike 16,4 Kilo. Preis: 9200 Euro. Foto: Max Fuchs
In der Trail-Variante mit 140/130 Millimetern Federweg wog unser Transalpes E1-Testbike 16,4 Kilo. Preis: 9200 Euro.
Das Lightrider E Ultimate von Thömus ist ein sportlicher Down-Country-Flitzer, der laut Hersteller mit minimalistischer Race-Ausstattung auf bis zu 14,6 Kilo getunt werden kann. Der Akku mit 250 Wh sitzt fest verbaut im Unterrohr. Gibt´s mit 120 oder 140 Millimetern Hub. Foto: Hersteller
Das Lightrider E Ultimate von Thömus ist ein sportlicher Down-Country-Flitzer, der laut Hersteller mit minimalistischer Race-Ausstattung auf bis zu 14,6 Kilo getunt werden kann. Der Akku mit 250 Wh sitzt fest verbaut im Unterrohr. Gibt´s mit 120 oder 140 Millimetern Hub.

Fahrgefühl und Kraftentfaltung zum Maxon E-Bike-Motor

Der sehr sportliche Charakter des Light E-Bike-Motors Maxon Bikedrive Air zieht sich konsequent durch alle Bereiche. Die Unterstützung fällt sehr geschmeidig aus, verlangt vom Fahrer aber ordentlichen Einsatz. Faule Treter und niedrige Kadenzen mag der Antrieb nicht, dafür blüht er bei hoher Trittfrequenz richtig auf. Das macht das Fahrgefühl wirklich harmonisch, sehr natürlich und spritzig. Klassische E-Bike-Gefühle kommen an Bord eines Maxon-E-MTBs nicht auf. Wer sich vom Antrieb auf den Berg schieben lassen möchte, wird vom Bikedrive Air enttäuscht sein. Wer möglichst nah am klassischen Bike landen möchte, ist hier richtig.

Wie sich das Transalpes E1 Enduro mit Maxon Bikedrive Air im harten Gelände schlägt, haben wir im Praxistest herausgefunden. Den kompletten Test gibt´s in EMTB 6/2023. Ab sofort erhältlich! Foto: Max Fuchs
Wie sich das Transalpes E1 Enduro mit Maxon Bikedrive Air im harten Gelände schlägt, haben wir im Praxistest herausgefunden. Den kompletten Test gibt´s in EMTB 6/2023. Ab sofort erhältlich!

Der Maxon E-Bike-Motor im Labortest

Auf dem Rollenprüfstand im Testlabor von PT Labs haben wir dem Maxon Bikedrive Air auf den Zahn gefühlt und dabei über 14 000 Datenpunkte ausgewertet. Foto: Adrian Kaether
Auf dem Rollenprüfstand im Testlabor von PT Labs haben wir dem Maxon Bikedrive Air auf den Zahn gefühlt und dabei über 14 000 Datenpunkte ausgewertet.

Im Vergleich zu unserem letzten Test mit dem Bikedrive Air hat Maxon die Leistung durch ein Software-Update merklich angehoben – und die Schweizer versprechen für die Zukunft noch mehr Power-Zulage. Die Leistung liegt im Testfeld mit maximal 245 Watt immer noch im unteren Bereich, doch mit dem Specialized SL 1.1 kann es der Bikedrive Air jetzt aufnehmen. Die Erklärung für den sehr sportlichen Charakter: Die maximale Leistung liegt erst bei hoher Trittfrequenz an. Super: Der Maxon Bikedrive Air hält die Power bis in höchste Kadenzen, das fördert das spritzige und sportliche Fahrgefühl. Das maximale Drehmoment fällt mit maximal 32 Newtonmetern in unserem Labortest niedrig aus. Entsprechend niedrig fällt der Punch bei niedrigen Kadenzen und beim Anfahren aus.

Leistung & Drehmoment – Motorkennlinien des Maxon Bikedrive Air: Die maximale Leistung liegt erst bei hoher Trittfrequenz an, dann hält der Motor die Power bis in höchste Kadenzen. Sportlicher Charakter, wenig Drehmoment. Foto: EMTB Magazin
Leistung & Drehmoment – Motorkennlinien des Maxon Bikedrive Air: Die maximale Leistung liegt erst bei hoher Trittfrequenz an, dann hält der Motor die Power bis in höchste Kadenzen. Sportlicher Charakter, wenig Drehmoment.

Der Maxon E-Bike Motor im Dauerlast-Betrieb

Das Maxon-Leichtgewicht ist kein prädestinierter Shuttle-Dienst, um sich mühelos auf hohe Berge hieven zu lassen. Wer den Turbo-Modus eines Bosch Performance CX Motors liebt, ist beim Bikedrive Air fehl am Platz. Doch gerade weil die maximale Leistung des Bikedrive Motors nicht so massiv ausfällt, wird man mit diesem Antrieb verhältnismäßig häufig in der höchsten Unterstützungsstufe landen. Das gilt besonders für schwere Fahrer und steile Anstiege. Und was liefert der Minimal-Antrieb, wenn man dauerhaft die Maximalleistung abruft? Wir haben alle Light-Antriebe unseres großen Vergleichstests einem standardisierten Feldtest unterzogen. Mit 150 Watt Fahrerleistung, 89 Kilo Fahrergewicht und höchster Unterstützungsstufe haben wir die Bikes wiederholt einen steilen 410-Höhenmeter-Anstieg hinaufgescheucht bis der Akku leer war. In diesem Modus erkletterte unser Testbike 924 Höhenmeter bei einer Fahrzeit von 54 Minuten. Mit der kleinen 250er-Batterie geht der Antrieb sehr effizient um. Die Durchschnittsgeschwindigkeit (8,9 km/h) landete dabei am hinteren Ende des Light-Feldes, auf einem Level mit Specializeds SL 1.1 und dem TQ HPR 50. Stark: Trotz extrem kompakter Bauform und aufgebohrter Leistung (im Vergleich zur Vorgänger-Software) hatte der Maxon Bikedrive Air keinerlei Probleme mit übermäßiger Hitzeentwicklung. In Summe geht der Schweizer E-Bike Motor durchaus effizient mit seinem kleinen 250er-Akku um.

Zum Vergleich: Ein Bosch Performance CX Antrieb mit Powertube 750 schafft unter identischen Testbedingungen etwa 1950 Höhenmeter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,8 km/h und 71 Minuten Fahrzeit.

Maxon Bikedrive Air: Die Geräuschentwicklung

Lautlos durch den Wald gleiten? Nicht ganz. Doch das Antriebsgeräusch des Maxon Bikedrive Air ist deutlich leiser als bei klassischen Antrieben der Bosch und Shimano-Liga. Foto: Max Fuchs
Lautlos durch den Wald gleiten? Nicht ganz. Doch das Antriebsgeräusch des Maxon Bikedrive Air ist deutlich leiser als bei klassischen Antrieben der Bosch und Shimano-Liga.

Das Antriebsgeräusch des Bikedrive Air ist angenehm leise, aber nicht so dezent wie bei Test-Primus Fazua und dem noch ruhigeren TQ HPR 50. Doch im Vergleich zu klassischen Motoren stellt der Motorsound des Maxon E-Bike Antriebs eine deutliche Geräuschreduktion dar. Schade: Durch den besonderen Freilauf entlocken grobe Schläge dem Motor ein sehr deutliches Klackern in der Abfahrt. Im Vergleich zu den Bosch- und Shimano-Motoren tritt das Geräusch nicht so häufig und erst bei markanteren Schlägen auf. Dafür ist es dann deutlich lauter. Laut Maxon ist dieses Phänomen stark von Einstellung und Konstruktion des Fahrwerks abhängig.

Die Bedienelemente des Maxon E-Bike-Motors

Minimalistisch: Das Bedien-Panel auf dem Oberrohr zeigt Akku-Stand und Unterstützungsstufe. Über den Button kann das System eingeschaltet und zwischen den U-Stufen gewechselt werden.
Foto: Markus Greber

So kompakt und gleichzeitig so knackig haben wir noch keine Bedieneinheit an einem E-MTB erlebt. Hoch und runter, mehr kann der Maxon-Remotehebel nicht. Diese Funktion erledigt der Trigger aber in absoluter Perfektion. Die Bedienung ist extrem knackig und definiert. Ebenso minimalistisch fällt die LED-Anzeige auf dem Oberrohr aus. Drei Streifen für die U-Stufen, sieben Balken für den Akku-Stand. Simpel, unauffällig, klar verständlich: So geht Schweizer Understatement. Wirkt wertig! Eine umfangreiche Informationszentrale darf man vom Maxon aber nicht erwarten. Dafür kann man allerdings einen Bike-Computer oder ein Smartphone als erweitertes Display nutzen.

Die App Bikedrive Connect ist wie das gesamte Maxon-System: simpel und funktional. Die drei Fahrmodi können in den Parametern maximale Leistung, maximale Unterstützung (bezogen auf niedrige Kadenzen) und in der Abhängigkeit zum Fahrer-Input eingestellt werden. Außerdem kann die App im Dashboard ausführliche Fahrdaten inklusive Leis­tung von Fahrer und Motor anzeigen.

  • Feineinstellung der U-Stufen
  • Dashboard als erweitertes Display
  • Akku-Anzeige in Prozent

EMTB-Bewertung und Messwerte

  • max. Drehmoment: 32 Nm
  • Spitzenleistung: 245 W
  • Reichhöhe: 924 hm
  • Power: 3/6 Punkte
  • Durchzug hohe Kadenz: 6/6 Punkte
  • Fahrt um 25 km/h: 5/6 Punkte
  • Motor-Sound: 3,5/6 Punkte
  • Bedienelemente: 4,5/6 Punkte

Testfazit zum E-Bike-Motor Maxon Bikedrive Air

Sportlicher, effizienter und kleiner Minimal-Assist-Antrieb mit geringem Gewicht. Wer eher geschmeidigen Rückenwind, denn plakativen E-Bike-Schub sucht, wird hier fündig. Mit dem kleinen Akku das deutlich leichteste Gesamtsystem - ideal für leichte, sportliche Bikes. Das Antriebsgeräusch ist angenehm, das Klappern in der Abfahrt dafür sehr störend. Lob gibt´s für die ebenfalls minimalistischen, aber sehr knackigen Bedienelemente.
EMTB-Testleiter Florentin Vesenbeckh Foto: Adrian Vesenbeckh
EMTB-Testleiter Florentin Vesenbeckh

Weitere Light-Antriebe im Test

Der Test des Maxon Bikedrive Air fand im Rahmen eines großen Vergleichs diverser leichter E-Bike-Motoren statt. Unseren Übersichtsartikel inklusive Vergleichswerten gibt´s hier.

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