Bisherige Funk-Teleskopstützen sind am E-Mountainbike eigentlich ein Widerspruch: Das Rad hat einen großen Akku und eine Bedieneinheit, die Stütze kommt trotzdem mit eigener Batterie und eigenem Drücker, ebenfalls mit Batterie bestückt. Die Giant geht mit der neuen Contact Switch E+ einen anderen Weg. Die neue Funk-Stütze bezieht ihren Strom aus dem Hauptakku des Bikes und lässt sich über die neue, kabellose RideControl Ergo 5 bedienen, die zugleich das komplette E-System des E-MTB kontrolliert. Erstmals zu sehen ist das Konzept am neuen Giant Trance Advanced E+. Spannender als die einzelne Neuheit ist deshalb die Frage: Wird aus einem E-Bike mit vielen elektronischen Anbauteilen endlich ein sinnvoll abgestimmtes System?
Herkömmliche Funk-Dropper, wie die Rockshox Reverb AXS oder die Fox Transfer Neo sind bequem zu montieren, weil kein Betätigungszug vom Lenker zur Sattelstütze verlegt werden muss. Doch die gewonnene Freiheit hat ihren Preis: Ein separater Akku muss geladen werden und sitzt bei vielen Modellen sichtbar an der Stütze. Ausgerechnet am E-MTB mit großem Energiespeicher entsteht so eine zusätzliche Ladepflicht. Dass solche Vor- und Nachteile in der Praxis zählen, zeigte bereits unser Vergleich absenkbarer Sattelstützen.
Bei der Contact Switch E+ entfällt der eigenständige Stützenakku. Giant bestätigt die Stromversorgung über den E-Bike-Hauptakku und damit auch den Verzicht auf ein zusätzliches Ladegerät für die Stütze. Das ist mehr als eine optische Aufräumaktion: Vor der Tour muss man sich um einen Energiespeicher weniger kümmern. Der nötige Anschluss an das E-Bike bedeutet umgekehrt, dass die Lösung an ein kompatibles System gebunden ist. Die Funkbedienung macht die Stütze nicht zu einem vollständig kabellosen Bauteil.
Mindestens ebenso wichtig ist die Bedienung. Der Stützenknopf ist in Giants neue RideControl Ergo 5 integriert, mit der sich auch die Funktionen des E-Antriebs steuern lassen. Ein zusätzlicher Dropper-Drücker beansprucht damit keinen Platz am Lenker. Gerade dort, wo Bremshebel, Schaltung und Motorsteuerung um die Position des Daumens konkurrieren, ist das ein praktischer Gewinn. Die Belegung der Tasten lässt sich über die RideControl App anpassen.
Im ersten Fahreindruck überzeugten Ergonomie und Bedienung: Der Stützenknopf ist gut erreichbar, das Absenken und Ausfahren klappte zuverlässig. Das deckt sich mit dem ersten Check des Trance Advanced E+, ersetzt aber keinen Dauertest zu Verschleiß, Funkverbindung oder Service. Eine Präzisierung gehört ebenfalls dazu: Kein separater Stützenakku heißt nicht, dass das gesamte Cockpit batteriefrei ist. Die kabellose Ergo 5 benötigt austauschbare Knopfzellen. Aber eben nur eine für einen Drücker. Kabelsalat am Lenker entfällt durch das Funk-Prinzip komplett.
Giant ist mit der Idee einer aus dem E-Bike gespeisten Funkstütze nicht allein. Fox hatte mit der Transfer Neo E-Optimized kürzlich ebenfalls eine Variante angekündigt, die Energie aus dem E-Bike-Antrieb bezieht. Der Unterschied am Lenker bleibt bemerkenswert: Fox sieht weiterhin einen eigenen Funkhebel vor, der separat erhältlich ist. Giants Lösung verknüpft die Stromversorgung und die Betätigung der Stütze mit der eigenen E-Bike-Plattform.
Auch die Verfügbarkeit verdient eine differenzierte Betrachtung. Die Fox-Lösung ist nicht grundsätzlich nur ein Konzept; sie wird von Fox als Produkt geführt. Entscheidend ist aber, ob sie zum jeweiligen E-Bike-System passt. Zum Start war sie auf wenige kompatible Modelle beschränkt, wie unsere Einordnung der Transfer Neo E-Optimized zeigt. Wer zwischen den Systemen vergleicht, sollte deshalb nicht nur nach Hub und Gewicht fragen, sondern auch nach Anschluss, Freigabe und passender Bedienung am konkreten Bike. Giant hat mit seiner Lösung auf jeden Fall ein schlüssiges Komplettsystem parat, das mit dem neuen Trance Advanced E+ und dem Schwestermodell Liv Intrigue Advanced E+ schon bald verfügbar sein wird.
Die Contact Switch E+ macht deutlich, worauf die nächste Entwicklungsstufe am E-MTB zielt: Nicht jedes elektronische Teil soll sein eigenes kleines Ökosystem mitbringen. Wenn Akku, Steuerung und Zubehör zusammenspielen, wird das Rad im Alltag einfacher, nicht bloß technisch aufwendiger.
Die Kehrseite ist die Bindung ans System. Wer Stütze, Bedieneinheit oder Antrieb später einzeln tauschen will, muss stärker auf Kompatibilität achten. Wie leicht sich das Konzept warten, nachrüsten oder über Modellgenerationen hinweg nutzen lässt, muss die Praxis zeigen. Unser erstes Urteil: Giant löst zwei echte Alltagsärgernisse elektronischer Dropper auf einmal. Der nächste Schritt für die Branche wäre, diesen Komfort mit langfristig guter Austauschbarkeit und Kompatibilität zu verbinden.

Redakteur CvD
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