Giant Trance Advanced E+ 2027120 Newtonmeter, 840 Wattstunden - und trotzdem leicht!

Florentin Vesenbeckh

 · 01.10.2026

Das Giant Trance Advanced E+ soll in der Topversion unter 22 Kilo wiegen. Mit starkem Motor und großem Wechsel-Akku.
Foto: Cameron Baird
Ein komplett neuer stärkerer Motor, mehr Reichweite und trotzdem leichter: Das neue Giant Trance Advanced E+ will mit dem perfekten Kompromiss für Trail- und All-Mountain-Stäke sorgen. Wir haben alle Infos und einen ersten Fahreindruck zum neuesten E-Mountainbike des Fahrradgiganten Giant.

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FAZIT der Redaktion

Giant trifft mit dem neuen Trance Advanced E+ den Nerv der Zeit. Die Mischung aus starkem Motor, viel Reichweite und geringem Gewicht ist zu Recht gefragt. Im Gegensatz zu den meisten neuen Avinox-Bikes ist die Batterie zudem entnehmbar, ein klarer Vorteil. Auch bei der Integration sorgt Giant mit seiner elektronischen Dropper für ein Alleinstellungsmerkmal. Damit stellt Giant ein sehr stringentes Bike auf die Reifen, das weiter seinen eigenen, mutigen Weg einschlägt, um gegen die starke Avinox-Konkurrenz zu bestehen. Ohne Schwächen ist das System der Taiwanesen jedoch nicht. - Florentin Vesenbeckh, stv. Chefredakteur BIKE


120 Nm Drehmoment, ein entnehmbarer Akku mit 840 Wh und laut Datenblatt je nach Modell weniger als 22 Kilo: Das neue Giant Trance Advanced E+ will nicht zwischen voller Motorleistung, großer Reichweite und agilem Handling wählen. Wir sind das E-MTB bereits gefahren. Unser erster Eindruck: Der Ansatz geht auf dem Trail bemerkenswert gut auf. Allerdings hat das Paket eine hörbare Schwäche, und die beachtlichen Gewichtsangaben müssen wir noch selbst überprüfen.

​Im Video: BIKE checkt das Giant Trance Advanced E+

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Das Trance Advanced E+ ist ein E-All-Mountain mit Carbon-Rahmen, 160 Millimetern Federweg an der Gabel und 150 Millimetern am Heck. Vorne rollt ein 29-Zoll-Laufrad, hinten eines mit 27,5 Zoll. Damit setzt Giant auf viel Potenzial für anspruchsvolle Trails, ohne den Charakter eines handlichen Allrounders aufzugeben. Anders als beim Trail-Vorgänger von Giant, dem Trance X Advanced E+ Elite mit kleinerem, fest verbautem Akku, gehört hier ein großer, entnehmbarer Akku ausdrücklich zum Konzept.

Die Idee ist überzeugend: ein kräftiger Antrieb, ein für lange Ausfahrten dimensionierter Wechselakku und ein potentes Fahrwerk in einem Bike, das sich nicht wie ein schwerer Klotz bewegen soll. Der erste Fahreindruck stützt diese Ausrichtung. Damit knüpft Giant an die Weiterentwicklung seiner E-Bikes an. Schon das E-Enduro Reign E+ erschien vor knapp einem Jahr in neuem Glanz. Doch beim All Mountain Trance legen die Taiwanesen an vielen Stellen nochmal einen drauf. Mehr Motor-Power, mehr Reichweite - und das bei weniger Gewicht.

​Die Fakten zum Giant Trance Advanced E+

  • Motor: Giant Syncdrive Pro 4, 120 Nm
  • Akku: 840 Wh, wechselbar
  • optional: 280 Wh Range Extender
  • Federweg: 160/150 mm
  • Laufradgröße: 29/27,5 Zoll
  • Rahmenaterial: Carbon
  • Gewicht: ab 21,9 kg (Herstellerangabe, Größe M)
  • Preis: 4 Modelle zwischen 6000 und 10 000 Euro
  • max. zul. Gesamtgewicht: 140 bzw. 156 Kilo, je nach Ausstattung

​Beim Rahmen spricht Giant von seinem bislang leichtesten E-MTB-Chassis und nennt eine Ersparnis von 300 Gramm gegenüber der Vorgängergeneration. Neben dem Hauptrahmen sind auch Hinterbau und der obere Umlenkhebel aus Carbon. Und zwar bei allen Ausstattungsvarianten, schon ab dem Einstiegsmodell für 6000 Euro.

Das komplette Bike soll laut Giant ab 21,9 Kilo (Topmodell, Größe M) wiegen. Das wäre bei dieser Konfiguration ein sehr starker Wert, den mit großem Wechsel-Akku bei robuster Ausstattung kaum andere E-MTBs erreichen. Lediglich das Rotwild R.EX stößt unter den Avinox-Bikes mit Wechsel-Akku in ähnliche Regionen vor, fällt in der leichtesten Top-Ausstattung aber nochmal teurer aus.

SyncDrive Pro 4 mit 120 Nm

Im Trance arbeitet der neue 48-Volt-Motor SyncDrive Pro 4. Giant nennt 120 Nm Drehmoment, bis zu 850 Watt Spitzenleistung und 2,4 Kilogramm Motorgewicht. Wenn sich diese Werte in Labortests bestätigen, wäre das eine sehr starke Kombi. Denn beim Gewicht unterbietet diese Angabe die Werte von Bosch (2,8 kg) und Avinox (M2S 2,6 kg) deutlich. Überprüfen konnten wir das Motorgewicht allerdings noch nicht. Schon der Vorgängermotor Syncdrive Pro MG konnte besonders mit seinem geringen Gewicht im BIKE Test punkten.

Auf dem Trail ist der Kraftzuwachs deutlich spürbar. Der Motor fühlt sich kräftig an, vor allem sein satter Schub bei niedriger Trittfrequenz prägt das Fahrgefühl. Das Bike schiebt energisch aus langsamen, steilen Passagen heraus. Schon in der zweithöchsten (von sechs) voreingestellten Unterstützungsstufen ist die Power sehr plakativ. Wie hoch Drehmoment und Spitzenleistung tatsächlich ausfallen und wie konstant die Unterstützung unter Dauerlast bleibt, muss ein Labortest zeigen.

Viel Reichweite dank großem Wechsel-Akku

Auch der Akku ist deutlich leichter geworden, trotz gestiegener Kapazität. Während ältere Trance-Modelle mit überdurchschnittlich schwerer Batterie noch Punkte liegen ließen, ist der neue Akku ein echtes Leichtgewicht. Mit 840 Wattstunden liefert er viel Energie und kann schnell und einfach entnommen werden. Das angegebene Gewicht von 3,7 Kilo ist dafür richtig gut. Die 800er-Akkus von Bosch und Avinox können bei dieser Energiedichte nicht ganz mithalten. Zum Vergleich Messwerte aus dem BIKE Labor: 3,96 kg (Bosch, 800 Wh), 3,78 kg (Avinox 800 Wh fest verbaut), 4,07 kg (Avinox, 800 Wh entnehmbar). Wir sind gespannt, wie sich das neue 48-Volt-System von Giant in unserm Reichweitentest schlägt.

​Ein optionaler 280-Wh-Range-Extender kann die Gesamtkapazität auf 1120 Wh erhöhen. Der Zusatz-Akku kann anstelle eines Flaschenhalters auf dem Unterrohr platziert werden und soll 1,5 Kilo wiegen. Zum Giant-E+ System und seinen Bausteinen gehören neben Antrieb und Akku auch die Steuerung, das Display und weitere elektronische Funktionen.

Elektronische Teleskopstütze integriert

Während wir die Reifendrucksensoren schon von der Neuauflage des Reign E+ kennen, kommt mit der Giant Contact Switch E+ ein ganz neues Feature hinzu. Die hauseigene elektronische Teleskopstütze wird mit Strom aus dem Haupt-Akku des Bikes versorgt. Es muss also keine separate Batterie gepflegt und geladen werden, wie es bei den Funk-Stützen von Rockshox (Reverb AXS) und Fox (Transfer Neo) der Fall ist. Weiterer Vorteil der hauseigenen Lösung: Statt über einen separaten Hebel wird die Giant-Stütze direkt am neuen RideControl Ergo 5 Bedienteil aktiviert. Eine eigene, ergonomisch gelungene Taste leitet das Signal per Funk an die Stütze und das Absenken und Ausfahren der Dropper klappt zuverlässig.

Geometrierevolution?

Über Jahre kamen E-Mountainbikes von Giant mit einer sehr markanten Geometrie. Langes Heck, tiefe Front, flacher Lenkwinkel. Das machte die Bikes sehr fahrstark, aber auch etwas träge im Handling. Schon bei der Neuauflage des Reign E+ schlugen die Ingenieure deutlich moderatere Töne an. Und das neue Trance Advanced E+ geht sogar noch weiter. Die Kettenstreben fallen mit 443 mm überraschend kurz aus und die Front wurde deutlich angehoben. Der Reach landet in den vier Größen S bis XL zwischen 425 und 510 Millimetern. Die Winkel lassen sich über einen Flipchip an den Sitzstreben dreistufig verstellen. Für den Lenkwinkel gibt Giant moderate 64,1, 64,5 bzw. 64,9 Grad an. Der Sitzwinkel soll entsprechend zwischen 76,6 und 77,4 Grad landen. Durch das gerade Sitzrohr wird der Sitzwinkel auch bei langem Stützenauszug nicht eklatant flacher.

Erster Fahreindruck auf alpinen Trails

Am Berg spielt das Trance seine Stärken aus. Der Maestro-Hinterbau generiert viel Traktion und steht auch unter Last hoch im Federweg. Gemeinsam mit dem steilen Sitzwinkel sorgt das für souveräne Klettereigenschaften. Giants Heckfederung erledigt seinen Job gewohnt souverän. Erst an wirklich extrem steilen Anstiegen muss man die Front aktiv am Boden halten. In Anbetracht der kurzen Kettenstreben ist die Steigfähigkeit absolut beachtlich. Dennoch: Gegenüber früheren Giant-E-MTBs wirkt die Auslegung weniger kompromisslos auf maximale Fahrstabilität getrimmt. Zum Glück, denn das macht das Bike im Gegenzug lebendiger.

Auch bergab stehen Traktion und Balance im Vordergrund. Das Trance Advanced E+ drängt sich nicht als Spezialist für einen speziellen Einsatzbereich auf. Seine Stärke ist die Vielseitigkeit und das Fehlen von echten Schwächen im Handling. Es bleibt spielerisch und handlich und lässt sich dabei auch recht leicht aufs Hinterrad bugsieren. Das geringe Gewicht ist in vielen Situationen wie schnellen Richtungswechseln oder spontanen Bunnyhops spürbar. Gleichzeitig bietet der Neuling mit dem souveränen fahrwerk und dem integrierten Stand hinter dem Cockpit selbst auf steilen und schwierigen Trails gute Fahrstabilität und ein sicheres Gefühl.

Patzer bei der Akustik

Die größte Kritik betrifft die Geräuschkulisse, und zwar bergauf wie bergab. Unter Last ist der Motor stets wahrnehmbar und wirkt subjektiv lauter als Antriebe von Avinox oder Bosch. Das Antriebsgeräusch war an unserem Testbike auch in niedrigen Unterstützungsstufen stets present. In der Abfahrt kommt das klassische Motorklappern hinzu, das schon beim Vorgänger, wie auch bei vielen anderen E-Motoren, Thema war. Auf dem Trail ist es zu hören - doch es gibt definitiv noch lautere E-MTBs. Wer besonders empfindlich auf Antriebsgeräusche reagiert, sollte diesen Punkt bei einer Probefahrt gezielt prüfen.

Modelle und Preise im Überblick

Alle vier Ausstattungsstufen, egal ob Einstiegsmodell für 6000 oder Topmodell für 10 000 Euro, nutzen den neuen Top-Antrieb inklusive SyncDrive Pro 4 Motor und neuem 840-Wh-Akku. Auch der Rahmen ist bei allen Varianten identisch mit dem Topmodell. Ebenfalls nicht selbstverständlich: Ab dem SE-Modell für 6500 Euro kommen alle Bikes schon mit elektronischer Funkschaltung und der elektronischen Teleskopstütze von Giant. Die folgenden Gewichte sind Herstellerangaben für Größe M, die Preise die angegebenen UVP.

ModellUVPWesentliche Ausstattung
Trance Advanced E+ 010.000 €Fox Factory Fahrwerk, SRAM XX Eagle Transmission, Carbon-Laufräder, TRP Evo Pro Bremsen
Trance Advanced E+ 18.000 €Fox Performance Fahrwerk, SRAM GX Eagle Transmission, TRP Evo Expert Bremsen
Trance Advanced E+ SE6.500 €Giant Crest-Fahrwerk, TRP Electric Schaltung, TRP Evo Comp Bremsen
Trance Advanced E+ 26.000 €Giant Crest-Fahrwerk, TRP Electric Schaltung, TRP Evo Comp Bremsen

Stärken und Schwächen nach dem ersten Check

Stärken

  • durchweg ausgewogene Fahreigenschaften
  • traktionsstarker Hinterbau
  • kräftiger Motor
  • geringes Gewicht trotz großem Wechsel-Akku

Schwächen

  • lautes Antriebsgeräusch
  • Schaltwerk mit separatem AXS-Akku (Modell 0 und 1)
  • elektronische Reifendrucksensoren fehleranfällig
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Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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