Die Eurobike steht unter Druck. Wenige namhafte Hersteller, kleine Messefläche: Trotzdem gab es aus E-Bike Sicht einiges zu sehen. Am spannendsten: Die Getriebemotoren von Gobao und Avinox, die eine völlig neue Richtung vorgeben und das E-Bike wohl für immer verändern werden, wenn sie sich auch in der Praxis bewähren können. Ansonsten gab es noch viele spannende neue (E-)Bikes zu entdecken. Hepha will mit einem ungewöhnlichen Ansatz das Urbane Biken einfacher und zugänglicher auch für Menschen mit wenig Fahrrad-Erfahrung machen. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Erst vor zwei Jahren dominierte die DJI-Tochter Avinox mit dem Mittelmotor M1 mit nie dagewesener Leistung die Eurobike. Jetzt setzen die chinesischen Innovationstreiber mit einem Motor-Getriebe-Konzept nach. Damit konnte Pinion auf der Eurobike 2023 punkten. Die Argumente: Kaum Verschleiß und kein anfälliges Schaltwerk mehr.
Im Unterschied zu Pinion setzt Avinox beim MG Concept aber auf ein stufenloses Getriebe. 500 Prozent Bandbreite und die Avinox-typische Spitzenleistung von bis zu 150 Newtonmeter und 1500 Watt stehen im Lastenheft. Rahmenkonzepte von namhaften Herstellern wie Canyon, Mondraker, Megamo, Commencal und Forbidden gibt es schon. Gefahren ist es aber noch kein Journalist, der auch darüber berichten darf. Der Markstart ist für 2027 geplant.
Bei ihnen ist der Avinox-Traum schon Realität: Der Marktstart von Gobaos X1 und X1 P Motor-Getriebe-Einheit steht schon kurz bevor. Auch hier wird in einem kompakten Mittelmotor ein stufenloses eCVT Getriebe mit einem starken Antrieb mit bis zu 1500 Watt Spitzenleistung kombiniert.
Gobao sitzt im chinesischen Chenzen direkt gegenüber von Avinox und wird anders als andere, etablierte Motorenhersteller von der DJI-Tochter als wesentlicher Konkurrent angesehen. Sicher auch weil Gobao einen schon fast marktreifen Motor auf der Eurobike präsentieren wollte, geriet Avinox unter Zugzwang und lässt das MG Concept jetzt schon aus dem Sack. Anders als bei Avinox gibt es mit dem Gobao aber noch kaum bestätigte Hersteller, die den X1P in einem E-Bike verbauen wollen.
Die Motor-Getriebe-Konzepte sorgen für die großen Headlines, aber auch der aktuelle Avinox Mittelmotor M2 und M2S beschert uns auf der Eurobike jede Menge neuer Bikes. Amflow selbst ist mit dem E-SUV Modell TL vorne mit dabei. Für 3499 Euro gibt es hier ein Fox Fahrwerk, einen Carbon Rahmen und den M2 Motor plus SUV-Parts: Preis-Dumping per Excellence. Dafür bekommt man bei vielen Herstellern nicht mal ein Einsteigerbike!
Crussis ergänzt die Palette mit Avinox Bikes als Tiefeinsteiger und E-MTBs mit entnehmbarem Akku, im Mittelfeld tummeln sich Marken wie Raymon, Nukeproof und der englische Exot Orange. Rotwild mit dem superleichten R.XX und Orbea mit dem neuen Wild Enduro setzen technologische Akzente.
Übernehmen damit die Top-Motoren die klare Führung? Vielleicht. Dennoch lassen sich auch die Motoren-Underdogs nicht entmutigen. So zeigt zum Beispiel Newcomer Preeto erstmals offiziell den P110 auf der Eurobike. Einen Mittelmotor mit 2,75 Kilo und bis zu 1000 Watt Spitzenleistung bei 110 Newtonmeter Drehmoment.
Auch Panasonic und Yamaha zeigen kleinere Neuerungen. Bei PW-Link und GXM will man aber vor allem die Verfügbarkeit im Markt bewerben. Vorgestellt wurden die Motoren eigentlich schon auf der letzten Eurobike. Die Auswahl an Bikes ist bei beiden nach wie vor überschaubar.
Etwas scherzhaft spricht E-Bike Hersteller Hepha vom Urban X als “erstem E-Bike überhaupt.” Denn: Die Oberbayern wollen hier einen völlig neuen Ansatz fahren. Das Rad soll auch für Neulinge maximal leicht zu bedienen sein. Pedaliert man, beschleunigt das Rad. Geht man vom Gas, geht das Rad leicht in die Bremse - wie beim Vorbild E-Auto.
Damit soll man im Stadtverkehr perfekt gleiten können und die Bremse nur noch im Notfall brauchen. Angetrieben wird das Hepha von einer Motor-Getriebeeinheit von Gobao, auch eine Rekuperation soll möglich sein. Spannendes Konzept, das auch auf einer kleinen ersten Testrunde überzeugen kann. Der Marktstart wird aber voraussichtlich noch zwei Jahre auf sich warten lassen.

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