Florentin Vesenbeckh
· 24.06.2026
Auf dem Papier klingen die Daten und Fakten zu Gobaos Einheit aus E-Motor und Schaltgetriebe fast zu schön, um wahr zu sein. Neben der Verfügbarkeit von relevanten Rädern wird die Funktion der Getriebeschaltung und des Motors erfolgsentscheidend sein. Denn nur mit entsprechenden Softskills wird solch ein System wirklich zum Mehrwert für E-Biker. Wir sind gespannt, wie sich das System im Praxistest schlägt. Spannend, dass endlich wieder Bewegung in dieses Segment kommt.
“Ride. Don‘t shift.” Das ist der Marketingslogan, mit dem der chinesische Antriebsspezialist Gobao seine neuen Motoren X1 und X1P anpreist. Die Aussage: E-Biker sollen sich nicht mehr auf das Schalten konzentrieren müssen, sondern rein auf das Fahren.
Dahinter steckt ein stufenloses Schaltgetriebe, das direkt im Motor sitzt. Keine Gangsprünge, keine Schubunterbrechungen, so soll das E-Biken auf ein neues Level gehievt werden. Die Kombi passt die Übersetzung automatisch stufenlos an, damit der Motor immer im idealen Arbeitsbereich läuft und der Fahrer seine gewünschte Trittfrequenz fahren kann. Optional soll aber auch manuelles Schalten möglich sein.
Ein integriertes Schaltgetriebe im E-Motor gilt als die Königslösung für E-Bikes. Zuletzt bekam diese Technologie mit der Einführung von Pinions MGU (hier im Test!) viel Aufmerksamkeit. Doch voll durchsetzen konnte sich das System nicht. Jetzt will also der nächste Hersteller den Durchbruch schaffen. Das stufenlose Schaltgetriebe in den neuen Gobao-Motoren der X-Serie liefert 500 % Bandbreite, was auch für E-Mountainbikes ausreichen sollte.
Genug Power für E-Mountainbikes hat das Aggregat auch in petto. Genauer gesagt gibt es zwei Varianten X1 und X1P. Der Top-Motor X1P soll 1500 Watt und 150 Nm auf die Kette (oder den Riemen!) bringen. Das sind die Fabelwerte, die aktuell nur der neue Avinox M2S parat hält.
Der vermutlich etwas günstigere X1 hat 1200 Watt und 120 Newtonmeter im Datenblatt stehen, außerdem eine etwas geringere Bandbreite von 400 Prozent. Beide Einheiten passen an die gleichen Anschraubpunkte im Rahmen und sollen 3,85 Kilo wiegen. Das wäre leichter als Pinions MGU mit 4,1 Kilo, das aktuell einzige vergleichbare System mit Marktrelevanz.
Auch bei der Ladeinfrastruktur geizt Gobao nicht mit Superlativen. Bis zu 30 Ampere soll der Fast Charger liefern, bei einem Gewicht von 1,2 Kilo. Das ist nochmal massiv schneller als die Schnellladegeräte von Bosch und Avinox, die maximal 12 A Ladestrom ausgeben und dabei nicht bedeutend leichter sind. Ein 750er-Akku soll mit dem Gobao-System in 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden.
Apropos Akku: Drei Varianten kündigt Gobao an. 500, 750 oder 900 Wattstunden. Die Gewichte sind mit 2,6, 3,6 bzw. 3,7 Kilo richtig gut. Insbesondere der große Akku wäre mit 3,7 Kilo bei 900 Wattstunden extrem leicht. Ein Bosch Powertube 800 wiegt zum Beispiel über 3,9 Kilo.
Gobao zielt mit dem X-System auf alle E-Bike-Kategorien von Urban über Cargo bis zu E-Mountainbike. Die Chinesen setzen auf eine flexible Plattform, um Bike-Herstellern individuelle Konzepte zu ermöglichen. Die Serienproduktion der Antriebe soll Anfang 2027 starten.

Redakteur CvD
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