Starke Frauen im Bike-SportInterview mit DH-Meisterin Somaye Farahani

Steffi Marth

 · 08.11.2022

Starke Frauen im Bike-Sport: Interview mit DH-Meisterin Somaye FarahaniFoto: Kyle Vollaers
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Frauen-Downhill im Iran? Wir wussten gar nicht, dass es das gibt und Frauen das dürfen. Doch Somaye Farahani (40) ist der lebende Beweis. Die iranische BMX- und DH-Meisterin lebt nahe der Hauptstadt Teheran, bricht mit Klischees und Vorurteilen und inspiriert mit ihrer Unerschrockenheit nicht nur viele Frauen im Iran, sondern auch uns. Ihr Credo hört sich fast amerikanisch an:

„Wenn Du was wirklich willst, dann kannst Du alles erreichen – selbst als Frau im Iran!“

FREERIDE: Seit wann fährst Du Mountainbike?

Somaye Farahani: Erst seit vier Jahren. Davor war Kung-Fu meine Leidenschaft. Mountainbiken reizte mich zwar schon lange, doch meine Mutter war dagegen. Sie sagte, das sei nix für Frauen. Mittlerweile unterstützt sie mich.

Im Iran gibt es keine Gleichberechtigung: Frauen müssen z. B. immer die Haare in der Öffentlichkeit verbergen.

Ja, das stimmt, doch Biken ist uns Frauen erlaubt. Das mögen viele nur ungern sehen, doch das ist mir egal. Ich habe im Iran einen Exotenstatus und bekomme immer dieselben Fragen gestellt z. B.: „Hast Du keine Angst, da runterzufahren?“

Verlagssonderveröffentlichung
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Wie können wir uns die Szene im Iran vorstellen?

Mountainbiken ist beliebt, doch die MTB-Szene ist klein, die Downhill-Szene natürlich noch kleiner. Unser Problem: Es ist schwer, an Material zu kommen. Die Sanktionen machen alles enorm teuer.

Welche Ziele hast Du?

Ich würde gerne an internationalen Rennen teilnehmen. Mein Traum: der Start bei einem UCI-Worldcup. Leider geht das aufgrund der Reiseauflagen nicht. Ich habe einen Visa-Antrag für Europa gestellt, mal sehen, ob sich daraus etwas ergibt. Meine Wunschländer: Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich. Realistischer sind allerdings Rennen in Asien. Hier lassen sich Reisen leichter organisieren.

Welche Kriterien musst Du für ein Visum erfüllen?

So genau weiß ich das gar nicht. Die Regierung hat Angst, dass man nicht mehr zurückkommt, denn viele, die ausreisen, kommen nie wieder.

Verfolgst Du den DH-Worldcup?

Klar, ich guck’ auf redbull.tv alle Rennen. Mich beeindrucken Frauen wie Camille Balanche, Manon Carpenter oder Myriam Nicole.

Kannst Du vom Sport leben?

Nein, ich muss mir alles selbst kaufen. Sponsoren habe ich nicht, mein DH-Bike ist fünf Jahre alt, und ich muss sehr aufpassen, dass nix kaputtgeht, weil es kaum Ersatz gibt. Man kann zwar über angrenzende Länder bestellen, doch das ist kompliziert und teuer. Hauptberuflich bin ich Maschinenbau-Ingenieurin.

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Lass’ uns über Klischees sprechen. Deutsche denken leider oft: Alle Iraner wollen Arzt werden, basteln Atombomben, und Frauen haben keine Rechte.

Und in Bayern tragen alle Lederhose und Dirndl. Klischees, ha ha! Früher war der Arztberuf begehrt, weil es kaum Jobs gab mit ähnlich guter Bezahlung. Frauenrechte? Schau mich an, ich mache alles, was ich will. Ich darf nur mein Haar nicht offen tragen. Ich liebe mein Land und lebe gerne im Iran.

Hilft der Sport für die Gleichberechtigung?

Du hast den falschen Eindruck. Was andere sagen, ist mir egal. Das mag mal anders gewesen sein, doch jetzt sicher nicht mehr. Wenn du wirklich willst, dann kannst Du viel machen. Zugegeben: Noch gibt es nur wenige Frauen im Iran, die das machen. Noch!

Iran besitzt viele Gebirge – dort muss es massig Trails geben. Wir haben uns vor einigen Jahren schon mal auf die Suche begeben.

Ja, ich fahre gerne in die Berge und erkunde die Gegend. Das klappt mit meinem Motorrad am besten. Doch die Infrastruktur fehlt. Es gibt nur wenige Forststraßen, die da hochführen. Lifte gibt es sowieso nicht.

Kennst Du den Downhiller Hossein Zanjanian? 2014 gab es ein großes Interview mit ihm in FREERIDE.

Klar kenne ich Hossein. Er hat kürzlich eine Freundin von mir geheiratet. Im Iran ist er noch immer der beste Downhiller, und auch in Asien zählt er zu den Top-Fahrern. Hossein hat das geschafft, was ich noch vorhabe.

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