Bike-TransalpDavids Transalp-Blog – Etappe 2: Nach uns die Sintflut!

David Voll

 · 04.07.2022

Davids Transalp-Blog – Etappe 2: Nach uns die Sintflut!Foto: David Voll

BIKE Transalp 2022 – Nach der Hitzeschlacht gestern brach auf Etappe 2 die Sintflut samt Kälteeinbruch über die BIKE Transalp herein. Immerhin hat es unser Blogger noch rechtzeitig ins Ziel nach Bruneck geschafft.

Mit bester Laune und verhältnismäßig gut erholt rollten Torsten und ich an die Startlinie in Sillian. Nach unserem gestrigen Husarenritt durften wir heute aus dem ersten Startblock ins Rennen gehen – direkt neben der Transalp-Legende Karl Platt! Das motiviert zusätzlich und lässt die Brust vor Stolz auch schon ein bisschen anschwellen. Noch schnell das obligatorische Selfie und – Peng! – dann wurde die Meute auf die Piste geschickt.

Die ersten fünf Kilometer ging es auf Radwegen flott dahin – quasi das Einrollen, bevor in den Anstiegen das Laktat in den Muskeln brodelt. Doch soweit sollte es zunächst nicht kommen. Bereits bei Kilometer sieben meldete mein Hinterrad schlagartig Druckverlust. Ein schneller Blick auf den Mantel offenbarte einen kleinen Schnitt in der Decke. Höchstwahrscheinlich verursacht durch eine Scherbe. Mist! Auch die im Reifen befindliche Dichtmilch konnte das Loch nicht schließen.

Wurst gegen Schnitt: Wenn dem Tubeless-Reifen die Luft ausgeht

Doch heutzutage gibt’s ja allerlei Helfer in der Not: nämlich meinen Teamkollegen Torsten und seine "Salami"! Natürlich keine echte Wurst, sondern eine Art Kautschuk-Würstchen, das ironischerweise, eingefädelt in eine Nadel, in das Loch im Tubeless-Reifen (Link: ) gestochen wird und diesen dann luftdicht verschließt. Noch schnell aufgepumpt und mit Vollgas der Meute hinterher gejagt.

Dumm, dass dieses Malheur am Anfang passierte, wo noch das Feld dicht beisammen war und wir demzufolge viele Plätze verloren. Aber hey, die Etappe hatte ja erst begonnen (hahaha). Und dank Himmels-Disko mit gleißend hellen Blitzen und ohrenbetäubenden Donnerschlägen in der vergangenen Nacht hatte sich der Planet auch angenehm abgekühlt.

Wir brachten in der Folge ordentlich Zug auf die Kette und konnten schnell einige Plätze zurück gewinnen. Das Höhenprofil war bis Kilometer 45 vom Streckenchef so gewählt, dass jeder Anstieg leicht über dem Limit gefahren werden konnte – ein Intensitätsbereich, der bei einem langen Berg definitiv die Beine zum Explodieren gebracht hätte.

Der Scharfrichter lauerte fieserweise heute am Ende der Etappe: Bei Kilometer 45 stellte er sich uns entgegen und versuchte uns mit einem nicht enden wollenden 800-Höhenmeter-Anstieg hinauf zum Kronplatz in die Knie zu zwingen. Schnell fanden wir aber unseren Rhythmus und kneteten wie Maschinen hinauf Richtung Gipfel. Doch der Herr Scharfrichter hatte noch ein Ass im Ärmel: Der Ritt über das vorherige Sägeblatt-Profil sollte mich einholen und mich mit Krämpfen – statt auf den Kronplatz – ins Tal der Schmerzen führen. Aua!

Scharfrichter schachmatt setzen, die Konkurrenz beflügelt

Sollte das einen versöhnlichen Abschluss zunichtemachen, nach dem Plattfuß zu Beginn der Etappe? Nein! Natürlich habe ich mir in den vergangenen Jahren so manche Strategie zurechtgelegt, um den Scharfrichter schachmatt zu setzen. Und so kam wieder mein kleiner Salzstreuer zum Einsatz. Doch noch eine weitere Situation spielte mir in die Karten: Vor mir tauchten unsere direkten Konkurrenten in der Gesamtwertung auf. Das motivierte mich nochmal mehr und nach einigen Kehren später erreichten Torsten und ich den Kronplatz, unsere Konkurrenz im Schlepptau. Wir wussten über unsere Abfahrtsstärke und gingen daher "entspannt" in den finalen Downhill.

Auf den letzten Höhenmetern öffnete Petrus bereits seine Schleusen und auch die Temperatur beschloss schon früher als wir sich auf den Weg nach unten zu machen. Jetzt nichts wie runter! Nass bis auf die Knochen, schraubten wir uns auf feinstem Trail-Geschlängel ins Tal. Mit jedem Meter nahm nicht nur die Höhe ab, sondern auch unsere Körpertemperatur. Hochkonzentriert schnitten wir mit unseren Rennfeilen präzise durch die Anlieger – links, rechts, links rechts, Sprung, Anbremsen und schon kam die nächste Steilkurve. Wir waren im Flow! Glitschige Wurzeln und messerscharfe Steine würzten den Trail-Salat mit einer ordentlichen Prise Adrenalin. Ein Wahnsinns-Gefühl!

Leider sollte das nicht bis ins Ziel anhalten. Einer dieser messerscharfen Steine schlitzte die Seitenwand meines Hinterreifens auf und zwang uns erneut zu einer Zwangspause. Angefroren, mit klappernden Unterkiefern und zittrigen Händen blieb uns nichts anderes übrig, als einen Schlauch einzuziehen. Als wäre das nicht schon Ärgernis genug, hatte mein Ersatzschlauch auch schon Karies und blies die eingepumpte Luft gleich wieder raus. Also musste Torstens Schlauch herhalten. Nach über zehn Minuten nahmen wir das Rennen wieder auf und schlotterten uns, maximal unterkühlt und halb im Delirium und mit aufgequollenen Händen, ins Ziel nach Bruneck. Was für Tag!

Keine Sorge, das Leben kehrte in die Hände unseres Bloggers wieder zurückFoto: David Voll
Keine Sorge, das Leben kehrte in die Hände unseres Bloggers wieder zurück

Kurz darauf wurde die Etappe von der Rennleitung wegen des zu schlechten Wetters abgebrochen, sodass es heute nicht alle ins Ziel schafften.

Zum 8. Mal über die Alpen: der BIKE Transalp-Blog 2022

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