Canyon-App mit DiebstahlschutzEine App für Alles

Adrian Kaether

 · 16.05.2023

Die neue Canyon-App soll alles Wichtige zum Bike in einer Anwendung bündeln.
Foto: Canyon

Technische Daten in der Bedienungsanleitung, ein Aufbau- und Setup-Guide im Karton, Service und Ersatzteile nur über die Website. Alle diese Features bündelt Versand-Riese Canyon jetzt in einer neuen App, die außerdem auch einen Diebstahlschutz, Video-Tutorials zur Wartung und vieles Weitere bieten soll.

Zugegeben: Eine neue App löst bei den wenigsten Bikern echte Begeisterung aus. Kein Wunder, schließlich sind selbst E-Bikes vom Prinzip her eher analoge Konstrukte. Einfach draufsetzen und losfahren, das macht den Reiz aus. Canyons neue App, für die der Koblenzer Versender eine eigene, 10-köpfige Abteilung gegründet hat, könnte aber auch überzeugte Digital-Muffel begeistern. In einem cleveren Schachzug bündelt Canyon alles Wichtige zu seinen Bikes in einer einzigen mobilen Anwendung.

Von Versand und Erstaufbau über Setup und Wartung bis hin zu technischen Daten und einem Direktkontakt zum Service, wenn es mal ein Problem geben sollte. Perspektivisch sollen auch andere Bike-Apps, etwa für Fahrwerk, Motor oder Schaltung in die Canyon-App integriert werden können. Und für die neuen E-Bike-Modelle bietet Canyon in der App sogar einen effektiven Diebstahlschutz - vorerst das spannendste Feature an der neuen App.

Alarm! Über den in den neuen Canyon-E-Bikes integrierten Tracker hat die App eine Bewegung des gesperrten Bikes erkannt und warnt den Besitzer.Foto: Canyon
Alarm! Über den in den neuen Canyon-E-Bikes integrierten Tracker hat die App eine Bewegung des gesperrten Bikes erkannt und warnt den Besitzer.

Diebstahlschutz fürs E-Bike: das Canyon GPS-Modul macht es möglich

Die Vision von Canyon: Alle E-Bikes, die das Lager verlassen, sollen mit einem GPS-Modul zum Diebstahlschutz ausgestattet sein. Bei den neuen Bosch-Modellen Strive:On CFR und dem Grand Canyon:On hat Canyon bereits mit dem Connect-Modul von Bosch angefangen. Für das Shimano-Bike Spectral:On gehen die Koblenzer sogar noch einen Schritt weiter. Denn es wurde eigens ein GPS-Modul zum Diebstahlschutz und für Tracking-Funktionen entwickelt.

Die Idee dahinter: Das System weiß zu jeder Zeit, wo sich das E-Bike befindet und ob es sich gerade bewegt. Über die neue Canyon-App kann der Besitzer des E-MTBs jederzeit und weltweit den Standort seines Sportgeräts ermitteln. Dafür setzt das IoT-Modul auf eine Mobilfunk-Verbindung, über die es den Standort des Bikes an die App schickt. Auch ein Bewegungsalarm kann aktiviert werden. Wird das Bike ungewollt von seinem Standort entfernt, bekommt der Nutzer eine Push-Nachricht aufs Smartphone. Das läuft über einen Bewegungssensor im 175 Gramm schweren Modul.

Der GPS-Tracker in den neuen Bikes sendet seinen Standort über Mobilfunk an die App. Das erleichtert die Fahndung und das Finden bei einem Diebstahl.Foto: Canyon
Der GPS-Tracker in den neuen Bikes sendet seinen Standort über Mobilfunk an die App. Das erleichtert die Fahndung und das Finden bei einem Diebstahl.

IoT-Modul: Nur in neuen Modellen mit EP801

Das Ortungssystem ist in allen neuen Spectral:On-Modellen ab Werk im Motor verbaut. Wo genau, verrät Canyon nicht. Eine Nachrüstoption gibt es nicht, was vermutlich auch daran liegt, dass das Modul nur mit dem neuen EP 801, nicht aber mit dem EP 8 bzw. EP 800 funktioniert. Entsprechend steckt es auch nicht im neuen Torque:On CF, das noch den EP 800 verbaut hat. Das Modul wird vom Haupt-Akku des E-Bikes mit Strom versorgt, hat aber auch eine eigene Backup-Batterie verbaut. Laut Canyon soll das System noch mehrere Tage funktionieren, nachdem der Haupt-Akku schon leer ist. Das bedeutet jedoch auch, dass das IoT-Modul erst einmal nur für Bikes mit Motorunterstützung eingeplant ist.

Wer ein Canyon Spectral:On kauft, kann ein Jahr lang kostenlos auf die Tracking-Funktionen des Moduls zurückgreifen. Danach werden Gebühren fällig, die bei maximal 35 Euro im Jahr liegen sollen. Der exakte Preis steht aber noch nicht fest. Zum Vergleich: Beim Connect-Modul von Bosch wird aktuell eine jährliche Gebühr von 40 Euro fällig. Wer aus Datenschutzgründen ganz auf das Tracking verzichten möchte, kann das selbstverständlich in der neuen Canyon-App deaktivieren oder sogar das IoT-Modul komplett ausbauen lassen.

Weitere Funktionen der Canyon-App: Vieles noch Zukunftsmusik

Neben dem Diebstahlschutz bietet die Canyon-App Stand jetzt (Mai 2023) aber erstmal nur die Grundfunktionen. Heißt: Man kann seine Bikes anhand von QR-Code oder Seriennummer einer digitalen Garage hinzufügen, sich vom Assembly-Assistant beim Aufbau unterstützen lassen und technische Details bis hin zu Maßen und Seriennummern für Ersatzteile einsehen. Das funktioniert für alle aktuelleren Bikes ab 2020, ältere Modelle sollen folgen.

Schnell mal unterwegs das Vorschläge zum Setup anzeigen, den Motor anders einstellen oder den eigenen Standort teilen - Canyons App soll es möglich machen.Foto: Canyon
Schnell mal unterwegs das Vorschläge zum Setup anzeigen, den Motor anders einstellen oder den eigenen Standort teilen - Canyons App soll es möglich machen.

Zukünftig sollen sich auch speziellere Ersatzteile, wie beispielsweise Steckachsen oder Lagerschalen, über die “Store”-Funktion direkt in der App bestellen lassen. Unter dem Überthema “Control” will Canyon alle anderen Apps fürs Bike, wie etwa die Apps der Motorenhersteller oder für elektronische Schaltungen und Fahrwerke, in die Canyon-App integrieren. Mittels “Activity” soll es dem Fahrer möglichen sein, Fahrten aufzuzeichnen und ein digitales Fahrtenbuch anzulegen. Auch soll die Canyon-App den Fahrer in Zukunft anhand der Laufleistung auf notwendige Wartungsarbeiten hinweisen und entsprechende Do-it-Yourself-Anleitungen für einfache Arbeiten liefern. Das Teilen eines Standorts soll dann ebenfalls möglich sein, beispielsweise damit Angehörige oder Freunde die Biketour mitverfolgen können. Für alle, die öfter alleine unterwegs sind, könnte das ein relevantes Sicherheitsfeature werden, auch wenn andere Apps oder Bike-Computer bereits ähnliche Funktionen bieten.