Fitness-Professor Ingo Froböse erklärt, warum Krafttraining für uns alle so wichtig ist.
Ein Sixpack sieht gut aus - doch es steckt mehr dahinter, sagt Deutschlands Fitness-Professor Nummer 1. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln steht mit seinem Buch „Muskeln, die Gesundmacher“ in den Bestseller-Listen. Wir haben es gelesen und sagen euch, was ihr wissen müsst, um auch über 40 wirklich fit zu bleiben.
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Auf 300 Seiten taucht Froböse in seinem SPIEGEL-Bestseller “Muskeln – die Gesundmacher” tief ein ins Thema Muskeln – er erklärt die Hintergründe in einer guten Schreibe: leicht zu lesen, leicht zu verstehen. Der Sportwissenschaftler beantwortet z. B. Fragen wie:
Welche Muskelarten gibt es und wofür sind sie da?
Wie wachsen Muskeln, wie werden sie aktiviert und mit Nährstoffen versorgt?
Welche Rolle spielen das Alter und Testosteron?
Warum schwinden sie wieder in der zweiten Lebenshälfte?
Und vor allem: Warum ist es so wichtig, dass wir unsere Muskeln trainiere.
Auf dem Buch prangt der Button: “Für alle ab 40”. Wir sagen sogar: “Für alle!” Denn unserer Ansicht nach, kann man nicht früh genug mit einem regelmäßigen Krafttraining anfangen.
Foto: Sebastian BahrLebender Beweis: Wissenschaftler Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln – selbst top fit in der zweiten Lebenshälfte.
Kern-Aussagen von Prof. Dr. Ingo Froböse aus dem Buch “Muskeln – die Gesundmacher”
Für Sporttreibende ist Zucker weniger problematisch, da er durch die arbeitende Muskulatur schnell verbrannt wird.
Krafttraining schafft eine belastbare Matrixstruktur – das Bindegewebe zwischen den Zellen. Dieses wird elastisch, stabil und widerstandsfähig.
Für eine Volumenzunahme der Muskulatur ist die sogenannte Ausbelastung entscheidend. Der Muskel sollte bei der letzten Wiederholung deutlich brennen. Faustregel: Wiederholungen bis es subjektiv nicht mehr geht – und dann noch zwei bis drei weitere.
Beim Krafttraining ist die Regenerationszeit essenziell. Training vor Ablauf dieser Phase ist wirkungslos und kann die Aufbauprozesse der Muskulatur sogar stören. Erst die Pause bringt den Erfolg.
Ausdauersportler verfügen über rund 50 % mehr Kapillaren in der Muskulatur als Untrainierte, was eine deutlich bessere Versorgung ermöglicht.
Kraft- und Beweglichkeitstraining gehören untrennbar zusammen. Ziel ist es, den Gelenken den vollen Bewegungsumfang zu ermöglichen, um eine optimale Kraftübertragung zu gewährleisten.
Ein Aufwärmen vor dem Krafttraining ist wichtig – sowohl für den Körper, als auch für den Geist.
Eine ausreichende Eiweißzufuhr ist grundlegend für den Muskelaufbau. Empfehlenswert sind zwei bis drei Stunden vor dem Training sowie unmittelbar danach.
Regelmäßiges Krafttraining kann dazu beitragen, über 20 Jahre hinweg körperlich „40 zu bleiben“.
Studien zeigen übereinstimmend, dass regelmäßiges, intensives Muskeltraining die wirksamste Strategie zur langfristigen Gesundheitsförderung ist – idealerweise dreimal pro Woche.
Krafttraining bewirkt, dass Dopamin (Motivations-, Antriebs- und Lern-Neurotransmitter) langsamer abgebaut wird und dem Körper länger zur Verfügung steht.
Sport, insbesondere Krafttraining, wirkt wie eine mentale Waschmaschine: Er reinigt den Geist und entfaltet eine Wirkung, die der von Antidepressiva ähnelt.
Muskeln sind weit mehr als reine Bewegungsorgane. Sie fungieren auch als endokrines Organ und geben gesundheitsfördernde Substanzen in den Körper ab. Im Klartext: Wir verfügen über eine körpereigene Apotheke – sie wird jedoch nur aktiviert, wenn wir unsere Muskeln nutzen.
Der Wiederaufbau von Muskulatur dauert etwa viermal so lange wie ihr Abbau. Deshalb ist regelmäßiges, lebenslanges Training von zentraler Bedeutung.
Studien zeigen: Männer, die 40 Liegestütze schaffen, haben ein um bis zu 96 % geringeres Risiko für einen Herzinfarkt.
Ein 60-Jähriger, der lebenslang sportlich aktiv war, besitzt Gefäße, die in Elastizität und Funktion denen eines 30-Jährigen ähneln.
Leistungsfähige Muskeln wirken als Stoßdämpfer, stabilisieren die Gelenke und kontrollieren jede Bewegung. Kräftige Muskulatur ist somit eine Art Vollkaskoversicherung für dauerhaft gesunde Gelenke.
Die häufige Behauptung, Laufen schade den Gelenken, ist falsch.
Muskeln kann man nicht kaufen – man muss sie selbst aufbauen. Jeder Einzelne trägt Verantwortung dafür, seine Lebensqualität langfristig zu erhalten.
Fazit in 6 Punkten:
1. Muskeln sind mehr als nur Kraft-Maschinen
Froböse zeigt, dass Muskeln ein vitales Organ sind, das weit über Bewegung hinaus Wirkung entfaltet. Sie beeinflussen neben der Bewegung auch Stoffwechselprozesse, das Immunsystem, Herz-Kreislauf-Funktionen und sogar die Psyche.
2. Unsere Gesundheit hängt stark von Muskelmasse ab
Der Verlust von Muskelmasse – besonders im Alter – ist ein zentraler Faktor für viele chronische Erkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes oder Übergewicht. Muskelschwund kann im Alter und bei Inaktivität weitreichende gesundheitliche Folgen haben.
3. Krafttraining ist weder Luxus noch Narzissmus – sondern lebensnotwendig
Ohne regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Kraft- und Muskeltraining, bleibt dieses gesundheitliche Potenzial ungenutzt. Muskeln können unabhängig vom Alter aufgebaut und erhalten werden – und das stärkt Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden.
4. Ernährung spielt eine wichtige Rolle
Proteine und eine insgesamt ausgewogene Ernährung sind entscheidend für Muskelaufbau und Muskelgesundheit. Die Muskeln brauchen ausreichend Nährstoffe, damit sie ihre Aufgaben im Körper erfüllen können.
5. Muskeln beeinflussen auch Psyche und Gehirnfunktion
Muskulatur sendet Botenstoffe aus (sogenannte Myokine), die sowohl das Immunsystem aktivieren als auch die Stimmung und kognitive Funktionen positiv beeinflussen können.
6. Muskeln fördern Selbstständigkeit im Alter
Gut trainierte Muskeln helfen, alltägliche Bewegungen leichter zu bewältigen, das Risiko von Stürzen zu senken und die Lebensqualität im höheren Alter zu erhalten.