Bunt wie die Ostereier im Nest kommen auch dieses Jahr wieder die unterschiedlichen Mautgebühren der EU-Länder daher. Alle erhöhen die Preise, die Digitalisierung schreitet voran, ein Land punktet mit Öko-Ermäßigungen und Italien will ab 2027 günstiger und transparenter werden.
Wir haben unsere wichtigsten Bikespot-Nachbarn in Bezug auf ihre aktuellen Mautgebühren miteinander verglichen. Und wenn es nach Preis-Leistung geht - also Anreisekosten im Verhältnis zum Trail-Erlebniswert - dann kristallisiert sich für Biker vor allem ein Reiseziel heraus.
Nachdem das “Jahrespickerl” in Österreich letztes Jahr bereits die 100 Euro-Latte gerissen hatte, kommen dieses Jahr nochmal 3 Euro drauf. Bei der Tagesvignette (nur digital erhältlich) werden 30 Cent aufgeschlagen. Ab 2027 soll es die österreichischen Vignetten nicht mehr zum Kleben, sondern nur noch in digitaler Form geben.
Die Zwei-Monats- und Jahresvignette sind bei Online-Kauf erst nach 18 Tagen gültig! Sollte man die Vignetten kurzfristiger brauchen, kauft man auch die digitale Version daher besser analog, z. B. in der Tankstelle.
Auch die Bußgelder wurden für 2026 angehoben: Wer 2026 ohne Pickerl oder in der Digital-Version mit Zahlendreher bei der Kennzeicheneingabe (passiert laut ADAC häufiger) erwischt wird, muss nun nicht mehr 120, sondern 200 Euro berappen.
Zur allgemeinen Autobahn-Maut werden in Österreich auf bestimmten Abschnitten noch Extra-Gebühren fällig. Auch die wurden fast überall um 50 Cent angehoben. Jeweils pro einfacher Fahrt:
Die Bauarbeiten an der 1,8 Kilometer langen Luegbrücke werden - Stand heute - noch bis Ende 2030 dauern. Bis dahin soll weiterhin eine Fahrspur in beide Richtungen geöffnet sein. An besonders verkehrsreichen Tagen (ab Ostern) sollen pro Richtung wieder zwei Fahrspuren freigegeben werden. Die ASFINAG hat eine Webcam eingerichtet, die den aktuellen Verkehrsfluss auf der Brücke anzeigt, plus einen aktuellen Tageskalender: asfinag.at/bauen-erhalten
Leider bietet sich auch der Reschenpass nur bedingt als Umfahrungs-Alternative auf dem Weg nach Südtirol an. Zwischen Pfunds und Nauders wird bis Ende 2026 an einer Steinschlag-Galerie gebaut. Die Baustelle wird mit einer Ampel geregelt, aber es kommt hin und wieder zu Vollsperrungen.
Während der Sperrung der Reschenpass-Straße wird die nur 6,6 Kilometer längere Strecke durch die Schweiz empfohlen: Engadiner Straße (B184) und Martinsbrucker Straße (B185). Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen allerdings an der Schweizer Zollstation in Martina eine Gebühr von 5 Euro zahlen. LKW, Wohnwagen und Anhänger mit über 6,5 Metern Anhängerlänge sind auf dieser Alternativroute nicht zugelassen.
Ticket ziehen und nach gefahrenen Kilometern in der Ausfahrt die angefallene Maut in den Automaten stecken oder dem Kassierer in die Hand drücken. So kennt man das von Italiens Autobahnen seit Urzeiten. Ein System, das zu den teuersten Europas zählt.
Über eine App kann man seine entrichtete Maut teilweise zurückverlangen, wenn man auf der italienischen Autobahn z. B. wegen einer Baustelle länger als 10 Minuten im Stau stand (gilt nicht bei Unfällen). Bei Wartezeiten von mehr als 3 Stunden erhält man die komplette Maut zurück. Ob das allerdings auch für ausländische Fahrzeuge gelten soll, wird derzeit noch geprüft...
Das italienische Mautsystem steht vor einem Komplettumbau. Die Kosten sollen künftig reduziert und trotz unterschiedlicher Betreiber vereinheitlicht und transparenter werden. Geplant ist ein dynamisches System: So sollen die Mautgebühren künftig von der Tageszeit, dem Verkehrsaufkommen und der Umweltklasse des Fahrzeugs abhängen. Wer nicht in den Stoßzeiten unterwegs ist, wird dann mit günstigerer Maut belohnt und Staus könnten damit vermindert werden. Klingt gut, aber nicht unbedingt transparenter. Man wird sehen.
Keine Mauthäuschen und im Auto rumfliegende Zettel - in der Schweiz bleibt alles wie gehabt: Einmal im Jahr 44,50 Euro hinblättern und dann 14 Monate (Gültigkeitszeitraum 1.12. - 31.1.) lang alle Autobahnen des Landes nutzen dürfen. Problem: Diese Gebühr ist immer fällig. Auch wenn man die Schweiz nur auf dem Weg nach Italien passieren möchte. Die Plakette ist auch digital erhältlich.
Tschechien ist das Land der Top-Trailcenter. Ein Biketrip dorthin ist also jeden Cent wert. Zwar wurden auch hier die Mautgebühren erhöht, die auch für Schnellstraßen der Kategorie “R” gelten, aber das Geld kann man an Europas günstigsten Tankstellen (z. B. Diesel ca. 1,38 - 1,46 Euro / Liter) wieder reinholen.
Wichtig: Die Vignetten gibt es in Tschechien nur noch digital. Sie können vor Ort in Tankstellen erworben oder online bestellt werden. Ohne Vignette unterwegs zu sein ist in Tschechien übrigens keine gute Idee: Kameras erfassen auch die Kennzeichen von privaten PKW und benachrichtigen automatisch die Autobahn-Polizei. Geldbußen sind hier zwischen 201 und 821 Euro möglich.
Auch online bestellte Vignetten sind künftig sofort gültig. Und: Die Jahresvignetten sind nicht mehr an das Kalenderjahr gebunden, sondern gelten ab Kaufdatum für ein Jahr.
Aber schleppt euch besser nicht mit den letzten Tropfen im Tank über die Grenze, denn die ersten Tankstellen im Land sind oft überlastet.
E-Autos und Hybrid-Fahrzeuge erhalten in Tschechien einen “Öko-Mautpreis”: Hybrid-Fahrzeug-Besitzer zahlen 25 Prozent und E-Autos sind nach diesem Antrag (!) sogar ganz von der Vignettenpflicht befreit.
In Frankreich werden die Autobahn-Strecken von verschiedenen Betreibern zu unterschiedlichen Maut-Tarifen abgerechnet. 100 Kilometer können auf der einen Strecke 6 Euro, auf einer anderen 21 Euro kosten. Das Ganze im wilden Wechsel.
Im Schnitt aber muss man etwa mit 10 Cent pro gefahrenem Kilometer rechnen. Das ist sportlich und entsprechend wenig Verkehr ist auf den französischen Autobahnen unterwegs. Das hat auch etwas für sich.
Was sich aber immer mehr durchsetzt, ist das Free-Flow-Prinzip. Die jeweiligen Streckenabschnitte sind mit dem Zusatzschild “Péage Flux Libre” gekennzeichnet. Die Mautgebühr wird hier durch digitale Kennzeichenerfassung berechnet. So fallen Staus an den Mauthäuschen aus. Ganz unumstritten ist die Methode allerdings nicht.
Einheimische nutzen lieber das sehr gut ausgebaute und gratis befahrbare Schnellstraßen-Netz im ganzen Land. Kostenlos sind in Frankreich übrigens auch die Autobahnen in der Bretagne und rund um die Großstädte.

Redakteurin