Es ist nicht überliefert, wer diese Tour im Val di Susa als Erster gemacht hat – was erstaunlich ist, denn der 3131 Meter hohe Mont Chaberton gilt als der höchste, mit dem Bike befahrbare Punkt der Alpen. Und dann auch noch ein Gipfel! Aber wahrscheinlich ging man damals davon aus, dass weitere Gipfelentdeckungen folgen würden. Doch es blieb dabei: Höher als auf den Mont Chaberton kommt man mit dem Mountainbike in den Alpen nicht.
Aber wenn man ehrlich ist: Von kompletter Fahrbarkeit des Mont Chaberton konnte man selbst im E-MTB-Zeitalter nicht sprechen. Seine klassische Auffahrt von Fenils zieht sich auf 13 Kilometer Länge knapp 1900 Höhenmeter in den Himmel. Steil, verblockt, bröselig und teils ausgesetzt. Es warten geröllige Steilkehren, in welchen das Vorderrad bei zu viel Schub einfach weg- und das Hinterrad durchrutschte. Schlüsselstelle bildete der „gespaltene Fels“. Hier zwängt sich der bis auf ein schmales Band weggebrochene Militärweg durch eine Felsformation. Ein Sicherungsseil in der Wand half bei der Querung.
Ein Leser schrieb uns vor ein paar Jahren, dass er den gespaltenen Fels noch hinter sich gebracht hätte, aber kräftemäßig und nervlich von diesem Anstieg so fertig war, dass er am Col du Chaberton - also nur noch 450 Höhenmeter unterm Gipfel - aufgegeben hat. Trotz der unvergleichlichen Belohnung, die schon in greifbarer Nähe war. So wird es wohl einigen ergangen sein, denn tatsächlich geben sich die letzten Kehren zum Gipfel hinauf nochmal besonders sulzig und zermürbend. Vor allem, wenn man nicht genug Wasser (unterwegs keine Auffüllmöglichkeit!), Proviant und warme Klamotten gegen den scharfen, eisigen Wind dabei hat.
Doch dann gingen 2017 und 2019 Muren in diesem Steilhang ab, die große Abschnitte des Weges verschütteten. Seither ist die Auffahrt von Fenils aus, ab Pra Cloud, leider nicht mehr möglich. die Sanierungsarbeiten wären extrem teuer und in diesem Gelände wohl auch nicht von langer Dauer.
Aber es gibt natürlich Gründe, warum sich Biker von Claviere aus trotzdem noch hier hochkämpfen: Zum einen ist das Gipfel-Panorama unschlagbar, aber im Fokus steht die „Krone des Cottischen Königs“. 1898 haben Italiener den Gipfel des Berges abgesprengt, um hier acht riesige Geschütztürme, und damit die höchste Militärfestung Europas, zu installieren. Eine Anlage, die nach 15 Jahren Bauzeit erst im Zweiten Weltkrieg gegen Frankreich zum Einsatz kam und auf der man heute herumklettern kann.
In Claviere gibt es auch eine gemütliche Pizzeria. Wer nach der Einkehr noch Spaß an ein paar Trail-Einlagen hat, biegt kurz vor Fenils einfach noch mal von der Talstraße in den Wald ab.
Tour insgesamt: 32,3 Kilometer / 1945 Höhenmeter / Trail-Anteil: 4,9 Kilometer
Wir haben eine Anfrage beim Tourismusverband laufen, ob und wann die Auffahrt von Fenils wieder instandgesetzt werden soll. Wir werden berichten.

Redakteurin
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