Legendäre MTB-Touren, Teil 5Der Mont Chaberton

Gitta Beimfohr

 · 02.08.2026

Und immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt die nächste Rampe daher.
Foto: Supertrails
Das Val die Susa in den Cottischen Alpen ist immer noch DER Abenteuer-Spielplatz für Mountainbiker. Vor allem, weil hier der höchste, mit dem Bike befahrbare Gipfel der Alpen zuhause ist: der 3131 Meter hohe Mont Chaberton.

Der Mont Chaberton ist nichts für zarte Gemüter: Seine Auffahrt zieht sich auf 13 Kilometer Länge knapp 1900 Höhenmeter in den Himmel. Steil, verblockt, bröselig und ausgesetzt. Trotzdem gilt sein Gipfel seit den 90er-Jahren als “fahrbar”, Leider ist nicht dokumentiert, wer den Mont Chaberton als Erster mit dem Mountainbike bezwungen hat. Sonst könnte man diesen Menschen nach seinem Trainingsplan fragen. Vor allem auch, wie genau er es geschafft hat, dass das Vorderrad in den gerölligen Supersteilkehren nicht ständig wegrutscht. Schon deshalb muss man häufig absetzen - was aber eine willkommene Gelegenheit ist, um mal kurz den Puls wieder runter zu atmen.

Auch mit dem E-MTB Herausforderung pur

Selbst mit Motorhilfe muss man den oft losen und unberechenbaren Untergrund immer noch rechtzeitig lesen und ausbalancieren können, Felsblöcke umschiffen. Und dann gibt es noch den “gespaltenen Fels”. Ein sehr ausgesetztes Stück im Steilhang, wo die einstige Militärstraße bis auf wenige Handbreiten abgerutscht ist. Wer sein Leben liebt, steigt hier ab und nimmt das Sicherungsseilangebot in der Felswand dankend an. Mehr Wegerhaltung ist von der zuständigen Region wohl nicht geplant. Zu häufig kommt es in den Westalpen zu Steinschlägen und Hangrutschungen.

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Aufwändige Reparaturarbeiten wären hier oben teuer und nicht von langer Dauer. Daher: Wer den Mont Chaberton trotz all dieser erschwerten Bedingungen noch in Angriff nehmen möchte, sollte schnell handeln, wenn er die klassische Auffahrt von Fenils aus noch erleben möchte.

Ein Leser schrieb uns vor ein paar Jahren, dass er den gespaltenen Fels noch hinter sich gebracht hätte, aber kräftemäßig und nervlich von diesem Anstieg so fertig war, dass er am Col du Chaberton - also nur noch 450 Höhenmeter unterm Gipfel - aufgegeben hat. Trotz der unvergleichlichen Belohnung, die schon in greifbarer Nähe war. So wird es wohl einigen ergangen sein, denn tatsächlich geben sich die letzten Kehren zum Gipfel hinauf nochmal besonders sulzig und zermürbend. Vor allem, wenn man nicht genug Wasser (unterwegs keine Auffüllmöglichkeit!), Proviant und warme Klamotten gegen den scharfen, eisigen Wind dabei hat. All das muss aber mit, denn wenn man auf 3131 Metern Höhe das betonierte Felsplateau erreicht, wird man mit Belohnung regelrecht überschüttet:

Die Highlights der Mont Chaberton-Runde

  • Das Panorama: Einmal um sich selbst drehen und genießen: Mont Blanc im Norden, Barre des Écrins und La Meije im Westen, der Gran Paradiso im Nordosten, der Monviso im Südosten und an besonders klaren Tagen kann man auch noch den Monte Rosa aufblitzen sehen.
  • Geschichte: Der eigentliche Gipfel des Berges wurde 1998 von den Italienern abgesprengt, um die acht Geschütztürme und damit die höchste Militärfestung Europas zu installieren. 400 Soldaten haben daran 15 Jahre lang geschuftet, um die gegenüberliegenden Forts auf französischer Seite zu vernichten. Doch als die Anlage 1913 einsatzbereit war, hatte man längst ein Friedensabkommen unterzeichnet. Erst im Zweiten Weltkrieg kamen die Türme unter Mussolini zum Einsatz. Bis sie nach wenigen Tagen im Juni 1940 von den französischen Forts zerstört wurden und der Berg 1947 an Frankreich ging.
  • Die Abfahrt: Bis zum Col de Chaberton rutscht man die gleichen Trailkehren hinunter, dann zweigt links der Trail Richtung Claviere ab: die ersten 130 Tiefenmeter sind so steil und verblockt, dass selbst ein Trial-Ass wie Hans Rey hier überlegt durchs die Felsen hüpfen müsste. Dahinter läuft es aber immer besser. Mit Fahrtechnik-Skills für den Schwierigkeitsgrad S2-S3 kann man es hier gut bis nach Claviere laufen lassen.

In Claviere gibt es auch eine gemütliche Pizzeria. Wer nach der Einkehr noch Spaß an ein paar Trail-Einlagen hat, biegt kurz vor Fenils einfach noch mal von der Talstraße in den Wald ab.

Tour insgesamt: 32,3 Kilometer / 1945 Höhenmeter / Trail-Anteil: 4,9 Kilometer

Die GPS-Daten zur Tour

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Legendäre MTB-Touren als BIKE-Serie:

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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