Der Mont Chaberton ist nichts für zarte Gemüter: Seine Auffahrt zieht sich auf 13 Kilometer Länge knapp 1900 Höhenmeter in den Himmel. Steil, verblockt, bröselig und ausgesetzt. Trotzdem gilt sein Gipfel seit den 90er-Jahren als “fahrbar”, Leider ist nicht dokumentiert, wer den Mont Chaberton als Erster mit dem Mountainbike bezwungen hat. Sonst könnte man diesen Menschen nach seinem Trainingsplan fragen. Vor allem auch, wie genau er es geschafft hat, dass das Vorderrad in den gerölligen Supersteilkehren nicht ständig wegrutscht. Schon deshalb muss man häufig absetzen - was aber eine willkommene Gelegenheit ist, um mal kurz den Puls wieder runter zu atmen.
Selbst mit Motorhilfe muss man den oft losen und unberechenbaren Untergrund immer noch rechtzeitig lesen und ausbalancieren können, Felsblöcke umschiffen. Und dann gibt es noch den “gespaltenen Fels”. Ein sehr ausgesetztes Stück im Steilhang, wo die einstige Militärstraße bis auf wenige Handbreiten abgerutscht ist. Wer sein Leben liebt, steigt hier ab und nimmt das Sicherungsseilangebot in der Felswand dankend an. Mehr Wegerhaltung ist von der zuständigen Region wohl nicht geplant. Zu häufig kommt es in den Westalpen zu Steinschlägen und Hangrutschungen.
Aufwändige Reparaturarbeiten wären hier oben teuer und nicht von langer Dauer. Daher: Wer den Mont Chaberton trotz all dieser erschwerten Bedingungen noch in Angriff nehmen möchte, sollte schnell handeln, wenn er die klassische Auffahrt von Fenils aus noch erleben möchte.
Ein Leser schrieb uns vor ein paar Jahren, dass er den gespaltenen Fels noch hinter sich gebracht hätte, aber kräftemäßig und nervlich von diesem Anstieg so fertig war, dass er am Col du Chaberton - also nur noch 450 Höhenmeter unterm Gipfel - aufgegeben hat. Trotz der unvergleichlichen Belohnung, die schon in greifbarer Nähe war. So wird es wohl einigen ergangen sein, denn tatsächlich geben sich die letzten Kehren zum Gipfel hinauf nochmal besonders sulzig und zermürbend. Vor allem, wenn man nicht genug Wasser (unterwegs keine Auffüllmöglichkeit!), Proviant und warme Klamotten gegen den scharfen, eisigen Wind dabei hat. All das muss aber mit, denn wenn man auf 3131 Metern Höhe das betonierte Felsplateau erreicht, wird man mit Belohnung regelrecht überschüttet:
In Claviere gibt es auch eine gemütliche Pizzeria. Wer nach der Einkehr noch Spaß an ein paar Trail-Einlagen hat, biegt kurz vor Fenils einfach noch mal von der Talstraße in den Wald ab.
Tour insgesamt: 32,3 Kilometer / 1945 Höhenmeter / Trail-Anteil: 4,9 Kilometer
BIKE-Abonnenten und Premium-Abonnenten von BIKE Online finden die GPX-Daten der Tour nach einmaliger Anmeldung auf bike-magazin.de unter “Mein Bereich”.
Legendäre MTB-Touren als BIKE-Serie:

Redakteurin
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.