Legendäre MTB-Touren, Teil 2Die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio

Gitta Beimfohr

 · 12.07.2026

Legendäre MTB-Touren, Teil 2: Die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio
Was war das für ein Hype, damals in den 90ern, als Elmar Moser seinen Guide Nr. 3, den ersten Gardasee-Band herausgebracht hatte. Darin: Diese Tour Nr. 33, die so gar nicht zum Gardasee-Revier passen wollte und mit deren Namen niemand etwas anfangen konnte: “Pasubio”...

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“Was soll denn der Pasubio in dem Guide? Der liegt doch gar nicht am Gardasee.”, wollte der damalige BIKE-Magazin-Chefredakteur Uli Stanciu wissen, als Elmar Moser 1990 seinen ersten Band herausgebracht hatte. “Frag nicht, fahr diese Tour, dann weißt du Bescheid”, war die Antwort. “Aber nimm ein Licht mit!”

Als Stanciu 1993 am Gardasee weilte, um das erste BIKE Festival am Gardasee zu organisieren, nahm er die Tour zusammen mit seinem Freund Paolo Zontini in Angriff. Letzterer mit einer Taschenlampe bewaffnet - Stanciu immerhin mit an den Lenker gebastelter Fahrrad-Funzel. Sie kurvten mit dem Auto auf den Passo Pian delle Fugazze, wo die Tour auf 1162 Meter Höhe startete. “Schon beim Einstieg hat uns die Strada degli Erol (übersetzt: Straße der Helden) beeindruckt. Eine breite Schotterweg-Auffahrt zwar, aber inmitten senkrechter Felsen. Kehre um Kehre kurbelt man hier an alten Kriegsrelikten aus dem Ersten Weltkrieg vorbei. Allein, dass in diese Felswände überhaupt ein Weg für den Nachschub gesprengt wurde, ist aus heutiger Sicht unfassbar.”

Es lauern 200 Meter freier Fall - im Nebel

Auf 1925 Metern Höhe erreicht man das Rifugio Generale Achille Papa. Ehemals eine Militärstellung, heute eine willkommene Einkehrstation, bevor es nochmal 100 Höhenmeter zum Einstieg in die berühmte Strada delle 52 Gallerie hinauf geht. Stanciu erinnert sich an damals:

“Dicker Nebel zog damals um die Felsen und es war ziemlich kühl. Da war schon klar, dass das mit der angepriesenen Sicht bis zu den Türmen von Venedig wohl nichts werden würde. Doch es kam noch schlimmer: Der Weg ist meist 1,5 Meter breit, aber gerade im oberen Bereich extrem ausgesetzt. Paolo hat schon wegen des Nebels gleich geschoben, denn direkt neben dem Weg lauern da oben 200 bis 300 Meter freier Fall in die Tiefe. Auch weiter unten und in den Tunnels ist der Weg sehr ruppig. ähnlich wie im Val d’ Uina. Man hatte ihn ja 1917 mit einer Art Presslufthammer und unter Zeitdruck in den Fels getrieben. Dazu immer wieder die dunklen Tunnels, die bald immer länger werden und unsere Funzeln haben damals nicht wirklich viel ausgeleuchtet. Völlig überrascht hat uns der Tunnel Nummer 20: Im Korkenzieher-Modus windet er sich in vier Windungen senkrecht den Fels hinunter. Ich erinnere mich noch, dass durch die Tunnelfenster die Nebelschwaden hereinzogen. Später, in einem anderen Tunnel, hörten wir es bald wuchtig donnern. Als wir das Tunnelende erreichten, schüttete es draußen wie aus Kübeln!

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Gut, wir sind ja überdacht und damit geschützt - dachten wir. Doch kurz darauf hörten wir eine Art Bachrauschen: Die Regenmassen kamen hinter uns den Tunnel heruntergestürzt. In kürzester Zeit standen wir mit den Füßen knöcheltief im Wasser. Und das Wasser stieg weiter! Also lehnten wir unsere Bikes an die Tunnelwand, stellten uns auf Oberrohr und Sattel und warteten so das Gewitter ab. Der Spuk war nach etwa 15 Minuten vorbei. Aber das Ganze war schon nachhaltig beeindruckend.”

Zwei Mountainbiker stürzten in den Tod

Dass der Weg für Mountainbiker zu gefährlich ist, erkannten auch die italienischen Behörden bald. Nachdem in kurzer Zeit zwei Biker auf der Strada delle 52 Gallerie in den Tod gestürzt waren, wurde der Weg so um 1994 endgültig für Radfahrer gesperrt. Wer von den häufig kontrollierenden Carabinieri erwischt wurde, hatte damals satte 400 D-Mark Bußgeld zu bezahlen. Vereinzelt nahmen das noch einige in Kauf, der letzte gemeldete tödliche Absturz stammt aus dem Jahr 2006.

“Man muss einfach wissen, dass am Pasubio häufig schlechte Sicht ist, weil dort warme, feuchte Mittelmeer-Luft anbrandet, abkühlt und sich dichter Nebel bildet. Dazu die vielen Wanderer. Man kann sich da oben einfach keine Fehler erlauben.”, sagt Stanciu und rät: “Ja, die Strada delle 52 Gallerie sollte man mal erlebt haben, aber nur zu Fuß. Schon um die Geschichte dieses Weges besser zu begreifen.”

Immerhin sind während des Gebirgskriegs allein am Pasubio mehr als 13.000 Soldaten gefallen. Italiener und Österreicher hatten sich hier oben auf zwei Gipfeln verschanzt. Beide hatten die Idee, den jeweils anderen mit Tunneln zu untergraben und in die Luft zu sprengen. Ein Rennen gegen die Zeit, das die österreichischen Kaiserjäger am Ende um wenige Stunden gewannen. Sie zündeten am 13. März 1918 auf einen Schlag 50 Tonnen Dynamit. Der halbe Berggipfel der Italiener flog in die Luft und mit ihm Hunderte Soldaten. Doch die über sechs Kilometer lange Strada delle 52 Gallerie, die sich die Italiener in nur sechs Monaten als Nachschubweg in den Berg geschlagen hatten, überstand das Inferno.

Im Moser-Guide Band 3 zitiert der Autor den Augenzeugenbericht eines damals beteiligten Leutnants: “Es beginnt die Erde zu beben, sie atmet schwer wie ein Sterbender - ein furchtbares unterirdisches Grollen, Poltern und Grollen - ein Krach - ein zornwallendes Zittern und Bersten gröhlt durch die Luft - die Steine kommen: Im Nu ist jeder in Deckung, prasselnd fällt der Steinhagel nieder. Dann Totenstille und Aussicht auf ein seltsames Schauspiel: Die italienische Platte ist ein - Feuermeer! Grün, rot, blau züngelten die Flammen, explodierten die Gase aus dem schwarzen Trümmerhaufen - grelle Weheschreie!”

Unser Tipp als Pasubio-Alternative

Fahrt die große Pasubio-Runde von BIKE-Tourenautor Matthias Rotter. So erlebt ihr den kompletten Berg mit all seinen alten Stellungen, Soldatenfriedhöfen und spektakulären Militärtrails. Eine dreitägige Hüttentour, auf der ihr auch am Eingang des Tunnelwegs vorbei kommt. Lasst dort oben das Bike stehen und macht den Abstecher zu Fuß!

Frage: Hat einer von euch die Strada delle 52 Gallerie noch selbst mit dem Bike erlebt?

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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