So wollen DIMB, DAV & Co. eine Verbotswelle abwenden So wollen DIMB, DAV & Co. eine Verbotswelle abwenden So wollen DIMB, DAV & Co. eine Verbotswelle abwenden

Kritik an neuer Verwaltungsvorschrift in Bayern

So wollen DIMB, DAV & Co. eine Verbotswelle abwenden

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor einem Jahr

Die neue Verwaltungsvorschrift löste einen Aufschrei unter Bayerns Mountainbikern aus. Nun äußern DIMB und andere Verbände ihre Kritik beim Ministerium, der DAV geht eigene Wege.

Bisher hatten Mountainbiker in Bayern freie Fahrt. Doch mit der Veröffentlichung der neuen Verwaltungsvorschrift im Dezember 2020 ging ein Aufschrei durch die MTB-Community. Trail-Sperrungen und Verbote drohen, vor allem im Alpenraum. Daraufhin äußerten DIMB, Radsportverbände und der DAV ihren Unmut – und kündigten ein gemeinsames Vorgehen gegenüber dem Ministerium an. Am 28. Januar war es dann soweit. Die DIMB und die Radsportverbände BDR, BRV, ADFC wandten sich mit einem gemeinsamen Brief an die vier beteiligten bayerischen Ministerien. Auch die Tourismusverbände Oberbayern München, Ostbayern, Franken und Allgäu/Bayerisch-Schwaben haben den Appell an die Politik unterzeichnet. Einzig der DAV hat nicht unterschrieben. Und das, obwohl die Interessensvertretung der Bergsportler bis zuletzt an der Ausarbeitung des Briefs beteiligt war. Aber warum der Rückzieher? Wir haben bei Hanspeter Mair, dem Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung beim DAV nachgefragt:

„Der DAV hat sich über die letzten Jahrzehnte für das Umweltministerium als Ansprechpartner für Outdoor-Sportarten etabliert. Wir waren mit den anderen Verbänden bis kurz vor Versendung des Briefes an das Ministerium im Austausch, haben uns aber letztendlich für einen anderen Weg entschieden. Wir möchten unsere Kontakte im Ministerium nutzen und diese um ein Gespräch bitten, in dem wir die Sorgen, Befürchtungen und Wünsche unserer Mountainbike-fahrenden Mitglieder kundtun können. Zusätzlich möchten wir den Sektionen und Landratsämtern vor Ort unsere Hilfe in der Thematik anbieten, um auf allen Ebenen aktiv zu sein.“

Laut Insidern sollen juristische Feinheiten bei der Formulierung zur Wegeeignung den Ausschlag gegeben haben, warum der DAV den Brief letztlich nicht unterzeichnet hat. Auf Wunsch einiger Beteiligter ist der Brief zudem nicht öffentlich. Für Außenstehende wirkt es nun so, als wären sich die MTB-Vertreter nicht einmal untereinander einig, was man gegen die neue Verwaltungsvorschrift unternimmt. Und zudem stellt sich die Frage: Geht der DAV seinen eigenen Weg, um seine guten Beziehungen ins Umweltministerium nicht aufs Spiel zu setzen? Doch gleichzeitig war es genau dieses Ministerium, das die Änderungsvorschläge des DAV zum Vorschriftsentwurf nicht berücksichtigt hatte.

„An der Zeit, ein klares Statement für Biker zu setzen“ – Kommentar Stefan Loibl

Moritz Ablinger Stefan Loibl, BIKE Online-Chef und seit zwei Jahrzehnten DAV-Mitglied

Ob in der Mitgliederzeitschrift Panorama, mit Kampagnen oder dem Touren- und Ausbildungsprogramm: Nach außen hin genießt das Mountainbiken im Deutschen Alpenverein denselben Stellenwert wie Skitourengehen, Klettern oder Bergsteigen. Und das ist auch angebracht, denn die Hälfte der etwa 1,4 Millionen Mitglieder sind Biker. Doch wenn es darum geht, für die Grundbedürfnisse – das Fahren auf Singletrails – und Gleichberechtigung von Bikern zu kämpfen, zögert der größte Bergsportverein der Welt. Statt sich mit den anderen Radsportvereinen zu solidarisieren und klar Stellung zu beziehen, schlägt man plötzlich einen eigenen Weg ein. Das wirft Fragen auf, auch vereinsintern bei den ehrenamtlichen Fachübungsleitern, großen Mountainbike-Gruppen und bikenden Mitgliedern. Klar, anders als Radsportverbände oder die DIMB muss der DAV deutlich breiter gefächerte und teils konträre Interessen vertreten. Vom Wandern bis hin zum Naturschutz: beides Themenfelder, die viel länger in den Vereinsstrukturen verankert sind als das Mountainbiken. Auch in der DAV-Führung sind Biker unterrepräsentiert. Deshalb wäre es ein deutliches Zeichen gewesen, wenn der DAV die anderen Verbände unterstützt hätte, anstatt sein eigenes Süppchen zu kochen.
Denn wo das hinführen kann, zeigt das DAV-Leuchtturmprojekt „Bergsport Mountainbike – nachhaltig in die Zukunft“. Trotz einer satten Förderung von 250.000 Euro durch die bayerische Regierung gibt es hier auch nach zweieinhalb Jahren keine konkreten Ergebnisse, geschweige denn positive Praxislösungen für Mountainbiker. An den beiden engagierten Projektmanagern Benjamin Trotter und Nicolas Gareis liegt das sicher nicht. Auch im dritten Jahr kämpfen die beiden im Tölzer Land und im Allgäu gegen längst widerlegte Vorurteile und Widerstände. Meilenweit entfernt scheinen 'modellhafte Mountainbike-Konzepte', wie sie sich das Ministerium erhoffte, und die sich dann auf andere Alpenregionen in Bayern übertragen lassen.

Wie geht's weiter?

Konkrete Trailsperrungen für Mountainbiker aufgrund der neuen Verwaltungsvorschrift gibt es aktuell noch nicht, wie uns DAV und DIMB bestätigt haben. Doch das könnte sich ändern, sobald im Frühjahr die Bergsport- und MTB-Saison richtig anläuft. In ihrem gemeinsamen Appell an die Politik fordern DIMB, Radsport- und Tourismusverbände einen runden Tisch, um ihre Argumente vorbringen zu können. Fraglich bleibt, ob die Ministerien auf die Forderung eingehen und wenn ja, wie lange es dauert bis dieser Austausch zustande kommt. Der DAV hingegen will mit einem Brief an den bayerischen Minister für Umwelt und Verbraucherschutz seine Bedenken äußern. Bei der Umsetzung will der Deutsche Alpenverein die Erkenntnisse einbringen, die er im Projekt „Bergsport Mountainbike – nachhaltig in die Zukunft“ gewonnen hat. Zudem wolle man als DAV den Landratsämtern in Bayern, die die neue Vorschrift ausführen müssen, seine Unterstützung anbieten. „Auch die MTB-Fachübungsleiter in den Sektionen wollen wir einbinden, wenn es um die Fragestellung der Wegeeignung geht“, sagte uns Benjamin Trotter.

Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass der Widerstand – ob gemeinsam oder einzeln – gegen die widersprüchliche Verwaltungsvorschrift ausreicht, um beim Ministerium eine Anpassung anzustoßen. Da kann es nur von Vorteil sein, dass nun auch die Reitergemeinde auf die Barrikaden geht und sich mit der Kritik der DIMB solidarisiert.

Wir bleiben an dem Thema dran, mehr dazu in der nächsten BIKE 4/21 – ab 2. März im Handel.

Markus Greber Laut neuer Verwaltungsvorschrift sind „Wege, die so schmal sind, dass bei einer Begegnung eine Partei vom Weg ins Grün treten muss, um den anderen passieren zu lassen“ ungeeignet für Radfahrer.

Gehört zur Artikelstrecke:

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Themen: AlpenBayerischer WaldBayernDAVDIMBGesetzNaturschutzRadfahrerTrailsperrungenVerbot


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