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Red Bull District Ride 2017 Red Bull District Ride 2017

Red Bull District Ride 2017: Rogatkin brilliert

Erstmalig: 1440 in einem Slopestyle-Contest

Adrian Kaether am 04.09.2017

Im Slopestyle drängen die Jungen mächtig nach vorne. Johansson und Godziek pushten beim Red Bull District Ride 2017 so hart, dass Rogatkin gezwungen war, ein Wunder zu vollbringen.

Was sind das für Zeiten? Noch vor einigen Jahren wären Tricks wie ein Frontflip oder ein Corked 720 die Highlights eines FMB Diamond Series Events wie des Red Bull District Rides gewesen. Brandon Semenuk und Brett Rheeder begannen in dieser Zeit im ewigen Duell den Sport zu pushen. Aber seitdem hat sich viel getan. Brandon Semenuk selbst hat sich aus der FMB World Tour zurückgezogen, Brett Rheeder ist noch im Rennen und muss sich nun vor jedem Rennen echte Sorgen machen. Auf den kleinsten Features werden jetzt solche Tricks gezogen, selbst Kombinationen dieser Tricks allein gewinnen kein Event, vor allem die jungen Fahrer drängen mit Macht nach vorne – allen voran natürlich Nicholi Rogatkin.


Der US-Amerikaner hat den Sport im letzten Jahr vorangebracht wie kein anderer. Statt extremer Finesse wie Rheeder setzte Rogatkin auf spektakuläre neue Tricks. Der „1080 Twister“ Anfang des Jahres in Neuseeland war der erste seiner Art und ein echtes Highlight, der „Cashroll-Tailwhip“ vor wenigen Wochen in Innsbruck ebenso. Dann verletzte sich Rheeder im Training in Nürnberg dieses Jahr am Knie, Rogatkin war der klare Favorit für das Finale. Doch so einfach wurde es am Ende dann doch nicht und Rogatkin musste wieder volles Risiko gehen und tief in die Trickkiste greifen, um doch noch eine Chance zu haben.


Ein Deutscher in Führung


Schon der zweite Fahrer des Tages – Mehdi Gani – pushte sich mit starken Kombos auf allen Features bis in die 80er Punkte. Dann die erste große Überraschung des Tages: Erik Fedko, ein junger Deutscher, eine Nachwuchshoffnung einiger Insider, doch sonst bis jetzt eher unbekannt. Doch dann startete Fedko. Mit einigen Rotationen und Barspins wärmte Erik sich auf, gab dann die ersten Backflip-Kombos zum Besten und fuhr mit Rockstar-Atitüde direkt in die Herzen der Fans in Nürnberg, die ihn so nur noch mehr anfeuerten.

Red Bull District Ride 2017

Mehdi Gani fuhr gleich zu Beginn des Wettbewerbs über 80 Punkte ein.


Neue Backflip-Kombos und ein „Opposite 360“ auf dem Step up, gefolgt von einem regulären „360“ auf dem nächsten Stepdown waren die Folge. Ein „Backflip Triple Barspin“ auf dem großen Sprung im Big Air District auf dem Altmarkt setzten dem Ganzen die Krone auf. Von Null auf 83,34 und auf den ersten Platz. Das muss Erik Fedko erstmal jemand nachmachen.

Red Bull District Ride 2017

Erik Fedko ließ sich von den Fans mächtig feiern. Sie taten ihm den Gefallen.


Und so ging es weiter in der Nürnberger Altstadt. Nicholi Rogatkin ging mit einem fehlerlosen, aber für seine Verhältnisse sicheren Run in Führung, Szymon Godziek lag mit unorthodoxem Ansatz und einer extremen Ausführung eines „Backflip Superman-Seatgrab“ im Big Air District nur knapp dahinter und Emil Johannsson mit wahnsinniger Präzision und technischen Kombinationen knapp davor.

Red Bull District Ride 2017

Emil Johannsson mit Präzision und technischen Kombinationen: der junge Schwede wird in der FMB World Tour bis ganz an die Spitze fahren. Doch noch fehlt ihm der erste Sieg in der Diamond Series.


Druck auf Rogatkin


Der junge Schwede lag damit in Führung und Rogatkin würde im zweiten Run noch einmal tief in die Trickkiste greifen müssen, um Johanssons 90,25 Punkte noch einmal überbieten zu können. Doch erst waren andere an der Reihe. Erik Fedko legte noch einmal eine ordentliche Schippe drauf und konnte nun, mit einem guten Lauf in der Tasche, deutlich höhere Risiken eingehen. Trotzdem verlor er nicht die Nerven und während die Zuschauer völlig ausrasteten und die halbe Altstadt bebte, fuhr Erik Fedko zu sensationellen 86,6 Punkten. Der Italiener Diego Caverzasi war dennoch ein kleines bisschen besser, Szymon Godziek aus Polen beendete seinen Run mit einem „Backflip Superman-One-Handed-Seatgrab“. Das erste Mal, dass dieser Trick je in einem Finale gelang und dafür wurde er mit einem Score nur haarscharf unter der 90er-Marke belohnt.

Red Bull District Ride 2017

Ein Superman-One-Handed-Seatgrab brachte Szymon Godziek nah an die 90 Punkte. 


An Nicholi Rogatkin blieb es nun hängen, den Sieg von Emil Johansson noch zu verhindern. Doch der US-Amerikaner hatte damit schon gerechnet und sich im ersten Lauf dementsprechend mit den sehr risikoreichen Tricks zurückgehalten. Sein zweiter Lauf war weitestgehend gleich, doch sauberer und Rogatkin ersetzte den Backflip auf einem sehr kleinen Feature durch einen Frontflip. Bei geringer Airtime eine echte Herausforderung.

Red Bull District Ride 2017

Nicholi Rogatkin trägt einenen weiteren Sieg davon und hat die Grenzen des Möglichen ein weiteres Mal kräftig verschoben.


Und dann der letzte Sprung: Schon als Rogatkin im Startgate vor dem Rathaus stand war klar, Rogatkin geht auf „Alles oder Nichts“. Er holte sich einen Riesenapplaus bei den Zuschauern ab, dann schwang er sich aufs Bike, raste die Startrampe hinunter, schwang sich auf dem letzten Feature in die Luft und rotierte eins, zwei, drei, viermal um die eigene Achse. Ein vierfacher 360, 1440 Grad Rotation in einem einzigen Sprung, makellose Landung. Zwar gelang es Emil Johansson im Folgenden noch, seinen Run etwas zu verbessern, doch an die Kombination aus technischer Raffinesse und spektakulären Tricks von Nicholi Rogatkin reichte der Schwede nicht heran. 

Red Bull District Ride 2017

Nicholi Rogatkin rotierte mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit und traf doch die Landung perfekt.

Red Bull District Ride 2017

Schon der erste Run von Erik Fedko war eine Meisterleistung. Beim zweiten Mal legte er noch eine Schippe drauf. Ein neuer Stern am deutschen Slopestyle-Himmel.

Nicholi Rogatkin:
"Dieser Sieg bedeutet mir alles! Der Red Bull District Ride ist einfach einzigartig und das Gefühl jetzt hier zu stehen: einfach überwältigend. Die Momente und Erinnerungen, die uns diese Zuschauer heute geschenkt haben, sind unbeschreiblich. Danke Nürnberg, dass wir dieses Wochenende eure Stadt einnehmen durften!"

Emil Johansson:
"Es ist ein unbeschreiblicher Event, so viele Zuschauer! Ich habe von diesem Wochenende beim Red Bull District Ride geträumt und war sehr nervös aber ich habe direkt einen richtig guten ersten Run gezeigt. Jetzt bin ich FMB World Champion! Ich habe lange darauf hingearbeitet und es war immer mein Ziel. Es fühlt sich einfach unbeschreiblich an!"

Erik Fedko:
"Der heutige Tag war absolut einzigartig für mich. Ein geniales Erlebnis, diese Crowd beim letzten Sprung, tausende Leute, die dir zujubeln – das ist einfach ein geniales Gefühl. Ich bin total happy!"

Damit geht der Sieg beim Red Bull District Ride in Nürnberg 2017 an Nicholi Rogatkin, der damit nun schon zum dritten Mal in dieser Saison die Marke dessen, was auf einem Mountainbike möglich zu sein scheint, gewaltig nach oben verschoben hat. Auch der Zweitplatzierte hatte trotzdem mächtig Grund zum Jubeln: Emil Johansson fuhr in der Diamond-Series unterm Strich die meisten Punkte ein und wird knapp vor Rogatkin FMB World Champion 2017. Jeweils auf Rang drei: Szymon Godziek aus Polen. 

District Ride 2017 Podium

Das District-Ride-Treppchen (v. l. n. r.) mit Punktwertung: Emil Johansson (SWE / 91.,34), Nicholi Rogatkin (USA / 92,05) und Szymon Godziek (POL / 89,66). 

District Ride 2017 Podium

Consistency rules: Der junge Schwede Emil Johannson fuhr zwar bei keinem Diamond-Event auf Platz 1, aber immer in die Punkte und wird absolut verdient FMB Weltmeister 2017 – mit 18 Jahren der jüngste Champion der FMB-Geschichte!

Die komplette Wiederholung des Wettbewerbs gibt es auf Red Bull TV zu sehen. Die Runs von Johansson, Godziek und Rogatkin sollte man auf keinen Fall verpassen.

Adrian Kaether am 04.09.2017

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