MTB WM Leogang 2020 Tag 1: Rennbericht

Frankreich holt Staffel-Gold – Pidcock den E-MTB-Titel

  • Stefan Loibl
  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 2 Monaten

Bei matschigen Bedingungen holte die französische Staffel WM-Gold vor Italien und der Schweiz. Bei den E-MTB-Rennen holt Specialized mit Pidcock und Andreassen Gold und Bronze, Damen-Titel für Pugin.

Die französische Cross Country-Mixed Staffel sicherte sich zum Auftakt der UCI Mountainbike Weltmeisterschaft presented by Mercedes-Benz in Leogang den fünften Weltmeistertitel im Team-Bewerb, den ersten seit 2016. Für Aufsehen sorgte das junge österreichische Team, das zwischenzeitlich sogar auf Goldkurs lag und mit Rang sechs das beste WM-Ergebnis seiner Geschichte einfuhr. Das deutsche Sextett mit den Jungspunden Luisa Daubermann und Louis Kraus, dem U23-Duo Leonie Daubermann und Alex Bregenzer sowie Nadine Rieder und Julian Schelbe kam mit knapp sechs Minuten Rückstand auf Rang acht ins Ziel.

Loana Lecomte, die frischgebackene Worldcup-Siegerin aus Nove Mesto, brachte die französische Staffel in Führung.

Schurter, Marotte, Courtney: Viele große Namen nicht am Start

Erstmals in der Geschichte des Staffelrennens gingen bei der WM in Leogang sechs Athletinnen bzw. Athleten je Mannschaft an der Start. Den Sieg sicherte sich zum fünften Mal nach 2011, 2014, 2015 und 2016 das französische Team, dieses Mal in der Besetzung Mathis Azzaro, Luca Martin, Loana Lecomte, Lena Gerault, Olivia Onesti und Jordan Sarrou. Auf der Schlussrunde zeigte der französische Elitefahrer, warum er im Worldcup regelmäßig auf dem Podium vertreten ist und setzte sich mit 1:27 Minuten Vorsprung gegen den von den Italienern auf die Schlussposition gesetzten U23-Fahrer Juri Zanotti durch. „Wir sind super happy, die Woche so beginnen zu können. Die anderen haben perfekt vorgelegt, ich musste den Job nur noch abschließen. Wir lieben solche schwierigen Bedingungen und harte Strecken und freuen uns auf die nächsten Rennen", so Sarrou. Nachdem sich die Schweiz in den vergangenen drei Jahren die Team-Weltmeistertitel nicht aus der Hand nehmen ließ, mussten sich die erfolgsverwöhnten Eidgenossen heute mit Bronze begnügen.

Sina Frei (SUI) wehrt sich gegen die Attacken der Junioren-Fahrer aus Österreich und Spanien.

Ihren Elite-Fahrer Jordan Sarrou setzte Frankreich in der Schlussrunde ein. 

Sarrou fuhr 1:30 Minuten Vorsprung heraus und hatte genügend Zeit, den WM-Titel im Staffelrennen bei der Zieldurchfahrt zu feiern.

Abstand und Maske: Bei der WM in Leogang gilt ein striktes Hygienekonzept, das Fahrer, Team, Journalisten und Helfer in sogenannten „Bubbles“ aufteilt und streng trennt.

Für die Schweiz war Thomas Litscher als Elite-Fahrer für die Staffel nominiert.

Der deutsche Junioren-Fahrer Louis Krauss konnte als zweiter Starter nur auf Rang 9 übergeben.

E-MTB: Weltmeister Hatherly nicht am Start


Nathalie Schneitter (SUI) und Alan Hatherly (RSA) hatten sich im letzten Jahr in Monte-Sainte-Anne zu den ersten E-MTB-Weltmeistern überhaupt gekürt. Ob die beiden die Titel nun in Leogang würden verteidigen können? Zumindest für den Südafrikaner Hatherly sah es schlecht aus. Er konnte nach einem vielversprechenden Saisonauftakt bei den Cross-Country-Worldcups in Nove Mesto (Rang 5 und 6) bei der WM in Leogang aus bisher ungeklärten Gründen nicht einmal an den Start gehen. Doch Hatherlys Titelsponsor Specialized hatte noch zwei weitere starke Fahrer im Rennen: Den frischgebackenen XC-Worldcup-Sieger Simon Andreassen (DEN) und das 21-jährige Allround-Talent Tom Pidcock (GBR).

Insgesamt 41 Fahrer starteten beim E-MTB-Bewerb der Herren in Leogang.

Pidcock und Andreassen: Junge Specialized-Fahrer an der Spitze


Ob die beiden Jung-Stars es gegen Legenden wie Julien Absalon und den mehrachen Cyclocross-Weltmeister Sven Nys würden richten können? Zu Beginn des Rennens waren Andreassen und Pidcock eher in der Verfolgerrolle zu finden. Der Franzose Jerome Gilloux bestimmte das Tempo und konnte bis zur Runde drei von fünf einen Vorsprung von 30 Sekunden herausfahren.

Der Deutsche E-MTB-Meister Jochen Käß kam nicht ins Ziel, genauso wie Julien Absalon übrigens.

Machte das Rennen nicht nur für den zweitplatzierten Jerome Gilloux schwer: die tiefe, rutschige Strecke.


Doch dann passierte Pidcock den Schweizer Joris Ryf, der bis dahin auf Platz zwei gelegen hatte und nahm die Verfolgung auf. Die vierte Runde genügte Pidcock, um zu Gilloux aufzuschließen. Am Anfang von Runde fünf lag der junge Brite schon in Führung und war auch nicht mehr zu stoppen. 35 Sekunden Vorsprung auf Gilloux fuhr er in den rutschigen Matschpisten heraus und überquerte die Ziellinie als zweiter E-MTB-Weltmeister der Geschichte. Gilloux musste sich mit Rang zwei zufriedengeben, Simon Andreassen (23) – ebenfalls auf einem Specialized Turbo Levo unterwegs – holte Bronze.

Pidcock setzte sich erst in der vierten von fünf Runden an die Spitze

„Die Downhill-Sektionen waren ziemlich schwer. Da ging es eigentlich nur darum, heil unten an zu kommen und nicht zu stürze", sagte Sieger Tom Pidcok hinterher.

Simon Andreassen auf dem Weg zur Bronze-Medaille.

Guckt her, meine Zunge ist noch sauber! Tom Pidcock feiert den WM-Titel.

Hat den Nachwuchs-Giro auf der Straße gewonnen, stand bei der Straßen-WM am Start, siegte doppelt beim U23-Worldcup in Nove Mesto und hat sich nun zum E-MTB-Weltmeister gekürt: der 21-jährige Brite Tom Pidcok.

Zwei Cross-Country-Asse auf dem Podium: Rechts E-MTB-Weltmeister Tom Pidcock, links Simon Andreassen.

Damenrennen: Schneitter zunächst in Führung


Im Rennen der Damen konnte sich Titelverteidigerin Nathalie Schneitter gemeinsam mit ihrer Landsfrau Kathrin Stirnemann dagegen zunächst wie erwartet an die Spitze setzen. Doch schon ab der Hälfte des Rennens zeigte sich, dass E-Enduro World Series-Siegerin Melanie Pugin (FRA) wohl am Ende den längeren Atem haben würde. Schon in Runde drei ging die Französin in Führung und zwang die Schweizerinnen Schneitter und Stirnemann in die Verfolgerrolle. Doch es war nichts zu machen. Bei den rutschigen Bedingungen in Leogang war Pugin nicht zu schlagen und beschloss das Rennen mit einem Vorsprung von starken 27 Sekunden. Erfreulich aus deutscher Sicht: Sofia Wiedenroth vom Cube Action Team fuhr auf Rang vier.

Die französische Siegerin fährt für BH und fuhr ein Bike (AtomX Carbon) mit Brose-Motor.

Katrhin Stirnemann, die zum ersten Mal bei einem E-MTB-Wettkampf am Start stand, fuhr auf einem Thömus-Bike mit Shimano EP8-Antrieb zu Silber.

Die E-Enduro Spezialistin Pugin setzte sich auf dem technisch anspruchsvollen Kurs gegen das Schweizer Cross-Country Duo durch.

Die Französin Melanie Pugin ist neue E-MTB-Weltmeisterin, Silber geht an Stirnemann, Bronze an Vorjahressiegerin Schneitter.

Doppelsieg für Brose – Specialized holt zwei Medaillen


Neben den Fahrern selbst spielte auch die Technik in der E-MTB WM eine große Rolle – mehr noch als beim traditionellen Mountainbiken. Ging letztes Jahr noch jeweils eine Goldmedaille an die Motorenhersteller Bosch (Nathalie Schneitter/Trek) und Brose (Alan Hatherly/Specialized) holte der in der in der Serie immer wieder von Zuverlässigkeitsproblemen geplagte Berliner Hersteller nun gleich beide Goldmedaillen und kann damit auch die beste Medaillen-Bilanz vorzeigen. Sowohl Melanie Pugin (BH) als auch Tom Pidcock (Specialized) saßen auf Bikes, die von Brose Motoren angetrieben wurden. Hinzu kommt die Bronzemedaille von Simon Andreassen (Specialized), ebenfalls auf Brose.


Auf Rang zwei in Puncto Medaillen liegt Bosch mit zwei Silbermedaillen durch Natalie Schneitter (Trek) und Jerome Gilloux (Moustache). Shimano holt immerhin eine Bronzemedaille mit dem neuen EP-8 , die Kathrin Stirnemann (Thömus) einfährt. Der einzige Komplettbikehersteller, der zwei Medaillen einfahren kann ist Specialized mit Bronze und Gold im Rennen der Herren.

Alle Ergebnisse zur WM in Leogang finden Sie tagesaktuell auf der Website der UCI.

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