Final Show-Down Enduro-DM 2014: Ludwigs Diaries #14 Final Show-Down Enduro-DM 2014: Ludwigs Diaries #14 Final Show-Down Enduro-DM 2014: Ludwigs Diaries #14

Final Show-Down Enduro-DM 2014: Ludwigs Diaries #14

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 7 Jahren

Ludwig Döhl weist so manchen Enduro-Fahrer in die Schranken – auf und abseits der Rennstrecke. Der Bericht zur ersten deutschen Enduro-Meisterschaft.

Sind diese Blogbeiträge normalerweise eher leichte und meist lustige Kost, so muss ich bei meinen letzten Worten über die Saison 2014 leider etwas schwerer verdauliche Ware in die Tastatur hacken. Doch ich hoffe, der Lesespaß bleibt nicht ganz auf der Strecke.

Enduro wächst und wird professioneller. Neben dem ganzen Medienrummel um die junge Sportart hat das doch tatsächlich auch der Bund Deutscher Radfahrer mitbekommen und verhalf dem jungen Sport so zu seinen ersten offiziellen deutschen Meisterschaften in der Disziplin Enduro. Zum Saisonabschluss suchte die deutsche Szene am zweiten Oktoberwochenende in den herbstlichen Wäldern rund um die Bikewelt Schöneck die schnellsten Fahrer der Republik.

Manuel Rhone Voller Fokus zum Schluss der Saison.

Eigentlich könnte man meinen, dass hier die Sportler besonders fokussiert sind, das Podium zu erreichen, immerhin darf der Sieger sein Leben lang als erster Deutscher Meister durch die Lande ziehen. Aber statt sich voll auf den Wettkampf zu konzentrieren, brach mal wieder die Nörgelkultur unserer Szene durch: "Die Strecken sind zu tretlastig, die Hindernisse zu gefährlich und ein Prolog in der Stadt überflüssig."

Ich kann hier nur den Kopf schütteln, Strecken variieren nun mal, auch im DH-Worldcup gibt es Strecken wie in Pietermaritzburg, welche sehr tretlastig sind. Und als Gegenspieler gibt es dann eben Hafjel, eine Strecke, die auch ohne Kette extremst schnell befahren werden kann. Außerdem sehe ich die Differenzierung unseres Sports zum Downhill eben genau in den Tretpassagen.

Unser Sport geht derzeit ganz klar in die Richtung, physisch sehr anstrengend zu werden. In der Enduro World Series regt sich auch niemand auf, wenn er eine 20-minütige Abfahrt runterprescht und dabei einige Gegenanstiege bewältigen muss. Auch die European Enduro Series legte mit Renndauern um die 40 Minuten und fiesen Tretpassagen physisch die Messlatte hoch. Ich finde, die DM war ein gelungenes Rennen und definitiv auch der Wink mit dem Zaunpfahl für einige, sich über den Winter den A… aufzureißen und hart zu trainieren.

Vielleicht schafft es dann auch mal ein deutscher Sportler in der Enduro World Series weiter nach vorne, denn meiner Meinung nach mangelt es uns nicht an Technik sondern an Stehvermögen, wenn die Etappen über die 3-Minuten-Grenze hinaus gehen.

Und ein Prolog in der Stadt von Schöneck hat wahrscheinlich mehr Zuschauer angezogen, als so manche Rennveranstaltung im Nirvana der Wälder Deutschlands. Auch bei großen Auto-Rallyes ist ein Stadtprolog aus demselben Grund gang und gäbe. Hier müssen die Fahrer eben mal die Zähne zusammenbeißen, um den Sport auch für Leute erlebbar zu machen, welche normalerweise nichts damit am Hut haben.

Manuel Rhone Zahlreiche Zuschauer säumten die Hänge .

Ich würde mir wünschen, dass viele Fahrer sich noch einmal genaue Gedanken machen, über Hintergründe informieren und das ehrenamtliche Engagement vieler Vereine mehr schätzen, bevor sie ihre Kritik durchs Fahrerlager oder die sozialen Medien schreien. Das würde den Sport als Ganzes weiterbringen.

Erste Enduro-DM lieferte Spannung bis zum Schluss

Aber nun zum eigentlichen Renngeschehen. Das Wetter zeigte sich für Mitte Oktober von seiner besten Seite, hüllte die Strecken morgens zwar in dichte Nebelschwaden, aber zum Training oder Wettkampf kämpfte sich immer die Sonne durch. Mit Ausnahme des Prologs, welcher mit künstlichen Hindernissen, wie zu überfahrende Autos oder engen Treppen, den Sport für Zuschauer spannend und erlebbar machte. Hier öffnete der Himmel noch einmal die Pforten und ließ etliche Teerkurven zur echten Rutschpartie werden. Besonders die Topfahrer, welche zuletzt starteten, hatten mit schlechten Grip-Verhältnissen zu kämpfen.

Teamkollege und Prologkiller 2014 André Wagenknecht sicherte sich auch diesen Prolog mit einen soliden Vorsprung, während ich mich auf Rang vier einreihte. Keine allzu schlechte Ausgangslage für die folgenden Titelkämpfe. Der eigentliche Wettkampf begann dann sonntags morgens mit einer harten Stadtetappe, welche mit fiesen Tretstücken schon in aller Früh Blutgeschmack in die Mundhöhlen der Teilnehmer trieb.

Manuel Rhone André am steilen Gelände rund um die Skisprungschanze.

Auf Stage zwei und drei durchpflügten wir Teile der Bikewelt Schöneck, schmissen uns in Bachbette und flubberten über Querwurzeln durch Anlieger, bevor wir uns zu einem langen Transfer in Richtung Skisprungschanze aufmachten. Die Etappe an der Skisprungschanze war extremst technisch, hier war absolute Radbeherrschung gefragt. Mehrmaliges Hinterradversetzten und gekonntes Anbremsen im sehr steilen Gelände forderten die Fahrer. Ich dachte eigentlich, dass hier einige Fahrer völlig übermotiviert die Strecke verlassen oder zu Boden gehen würden, aber anscheinend rissen sich die Meisten am Riemen. Zumindest unter den Top 10 habe ich keine Stürze gesehen.

Nach Stage vier wurden die Transponder ausgelesen, um ein vorläufiges Klassement zusammenzustellen, damit die Fahrer in verkehrter Reihenfolge in die letzte Stage geschickt werden konnten. Dummerweise lag ich vor dem Finale auf Rang vier, hinter André und den beiden Reiser-Brüdern. Aber es war noch nichts verloren, lediglich vier Sekunden trennten mich vom Podium. Doch auch André Kleindienst lauerte nur wenige Sekunden hinter mir. Also konzentrierte ich mich noch einmal voll, fuhr mich zirka 40 Minuten warm, bevor der finale Showdown begann.

Bei meinem letzten Rennen der Saison riskierte ich nochmal richtig viel, erwischte fast jede Linie wie geplant und brachte einen Hammerlauf nach unten, aber es sollte nicht ganz reichen. Zwar konnte ich den Abstand um zwei Sekunden verringern, aber der Sprung auf das Podium blieb mir leider verwehrt. Schade, gerne hätte ich statt der Holzmedaille Edelmetall mit nach Hause gebracht. So bleibt wenigstens die Motivation hoch, sich über den Winter weiter zu quälen, um nächstes Jahr einen dieser begehrten Plätze zu holen.

Manuel Rhone Podium der ersten Deutschen Meisterschaft im Enduro.

Dass die Strecken im Vogtland nicht so falsch gewesen sein können, zeigte auch das Ergebnis. Während sich Worldcup-Sprinter Simon Gegenheimer mit massig PS in den Beinen gerade so in die Top 10 rettete, belegten die ersten Plätze reine Enduro-Piloten, welche sich schon seit Jahren dieser Sportart verschrieben haben. Es hat mich trotzdem richtig gefreut, dass mein langjähriger Gefährte André Wagenknecht den Titel des ersten Deutschen Meisters mit erheblichen Vorsprung holen konnte. Gefolgt von Tobias und Markus Reiser.

Jetzt ist erst mal Off-Season, ich habe schon die ersten Motocross-Einheiten abgespult und mache den nächsten Monat erst mal all die Sachen, die unter der Saison zu kurz kommen. Aber ich freue mich jetzt schon, wenn es wieder darum geht, Eisen in der Kraftkammer zu verbiegen und nasse Wintertrails zu rocken, um für die Saison 2015 fit zu werden.

Bis dahin, ride on,
Ludwig

Themen: BIKE 12/2014Deutsche MeisterschaftDöhlEnduroGesamtwertungRace-BlogRennenTagebuch


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