Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

EWS #3 2018: Montagnes du Caroux (FRA)

Comeback von Richie Rude - Ines Thoma holt Platz 3

Adrian Kaether am 14.05.2018

Lange war es still um Richie Rude. Hier und da ein Stage-Sieg, dann wieder ein Patzer. Jetzt scheint der Amerikaner zu alter Form zurückzufinden. Im Rennen der Damen holte Ines Thoma den Platz 3.

"Puh! Richie Rude…" Markus Klausmann ist sichtlich beeindruckt, dabei ist der Albstädter nicht gerade aus Pappe. Noch immer ist er der erfolgreichste deutsche Downhiller überhaupt, sein Rekord von insgesamt 15 deutschen Meistertiteln ungebrochen. "Da kann die alte Garde einpacken." Gemeint waren damals Fahrer wie Jérôme Clementz, Jared Graves, Nico Vouillioz oder Fabien Barel, und obwohl man Klausmann den Respekt vor diesen Größen durchaus anmerkte, fuhr Richie Rude für ihn in diesem Jahr einfach in einer anderen Liga. Im Sommer 2016 war das und Rude hatte gerade mit wehenden Fahnen ein Rennen nach dem andern in der EWS überlegen gewonnen.

Kein Wunder, dass er da 2016 auch noch den Meistertitel holte. Doch 2017 wurde es still um den ruhigen Amerikaner, auf den das Adjektiv "bullig" wohl so sehr zutrifft, wie auf fast keinen anderen Fahrer seiner Zeit. Hier und da ein Stagesieg, aber die Konstanz fehlte völlig und während Sam Hill vom alten Downhiller zum neuen Enduro-Star mutierte, kämpfte Richie Rude abwechselnd mit unzuverlässiger Form, Verletzungen oder technischen Defekten. Ein Trauerspiel.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Martin Maes zeigte sich wieder stark und holte am Ende Platz drei. Zwar hat er dieses Jahr noch nicht gewonnen, doch viele Podiumsplätze könnten ihn für die Gesamtwertung trotzdem gefährlich machen.

Richie Rude: Comeback des Enduro-Königs?

Auch 2018 begann nicht so, wie Richie Rude und sein Team Yeti sich das vorgestellt hatten. In Chile gewann er zwar gleich zwei Stages, aber ein heftiger mechanischer Defekt auf der langen zweiten Stage katapultierte ihn im Ranking weit nach hinten. In Kolumbien fehlte dann der Erfolg völlig, aber wenigstens auch die Ausreißer nach unten. Jetzt, im französischen Olargues, nahe Montpellier, fand der Amerikaner endlich wieder zu seiner alten Größe zurück, musste sich aber auch gegen starke Konkurrenz behaupten.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Ein Crash am ersten Renntag bremste Damien Oton aus, an Tag zwei konnte er aber wieder voll angreifen und holte den Sieg auf der letzten Stage des Rennens.

An der Grenze zur vorsätzlichen Körperverletzung: Felspassagen auf der Strecke in Olargues

An dieser Stelle zwei Worte zur Strecke: Die Wertungsprüfungen, auf denen sich die Enduro-Elite mittlerweile misst, sind in jeder Hinsicht unglaublich. Knappe 81 Kilometer Strecke mussten an zwei Tagen beim letzten Rennen bewältigt werden, Acht Wertungsprüfungen verlangten Mensch und Material alles ab, und keine einzige davon war leicht. Wer jetzt denkt, "Enduro, das kann ich auch!", dem sei die Track-Vorschau von Ric McLaughlin ganz herzlich empfohlen.

Denn für die meisten Normalsterblichen gilt: "Nein, das können wir nicht". In Frankreich ganz besonders wenig. Denn ständig ragten auf der Strecke messerscharfe Felsen aus dem Boden, die Kurven waren eng, die Highspeed-Passagen noch enger, die Absätze riesig und die Anfahrten teils extrem steil. Ein Fehler, und man endete am nächsten Baum, oder im Abgrund. Selbst aus der Helmperpespektive sahen einige Stellen völlig unfahrbar aus – und das ist meistens die harmloseste aller Perspektiven. Und für diejenigen, denen das alles noch immer zu simpel schien, regnete es im Rennen noch zeitweise noch in Strömen. Leider blieben deswegen auch nicht alle unverletzt. Der junge Kanadier Jesse Melamed brach sich das Schlüsselbein und wird damit wohl länger ausfallen. Katy Winton schlug sich heftig den Kopf an und konnte das Rennen zwar beenden, wird sich aber zur Sicherheit jetzt eine Woche Ruhe gönnen, bevor das Training weitergeht.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Je steiler desto besser. In solchem Gelände ist Cecile Ravanel einfach nicht zu schlagen und es sieht nicht so aus, als würde sich daran in nächster Zeit viel ändern.

Olargues – Tag 1

Schnell wurde klar, dieser Tag wird nach langer Pause endlich wieder ein Tag an dem die türkisen Yeti-Fahnen ganz oben hängen werden. Knapp gewann Richie Rude die heftige erste Stage, auf der etwas flowigeren Stage zwei fiel der Sieg dann deutlicher aus. Und selbst auf Stage drei war Richie Rude als erster im Ziel, ein Hattrick, der in den letzten Jahren nur wenigen Männern in der Enduro World Series überhaupt gelang. Aber der Druck war spürbar, vor allem der Franzose Adrien Dailly lag nach drei Stages nur wenige Sekunden hinter Richie Rude und konnte den Abstand nach einem Fehler des Amerikaners auf der kurzen Stage vier in der Altstadt von Olargues noch einmal entscheidend verkürzen.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Erst Sam Hill, jetzt Richie Rude. Adrien Dailly kratzt an den Größen des Sports und man merkt, dass er bis ganz nach oben will. Nach Stage sieben trennten Dailly und Rude nur 1,2 Sekunden.

Im Rennen der Damen war es wieder Cecile Ravanel, die überlegen einen Sieg nach dem anderen einfuhr. Doch zur Überraschung aller war es nun Caro Gehrig, die Cecile als Nächste nachfolgte, nicht mehr Isabeau Courdurier. Ines Thoma, die deutsche Hoffnung in der EWS, bewegte sich dagegen eher im Mittelfeld, wenn auch mit konstant guten Platzierungen ohne große Ausreißer nach oben und unten.

Olargues – Tag 2

Am zweiten Renntag zeigte Richie Rude seine Kämpfernatur. Schon wer den Stiernacken und den Blick des erst 23 Jahre alten Amerikaners sieht, der weiß, dieser Mann ist ein Alles-oder-nichts-Typ. Klar auch, dass sich Rude trotz des Patzers auf Stage vier tags zuvor nicht kleinkriegen ließ. Endlich hatte er einen kompletten EWS-Tag lang ganz  oben auf dem vorläufigen Podium stehen können. Da musste doch noch mehr zu machen sein.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Frankreich war nicht das Rennen für die Britin Katy Winton. Ein fettes Problem mit den Reifen, dann ein heftiger Crash, dafür ist Platz sechs am Ende noch sehr in Ordnung.

Vorsprung halten war die Agenda für den zweiten Tag, und so überließ Richie Rude den Sieg auf Stage fünf Adrien Dailly, landete aber selber nur wenige Sekunden dahinter auf Platz drei. Ein zweiter Platz auf Stage sechs folgte, nach einem fünften Platz auf Stage sieben, bei dem Adrien Dailly die Stage gewann und fast zehn Sekunden aufholte musste Richie Rude doch noch einmal bangen. Würde auf der langen Stage Nummer acht alles gut gehen? Doch es ging alles gut, Richie Rude holte Platz zwei hinter Damien Oton, Adrien Dailly verlor wieder knappe vier Sekunden und landete so mit gut fünfeinhalb Sekunden Rückstand auf Platz zwei in der Gesamtwertung, während Martin Maes, Florian Nicolai und Damien Oton mit deutlich größeren Rückständen das Podium komplettierten.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Richie Rude ist der Brook MacDonald des Enduro-Sports. Wo er hinschlägt, da wächst kein Gras mehr.

Ein knapper Sieg, aber ein knapper Sieg für Richie Rude, der erste nach nun eineinhalb Jahren Pause. Ausruhen kann sich Richie Rude auf seinen Lorbeeren aber nicht. Sam Hill führt nach einem sechsten Platz noch immer die Gesamtwertung an und wird beim nächsten Rennen sicher wieder besser in Form sein. Auch Adrien Dailly, der schon bei Sam Hill dieses und letztes Jahr mehrfach für Schweißperlen gesorgt hatte, hängt Richie Rude im Nacken und scheint heiß auf einen weiteren Sieg. Es bleibt also spannend.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Gerade die Besten der Besten müssen zur Dopingkontrolle. Von rechts Jared Graves, Richie Rude und Greg Callaghan.

Damenrennen – Tag 2

Ein "Patzer" auf Stage vier, wenn man einen Platz drei denn wirklich so nennen kann, ansonsten leistete sich Cecile Ravanel in ihrem Heimatland keine Fehler und fuhr insgesamt sieben der acht Stages mit einem Sieg nach Hause. Fast drei Minuten betrug deswegen am Ende der Abstand zur nächsten Verfolgerin, nun doch wieder Isabeau Courdurier, nachdem Caro Gehrig an Tag zwei doch wieder eher durchwachsene Resultate einfuhr und damit im Ranking am Ende bis auf Platz fünf durchgereicht wurde.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Ines Thoma fuhr ein durchweg sehr gutes Rennen und ließ sich auch von fiesesten Passagen kaum aus der Ruhe bringen. Am Ende reichte das für einen sehr guten dritten Platz.

Und wieder einmal gibt es eine stille Heldin dieses Rennens in Frankreich zu feiern, ganz besonders aus deutscher Sicht und das ist Ines Thoma. Die Canyon-Fahrerin konnte zwar im gesamten Rennen keine Stage gewinnen, behielt aber auch auf den rutschigsten, steilsten und steinigsten Abschnitten noch ein Mindestmaß an Kontrolle und konnte so größere Debakel vermeiden. Die hatten die Konkurrenz zum Teil heftig ausgebremst. So fuhr sie zu souveränen Ergebnissen und konnte insbesondere auf den für die Gesamtwertung wichtigen langen Stages mit guten Ergebnissen punkten. Zuverlässigkeit zahlt sich eben aus und damit stand Ines Thoma am Ende auf Platz drei des Podiums, direkt hinter Cecile Ravanel und Isabeau Courdurier. Platz vier für Ines Thoma in Kolumbien, Platz drei in Frankreich, eine wirklich schöne Tendenz mit der man gut in das nächste Rennen gehen kann.

Alle Ergebnisse zur Enduro World Series #3 in Olargues (FRA) findet ihr auch auf der Website der EWS.

Enduro World Series #3 2018: Montagne du Caroux

Endlich ist er wieder zurück, ganz an der Spitze. Richie Rude genießt seinen Sieg, auch wenn er das nie wirklich zeigen würde.

Adrian Kaether am 14.05.2018