Spectral 125Neues, abfahrtslastiges Trailbike von Canyon

Max Fuchs

 · 17.02.2022

Spectral 125: Neues, abfahrtslastiges Trailbike von CanyonFoto: Max Fuchs
Spectral 125: Neues, abfahrtslastiges Trailbike von Canyon

Straffer Federweg, progressive Geometrie und abfahrtslastige Komponenten – mit dem neuen Spectral 125 präsentiert Canyon ein kurzhubiges Trailbike mit massig Abfahrtspotenzial.

Der Wertewandel der Mountainbike-Industire hin zu rasanterer Abfahrtsleistung ist allgegenwärtig. Ganz besonders die modernen Trailbikes bekommen das zu spüren. Aktuelle Modelle verwandeln sich durch extreme Geometrien, stabile Komponenten und grobstollige Reifen vermehrt zu Mini-Enduros. Canyon hat sich bislang gegen diesen Trend gewehrt. Denn das Trailbike Neuron ist leicht, gut zu pedalieren und setzt auf eine moderate Geometrie – das perfekte Touren-Bike eben. Nun hat der Versender aber auch eine Antwort für alle, die in Trailbikes einen spaßigen Begleiter für die Trail-Hatz suchen: das neue Spectral 125. Los geht der Spaß schon bei 2799 Euro.

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  Feinstes Fox-Factory-Fahrwerk, Elektro-Schaltung und ein Rahmen und Laufräder aus Carbon: All das bietet das Top-Modell Spectral 125 CF 9 schon ab 5799 Euro.Foto: Max Fuchs
Feinstes Fox-Factory-Fahrwerk, Elektro-Schaltung und ein Rahmen und Laufräder aus Carbon: All das bietet das Top-Modell Spectral 125 CF 9 schon ab 5799 Euro.

Optisch erinnert das neue Spectral 125 an das gleichnamige 160-Millimeter-All-Mountain der Koblenzer. Doch die Ingenieure haben den Rahmen intensiv überarbeitet, um den Neuling für den kürzeren Hub von nur 125 Millimetern am Heck und 140 Millimeter an der Front zu optimieren. Der Carbon-Rahmen wiegt 2538 Gramm (Größe L). Ein anständiger Wert, wenn man bedenkt, dass das Spectral 125 uneingeschränkt für den Bikepark freigegeben ist. Die stabile Fox 36-Federgabel, eine griffige Enduro-Bereifung und ein Dämpfer mit Ausgleichsbehälter am Top-Modell lassen daran keine Zweifel aufkommen. Damit füllt das 29er-Trailbike die Lücke zwischen dem Neuron (klassischen Trailbike) und dem Strive (Allmountain/Enduro). So finden in Zukunft auch abfahrtshungrige Enduristen, die einen kleineren, aber dennoch robusten Spielgefährten für die Home-Trails oder ruppige Mittelgebirgs-Strecken suchen, bei Canyon das passende Mountainbike. Wer dagegen lieber Strecke macht und sich vom Federweg eher einen Komfort-Boost erhofft, bleibt dagegen lieber beim leichten Neuron. Denn durch die robuste Ausstattung wiegt selbst das Top-Modell 13,9 Kilo.

Die Eckdaten zum Canyon Spectral 125

  • Vollcarbon-Rahmen (2538 Gramm in Größe L)
  • Federweg: 140/125 mm (vo./hi.)
  • 29-Zoll-Laufräder
  • zwei Aluminium-Modelle ab 2599 Euro
  • drei Carbon-Modelle zwischen 3499 und 5799 Euro
  • Gewicht: 13,9 Kilo (Top-Modell in Größe L)
  Spectral 125 AL: Zwei Modelle für 2499 Euro und 2999 Euro sind auch mit Alu-Rahmen erhältlich.Foto: Hersteller
Spectral 125 AL: Zwei Modelle für 2499 Euro und 2999 Euro sind auch mit Alu-Rahmen erhältlich.

Das Canyon Spectral 125 im Detail

Alle Modelle kommen mit einem modularem Staufach unter dem Oberrohr. Wer für kurze Ausfahrten gerne ohne Rucksack ausrückt, kann hier CO2-Kartuschen, einen Schlauch oder Proviant verstauen.
Foto: Max Fuchs

Die Geometrie zum Canyon Spectral 125

Auch der Blick auf die Geometrie lässt den Abfahrtsdrang des 29-Zoll-Bikes erkennen. Sein 64 Grad flacher Lenkwinkel und der 486 Millimeter lange Reach (Größe L) stünden selbst ausgewiesenen Enduro-Bikes gut zu Gesicht. Für ein Mountainbike dieser Federwegsklasse fällt die Geometrie extrem lang und flach aus. Zum Vergleich: Trotz zwei Zentimetern mehr Federweg kommt das normale Spectral auf denselben Lenkwinkel wie sein kleiner Bruder. Beim Reach überbietet das 125er-Spectral das All Mountain sogar um sieben Millimeter. Neu ist außerdem ein Flipchip an der Dämpferaufnahme, mit dem Lenk- und Sitzwinkel um ein halbes Grad variiert werden können.

  Die Geometrie-Daten zum Spectral 125 in der Low-Einstellung. Dreht man den Flipchip an der Dämpferaufnahme, werden der Lenkwinkel und der Sitzwinkel um ein halbes Grad steiler. Im gleichen Zug hebt bzw. senkt sich das Tretlager um acht Millimeter.Foto: Hersteller
Die Geometrie-Daten zum Spectral 125 in der Low-Einstellung. Dreht man den Flipchip an der Dämpferaufnahme, werden der Lenkwinkel und der Sitzwinkel um ein halbes Grad steiler. Im gleichen Zug hebt bzw. senkt sich das Tretlager um acht Millimeter.

Modelle und Preise zum Spectral 125

Erhältlich sind vom neuen Spectral 125 insgesamt fünf Modelle zwischen 2499 und 5799 Euro. Die zwei günstigsten Ausführungen von Canyon setzen dabei auf einen Alu-Rahmen. Die drei Carbon-Modelle kosten 3499, 4499 und 5799 Euro. Erhältlich sind die Rahmengrößen S,M,L und XL.

  Die Ausstattungsvarianten des neuen Canyon Spectral 125 im Überblick.Foto: Hersteller
Die Ausstattungsvarianten des neuen Canyon Spectral 125 im Überblick.

Fahrbericht: So fährt sich das Spectral 125

  Wir konnten das Top-Modell bereits ausführlichen Praxistests unterziehen. Unser erster Eindruck: ,,Klein, aber Oho!"Foto: Max Fuchs
Wir konnten das Top-Modell bereits ausführlichen Praxistests unterziehen. Unser erster Eindruck: ,,Klein, aber Oho!"

Nach den ersten Metern auf dem Spectral 125 kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn trotz der optischen Anlehnung an das klassische 160er-Spectral könnte der Charakter in der Abfahrt kaum unterschiedlicher sein. Erstaunlich direkt und wieselflink hetzt man auf dem Mini-Spectral über verwinkelte Trails. Die 140-mm-Gabel gepaart mit dem extrem flachen Lenkwinkel verleiten aber auch auf schnellen Passagen zum Vollgas fahren und geben Selbstvertrauen. Schießt man allerdings in gröbere Gefilde, zwingt einen der Hinterbau mit nur 125 Millimetern Federweg etwas unsanft dazu, die Geschwindigkeit zu drosseln. Um dieses Ungleichgewicht zwischen Front und Heck auszugleichen, bervorzugen wir bei der Filpchip-Einstellung die High-Postition. Das etwas höhere Tretlager und die steileren Winkel drosseln den Übermut bergab und sorgen somit für ein ausgewogeneres Fahrgefühl in Downhills. Durch den kurzen Hub und die progressive Fahrwerkscharakteristik bietet der Hinterbau viel Gegenhalt beim Abspringen an Geländekanten oder Pushen in Anliegern. Aktive Fahrer lieben diese Eigenschaft! Am Anfang des Federwegs können aber auch komfortbewusste Biker vom feinen Ansprechverhalten des Hinterbaus profitieren. Dennoch: Wer einen gemütlichen Begleiter für tretintensive Touren und entspannte Abfahrten sucht, ist mit dem klassischen Neuron weiterhin besser beraten. Denn die extremen Winkel verlangen eine aktive Fahrweise. Unter dem Diktat von passiven Fahreren wirkt das Bike dagegen schnell unhandlich.

Ob aktiver Fahrer oder nicht – im Uphill lässt man es mit dem Spectral 125 gerne gemütlich angehen. Denn die griffige Reifenkombi, die stabilen Komponenten und die dicke Federgabel sorgen zwar in der Abfahrt für Fahrspaß en masse, beim Blick auf die Waage trüben sie aber das Gesamtbild des Spectral 125. Denn mit 13,9 Kilo beim Top-Modell – trotz Carbon-Laufrädern – bleibt der Vorwärtsdrang des Bikes auf der Strecke.

Einen detaillierten Testbericht zum Canyon Spectral 125 mit allen Daten unserer Messungen im BIKE-Testlabor lesen Sie demnächst in BIKE 6/22.

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