Systemvergleich (E-)Enduro-MTBs inkl. Test Yeti 160E T1

Max Fuchs

 · 12.03.2022

Systemvergleich (E-)Enduro-MTBs inkl. Test Yeti 160E T1Foto: Max Fuchs
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3 Bikes, 3 Konzepte, 1 Ziel: Ein rassiger Dreikampf soll klären, ob das E-MTB, das Light-E-MTB oder ein Bike ohne Motor das Zeug zum perfekten Enduro hat.

Noch ein spielerischer Kurvenwechsel, zwei gezielte Bunny-Hops über einen Wurzelteppich, und die Glückshormone erlangen vollends die Kontrolle über mich. Die beispiellose Leichtfüßigkeit des unmotorisierten Enduros hat mich in ihren Bann gezogen. Unten angekommen rolle ich völlig aufgekratzt auf den Parkplatz am Bikepark Geißkopf. Kollege Florentin, der die ganze Abfahrt an meinem Hinterrad hing, scheint ebenfalls noch mit einer Überdosis an Glückshormonen zu kämpfen. „Krass, das ist ja ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das Dickerchen kann nichts aus der Ruhe bringen“, schwärmt er über das unverwüstliche Handling seines vollgepowerten E-MTBs.

E-Enduro gegen Enduro-MTB ohne Motor

Über die Stärken und Schwächen beider Enduros sind wir uns nach mehreren Vergleichsfahrten einig. Leichtfüßig und präzise lauten die Attribute des Bio-Enduros. Eigenschaften, die man durch das Mehrgewicht von Motor und Akku an einem E-Enduro vergebens sucht. Dafür punktet die Gattung mit enormer Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten. Was aber wäre, wenn man sich zwischen den Superlativen beider Konzepte nicht entscheiden müsste und es etwas dazwischen gäbe? Ein Bike, das das Beste aus beiden Welten vereint? Verspielt, aber trotzdem mit Laufruhe und Motorunterstützung gesegnet.

  Ausreißer: Auf verwinkelten Strecken hat das Rocky Mountain gegenüber der E-MTB-Konkurrenz von Rotwild und Yeti die Nase vorn – dem geringen Gewicht sein Dank!Foto: Max Fuchs
Ausreißer: Auf verwinkelten Strecken hat das Rocky Mountain gegenüber der E-MTB-Konkurrenz von Rotwild und Yeti die Nase vorn – dem geringen Gewicht sein Dank!

Mittelding? E-Enduro mit Minimal-Assist-Antrieb

Genau diesen Ansatz verfolgen Minimal-Assist-Enduros wie das Rotwild R.E 375. Ein kleinerer Akku und ein schwächerer Motor hemmen zwar die Reichweite dieser E-MTB-Gattung, verleihen den Bikes dank niedrigerem Gewicht aber auch etwas natürlicheres Bike-Feeling. Doch das Rotwild nimmt in dieser Klasse eine Sonderstellung ein. Statt auf ein spezielles, leichteres und schwächeres Aggregat setzen die Produkt-Manager auf den klassischen Shimano EP8 mit vollem Leistungspotenzial. Ab Werk ist der Antrieb allerdings auf moderate Leistung eingestellt, damit der kleine 375-Wattstunden-Akku nicht zu schnell leergesaugt ist. Das Gewicht des R.E 375 liegt mit 20,2 Kilo trotzdem deutlich über Bio-Bike-Niveau, aber auch deutlich unter dem Durchschnittsgewicht normaler E-Enduros. Doch reicht das aus, um den Wunsch vieler Enduristen zu befriedigen?

  Egal, welches Konzept, Testfahrer Thomas Weschta kam bergab mit jedem Bike auf seine Kosten.Foto: Max Fuchs
Egal, welches Konzept, Testfahrer Thomas Weschta kam bergab mit jedem Bike auf seine Kosten.

Um herauszufinden, ob das Rotwild wirklich das Potenzial zum perfekten Enduro hat, kurbeln wir erneut den Forstweg zum Einstieg der Freeride-Strecke hinauf. Wieder mit von der Partie: die beiden klassischen Konzepte MTB und E-MTB. Um den Quervergleich spannend zu gestalten, vertritt das Rocky Mountain Altitude Carbon 70 die Bio-Bike-Fraktion. Der Kanadier ließ im aktuellsten Enduro-Test unserer Schwester-Magazine BIKE und FREERIDE die Herzen der Tester höher schlagen. Einen echten Hochkaräter schicken wir auch als Vertreter der klassischen E-MTB-Fraktion ins Rennen: das brandneue und 13790 Euro teure Yeti 160E – mit Shimano EP8 und 630 Wattstunden Akku-Kapazität. Allen drei Highend-Kandidaten sind gemein: Vollcarbonrahmen, 29 Zoll, aggressive Geometrien und 170 Millimeter Federweg.

Drei Enduro-Bike-Systeme im Vergleich

170 Millimeter Federweg, aggressive Geometrien, 29-Zoll-Laufräder: Nach diesen Parametern lassen sich unsere drei Enduro-Mountainbikes kaum unterscheiden. Doch wie wirken sich Motoren und Gewicht auf die Abfahrts-Performance aus? Die Antwort auf diese Frage geben wir im Artikel, den sie unten bequem als PDF downloaden können.

Unmotorisiertes Enduro: Bio-Bike Rocky Mountain Altitude C 70 | 6700 Euro
Foto: Hersteller

Test Yeti 160E T1

13790 Euro – was manch einer für einen neuen Kleinwagen ausgibt, muss man bei Yeti für ein E-Mountainbike bezahlen. Aber horrende Preise ist man von der US-Kultmarke gewohnt. Ungewohnt ist dagegen der Motor im Tretlagerbereich. Denn das 160E ist Yetis erster Vorstoß in das stark umkämpfte E-MTB-Territorium. Mit einem komplett eigenständigen Vollcarbonrahmen, 170/160-Millimeter-Fahrwerk und 29-Zoll-Laufrädern wollen die Ingenieure aus Colorado der angestammten E-Enduro-Prominenz den Kampf ansagen. Die Antriebsunterstützung des Neulings fällt in den Verantwortungsbereich von Shimanos EP8-Motor. Ein 630-Wattstunden-Akku versorgt das Aggregat mit der nötigen Energie. Beim Blick auf die Geometrietabelle schimmern die Race-Ambitionen des Yeti 160E durch. Der Lenkwinkel misst flache 64 Grad, wie sich das für ein rassiges Enduro gehört. Der Reach liegt mit 472 Millimetern auf der langen Seite und sorgt in Kombination mit dem flachen Lenkwinkel für viel Laufruhe. Erhältlich ist das neue Yeti in zwei Ausstattungsvarianten für 10990 Euro und 13790 Euro.

Yeti 160E T1: Reichhöhe 1434 (+250)hm | Durschnittsgeschwindigkeit 15,31 km/h
Foto: Max Fuchs

Den kompletten Systemvergleich E-Enduros sowie den Testbericht zum Yeti 160E T1 aus EMTB 6/2021 können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,99 Euro.

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