Du stehst vor der Schlüsselstelle der Abfahrt – es ist steil, felsig, ausgesetzt. Noch ein letztes Mal tief durchatmen. Füße aufs Pedal. Bremse lösen. Losrollen. Und dann: finden die Cleats an deinen Schuhen nicht in die Bindung am Pedal. Stehenbleiben ist keine Option, also holperst du wie eine Flipperkugel durchs Felsgetümmel, weil deine Füße auf den „Klickies“ stehen, als würdest du mit Stöckelschuhen biken. Völlig verständlich, wenn man nach so einer Erfahrung auf Flat-Pedale wechseln möchte. Doch es gibt eine Alternative: Trail-Pedale. Sie wollen das Beste aus beiden Welten vereinen und sicheren Stand sowie festen Halt gleichermaßen bieten. Wir haben neun Klickpedale mit erweiterter Plattform getestet.
Der Bindungsmechanismus ist das Herz eines jeden Klick-Pedals. Damit einem Schreckmomente wie oben beschrieben erspart bleiben, muss er intuitiv und zuverlässig funktionieren. Aufsetzen, einrasten, fertig. Das Maß der Dinge heißt hier: Shimano Pedaling Dynamics, kurz SPD. Sechs von neun Herstellern setzen auf das bewährte System der Japaner, bei dem sich die Auslösehärte fein anpassen lässt. So überzeugend wie bei Shimano selbst arbeitet der Mechanismus jedoch sonst nur noch bei Wolftooth. Die Alternativen von Crankbrothers, Time und HT bieten zwar die Option auf etwas mehr oder weniger Bewegungsfreiheit, sind aber in der Praxis gewöhnungsbedürftig.
Wer glaubt, die Standsicherheit auf dem Pedal hängt von der Größe des Käfigs ab, der irrt sich. In den meisten Fällen haben die Schuhsohlen kaum Kontakt zur Plattform oder zu den kleinen Pins – mit Ausnahme von Funn: Hier zieht die angewinkelte Bindung den Schuh beim Einklicken automatisch an den fetten Käfig heran und man steht wie festgebacken.
Entscheidend für einen sicheren Stand ist zum einen der Bereich seitlich der Bindung, denn nur hier liegt das Profil auf dem Pedalkörper auf. Bestes Beispiel: Wolftooth. Die Amis verzichten auf eine Plattform und vergrößern stattdessen die Fläche über der Pedalachse. Die Folge: satter Sitz und ein enorm sicheres Fahrgefühl. Der zweite Faktor ist die richtige Höhe der Bindung. Zu hoch, und der Schuh kippelt wie ein Wackel-Elvis in der Windschutzscheibe. Dann kann es passieren, dass der Fuß im entscheidenden Moment aus dem Pedal rutscht und man ausgerechnet in der Schlüsselstelle die Kontrolle über sein Bike verliert.
Ich habe schon alle möglichen Cleat-Systeme ausprobiert und bin letztendlich immer wieder bei SPD gelandet – nichts funktioniert zuverlässiger. Die Verbindung mit der brandneuen XTR-Plattform ergibt für mich das perfekte Trail-Pedal. Nur One Up Components und Wolftooth können da noch mithalten. - Stefan Frey, Redakteur BIKE
In diesem Artikel stellen wir euch alle neun von uns getesteten Pedale in einer Kurzversion vor. Den ausführlichen Test zu jedem einzelnen Pedal mit vielen Infos und Details findet ihr unter dem jeweiligen Link.
Die Mallet Trail sind leicht, kompakt und bieten eingeklickt einen soliden Stand. Die spezielle Bindung mit vier Einstiegspositionen reinigt sich quasi von selbst, über Shims lässt sich der Kontakt zum Schuh feintunen. Ein- und Ausstieg sind jedoch wenig definiert und gewöhnungsbedürftig, die Auslösehärte ist sehr gering und nicht einstellbar. Ausgeklickt steht man sehr wackelig auf dem Pedal.
Hardcore-Pedal mit extrem sattem Sitz und massig Grip, mit dem man auch ausgeklickt noch guten Halt findet. Die angewinkelte Bindung erleichtert den Einstieg, ist aber weniger definiert als etwa bei Shimano. Kehrseite der Medaille: Der stramme Sitz beschränkt die Bewegungsfreiheit und stört beim Ausstieg, weil die Pins in der Sohle haken. Die fette Plattform setzt häufiger an Steinen und Wurzeln auf.
Leichtes, kompaktes Pedal mit gut einstellbarer Auslösehärte. Das T2 bietet sicheren Stand bei guter Bewegungsfreiheit, der sich je nach Cleat variieren lässt. Das Bindungssystem reinigt sich gut von selbst, Ein- und Ausstieg sind durch die zwei beweglichen Seiten etwas undefiniert und auch in der leichten Einstellung eher hart. Pins und Standfläche geben ausgeklickt nur wenig Halt. Sehr viele Farben.
Wuchtige Optik, schickes Design, solide Lagerung – auf den ersten Blick sind die neuen Leatt ein gelungener Wurf. Ein- und Ausstieg sind leicht und definiert, man steht jedoch recht wacklig auf dem Pedal, und auch die Auslösehärte fällt gering aus. Bindung und Pedal bauen etwas hoch. Trotz der vier Pins pro Seite sowie des großen Käfigs bietet das AllMtn 6.0 ausgeklickt nur wenig Standsicherheit.
Ultraflach, angenehm leicht und das trotz üppiger Standfläche sowie robuster Dreifach-Lagerung. Ein- und Ausstieg sind ähnlich definiert wie bei Shimano, allerdings nicht immer optimal zu finden. Der satte, kompakte Sitz mit großer Aufstandsfläche erzeugt ein sicheres Fahrgefühl. Dank großer Plattform steht man auch ausgeklickt einigermaßen sicher. Nur die Pins könnten griffiger sein.
Dank Titanachse und kompaktem Käfig eines der leichtesten Pedale im Test. Der SPD-Mechanismus arbeitet etwas hakliger und weniger definiert als bei Shimano. Auch die Kontaktfläche zum Pedal fällt geringer aus, wodurch man etwas wacklig steht. Das vermittelt wenig Fahrsicherheit. Der kleine Käfig und die Mini-Pins bieten im ausgeklickten Zustand nur wenig Nutzen.
Endlich ein echtes Trail-Pedal auf XTR-Niveau: Der Bindungsmechanismus ist klar definiert und absolut zuverlässig – typisch Shimano. Man steht satt, kompakt und angenehm direkt auf dem Pedal, bei dennoch guter Bewegungsfreiheit. Der Käfig bietet auch ausgeklickt guten Halt, wenn auch die Pins etwas länger sein könnten. Sofern das Gewicht keine Rolle spielt, ist das neue XTR PD-M9220 das ultimative Pedal für Trail und Enduro.
Angenehm satter Einstieg, kompakter und sicherer Stand auf dem Pedal sowie eine passable Selbstreinigung sind die Stärken des Xysto. Zudem steht man auf dem fetten Käfig auch ausgeklickt verhältnismäßig sicher. Der Ausstieg ist teils etwas undefiniert und hakelig. Der Verstellbereich der Auslösehärt ist gering, Endanschläge fehlen. Wenn Gewicht keine Rolle spielt, eine tolle Alternative für Enduro und DH.
Auch ohne Käfig steht man auf dem CTRL extrem kompakt. Die vergrößerte Aufstandsfläche sorgt für ein sattes und sicheres Fahrgefühl, der SPD-Mechanismus funktioniert absolut zuverlässig und klar definiert – XTR-Niveau. Nettes Feature: die einstellbare Achsbreite. Ausgeklickt fahren ist hier aber nicht empfehlenswert. Top: minimales Gewicht und enorme Bodenfreiheit.
Stillstand hat es in der Fahrradbranche noch nie gegeben. Nur für Shimanos SPD-System schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Nahezu 30 Jahre lang blieb der Cleat-Klassiker unangetastet. Doch jetzt gibt es ein Update: Eine konische Spitze am CL-MT001 soll das Einklicken erleichtern. Zudem ist der Einstieg nun von vorne sowie von hinten möglich, was im technischen Gelände Vorteile bringen soll. Eine flachere Konstruktion soll die Bodenfreiheit erhöhen und Geräusche beim Gehen reduzieren.
Eine Revolution? Nicht wirklich. Einen Unterschied zum alten SM-SH51 konnte im Blindversuch keiner der Kollegen erspüren und auch in der Praxis waren die Änderungen – wenn überhaupt – nur durch bewusstes Einklicken provozierbar. Dennoch: SPD ist und bleibt eines der zuverlässigsten Klicksysteme überhaupt.
Beim Einklicken im Gelände konnte ich keinen Unterschied zum Standard-Cleat feststellen und auch beim Blindtest auf dem Parkplatz hätte ich falsch getippt. Das zeigt allerdings nur, wie zuverlässig schon das bisherige SPD-System funktioniert hat. - Peter Nilges, BIKE-Testleiter
Sechs von neun Pedalen im Test nutzen den bewährten SPD-Mechanismus von Shimano. Dieser punktet vor allem durch seine gute Führung des Schuhs ins Pedal. Über eine Schraube kann die Spannung auf die Feder erhöht oder verringert und somit die erforderliche Kraft für den Ausstieg aus dem Pedal variiert werden. Der Winkel, in dem das Pedal auslöst, bleibt dabei immer gleich. Die Bewegungsfreiheit im Pedal ist hier etwas eingeschränkt, wodurch eine exakte Ausrichtung der Cleats notwendig wird. Die Cleats zeichnen sich durch eine gute Haltbarkeit aus. Die Bindung von HT funktioniert nach demselben Prinzip. Die Taiwanesen bieten jedoch die Option zwischen 4 oder 8 Grad Bewegungsfreiheit.
Die Franzosen setzen auf ein eigenes System, das sich vor allem durch geschmeidiges, sattes Einrasten auszeichnet. Hier dient die Feder, welche die Auslösehärte vorgibt, gleichzeitig als Haltebügel für die Cleats. Die Federhärte ist nur in geringem Maße einstellbar. Der Auslösewinkel kann jedoch durch unterschiedliche Cleats zwischen 13, 17 und 20 Grad variiert werden. Somit wird vor allem auch die Bewegungsfreiheit im Pedal erhöht. Die Messing-Cleats verschleißen etwas schneller als SPD-Cleats.
Das System der Amis ermöglicht es, nicht nur an zwei, sondern gleich an vier Positionen ins Pedal einzuklicken. Das erhöht die Trefferquote. Wie bei Look kann auch hier der Ausstiegswinkel über unterschiedliche Cleats verändert werden – entweder 10 oder 15 Grad. Die Federhärte fällt bei diesen Pedalen eher gering aus und ist nicht verstellbar. Charakteristisch für das offene Design der Crankbrothers-Pedale ist die gute Selbstreinigung.