Die neuen SuperBoost-Naben von Chris King Precision Components erweitern das Sortiment um 6-Bolt-Bremsaufnahmen. Bisher gab es die SuperBoost-Variante nur mit Centerlock-Standard. Das wird vor allem Besitzer von Bikes der Marken Pivot, Devinci oder BH freuen, die nun auch Chris-King-Naben mit Bremsscheiben mit klassischer Aufnahme kombinieren können.
Die wesentlich spannendere Meldung verbirgt sich allerdings zwischen der vermeintlichen SuperBoost-Neuheit. Chris King erweitert nämlich sein ikonisches RingDrive-Freilaufsystem, das die meisten Biker schon am unverwechselbaren Sound erkennen konnten, um eine neue Option. Das traditionelle 72-Zahn-RingDrive-System bietet schnelles Einrasten für technische Manöver. Die Nabe dreht sich nur 5° frei, bevor der Freilauf greift. Die neue 36-Zahn-Version verdoppelt diesen Wert auf 10° freie Drehung. Das soll laut Hersteller den Nabenwiderstand reduzieren und gleichzeitig ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Pedaleingriff und geringem Widerstand schaffen.
Die Entwicklung der 36-Zahn-Variante basiert auf der Arbeit mit dem Santa Cruz Syndicate Team. Downhill-Weltmeister Jackson Goldstone gewann wichtige Rennen der vergangenen Saison auf Prototypen der 36T-Nabe. Das Team suchte nach Möglichkeiten, Millisekunden einzusparen. Bedsaul dazu: "Das Team glaubt an das Konzept und die Daten. Auf diesem Level suchen sie nach Millisekunden, und sie sehen darin einen bedeutenden Beitrag zu diesem Ziel."
Die neue RingDrive-Version gestaltet die Zähne des Antriebsrings neu. Kleinere Kontaktflächen sollen den Nabenwiderstand weiter senken. Die Konstruktion schafft mehr Raum für das RingDrive 2.0 Schmiermittel, das zwischen die Ringe gelangt und sie vor Verschleiß schützen soll. Beide Antriebsringe – der 72T und der neue 36T – funktionieren mit allen ISO-, Classic- und Boost-Naben, die Chris King seit den 1990er-Jahren gebaut hat.
Das Syndicate-Team testete das System in der zweiten Saisonhälfte. Bedsaul berichtet: "Die größte Erkenntnis war, wie leise es war. Jackson und andere Fahrer auf diesem Level wollen ihr Rad auf der Strecke tatsächlich hören. Es gibt ihnen wichtiges Feedback." Die Fahrer konnten eigenem Feedback Reifen-Boden-Interaktion, Felgen- und Kettengeräusche, Federungsbewegungen und das Rad als Ganzes besser wahrnehmen.
Chris King empfiehlt weiterhin die Standard-72T-Naben für die meisten Fahrer. Selbst die Syndicate-Fahrer nutzen diese Naben, wenn häufiges Pedalieren nötig ist. Die 36-Zahn-Version richtet sich an Gravity-orientierte Einsätze. Die Antriebsringe lassen sich je nach Gelände mit geringem Aufwand tauschen.
Die Naben arbeiten mit Lagern, die sich laut Hersteller einfahren statt ausleiern. Alle Produkte sind auf Langlebigkeit und Wartbarkeit ausgelegt. Enge Toleranzen und Materialien sollen dauerhafte Leistung gewährleisten.
Eine Chris-King-Nabe die flüsterleise statt mit dem Sound eines wütenden Bienenschwarms über die Trails rollt? Eigentlich kaum vorstellbar. Neben der extrem haltbaren Technik war der unverwechselbare Klang immer eines der Hauptargumente für die edlen Naben aus Portland. Doch gerade auf anspruchsvollen Strecken, auf denen man auf das Feedback seines Bikes angewiesen ist, könnte die neue Freilaufoption Vorteile bieten. Stefan Frey - BIKE-Redakteur

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