Florentin Vesenbeckh
· 08.10.2026
Das Rennen um die perfekte Motor-Getriebeeinheit läuft spätestens seit der Eurobike 2026, wo die zwei großen asiatischen Hersteller Gobao und Avinox mit E-CVT-Systemen für Furore sorgten. Und jetzt meldet ein schottischer Hersteller Vollzug: Auf der Eurobike war die Intradrive GD8 bereits mehrfach zu sehen. Nun macht Intradrive den nächsten Schritt: Die Serienfertigung seiner Motor-Getriebe-Einheit läuft. Beim Roc d’Azur in Fréjus präsentieren Obscur und Alutech erste E-Mountainbikes mit dem Antrieb. Die ersten GD8-Einheiten sollen ab Dezember 2026 an Fahrradhersteller ausgeliefert werden. Damit dürfte es auch nicht mehr allzu lange dauern, bis die ersten Räder bei Endkunden ankommen.
Die GD8 vereint E-Motor und elektronisch geschaltetes Achtganggetriebe in einem geschlossenen Gehäuse. Schaltwerk, Kassette und Schaltauge entfallen, der Antrieb zum Hinterrad erfolgt wahlweise per Kette oder Riemen. Intradrive nennt 480 Prozent Übersetzungsbandbreite, 250 Watt Nennleistung, 700 Watt Spitzenleistung und 4,5 Kilogramm Gewicht für die Einheit. Gangwechsel sollen per Funkschalter auch unter Last und im Stand möglich sein und etwa 0,1 Sekunden dauern. Für das Getriebe sieht der Hersteller einen Ölwechsel alle 10.000 Kilometer vor. Wie schnell die GD8 im Fahrbetrieb tatsächlich schaltet und wie haltbar sie langfristig ist, müssen unabhängige Tests zeigen.
Interessant für Fahrradhersteller: Die GD8 nutzt laut Intradrive die Befestigungsschnittstelle des Shimano EP8. Bestehende Rahmenplattformen könnten sich dadurch mit vergleichsweise wenigen Anpassungen für den Getriebemotor nutzen lassen. Eine ohne Weiteres austauschbare Nachrüstlösung für fertige E-Bikes bleibt wohl dennoch die Ausnahme.
Die französische Marke Obscur stellt mit dem GD8 ihr erstes All-Mountain-E-MTB vor. Das Carbon-Bike bietet 150 Millimeter Federweg am Heck, 160 Millimeter an der Front, Laufräder in unterschiedlichen Größen und einen entnehmbaren 840-Wh-Akku. Vorgesehen sind die Ausstattungsvarianten Ride und Max; Preise sind bisher nicht bekannt. Alutech zeigt eine GD8-Version des ePelmo mit Aluminiumrahmen und Gates-Riemenantrieb. Dafür nennt der Hersteller einen Preis von 11.499 Euro.
Intradrive spricht von 70 fest bestellten Einheiten für den ersten Produktionslauf. Zwölf weitere Fahrradmarken prüfen den Antrieb demnach derzeit. Das ist endlich ein konkreter Schritt Richtung Markt, nachdem die Eurobike-Auftritte bisher nicht in echter Relevanz und Verfügbarkeit endeten. Große Stückzahlen oder eine breite Verfügbarkeit im Handel ist damit dennoch noch nicht abzusehen.
Mit dem Produktionsstart rückt Intradrive näher an die etablierte Pinion MGU heran. Die Pinion-Einheit bietet in der Version E1.12 zwölf Gänge und 600 Prozent Übersetzungsbandbreite, die GD8 acht Gänge und 480 Prozent. Für einen belastbaren Vergleich zählen jedoch nicht nur die Daten auf dem Papier, sondern auch Schaltverhalten, Geräusch, Wirkungsgrad und Zuverlässigkeit auf dem Trail. Ein erster Parkplatztest auf dem Messegelände bescheinigte der GD8 schonmal erstaunlich geschmeidige Schaltvorgänge und eine recht angenehme Geräuschkulisse.
Ebenfalls im Rennen um die perfekte Motor-Getriebeeinheit haben Gobao und Avinox E-CVT-Antriebe gezeigt. Deren stufenlose Konzepte befinden sich bislang noch im Vorserien- oder Prototypenstadium. Die GD8 setzt dagegen auf feste Gänge und eine laut Intradrive bereits angelaufene Serienfertigung. Ob daraus eine echte Alternative für E-Mountainbiker wird, entscheidet sich mit den ersten ausgelieferten Rädern und Praxistests.

Redakteur CvD
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