Giant SyncDrive Pro 4Leichter E-Bike-Motor mit 120 Nm und 850 Watt

Florentin Vesenbeckh

 · 02.10.2026

Das Grundgerüst stammt von Yamaha, doch Giant hat beim neuen Syncdrive Pro 4 nicht nur die Software, sondern auch das Gehäuse auf die eigenen Anforderungen angepasst.
Foto: Sterling Lorence
Richtig leicht und trotzdem absolut kraftvoll: Das verspricht Giant vom neuen E-Bike-Motor Syncdrive Pro 4. Mit 120 Newtonmetern und 850 Watt soll er zwar nicht so stark sein, wie aktuelle Avinox-Motoren, doch immerhin den Bosch Performance CX überflügeln. Beim Gewicht schlägt er beide Antriebe. Wir konnten den neuen Motor schon ausprobieren.

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Wie auch in den vergangenen Jahren geht Giant bei E-Bike-Motoren seinen eigenen Weg. Der neue Syncdrive Pro 4 und das Giant E+ System drumherum erreichen in seiner neuesten Ausbaustufe in vielerlei Hinsicht neue Bestwerte. Das beginnt schon beim Grundkonzept. Denn bisher war die Hardware der Syncdrive Antriebe identisch mit den Yamaha-Aggregaten. Beim Neuling ist nicht nur die Software angepasst, sondern auch das Motorgehäuse. So macht die individuelle Form die Kinematik der neuen E-Mountainbikes von Giant und der Schwestermarke Liv erst möglich. Mit dem Giant Trance Advanced E+ und dem Liv Intrigue Advanced E+ stehen gleich zwei Bikes mit dem neuen Motor parat.

Giant gibt für den SyncDrive Pro 4 ein maximales Drehmoment von 120 Nm, eine Spitzenleistung von 850 Watt und bis zu 500 Prozent Unterstützung an. Damit gehört das neue Aggregat nach den superstarken Power-Motoren von Avinox zu den absolut stärksten E-Bike-Motoren am Markt. Einen Bestwert legt der Motor in dieser Klasse beim Gewicht hin. Giant spricht von einem Motorengewicht von nur 2,4 Kilo. Ein Wert, den wir bisher nicht unabhängig überprüfen konnten. Das wären 200 Gramm weniger als ein Avinox M2S und 400 Gramm weniger als ein Bosch CX. Schon der Syncdrive Pro MG sorgte als Leichtgewicht seiner Klasse im BIKE Test für Schlagzeilen. Der Neuling ist nicht nur nochmal leichter, sondern vor allem auch deutlich stärker.

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Die Fakten zum Giant Syncdrive Pro 4

Giant SyncDrive Pro 4Herstellerangabe
Gewicht2,4 kg
Systemspannung48 V
Maximales Drehmoment120 Nm
Spitzenleistung850 W
Maximale Unterstützung500 %
Angegebene Reaktionszeit0,28 s

Eine Besonderheit der Giant-, bzw. Yamaha-Antriebe bleibt auch bei der Neuauflage bestehen. Der Pro 4 reagiert auf Pedaldruck, bevor sich die Kurbel bewegt. Der Hersteller spricht von Unterstützung ab null Umdrehungen pro Minute und einer Reaktionszeit von 0,28 Sekunden. Dieses direkte Einsetzen kennen wir schon von älteren Generationen und es hilft beim Anfahren im steilen Gelände enorm. In der App ist das Anfahr- und Einsetzverhalten individuell einstellbar. Schon im Auslieferungszustand sind die kraftvollen Modi sehr direkt, die unteren Stufen eher dezent ausgelegt. So kann auch das unruhige Zucken, wenn der Fuß das Pedal berührt, effektiv verhindert werden. Denn das kann im Alltag nerven.

Für lange Anstiege verspricht Giant außerdem eine kräftige Leistungsabgabe ohne Hitzeanfälligkeit. Dahinter stehen nach Herstellerangaben das 48-Volt-System, temperaturbeständigere interne Bauteile und eine thermische Steuerung über das Smart Gateway. Ob der Motor bei anhaltender Last und Hitze tatsächlich so standfest ist, muss ein unabhängiger Test zeigen.

Sensorik und Traction Control: So soll die Kraft auf den Trail kommen

Wie stark der SyncDrive Pro 4 unterstützt, hängt nicht nur von einer fest gewählten Stufe ab. Giants „Synchronized Power Matrix“ berücksichtigt nach Herstellerangaben sechs Größen: Drehmoment, Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Steigung, Leistung und Beschleunigung. Zur Auswahl stehen ganze vier Modi, das iist viel: Eco, Tour, Active, Sport, Power und Boost. Über die RideControl-App lassen sich unter anderem Unterstützung, Ansprechverhalten und Nachlauf anpassen; eigene Profile sind ebenfalls vorgesehen.

Auf losem Untergrund soll Traction Control Schlupf am Hinterrad erkennen und die Motorunterstützung entsprechend reduzieren, bevor sie wieder ansteigt. Dafür wertet das System laut Giant Geschwindigkeit, Steigung, Trittfrequenz und Drehmoment aus. Diese Funktion lässt sich in der App ein- und ausschalten - einheitlich über alle Modi hinweg. In der Praxis ist die Traktionskontrolle spürbar. In sehr schwierigen Anstiegen kann die verringerte Leistung bei Schlupf aber auch zum Problem werden, da die verringerte Unterstützung den Kletterfluss stört. Wir hätten uns daher gewünscht, dass man die Traction-Control-Einstellung für jede Stufe einzeln einstellen kann. Vielleicht bessert Giant diesbezüglich in der App nochmal nach.

EnergyPak 840 und optionaler Range Extender

Im neuen Trance Advanced E+ versorgt ein entnehmbarer EnergyPak Smart 840 den Motor. Giant nennt 840 Wh Kapazität, 3,7 Kilogramm Gewicht und eine Energiedichte von 375 Wh pro Liter. Ein sehr guter Wert, der auch ein richtig leichtes Komplettbike ermöglicht. Wer zusätzliche Kapazität braucht, kann den separat erhältlichen EnergyPak Plus 280 an den Flaschenhalteraufnahmen befestigen. Damit steigt die nominelle Gesamtkapazität auf 1120 Wh; der Zusatzakku wiegt laut Giant 1,5 Kilogramm.

Display und Bedienhebel des neuen E+ Systems

Zum SyncDrive-Pro-4-System gehört das RideControl Go Lux im Oberrohr. Dieses Farbdisplay zeigt unter anderem Akkustand, geschätzte Restreichweite, Geschwindigkeit und Trittfrequenz. In Verbindung mit den verbauten Reifendrucksensoren lassen sich auch die Drücke vorn und hinten ablesen. Ein Smart Gateway vernetzt Motor, Akku, Display und Bedienelemente. Updates des Systems sind über die RideControl-App möglich.

Am Lenker übernimmt die kabellose RideControl Ergo 5 die Steuerung. Ihre Tasten sind individuell belegbar und können bei passender Ausstattung auch Funktionen wie die elektronische Vario-Sattelstütze oder eine elektronische Schaltung bedienen.

Erster Fahreindruck

Kraftvoll fühlt er sich an, der neue Giant-Motor! Besonders der starke Schub bei niedrigen Trittfrequenzen fällt sofort auf, das spricht für ein hohes Drehmoment. Zwar kann der Motor offensichtlich mit der unfassbaren Power der Avinox-Motoren nicht mithalten. Doch im restlichen Marktumfeld sehen wir ihn nach den ersten Ausfahrten voll auf der Höhe.

Charakterstisch ist auch das direkte Einsetzen aus dem Stand. Giant spricht von “Zero Cadence” - und das spürt man auch. Mit entsprechender Einstellung zieht der Motor los, wenn man den Fuß nur aufs Pedal legt. Das ist besonders beim Anfahren in schwierigen Situationen sehr hilfreich.

Der Schub bleibt kultiviert und überfordert den Fahrer nicht. Mit dem einstellbaren Nachlauf kann man das Fahrgefühl und die Modulation auf die persönlichen Bedürfnisse noch feiner anpassen. Das gilt übrigens für sehr viele Parameter, die über die App für jede Unterstützungsstufe angepasst werden können. Während unseres ersten Tests war das allerdings noch nicht möglich. Im Werkssetup zeigte sich der Syncdrive Pro 4 kultiviert und gut kontrollierbar. Die letzte Raffinesse und Feinfühligkeit, um die Top-Motoren von Bosch und Avinox in dieser Kategorie zu überflügeln, fehlte für unseren Geschmack jedoch.

Ohne Schwächen?

Ernste Kritik können wir allerdings weder am Fahrverhalten oder der Kraftentfaltung, noch an der Power finden. Aus unserer Sicht der größte Schwachpunkt ist die Geräuschkulisse. Das Antriebsgeräusch ist etwas präsenter als bei den besten Playern am Markt. Auch in niedrigen Unterstützungsstufen ist das elektronische Surren immer deutlich wahrnehmbar. Das können Bosch und vor allem Avinox deutlich besser. Auch bergab ist der Syncdrive-Antrieb, genau wie sein Vorgänger und auch viele andere Antriebe, hörbar. Denn er klappert aus dem Getriebe. Zur Einordnung muss man sagen: Gänzlich klapperfrei sind in unseren Tests unter den Power-Motoren nur die aktuellen Bosch-Aggregate.

Der neue Drücker Ride Control Ergo 5 hat uns richtig gut gefallen. Die Tasten arbeiten sehr definiert und die Ergonomie ist exzellent. Die Kombination mit der hauseigenen Funk-Sattelstütze ist ein Alleinstellungsmerkmal, das für ein cleanes Cockpit sorgt und ergonomisch voll aufgeht.

Stärken und Schwächen

Stärken

  • Leicht und stark
  • kultivierte Abstimmung
  • absolut gelungenes Ecosystem mit leichten Akkus und smarten Details

Schwächen

  • Geräuschkulisse
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Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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