Für sportliche Mountainbiker ist der Maxon AIR S super interessant. Er ermöglicht leichte Bikes bei satter Motorleistung und hat kaum echte Schwächen. Der minimalistische Ansatz bei den Bedienelementen und fest verbaute, kleine Akkus dürften nicht jedem schmecken. Dennoch: Toller Einstand, der Lust auf mehr macht. – Adrian Kaether, BIKE-Testredakteur
Aktuell wird viel über Spitzenleistung geredet. Bis zu 1500 Watt und 150 Nm eines Avinox M2S beeindrucken. Fakt ist aber auch: Beim Gewicht setzt Avinox keine völlig neuen Maßstäbe. Der schweizerische Hersteller Maxon will genau hier anknüpfen. Und tatsächlich: So leicht und dabei so stark wie der Bikedrive AIR S war ein E-Bike-Motor noch nie: Mit 2004 Gramm spielt der Maxon in einer Liga mit dem HPR 60 von TQ (hier im Test), dem Bosch SX und dem Fazua Ride 60, hat aber so viel Bumms wie ein Motor der alten 85-Nm-Klasse. Und der Maxon ist nicht nur ein Papiertiger, wie unser Praxistest zeigt.
Die Firma, die hinter dem Air S steht, hat bereits E-Motoren vom Rasierer bis zum Mars Rover entwickelt. 2018 kam der erste E-MTB-Motor von Maxon, damals allerdings mit deutlich weniger Leistung und nervigem Klappern bergab.
Mit dem AIR S katapultierten sich die Schweizer in eine neue Liga. Wer ein kräftiges und richtig leichtes E-Bike bauen will, kommt um den Maxon kaum herum. Bislang steht nur ein leichter 400er Akku (1,8 kg) zur Auswahl. Eine 600er Batterie (2,8 kg) und ein Range Extender sollen aber schon an erste Bike-Hersteller ausgeliefert worden sein. Der Marktstart der neuen Teile ist für den Sommer 2026 versprochen. Geladen wird mit einem sehr kompakten 2-A- oder einem etwas schnelleren 6-A-Charger.
Die gute Nachricht: Auch jetzt schon kann der Maxon in der Praxis am Mountainbike voll überzeugen. Mit niedriger Trittfrequenz den Turbo zünden ist zwar nicht die Stärke des Maxon. Aber gerade wer sportlich tritt, schaltet eine für einen Light-Motor wirklich bemerkenswerte Leistung frei. 600 Watt nach Werksangabe wären auf Augenhöhe mit dem jahrelangen Standard von Bosch, Shimano, Brose und Co. – mehr als genug für die meisten Ausfahrten. Und auch wenn wir den Motor nicht auf den Prüfstand spannen konnten: Er fühlt sich definitiv deutlich kräftiger an als Fazua, Bosch SX, TQ und Co.
Die Leistung entfaltet sich beim Maxon erst bei viel Einsatz und damit sehr berechenbar. Über die App lässt sich der Charakter deutlich anpassen. Der Motor schiebt prinzipiell rund und gleichmäßig, und reagiert trotzdem sensibel auf Veränderungen beim Fahrer-Input. Beim Beschleunigen bei hohen Trittfrequenzen bricht der Maxon kaum ein. Praktisch vor Schlüsselstellen bergauf. Nur der fehlende Nachlauf wirkt noch etwas unrund. Insgesamt also gelungen, Bosch, Avinox oder TQ können in Sachen Fahrgefühl aber noch einen draufsetzen. Und Flüsterchampion TQ kann der Maxon auch nicht übertrumpfen. Das Fahrgeräusch des AIR S ist eher hochfrequent und durchaus präsent, wenn man Leistung abruft.
Probleme mit Hitze konnten wir dafür nicht provozieren. Das ist für einen so leichten und starken Motor alles andere als Selbstverständlich. Der Maxon zeigt sich aber vorbildlich. Unseren Standard-Anstieg von 400 Höhenmetern Vollgas bewältigt der AIR S ohne mehr als handwarm zu werden – eine technische Meisterleistung bei zwei Kilo und 600 Watt.
An unserem standardisierten Test-Anstieg im Chiemgau mit gut 400 Höhenmetern zeigen die Motoren Leistung und Charakter. Hinweis: Alle Testfahrten finden mit voller Motor-Unterstützung, 90 Kilo Fahrergewicht und 150 Watt Tretleistung bei 80 U/min statt.
Der Vollgas-Test zeigt: Der Maxon ist in seiner Gewichtsklasse sehr schnell unterwegs und schafft trotzdem über 1000 Höhenmeter auf einer Ladung des kleinen Akkus. Das Versprechen der hohen Motorleistung löst er also überzeugend ein, ohne mit hitzebedingtem Leistungsabfall zu kämpfen. Zum Vergleich dazu die Daten des TQ HPR 60 und Fazua Ride 60 mit gängigen Akkugrößen. Schwerere Full Power Motoren wie Bosch CX und erst Recht DJI legen bei der Leistung, ersichtlich an der gefahrenen Geschwindigkeit nochmal deutlich einen drauf und sammeln mit großen Akkus natürlich auch bei Vollgas deutlich mehr Höhenmeter ein.
Die Effizienz des Maxon kann sich also ebenfalls sehen lassen. Bei Vollgas sind über 1000 Höhenmeter mit 90-Kilo-Fahrer und dem 400er Akku in unserem Standard-Test ein guter Wert. Gerade wenn man den Motor nicht nur mit Vollgas fährt dürfte in der Praxis auch mehr drin sein.
Perfekt ist der Maxon nicht, aber die Wunschliste fällt kurz aus. Ein längerer Nachlauf für Uphills steht ganz oben auf der Prio-Liste, soll aber schon in Arbeit sein. Ebenso eine Schiebehilfe. Die minimalistische LED-Anzeige wird noch durch ein klassisches Oberrohr-Display mit Digitalanzeige und Touch-Funktion ergänzt. Wer auf dem E-Bike-Screen Navigation, Wheelie-Counter und Mini-Games sucht, dürfte dagegen auch längerfristig enttäuscht werden. Alle Bikes mit Maxon-Motor haben bislang einen fest verbauten Akku.
Klein und leicht ist der Maxon also, auch die B-Note überzeugt. Die größte Schwierigkeit ist aktuell die begrenzte Auswahl an Bikes. Marken wie Instinctiv oder C-duro sind absolute Exoten, Thömus und Transalpes zumindest in der Schweiz etwas stärker vertreten. Bleibt abzuwarten, ob der kleine Kraftprotz in Zukunft vielleicht auch noch ein paar mehr Hersteller überzeugen kann. Leistungsgewicht und Fahrperformance würden das sicher hergeben.

Redakteur
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