Kaum ein Thema spaltet die MTB-Community so zuverlässig wie die Wahl der Bremsflüssigkeit. DOT oder Mineralöl? Beide Systeme funktionieren – beide haben klare Stärken und Schwächen. Die wichtigste Regel vorab: Niemals mischen. Was danach kommt, ist eine Frage der Prioritäten.
Klar, beide Bremsflüssigkeiten haben Pro- und Contra-Argumente auf ihrer Seite. Ich finde aber: Bei DOT überwiegen die Nachteile deutlich. Allein die Tatsache, dass die Flüssigkeit ätzt und gesundheitsschädlich ist, ist für mich ein Ausschlusskriterium. – Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
Beide Flüssigkeiten übertragen die Kraft, die am Bremshebel anliegt, auf die Kolben im Bremssattel. Beide sind inkompressibel – das ist die Grundvoraussetzung für einen stabilen Druckpunkt. Der entscheidende Unterschied liegt im Umgang mit Wärme und Feuchtigkeit.
DOT steht für das amerikanische Department of Transportation und bezeichnet eine Klasse von Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis. Im MTB-Einsatz kommen DOT 4 und DOT 5.1 zum Einsatz – mit Siedepunkten von 230 °C (DOT 4) und 260 °C (DOT 5.1). Das sind klare Vorteile gegenüber Mineralöl, das bei etwa 190 °C siedet.
Der Nachteil: DOT ist hygroskopisch – es zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft. Wasser, das ins System gelangt, senkt den Siedepunkt und verschlechtert dadurch die Bremsleistung, sobald viel Hitze im System ist. Außerdem ist DOT, gemischt mit Wasser, kein homogenes Medium mehr. Schon kleine Inhomogenitäten reagieren unter Druck minimal elastischer als reine DOT-Flüssigkeit. Ergo: schwammiger Druckpunkt. Für die Praxis heißt das: DOT sollte alle ein bis zwei Jahre gewechselt werden, da sich sonst auf Dauer die Bremseigenschaften verschlechtern. Außerdem wirkt DOT ätzend auf Lackflächen und Haut. Wer mit DOT arbeitet, sollte also Handschuhe tragen.
Mineralöl ist nicht hygroskopisch – es bindet kein Wasser. Das hat zwei praktische Vorteile: Das Öl altert kaum und muss deutlich seltener gewechselt werden. Eine angebrochene Flasche Shimano-Mineralöl hält jahrelang. Außerdem ist Mineralöl nicht giftig und greift weder Lack noch Haut an.
Der Nachteil liegt im Siedepunkt: Mit rund 190 °C liegt Mineralöl unter dem Niveau von DOT 4 oder 5.1. In der Praxis ist das für die meisten Fahrer irrelevant – Bremsflüssigkeit kocht im normalen Trail-Einsatz praktisch nie.
DOT und Mineralöl dürfen unter keinen Umständen gemischt werden. Die Dichtungen in Bremshebeln und Bremssätteln sind jeweils nur für eines der beiden Medien ausgelegt – die falsche Flüssigkeit zerstört die Gummidichtungen. Das geschieht meist schleichend. Ist die Bremse aber einmal undicht, kann die Bremswirkung schlagartig einbrechen. Bei einem derart sicherheitsrelevanten Bauteil kann das fatale Folgen haben. Auch bei Mineralölen verschiedener Hersteller ist Vorsicht geboten, da sie verschiedene Additive enthalten können. Im Zweifel immer prüfen, ob das verwendete Bremsmedium für die jeweilige Bremse freigegeben ist.

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