Florentin Vesenbeckh
· 20.03.2026
Richtig sicher und fahrstark, trotzdem spaßig und verspielt: Auf harten Trails und in Bikeparks kann das YT Decoy MX Core 4 glänzen. Wenn Stunts, Sprünge und raue Enduro-Pisten auf der Tagesordnung stehen, gehört dieses E-Enduro zu den besten am Markt. Weniger in seinem Element ist der Bolide auf zahmen, flachen Trails und in kniffeligen Uphills. Der fest verbaute Akku raubt Flexibilität.
| Eigenschaft | Note |
|---|---|
| Fahrverhalten | 2,2 |
| Labor | 1,6 |
| Ausstattung | 2,2 |
| Motor | 1,4 |
| Endnote | 2,0 |
Die Gesamtbewertung des Bikes findest du hier
| Preis | 8.999,00 € |
| Federweg | 180 mm |
| Laufradgröße | 29"/ 27,5" |
| Gewicht | 23.39 kg |
| Motor | Bosch Performance CX Gen 5 |
| Akku | Bosch Power Tube 800 |
| Gabel | Fox 38 Float Factory E-Bike |
| Dämpfer | Fox Float X2 Factory |
| Schaltung | SRAM X0 Eagle Transmission AXS |
| Bremse vorne | SRAM Maven Silver |
Kurz nach der Veröffentlichung schien es um das neue Decoy schon geschehen. Denn YT Industries war finanziell in Schieflage geraten und musste Insolvenz anmelden. Doch nach dem Neustart des deutschen Versenders ist klar: Das Decoy mit Bosch-Motor wird es weiter geben. Und es ist einer der heißesten Kandidaten, wenn es um abfahrtsstarke E-Bikes geht. Schon das Ur-Decoy begeisterte mit Traum-Handling und super Fahrwerk. Doch Enduro-Fans mussten sich lange gedulden, bis das Decoy ein echtes Update bekam.
Bei der Neuauflage hat sich dafür richtig viel getan. Der bewährte Bosch Performance CX sorgt für Vortrieb, dazu sitzt der große 800er-Akku fest verbaut im Unterrohr. So gibt’s massig Reichweite, aber keine Möglichkeit für einen schnellen Akku-Wechsel oder das externe Laden der Batterie. Achtung: Der Range Extender von Bosch passt konstruktionsbedingt nicht ins Rahmendreieck. Bei der Entwicklung hatte die Kinematik höchste Priorität. Das kennen wir schon von den vorigen Decoy-Generationen, bei denen der Platz für die Trinkflasche auch schon minimalistisch ausgefallen ist.
Beibehalten hat YT seine Preisgestaltung. Mit 9000 Euro ist das Bike richtig teuer. Doch immerhin gibt es dafür schon die allerfeinste Ausstattung. Ein Blick auf andere Marken zeigt, dass das zu diesem Preis nicht selbstverständlich ist. Das getestete Topmodell Decoy Core 4 hat neben dem Fox-Factory-Fahrwerk auch Carbon-Laufräder und einen Carbon-Lenker an Bord. Das Einstiegsmodell mit Marzocchi-Fahrwerk kostet 5999 Euro.
Mit Federweg haben die Entwickler nicht gegeizt. 180/170 Millimeter rüsten den Boliden für härteste Geländemissionen. Ist das Decoy Core 4 MX noch Enduro, oder schon Freeride? Den üppigen Federweg dieses E-Bikes spürt man im Gelände sofort. Schon kleine Unebenheiten und Wurzeln saugen Dämpfer und Gabel willig in sich auf. Unweigerlich macht sich Selbstvertrauen in der Brust breit. Gebt mir mehr, scheint das Bike zu fordern. Mehr Steine, mehr Stufen, mehr Speed. Als echter Ego-Booster scheint das Decoy schweren Trails und haarigen Abfahrten den Schrecken zu nehmen. Dazu trägt auch die tief integrierte Fahrposition bei. Hinter der hohen Front fühlt man sich sicher. Egal ob Steinfeld, hoher Drop oder Highspeed - das YT Decoy bleibt gelassen.
Die Kehrseite der Medaille: Wenn das Gelände nur wenig zu bieten hat, also auf flachen oder zahmen Trails, fühlt sich das Decoy schnell unterfordert. Das satte Fahrwerk, der üppige Hub und die hohe Front animieren nicht gerade zu Sprinteinlagen und ultimativ leichtfüßig fühlt sich das Bike nicht an. Doch keine Sorge. Das Decoy ist keines dieser E-Enduros, dass nur geradeausfahren und ausschließlich mit beiden Reifen am Boden bewegt werden will. Sobald die Schwerkraft dem Boliden Schwung gibt und kleine Hindernisse zum Spielen einladen, kurvt es willig auf dem Hinterrad aus dem Anlieger oder geht an der Wurzelkante in die Luft. Das ist durchaus Freeride-Charakter! Auch Jumplines im Bikepark oder große Drops meistert das neue Decoy mit Bravour.
Und was ist mit Big Mountain-Abenteuern? Mit dem großen Tank dürfen Touren auch mal länger ausfallen, klar. Die eher klassische Sitzposition spricht hier auch nicht dagegen. Ein echter Kletterkünstler ist das YT-E-Bike aber nicht. Auch wenn der Bosch-Motor genügend Power und eine top Modulation bietet. Trotz nominell sehr steilem Sitzwinkel muss das Bike an Stufen und steilen Rampen aktiv im Zaum gehalten werden. Das Fahrwerk ist zwar sehr traktionsstark, steht aber nicht so hoch im Federweg, wie es für eine ideale Kletter-Performance nötig wäre.

Redakteur CvD