E-Bikes von Santa Cruz, Giant und YT im TestWer baut das beste E-Enduro?

Florentin Vesenbeckh

 · 22.03.2026

Santa Cruz Bullit GX AXS // Bosch CX // 600 Wh // 170 mm // 29/27,5 Zoll // 22,2 kg // 9799 Euro
Foto: Max Fuchs

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​Wenn Trail-Spaß an erster Stelle steht und Tiefenmeter höchste Priorität haben, sind E-Enduros die logische Wahl. Perfekt in dieses Suchprofil passen die drei Kandidaten in unserem Test – bei Giant, Santa Cruz und YT Industries stehen die Zeichen voll auf Handling und Schluckvermögen. Wir haben die angesagtesten Enduro-E-Bikes der Saison getestet.

​Was die KI im Arbeitsalltag bewirken soll, schaffen E-MTBs auf der Enduro-Ausfahrt: Sie erlauben volle Konzentration auf das Wesentliche. Anstatt Zeit und Mühe für zähe Anstiege aufbringen zu müssen, lässt man sich vom E-Enduro entspannt zum nächsten Trail-Einstieg shutteln. Für ordentlich Fahrspaß darf das E-Bike nicht zu schwer ausfallen, es sollte zugleich auch harte Einschläge wegstecken und mit intuitivem Handling überzeugen. Die neuesten E-Enduros von Giant, Santa Cruz und YT Industries sind genau darauf ausgelegt. Alltagsnutzen und Komfort wurden bewusst hinten angestellt. Hier warten keine plumpen SUVs, sondern echte Sport- und Spaßgeräte.

Weniger Gewicht, mehr Spaß

Um das Gewicht im Zaum zu halten, setzen alle drei Kandidaten beim Akku an. Die Bosch-Bikes von Santa Cruz und YT verbauen die Batterie fest im Unterrohr, Santa Cruz zudem nur die 600er-Bosch-Batterie – eine effektive Gewichtseinsparung. Giant begnügt sich mit einem kleinen und leichten Akku, der dafür schnell entnehmbar ist. Das Ergebnis: Santa Cruz' Bullit verlässt den Check an der Waage als klarer Sieger. 22,2 Kilo – trotz robuster Komponenten und noch ordentlich Optimierungspotenzial, z.B. an den Laufrädern. Aber die Akkukapazität ist mit 600 Wattstunden überschaubar, und der Preis des Bullit ist happig. Mit 9799 Euro ist es der teuerste Kandidat, obwohl die Ausstattung noch ohne Kashima-Glanz und Carbon-Parts auskommen muss. Mehr Glamour und auch Reichweite gibt's beim YT Decoy mit dickem Powertube 800. Gut ein Kilo mehr steht hier auf dem Zettel. Bei der Ausstattung geht das Decoy Core 4 allerdings schon in die Vollen und kommt mit Highend-Parts inklusive superleichter Carbon-Laufrädern. Für 9000 Euro gibt's hier nur Edel-Parts, typisch Versender. Giant bleibt mit dem Reign Advanced E+ 1 für 7999 Euro preislich unter den beiden Konkurrenten. Die Ausstattung ist voll auf Vernunft gebürstet: Top Funktionalität, aber kein Firlefanz. Gewichtstechnisch liegt es mit 23,3 Kilo auf YT-Niveau.

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Gewichte im Labor-Check

​Mit kleinem, fest verbautem Akku ist das Santa Cruz Bullit das deutlich leichteste E-Enduro im Vergleich. Gut 22 Kilo sind ein starker Wert, denn die Ausstattung ist solide. Bei den Laufrädern lassen die Kalifornier noch Luft nach oben, Tuningpotenzial! Löblich ist auch die hohe Gewichtsfreigabe von Giant und Santa Cruz. Beide Bikemarken geben obendrein lebenslange Garantie. Das Giant Reign hat als einziges Bike einen entnehmbaren Akku, das drückt auf die Waage.

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Gewichte aus dem BIKE Testlabor. Das max. Systemgewicht bezieht sich auf die Herstellerfreigabe.Foto: BIKE MagazinGewichte aus dem BIKE Testlabor. Das max. Systemgewicht bezieht sich auf die Herstellerfreigabe.

Motoren und Akkus der E-Enduros

​Santa Cruz und YT Industries haben den Bosch Performance CX verbaut. Der Klassiker ist zurecht sehr beliebt. Mit dem letzten Update ist der Performance CX besser denn je. Zwar kann er weder bei Gewicht, noch bei der Power absolute Bestwerte erzielen, doch seine Modulation und die smarte Unterstützung suchen ihresgleichen. Auch bei der Reichweite macht dem Motor keiner etwas vor. Das Dispaly Kiox 400 C ist schick integriert, gut ablesbar und liefert viele Informationen. Enduro-Biker werden obendrein schätzen, dass der CX als einer der ganz wenigen E-Bike-Motoren auf dem Trail absolut klapperfrei bleibt.

Giant setzt traditionell auf eigene E-Motoren, die auf Hardware von Yamaha basieren und mit eigener Software, Akkus und Bedienelementen aufgepeppt werden. Der Syncdrive Pro 3 ist etwas leichter als der Bosch Performance CX und kann im direkten Vergleich powerseitig trotzdem mithalten. Doch er hat etwas weniger Drehmoment. Die Modulation ist gut und das Fahrgefühl dynamisch. In schwierigen Uphills kann der knappe Nachlauf einschränken. Leider klappert der Syncdrive-Motor beim Rollen auf dem Trail recht deutlich.

Wieviel Akku muss es sein?

​Giant hat sein E-Enduro als einziger Kandidat mit leicht herausnehmbarem Akku konstruiert. Die Batterie fällt mit 560 Wh klein und leicht aus. Das bedeutet die geringste Reichweite im Vergleich. Optional kann die Reichweite über einen Rangeextender im Rahmedreieck erweitert werden. Insgesamt ein flexibles System.

Santa Cruz setzt bei der Batterie auf Leichtbau. Man muss sich mit dem 600er-Powertube von Bosch begnügen, der deutlich mehr Reichweite bietet, als das Giant System. Die Batterie sitzt allerdings fest verbaut im Unterrohr. Wechseln auf Tour oder das Laden außerhalb des Bikes: Fehlanzeige. Mit dem optionalen 250er-Rangeextender von Bosch verschafft man sich Flexibilität.

Mit großem 800er-Akku ist das YT Decoy auch für lange Touren gerüstet und klar der Reichweitensieger in diesem Trio. Doch die Batterie ist fest im Bike verbaut. Der Rangeextender von Bosch passt durch den tiefliegenden Dämpfer nicht ins Bike. Somit bleibt auf Tour nur das Ladegerät zum Nachtanken – ohne Schnellladefunktion. Ausdauernd, aber wenig flexibel.

Können E-Bikes überhaupt Enduro?

Im Gelände nehmen es alle drei Kontrahenten auch mit fiesesten Abfahrten auf. Üppig Federweg, eine ausgereifte Geometrie und gute Fahrwerksabstimmung – das ist gelungen. Im Charakter sind die Unterschiede allerdings riesengroß. Passend zum Gewicht bleibt das Bullit der handlichste und spaßigste Kandidat. Auf flachen Trails fährt es sich noch lebhaft und agil, so macht es auch fernab von Bikepark-Tracks oder verblockten Trails richtig Laune. Ein top Enduro-Allrounder.

Auch das Decoy legt explizit Wert auf Fahrspaß. Mit seinem satten Fahrwerk und der hohen Front schreit es aber deutlich mehr nach steilen Abfahrten und heftigen Missionen. Hier überzeugt es in Freeride-Manier mit einem guten Mix aus Nehmerqualitäten und quirligem Handling. Abstriche muss man auf flachen Trails machen, wo etwas Spritzigkeit fehlt. Und in schwierigen Uphills verliert das Decoy als erstes die Kontrolle. Ähnlich wie beim Bullit gilt: Der Anstieg ist eher Mittel zum Zweck, als echte Spielwiese.

Beim Giant Reign ist das anders. Extrem kontrolliert und traktionsstark erklettert dieses E-Enduro auch Steilrampen und Uphill-Schlüsselstellen. Neben der zentralen Sitzposition zeichnet sich dafür das Fahrwerk verantwortlich. An Steilstufen hält es den Piloten aktiv und weit vorne im Bike. Auch bergab ist das Reign eher zielstrebiger Musterschüler als Party-Animal. Es bleibt lieber mit beiden Rädern am Boden und nimmt die Ideallinie, statt lässig übers Wurzelfeld zu jibben – im Dreier-Vergleich fühlt es sich am trägsten an. Das definierte Fahrwerk erzeugt viel Traktion, erfordert in sehr ruppigen Sektionen und Abfahrten aber mehr Power vom Piloten. Auch wenn die Eckdaten erstmal ähnlich klingen, unterscheiden sich die Einsatzbereiche, Stärken und Schwächen der drei Highend-Boliden also deutlich.

​Fazit der BIKE-Redaktion

Ganz ohne Kompromisse kommt keines der drei Testbikes aus. YT stellt einen richtig potenten Freerider, Giant einen fahrstarken Allrounder. Das Bullit von Santa Cruz ist am konsequentesten auf Fahrspaß ausgelegt und schafft den besten Kompromiss aus Nehmerqualitäten und Agilität. Testsieg für diesen Enduro-Allrounder! Nachteil ist der kleine, fest verbaute Akku. - Florentin Vesenbeckh, stv. Chefredakteur

​​Die ausführlichen Tests der drei E-Enduros gibt’s direkt hier:

Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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